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Autor Thema: Helmut Krausser - Eros  (Gelesen 78 mal)

mondy

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Helmut Krausser - Eros
« am: 30. Juni 2011, 00:10:44 »



Klappentext
Alexander von Brücken, einer der reichsten Männer der Republik, hat nicht mehr lange zu leben. Er bestellt sich einen Schriftsteller in sein schlossähnliches Anwesen, der aus seinem Leben einen Roman machen soll. Dieses Leben ist von einer einzigen, bedingungslosen Obsession geprägt: der Liebe zu Sofie. Als Sofie Alexander abweist, benutzt der sein ganzes Geld und seine ganze Macht, um Sofies Leben zu beobachten, zu begleiten - und zu manipulieren.

Der erste Satz
Ohne viel zu wissen, außer dem wenigen, was es hier und da zu lesen gab, und ohne ihn je gesehen zu haben, außer auf schon angegilbten Fotografien, war er mir widerlich.

Meine Meinung
Ohne jetzt genau sagen zu können, warum: das Buch hat mich fasziniert. Ich hatte entweder eine schnulzige Sehnsuchts-Liebesgeschichte oder poetisches Geschwafel über Liebe und Macht erwartet, aber nichts von beidem trifft zu. Erstaunlich direkt und in klarer Sprache erzählt Krausser hier die Lebensgeschichte eines Mannes, der süchtig ist nach der Anerkennung und Liebe einer Frau, die er gar nicht wirklich kennt.

Erzählt wird die Geschichte natürlich hauptsächlich aus der Sicht Alexander von Brückens, der einem Schriftsteller (ohne Namen) von seiner Obsession erzählt. Doch auch der Schriftsteller selbst kommt zu Wort und beschreibt uns seine Eindrücke von dem alten, sterbenskranken Mann. Und auch Sofies Sichtweise wird nicht ausgespart, allerdings kann sie immer nur über den unbekannten Schriftsteller zu Wort kommen. Letztendlich weiß man als Leser also nie, was wirklich passiert ist, weil man ja alles nur aus zweiter Hand erfährt. Zurück bleibt eine gewisse Unsicherheit, die sich nie legt ... aber genau das regt zum Grübeln an.

Natürlich wird nicht nur über Alexanders Liebe berichtet, sondern auch von den Zeitumständen. Während des 2. Weltkrieges beginnt die Geschichte und bewegt sich über mehrere Etappen bis in unsere heutige Zeit. Alexander selbst lebt nach dem Krieg eher zurückgezogen, aber über Sofie erlebt der Leser so einiges mit: die Studentenunruhen, das Abtauchen in den Untergrund, linksextremen Terrorimus und die Auseinandersetzung mit dem Osten. Normalerweise ist das nicht unbedingt mein bevorzugtes Thema, aber Krausser schafft es, durch das Beschreiben eines Einzelschicksals Emotionen und Mitgefühl aufzubauen. Ich fands auf jeden Fall spannend und interessant.

Alexanders Macht und Einfluss nehmen manchmal schon sehr abstruse Züge an. Vieles davon finde ich plausibel, manches finde ich (wahrscheinlich ungewollt) witzig und manches scheint mir etwas übertrieben. Allerdings muss man sich auch immer bewusst sein, dass es sich um die Erzählung Alexanders handelt ... was der Wahrheit entspricht und was nicht, wer weiß das schon?

Fazit: Tolles Buch und bestimmt nicht mein letztes von Helmut Krausser. 
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