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Autor Thema: Meir Shalev - Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger  (Gelesen 109 mal)

Saltanah

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Kurzbeschreibung:
Die wahre und unglaubliche, aberwitzige und traurige Geschichte von Meir Shalevs Großmutter Tonia und dem Staubsauger, den ihr Schwager ihr aus Amerika geschickt hat. Aufgezeichnet von ihrem schelmischen, liebenden, staunenden Enkel.

Dieses Buch könnte zwar auch bei "Autobiographien, Erinnerungen..." seinen Platz finden, denn Shalev erzählt hier einen Teil seiner Familiengeschichte, aber irgendwie bin ich der Meinung, das Buch sei besser im belletristischen Teil aufgehoben, denn wenn Shalev auch immer wieder betont, nur die Wahrheit zu erzählen, sagt er auch "Gibt es von einer Geschichte mehrere Versionen, wählt man bei uns in der Familie die schönste." Und natürlich gibt es in seiner erzählbegeisterten Familie von allen Ereignissen eine größere Zahl mehr oder weniger verschiedene Darstellungen. Das bereitet der Wahrhaftigkeit der Schilderungen keinen Abbruch. Denn von Anfang an macht Shalev deutlich, dass eine gute Geschichte zurechtgeschliffen werden muss, dass man hinzufügen und wegnehmen muss, um den besten Effekt zu erreichen. Sie wird dadurch nur noch wahrer, auch wenn in der Folge zu fliegenden Eseln erzählt wird, und sich nur darüber gestritten wird, ob der Esel denn zum Buckingham Palace oder zum russischen Zarenhof geflogen sei. Den Zaren gab es damals schon nicht mehr? Egal - der Esel ist trotzdem dahin geflogen, wenn die Erzählgesetze es erfordern!

So erzählt Shalev also von seinen aus der Ukraine zu Zeiten des Britischen Protektorats nach Palästina ausgewanderten Großeltern, deren Kindern und auch von sich selbst, denn selbstverständlich ist auch er Teil der Familiengeschichte. Im Zentrum aber steht seine Großmutter Tonia, die einen erbitterten Kampf gegen Staub und Schlamm der Jesreelebene führte und damit sich selbst und ihrer Familie das Leben schwer machte. In ihrem Haus musste alles blitzeblank sein, weswegen sie nicht nur tägliches energischstes Schrubben aller Oberflächen anordnete, sondern auch zwecks Schutz vor neuerlichen Verschmutzungen den Gebrauch des Hauses weitestgehend einschränkte. Eine Hausführung könnte etwa so ausgesehen haben (Zitat aus dem Gedächtnis): Das ist die Tür, die niemand benutzt, das ist das Schlafzimmer, in dem niemand schläft, das ist die Küche, in der niemand kocht, und das ist das Badezimmer, in dem der Sweeper wohnt."
Der Sweeper? Das ist der Staubsauger, der beste, größte, modernste Staubsauger, den es in ganz Amerika gibt, und den ihr Schwager - dieser Verräter, der nicht ins gelobte Land, sondern in die Hochburg der Kapitalisten ausgewandert war! - ihr als Teil eines perfide ausgeklügelten Racheplans schickt. Wie dieser Plan aussah und ob er glückte, müsst ihr selbst lesen, ebenso wie ihr selbst lesen müsst, was es mit dem mich für den Rest meines Lebens zum Kichern bringenden Satz "Man sagt, sie macht auch Maniküre" auf sich hat.

Shalev erzählt diese Familiengeschichte also mit überbordender Erzählfreude und viel Phantasie, aber immer ist hinter den Geschichten mit allen ihren Übertreibungen die rauhe Wirklichkeit zu erkennen, die durch ihre Verwandlung in Geschichten erträglicher - leichter zu tragen - wird, denn die Wirklichkeit der Zwanziger, Dreißiger und Vierziger Jahre in Palästina war alles andere als idyllisch. Und da die Mitmenschen in Form von Familienmitgliedern und Nachbarn so sind, wie Menschen überall (und besonders auf dem Land) nun mal sind, bietet das Leben genug Grund zum Heulen und Zähneknirschen. Beißt man die Zähne aber zusammen und kämpft aus allen Kräften, so ergeben sich nicht nur einzelne Anlässe zur Freude und Erfolgserlebnisse sondern vor allem auch gute Geschichten, und die erfahren wir in diesem Buch.

4ratten
« Letzte Änderung: 02. Juli 2011, 15:51:15 von Saltanah »
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