
Mondscheinmärchen - 12 Geschichten für Träumer und Nachtleser, mit Illustrationen von Rotraut Susanne BernerInhalt:Viele Dichter haben versucht, von ihrem Schreibtisch aus nach dem Mond zu greifen, und dabei sind Geschichten entstanden, in denen sich die abenteuerlichsten, märchenhaftesten und menschlichsten Dinge zutragen...
Meine Meinung:Ein nettes kleines Büchlein mit wunderbaren Illustrationen, absolut geschenktauglich und mit einem schönen großen Schriftbild ausgestattet - das mich zu einer kleinen Mondreise verlockte und ich kann sagen, dass es insgesamt sehr lesenswert ist. In dieser Anthologie sind sehr unterschiedliche Autoren und Schreibstile vereint, auch die Art und Weise, wie man sich dem Thema Mond nähert, ist zum Teil grundverschieden und daher sehr kontrastreich. Wie immer bei eine Anthologie gibt es auch hier Geschichten, die mir besser gefallen und solche, mit denen ich nichts anfangen konnte. Aber insgesamt gesehen ist das Ergebnis schon sehr ansprechend. Nun zu den einzelnen Geschichten:
James Thurber - Ein Mond für Prinzessin LeonoreZum Start gibts ein echtes Märchen, mit vielen Märchenelementen und toller Atmosphäre. Da möchte man glatt Prinzessin sein...
Ludwig Harig - Wie der Mond sich verheiraten wollteIst der Mond eigentlich weiblich oder männlich? Das sollte man als Mond eigentlich wissen, sonst wirds schwierig bei der Partnersuche. Ein etwas schnoddriger Stil und insgesamt eher belanglos.
Michael Krüger - Moon-EnterprisesHuch, hier wirds richtig böse; eine eher satirisch gemeinte Geschichte um einen Mondfanatiker, der seine ganze Familie in Sachen Mond versklavt. Unerwartet an dieser Stelle, aber richtig gut.
Hanna Johansen - Der Mann im MondDiese Geschichte hat einer eher traurigen, melancholischen Beiklang, und mit dem Ende bin ich überhaupt nicht klargekommen. Aber irgendwie trotzdem schön zu lesen.
Anne Green - Der Emir MidonZiemlich abstrus, die Begegnung zwischen dem Emir Midon und der Mondgöttin - ne, nicht wirklich mein Geschmack.
Theodor Storm - Der kleine HäwelmannDas beste Bespiel dafür, dass eine Geschichte abstrus und trotzdem gut sein kann. Der kleine Häwelmann, der sich in seinem Rollenbett selbstständig macht und begleitet vom Mond durch die Nacht zieht, hat mir richtig gut gefallen. Und ein Theodor Storm ist auch um einen ordentlichen Schluß nicht verlegen.
Gerhard Köpf - Das Märchen von der Mond-PostWie stellt man einen Brief zu, der "An den Mond" adressiert ist? Ich bekam fast schon Mitleid mit dem armen Briefträger, der an dieser Aufgabe fast zu scheitern droht. Sehr amüsant, ohne lächerlich zu wirken.
Milorad Pavic - Die unsichtbare Seite des MondesOk, auch so was musste unweigerlich kommen - hier verkünstelt sich ein Literaturwissenschaftler an einem so schönen und einfachen Thema zu Tode. Abgehoben und völlig am Thema vorbei, Herr Professor! Offenbar nur für die Studenten gemacht...
Janina David - Der Mond war nicht schuld daranSollte wohl sowas wie eine Liebesgeschichte werden, aber leider auch eine der schlechteren Geschichten, langweilig und sinnfrei. Nicht mal das nächtliche mondbeschienene Samarkand konnte mich faszinieren...
Eva Demski - Die Nacht, in der der Mond traurig warWarum ist er denn traurig, der Mond? Weil die Menschen nachts lieber in ihren Computer schauen als auf sein Licht? Da muss doch etwas unternommen werden, und Cassiopeia kommentiert kühl und distanziert das Geschehen. Das hat was, und deswegen bekommt diese Geschichte einen dicken Pluspunkt verpasst.
Italo Calvino - Mond und GnacDas ist mal wieder eine Kurzgeschichte, die wirklich vom ersten bis zum letzten Satz funktioniert. Sehr schön eingefädelt und einer gelungenen Pointe, für mich einer der Höhepunkte der Anthologie. Es geht übrigens um Cognac-Werbung...
Franco Ferrucci - Luna bella e tristeSehr surreal und faszinierend, Gedanken und Träume eines Mannes im nächtlichen New York, und der Mond zieht dazu seine Bahn. Sehr gelungen!
Mein Gesamtfazit:

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