  | | Autor: Géza Gárdonyi Titel: Sterne von Eger Originaltitel, Jahr: Egri csillagok, 1900 Übersetzung aus dem Ungarischen: Mirza von Schüching Verlag: Bastei Lübbe ISBN: 3-404-14216-0 Ausgabe: Broschiert Seiten: 752
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Inhalt: 1533 werden Évi, die kleine Tochter des Adligen Cecey, und Gergely Bornemissza, Sohn einer Bediensteten, kurzzeitig von einem Türken entführt. Gergely findet im Anschluß an dieses Erlebnis in dem Offizier István Dobó einen wohlwollenden Unterstützer und wächst fürderhin als Ziehsohn bei Bálint Török auf, wo er eine gute Ausbildung erhält. Im Leben der beiden Kinder kehrt damit zunächst Ruhe ein. Den Fall der Festung Buda acht Jahre später erleben beide zwar mit, aber viel wichtiger ist ihnen, daß Évis Vater inzwischen der Ansicht ist, seine Tochter habe einen „besseren“ Ehemann als Gergely verdient, so daß die jungen Leute mit Unterstützung einiger Freunde zur Selbsthilfe greifen. Außerdem macht sich die Gruppe, der auch Bálints Söhne angehören, auf den Weg nach Konstantinopel, um Bálint aus osmanischer Gefangenschaft zu befreien – wenn auch vergeblich. Wieder bricht eine Zeit relativer Ruhe an, bis 1552 die Türken erneut siegreich durchs Land ziehen. Gergely macht sich auf, um bei der Verteidigung von Burg Eger zu helfen. Die Verteidiger sind zwar gut vorbereitet, aber die Übermacht des osmanischen Heeres scheint erdrückend.
Meine Meinung: Ungefähr die Hälfte des Romans nimmt die Erzählung um diese Belagerung und die damit einhergehenden militärischen Operationen ein. Und obwohl ich durchaus nichts gegen derartige Beschreibungen und viel Schlachtengetümmel habe, war selbst mir das Ganze dann doch etwas zu ausführlich. Ich hatte am Ende das Gefühl, so ziemlich jeden Stein der Burgmauer persönlich zu kennen. Auch wenn ich gerne glaube, daß dieses Ereignis in der ungarischen Geschichte eine herausragende Rolle spielt, so wäre weniger doch etwas mehr gewesen. Immerhin dürfte aber die Darstellung des grundsätzlichen Ablaufs der Belagerung korrekt sein, ob das auch für alle geschilderten Verteidigungsmaßnahmen im Detail gilt, sei dahingestellt. Die Vorgeschichte(n) sind vor allem deshalb wichtig, weil hier weitere Personen auf ungarischer wie osmanischer Seite eingeführt werden, die während dieser Belagerung als Handelnde benötigt werden und deren Aktionen und Reaktionen sonst nicht verständlich wären. Die Querbezüge zwischen einzelnen Personen, von denen die wichtigsten auf ungarischer Seite durchaus historisch belegt sind, bieten aber wohl vor allem Gelegenheit zu einigen farbigen Abenteuern, die Gárdonyis Erfindung entstammen.
Wenig überraschend, wenngleich es mich trotzdem etwas augenrollend zurückgelassen hat, war die doch extreme Schwarz-Weiß-Zeichnung. Auf osmanischer Seite gibt es eigentlich keinen einzigen positiv belegten Charakter (vielleicht mal einen in einer winzigen Nebenrolle), und auch die Österreicher, die hier immer als Deutsche bezeichnet werden, kommen nicht gut weg. Dagegen sind die Ungarn, mit wenigen Ausnahmen, die dann aber auch explizit als „Verräter“ eingestuft werden, durch die Bank edel und patriotisch und überhaupt. Ambivalente Charaktere sucht man hier vergeblich. Trotz des Alters des Romans und der Übersetzung, die inzwischen auch schon gut 50 Jahre auf dem Buckel hat, läßt sich das Ganze aber recht flüssig lesen. Einige unmotivierte Wechsel in der Erzählzeit haben mich irritiert, aber ich weiß nicht, ob diese dem Autor oder dem Übersetzer anzulasen sind. Und man sollte sich nicht daran stören, als Leser vom Autor direkt angesprochen zu werden, das tut Gárdonyi häufiger.

Schönen Gruß
Aldawen