Ich habe die
Kapitel 24 bis 38 gelesen.
Kapitel 25 mit dem Opiumtraum Wilkies in King Lazarees Höhle und die Sache mit dem Skarabäus fand ich überaus ekelhaft...

Habe mich freilich gefragt, wie Collins es schafft, sich ganze Sätze in einer fremden Sprache in dieser ägyptischen Beschwörung so zu merken, daß er sie hinterher aufschreiben kann...

Der Skarabäus in seinem Gehirn ist natürlich nicht real, sondern eine Folge des Opiums. Daher auch diese lange Krankheit und die Kopfschmerzen hinterher. Vielleicht hat King Lazaree ihm eine Überdosis gegeben, um ihn in Ruhe ausrauben zu können? Oder ist das Ganze sogar von Field inszeniert worden, um Collins "weichzukriegen"? Was Field letztlich von Collins wollte, ist mir immer noch nicht klargeworden. Er hat ja ziemlich viel in ihn investiert, und wofür? Hat er wirklich geglaubt, Collins führt ihn zu Drood (dessen Existenz ja immer noch nicht bewiesen ist). Oder wollte er einen Vorwand generieren, die armen Teufel in der Unterstadt auszuräuchern?
Da wir im
37. Kapitel erfahren, daß Field tot ist, werden wir das wohl auch nie erfahren. Ich war ziemlich überrascht von dieser Nachricht, dachte nämlich immer, diesbezüglich müßte noch was kommen.
Aber ich greife vor.
In den Kapiteln um Krankheit, Tod und Beerdigung der Mutter und diese Heiratsgeschichte mit Caroline vermute ich eine deutliche Absicht des Autors, Collins so unsympathisch wie nur möglich darzustellen. Ich frage mich nur, wozu?

Collins verhält sich wahrlich unmöglich - seine Mutter so im Stich zu lassen, nachdem er vorher nicht oft genug bei ihr sein konnte, als sie sich noch um ihn kümmern konnte... und dann diese Nachthemdszene!

Allerdings darf man hier nicht vergessen, daß Collins krank ist und sein Hirn womöglich vom Opium zersetzt ist wird. Wer kann schon sagen, welche Auswirkungen das auf die Persönlichkeit hat?
Kapitel 33
So, jetzt hat er’s endgültig verschissen bei mir.
...
Ob ich überreagiere? Kann sein, aber ich habe eine Mordswut auf diesen Macho. 
Nein, eignentlich bin ich keine Kampfemanze, aber das ist echt zuviel. Wenn Collins wirklich so war, dann habe ich gar keine Lust mehr auch nur ein Buch von ihm zu lesen, wobei mir The Woman in White ja gut gefallen hat.
Ich denke, wir dürfen nicht vergessen, daß es nicht Collins ist, der hier schreibt, sondern Simmons... Ich habe jetzt viel eher keine Lust mehr, noch ein weiteres Buch von
Simmons zu lesen.

Außerdem finde ich Dickens´ Verhalten (seine Frau nach 10 gemeinsamen Kindern rauszuschmeißen) um ein gutes Stück niederträchtiger. Und Caroline wird hier auch nicht als Unschuldsengelchen dargestellt, sie hat auch ihr eigenes Spiel gespielt und wenn ich es recht verstehe, hat Collins ihr nie die Ehe versprochen...
In mir brennt die Frage, ob Wilkie Collins tatsächlich von dem Schlag war, wie er von Dan Simmons präsentiert wird. Sollte das alles nur dichterische Freiheit sein, würde es mich nicht wundern, wenn der echte Wilkie bald aus dem Grab steigt und Dan Simmons verklagt, bis ihm nur noch Flusen aus dem Geldbeutel fallen.
Genau diese Frage stelle ich mir auch schon seit längerem, und ich vermute schon, daß hier ein Gutteil dichterische Freiheit dabei ist.
Insgesamt sind mir noch viele Zusammenhänge unklar, ebenso Beweggründe verschiedener Personen, und was nun real und was phantasiert ist an der Geschichte. So kann man gar nicht recht mitdenken, fühlt sich ständig veräppelt und langsam beginnt mich das zu nerven, denn richtig spannend ist das Buch auch nicht...
Das einzige was sich für mich geklärt hat, ist
der andere Wilkie. Er schreibt nun Collins´ Bücher. Ich gehe davon aus, daß Collins eine gespaltene Persönlichkeit hat, wahrscheinlich schon seit seiner Kindheit, und durch diese Opium-Überdosis wurde das verstärkt. So läßt sich wenigstens das für mich logisch erklären.
Unklar ist mir auch Dickens´ Verhalten nach seiner Rückkehr aus Amerika. Warum reden die beiden nicht über Drood? Nachdem Dickens Collins so eindringlich vor Drood gewarnt hat vor seiner Abreise, wäre es doch naheliegend, bei der Rückkehr nachzufragen, ob denn nun was war... Oder soll uns das sagen, daß diese Warnung auch nicht real war? Und warum
fragt Collins nicht einfach, ob Dickens ihn am 9. Juni mitnimmt zu seinem Treffen mit Drood sondern macht diese Mätzchen mit Verfolgung etc. - wobei ich ja köstlich fand, wie Dickens ihn abschüttelte...

Nichts wird hier direkt angegangen, alles hintenrum und irgendwie ist das alles nicht logisch für mich. Jetzt will er Dickens auch noch umbringen, na ich weiß ja nicht...
Ich frage mich, ob am Buchende dann alles zusammenpaßt.
Übrigens, was mag da eigentlich auf der Dienstbotentreppe gewesen sein, was Collins so erschreckt hat - Ratten waren das doch nicht?

Es ist gar nicht so leicht, etwas zu kommentieren, wenn man schon weiß, wie es endet und die Handlung nicht verraten darf. 
Dann will ich euch nicht länger quälen, ich gehe jetzt in den Endspurt und werde hoffentlich morgen fertig mit dem Buch.