Hallo liebe Leserundenteilnehmer,

schön, daß wir dieses Buch jetzt zusammen lesen! Ich bin gespannt.
Ich habe am Wochenende die ersten drei Kapitel gelesen.
Zunächst mal zum Buch: ich lese auch das Taschenbuch, finde aber nicht, daß es eine schlechte Qualität hätte. Im Gegenteil, es scheint mir ziemlich solide und der Buchrücken macht nicht den Eindruck, als kämen da schnell Knicke hinein. Das einzige, was mich stört, ist, daß die Dicke relativ zur Größe grenzwertig ist. Gerade beim Lesen der ersten Seiten läßt es sich schlecht in der Hand halten und läßt sich auch kaum hinlegen. Also entweder müßte das Buch dünner oder das Format größer sein.
Das Titelbild finde ich sehr schön, es ist mit ein Grund, wieso dieses Buch mich schon so lange gelockt hat. Ich finde es sehr stimmungsvoll und mich macht es neugierig.
In meiner HC Ausgabe sind auf den Umschlaginnenseiten Foto´s und Zeitungsausschnitte abgedruckt.
Da sieht man auch das Zugunglück
Die Fotos und Zeitungsausschnitte sind bei mir auch. Die vordere Umschlaginnenseite ist Dickens gewidmet und die hintere Collins. Daß es sich bei dem Foto um das Zugunglück handelt, habe ich aber erst erkannt, nachdem ich das Foto etwas deutlicher bei Wikipedia gesehen hatte.
Nun zu den ersten Kapiteln.
Da ich noch nie ein Buch von Dan Simmons gelesen habe, habe ich keine Erwartungen.
Der Anfang war zwar düster, aber ein November-Gefühl kam bei mir nicht auf, wohl, weil mehrmals so deutlich das Datum genannt wird: 9. Juni. Ich fühle mich also vorsommerlich, im Buch.

Wilkie Collins als Erzähler ist mir nicht direkt unsympathisch, er hat bei mir einen Sympathiebonus, weil ich die beiden Bücher, die ich von ihm gelesen habe (übrigens lange bevor ich etwas von Dickens las) sehr gut fand. Allerdings ist wirklich befremdlich, wie er über Dickens spricht (oder besser gesagt, wie Simmons durch Collins´ Person über Dickens spricht). Er läßt keine Gelegenheit aus, durch seine Wortwahl einen gewissen Groll hindurchschimmern zu lassen. Vielleicht mit Recht? Wer weiß.
Das Zugunglück war ja ziemlich grausig. Zur Person des Drood - ich halte ihn ja auch eindeutig eher für Einbildung oder eine Halluzination, als für eine reale Person. Für mich ist Drood der Tod, der am Unfallort Menschen "einsammelt", Dickens hatte ja auch etwas Ähnliches verstanden (wobei es ja im Englischen diesen Gleichklang nicht gibt??). Dafür spricht auch, daß Drood zu sehen war, als Dickens nochmal in den herabhängenden Wagen geklettert ist. Zwar sagt Dickens, er habe Drood nicht für den Tod gehalten, aber ob das so stimmt? Vielleicht will er es nur nicht wahrhaben oder zugeben? Dickens dürfte durch den Unfall einen ziemlichen Schock gehabt haben und möglicherweise Schuldgefühle, wie sie oft die Überlebenden von Unfällen gegenüber denen entwickeln, die nicht überlebt haben. Möglicherweise hat ihn das bis an sein Lebensende beschäftigt, das ja (Zufall oder nicht) auf den Tag genau 5 Jahre später eintrat. Vielleicht hat er Drood=den Tod bis dahin gesucht, wegen ebensolcher Schuldgefühle... Das ist jetzt allerdings ziemlich spekulativ.
Was das ganze mit Kannibalismus zu tun haben soll, ist mir allerdings nicht klargeworden. Das
dritte Kapitel fand ich ziemlich ausschweifend, den Bericht über die Aufführung dieses Theaterstückes und Collins´Heimfahrt und Besuch bei dem jungen Mann im Krankenhaus. Allerdings kann man bei einem Buch mit über 900 Seiten wohl erwarten, daß es stellenweise ein bißchen ausschweifend wird.

Kapitel 3 endet dann mit einem riesigen Fragezeichen. Wer wohnt denn da auf Wilkies Treppe? Hat er Gespenster zu Hause oder hat ihm da jemand was ins Laudanum getan?
Das war eine Halluzination. Ich könnte mir vorstellen, daß Laudanum allein (vor allem in den Mengen, die Collins verzehrt

) dafür ausreicht.
Grüße, kaluma