Dass der ca. 15jährige Mackie kein Blut sehen kann, ist zwar etwas peinlich, aber noch nicht so außergewöhnlich, aber dass er geweihten Boden nicht betreten kann und dass ihn die Berührung von Eisen schmerzt, gehört zu den Dingen, die er lieber nicht preisgeben sollte. Als Warnung erzählen seine Eltern ihm gerne die Geschichte des Stadtbewohners, der wie er war, aber seine wahre Identität nicht gut genug versteckt hatte und letztendlich gelyncht wurde. Nur dass seine Eltern nun einmal gar nicht seine wahren Eltern sind…
Mackie ist zwar ganz sicher nicht normal, aber die Gefühle sind zu einem guten Teil schon die eines ganz normalen Teenagers. Der Anfang des Buches macht den Eindruck einer fast normalen Highschoolaußenseitergeschichte, doch dann rückt seine wirkliche Identität immer stärker in den Vordergrund und er muss sich den Geheimnissen der Stadt stellen. Mackies Heimatstadt ist vor langer Zeit eine unheilvolle Allianz eingegangen. Der Stadt geht es gut, Wirtschaftskrisen ziehen, kaum eine Spur hinterlassend, über sie hinweg, doch dafür muss die Stadt auch Opfer bringen und in diesem Jahr scheint die kleine Schwester einer Mitschülerin von Mackie dieses Opfer zu sein. Und so versucht Mackie endlich auch hinter das Geheimnis seiner eigenen ungewöhnlichen Existenz zu kommen.
Bei den mythischen Elementen bedient sich die Autorin alter Sagen, die sie aber ihren Bedürfnissen für die Geschichte entsprechend umgestaltet. Das fand ich ganz gut umgesetzt, auch wenn ich die klassischen Hintergründe gerne etwas stärker eingebunden gesehen hätte.
Besonders gut fand ich die Kleinigkeiten, die die Autorin bei der Ausgestaltung von Mackies Problemen in unserer Welt bedacht hat. Die Plastikmesser in der Küche (warum eigentlich nicht Keramik, sind diese Messer in den USA nicht erhältlich oder ist das ein Übersetzungsfehler?), die Kupferpfanne, in der die Mutter das Essen brät, … - da merkt man, dass Yovanoff sich Gedanken gemacht hat. Für ein hervorragendes Buch fehlte mir zwar etwas an Tiefe, aber die Idee war ungewöhnlich genug und ich habe das Buch sehr gerne und zügig durchgelesen.
Brenda Yovanoff ist mit „Schweigt still die Nacht“ so eine richtig schöne Wechselbalggeschichte gelungen und ich werde mir ihr nächstes Buch (erscheint im November auf Englisch), welches wieder von einem „Menschen“ zwischen normaler und übersinnlicher Welt handelt, ganz bestimmt näher ansehen.
