Ich lese:
Elizabeth Goudge: Das kleine weiße PferdIch konnte es nun doch nicht mehr im Mai beenden, will euch aber noch an ein paar Leseeindrücken teilhaben lassen.
Zunächst mal ein paar witzige Zitate.
Maria lernt eine Frau kennen und wird von dieser in ihr Haus gebeten. Dabei fragt sie sich:
"War Loveday denn verheiratet? Nirgendwo gab es eines der üblichen Anzeichen für einen Ehemann, keine schlammverschmierten Stiefel, keine Tabakasche auf dem Fußboden. Es mußte sich um einen sehr ordentlichen Mann handeln."

Zwei Seiten später fährt sie in der Kutsche mit dem Diener, der eingekauft hat:
"Er hatte eine neue Schaufel und eine neue Sense gekauft, zehn neue Mausefallen, eine Flasche Hustensaft für sich selbst, ein Schwein, einen Kanarienvogel im Käfig, einen riesigen Fleischknochen, einen Beutel Kekse, einen Bund Möhren, eine Tüte Pfefferminzbonbons, hellrosa Zuckermandeln, einen Kabeljaukopf und ein großes Päckchen Tabak. Es war eine ziemlich geräuschvolle Fahrt, denn das Schwein quiekte, der Kanarienvogel trällerte aus Leibeskräften, die Mausefallen hüpften und klapperten bei jedem Schlagloch, und der Kabeljaukopf stank, daß man es schon fast hören konnte."

Solche wirklich netten Stellen gibt es immer wieder, aber insgesamt gleitet es mir ein wenig zu stark ins Kitschige und Moralinsaure ab: die Botschaft ist, daß Bravheit belohnt wird. Es gab noch eine Art Bewährungssituation mit den schwarzen Männern, die diesmal Schafe stehlen wollten. Es scheint so, als würde Maria immerfort getestet und wenn sie sich brav genug verhält, wird das belohnt. Streiten darf man zum Beispiel auch nicht, und aufbrausen darf Maria auch nicht (ein Junge tut es allerdings, und wird nicht dafür gemaßregelt). Dann steht das Glück der Dorfbewohner auf dem Spiel. Außerdem geht es um einen Hügel, den Marias Vorfahr sich angeeignet hat, der zuvor einem Kloster gehört hat, und der nun
"Gott zurückgegeben" werden soll. Das alles scheint mir eine reichlich fragwürdige und allzu aufdringliche pädagogische Botschaft.
