  | | Haruki Murakami (geb. 1949) Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede Originaltitel: Hashirukoto ni tsuite katarutoki ni boku no katarukoto Erstveröffentlichung: 2007 Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe (2008) Verlag: btb Taschenbuch 165 Seiten |
"Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" ist Haruki Murakamis Schilderung seiner zweiten großen Leidenschaft neben dem Schreiben: des Laufens. Murakami, Jahrgang 1949, läuft bereits seit Jahrzehnten und hat - natürlich

- auch beim Laufen den Entschluss gefasst, Bücher zu schreiben.
Murakami gibt in neun kleinen Episoden einen interessanten Einblick in die Welt rund um seine Laufleidenschaft, seine Gedanken während des Laufens, welche Musik er dabei hört, wem er auf seinen Trainingsläufen begegnet und was er bei seinen verschiedenen Marathonläufen erlebt, den Triathlonwettbewerben oder auch dem legendären 100-km-Lauf am Saroma-See auf Hokkaido, der von morgens bis abends dauert und für den Murakami mehr als elf Stunden lang hintereinander gelaufen ist! Hut ab dafür. Gleichzeitig plaudert er wie beiläufig über die Dinge des Lebens im allgemeinen und seines Lebens im speziellen, wenn auch nie sehr tiefgehend, aber dafür ist das Buch auch einfach nicht dick genug.
Bewundernswert fand ich vor allem Murakamis anhaltende Motivation zum Laufen, denn er muss sich (fast) nie dazu überwinden. Es ist ihm immer ein Bedürfnis gewesen, regelmäßig zu laufen, möglichst jeden Tag. Seinen inneren Schweinehund muss er glücklicherweise nicht allzu oft bekämpfen. Und wenn er mal ein, zwei Tage nicht laufen kann, wird er unzufrieden.
Kannte ich Haruki Murakami bisher nur aus einigen Interviews, die mir nicht sonderlich in Erinnerung geblieben sind, so habe ich hier ein Bild von ihm als grundsympathischen Menschen gewonnen, als einen bescheidenen und unaufdringlichen Mann, der am liebsten noch nicht mal fotografiert werden möchte, um nicht auf der Straße erkannt und angesprochen zu werden. Und ich habe mich ihm an der einen oder anderen Stelle durchaus nahe gefühlt, ist er doch auch ein Mensch mit dem einen oder anderen sozialen Defizit, sprich: Er ist gern alleine für sich, ob nun beim Laufen oder beim Schreiben. Oder wie er selbst sagt:
"Ich bin ein Mensch, der besonders gern für sich ist. Oder noch präziser ausgedrückt: Es bereitet mir keinerlei Unbehagen, allein zu sein. Ich finde es weder schwierig noch langweilig, am Tag ein oder zwei Stunden allein zu laufen und dann vier oder fünf Stunden allein am Schreibtisch zu sitzen."Sehr interessant auch seine Einstellung zum Schreiben und zur Niederschrift seiner Gedanken:
"... ich kann viele Dinge nur begreifen, indem ich meine Gedanken zu Papier bringe. Ich muss verfassen, um zu erfassen. Was Laufen für mich bedeutet, musste ich mir sozusagen durch meiner Hände Schreibarbeit verdeutlichen."Eine Erkenntnis, die wohl jeder Tagebuchschreiber bestätigen kann.
Für seinen Grabstein wünscht Haruki Murakami sich übrigens die Inschrift:
"Haruki Murakami 1949-20**, Schriftsteller (und Läufer) – Wenigstens ist er nie gegangen." 
Mein erster Murakami. Kein Roman, sondern ein eher schmales aber schönes Büchlein von ihm über sich selbst.
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