Dank der begeisterten Rezension von Grisel stand der erste Teil der Barrayar- Reihe „Der junge Miles“ schon seit zwei Jahren auf meiner Wunschliste, aber erst jetzt bin ich dazu gekommen mit dieser Serie zu beginnen.
Und bin ebenso begeistert wie Grisel!

Ich bin richtiggehend süchtig geworden! Leider sind einige Teile bereits oop und nur noch für reichlich viel Geld zu bekommen.
Nicht, dass mich das aufgehalten hätte…

Ein hyperaktiver, manisch- depressiver buckliger Zwerg als Held einer Science Fiction- Reihe. Geht das?
Das geht nicht nur, dass funktioniert hervorragend!
Mit Miles Naismith Vorkosigan ist Lois McMaster Bujold ein großartiger Held gelungen! Miles kommt aufgrund einer Verletzung durch Giftgas im Mutterleib körperlich behindert zur Welt. Trotz seiner adligen Geburt ist das auf dem martialischen und rückständigen Barrayar eine Katastrophe. Miles muss sich jede Anerkennung, jeden Erfolg hart erkämpfen und sich gegen Vorurteile und Beleidigungen durchsetzten. Wessen Herz würde so einem mutigen, stark benachteiligten Helden nicht zufliegen?
Noch dazu wenn dieser Held über einen messerscharfen Verstand und eine charismatische Persönlichkeit verfügt.
Sein Charakter stagniert nicht, sonder der Leser kann seine Weiterentwicklung im Laufe der Reihe verfolgen mit all seinen Höhepunkten, aber auch allen Krisen.
Allerdings beeindruckt nicht nur der Hauptprotagonist Miles, sondern auch eine ganze Reihe von Nebenpersonen, angefangen mit seinen Eltern, seinem Bruder bis zu seinen Freunden. Die feine Charakterzeichnung ist eine der größten Stärken der Autorin, allerdings bei weitem nicht ihre Einzigste.
Ihre Romane bestechen durch eine gelungene, ausgewogene Mischung aus Spannung, Action, Tragik, Komik und Romantik und bieten so feinste und intelligente Unterhaltung.
Doch diese Bücher bieten außer trockenem Humor, Spannung, vielschichtigen Charakteren und Handlungssträngen auch noch oft tiefere Aussagen. Das Barrayar- Universum ist komplex und vielfältig. Als Leser wird man immer wieder mit den verschiedensten Kulturen und Personen konfrontiert, dennoch kommen diese Romane erstaunlicherweise ganz ohne Außerirdische aus.
Neben der Idee eines komplizierten Wurmlochnexus, steht vor allem die Erfindung eines Uterusreplikators und seine wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und individuellen Folgen immer wieder im Vordergrund.
Obwohl es stets genug Kampfszenen gibt siegt immer Schläue über körperliche Gewalt.
Wichtiger aber scheint mir die stets durchscheinende Botschaft „Egal wie weit die Technologie fortschreitet, verliert nicht eure Menschlichkeit“, aber auch „Menschlichkeit lässt sich nicht an Genetik messen“. Immer wieder wird für Mitgefühl gegenüber Benachteiligten geworben.
Ein Aufruf zu mehr Toleranz, denn nicht das Äußere zählt. So sind Miles Probleme durch seine körperliche Behinderung ein zwar zentrales Thema, aber nicht nur Miles hat Schwierigkeiten damit anders zu sein.
Alle Romane der Reihe sind in sich abgeschlossen und können auch einzeln gelesen werden. Doch immer wieder beziehen sich Handlungen auf frühere Geschehnisse. Als treuer Leser bereitet einem das ein besonderes Vergnügen und sorgt für eine faszinierende Komplexizität der Reihe. Der zusätzliche Reiz dieser Bücher erschließt sich gerade durch das Gesamtbild aller Romane.
Deshalb rate ich, wie Grisel, jedem die Bücher in ihrer innerchronologischen Reihenfolge zu lesen.
Kein Wunder also, dass diese Reihe mit Hugos und Nebulas geradezu überschüttet wurde!
Ich kann nur jedem raten: Kaufen!
