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Autor Thema: Thomas Bernhard - Der deutsche Mittagstisch  (Gelesen 816 mal)

Bluebell

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Thomas Bernhard - Der deutsche Mittagstisch
« am: 24. März 2011, 00:00:06 »



Auf knapp 150 Seiten finden sich hier 7 Dramolette:

  • A Doda
  • Maiandacht
  • Match
  • Freispruch
  • Eis
  • Der deutsche Mittagstisch
  • Alles oder nichts

Geschrieben wurden alle zwischen 1978 und 1981; wann sie spielen, lässt sich aber nicht genau sagen - irgendwann nach Hitler jedenfalls, an den sich manche der Figuren nostalgisch zurückerinnern.
Die großen Themen sind ganz klar: Nazitum, und bei manchen Katholizismus. Die ersten drei Stücke sind im Milieu der "einfachen Leute" in Bayern angesiedelt und auch im Dialekt geschrieben. Die anderen spielen in Mittel- und Norddeutschland, die Protagonisten sind ehemalige Nazifunktionäre bzw. hohe Politiker.

Während sich besonders die ersten vier, fünf Stücke noch weitgehend realistisch lesen ("weitgehend", weil Thomas Bernhard natürlich nicht ganz ohne Übertreibung auskommt  :zwinker: ), sind besonders die letzten beiden völlig absurde Überzeichnungen. Dabei konnte ich ausgerechnet bis auf den titelgebenden "deutschen Mittagstisch" aber jedem irgendetwas abgewinnen. Es ist viel Humor dabei - der zugegebenermaßen vermutlich nicht jeden Nerv trifft - aber auch viel Grausen vor den Menschen, die da auftreten. Es ist, als ob Bernhard einen 10-Kilowatt-Scheinwerfer auf etwas richtet, das im Allgemeinen nicht so gern betrachtet wird.

100%ig zeitgemäß sind die Dramolette nicht mehr, weil die Menschen, die den Nationalsozialismus tatsächlich schon als Erwachsene erlebt haben, naturgemäß schön langsam wegsterben. Nach wie vor präsent sind aber andere Themen wie Alltagsrassismus, in ländlichen Gegenden gerne gepaart mit Pseudofrömmigkeit, und die grundsätzliche Sicht auf die Dinge vieler Figuren.

Als "Must Read" würde ich das Büchlein nicht gerade bezeichnen, aber wer Thomas Bernhard sowieso mag, kann sich ruhig auch diesem widmen.

 3ratten
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"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of books she wants to read, who has had a library card since she was twelve."