Autor Thema: Natascha Kampusch -- 3069 Tage  (Gelesen 9915 mal)

Offline Jari

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #30 am: 19. Oktober 2012, 15:45:07 Nachmittag »
Ich glaube, ich könnte so ein Buch gar nicht lesen. Wie furchtbar muss das sein, 8 Jahre gefangen gehalten zu werden!
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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #31 am: 19. November 2012, 15:39:38 Nachmittag »
Schon gesehen? Natascha's Geschichte wurde nun verfilmt: Trailer

Was haltet ihr davon?


Mit freundlichen Grüßen,
Matthias.

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Offline Zara

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #32 am: 19. November 2012, 15:55:45 Nachmittag »
Was haltet ihr davon?
Hm, nicht so viel. Aber da musste ich gleich an Arjuna's Kommentar denken:

Ich kann ja nicht so ganz verstehen, was das Motiv ist, so ein Buch zu veröffentlichen und auch zu lesen.

Warum bleiben Leute bei Verkehrsunfällen stehen um zu gaffen? Viele werden es halt kaufen und lesen wollen, weil es ein Mega-Skandal ist/war und sie neugierig sind, etwas über das Leben im Keller zu erfahren.
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Offline Hanni

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #33 am: 19. November 2012, 16:44:49 Nachmittag »
Ich glaube nicht, dass ich mir die Geschichte nun auch noch visuell geben muss. Das Buch hat mir gereicht, es ist echt keine leichte Kost.

Was haltet ihr davon?
Hm, nicht so viel. Aber da musste ich gleich an Arjuna's Kommentar denken:

Ich kann ja nicht so ganz verstehen, was das Motiv ist, so ein Buch zu veröffentlichen und auch zu lesen.

Warum bleiben Leute bei Verkehrsunfällen stehen um zu gaffen? Viele werden es halt kaufen und lesen wollen, weil es ein Mega-Skandal ist/war und sie neugierig sind, etwas über das Leben im Keller zu erfahren.

Ich finde, es ist schon ein kleiner Unterschied zwischen Gaffern an einem Verkehrsunfall und einem Leser von so einem Buch: Natascha hat das Buch herausgeben lassen, also hat sie auch ein wenig Einfluss darauf, was der Leser erfährt und was nicht. Genau aus dem Grund hab ich das Buch gelesen, dafür hab ich die Klatschpresse ignoriert. Denn die Klatschpresse ist für mich so was wie ein Verkehrsunfall. Die halten die Kamera drauf und zoomen heran, mutmassen und stellen irgendwelche haarsträubenden Theorien auf, die der Betroffene kaum beeinflussen kann. Und ich denke, jemand der die ganzen Klatschsachen über Kampusch in der Presse gelesen hat, wird von dem Buch eher enttäuscht sein.  :zwinker:
Liebe Grüsse
Hanni

Offline HoldenCaulfield

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #34 am: 19. November 2012, 16:48:33 Nachmittag »
Andererseits hat sie ja wohl die Rechte an dem Buch und ihrem Leben freigegeben. Insofern muss sie sich dann auch nicht wundern wenn sie wieder sehr viel Aufmerksamkeit erregt. Ich muss aber zugeben das ich die Verfilmung eines solchen Falles geschmacklos finde.
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Sonnenschirm

Offline Jaqui

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #35 am: 19. November 2012, 16:55:56 Nachmittag »
Zumal in der Verflilmung Szenen zu sehen sind, die darauf schließen lassen, dass sie eine romantische Beziehung zu ihrem Entführer hatte und das hat sie immer bestritten.
Warum sie nun so einer Verfilmung zustimmt, zumal sie ja am Drehbuch selbst mitgearbeitet hat, ist mir echt schleierhaft.

Katrin
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Offline Arjuna

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #36 am: 19. November 2012, 17:59:12 Nachmittag »
Ich glaube nicht, dass ich mir die Geschichte nun auch noch visuell geben muss. Das Buch hat mir gereicht, es ist echt keine leichte Kost.

Was haltet ihr davon?
Hm, nicht so viel. Aber da musste ich gleich an Arjuna's Kommentar denken:

Ich kann ja nicht so ganz verstehen, was das Motiv ist, so ein Buch zu veröffentlichen und auch zu lesen.

Warum bleiben Leute bei Verkehrsunfällen stehen um zu gaffen? Viele werden es halt kaufen und lesen wollen, weil es ein Mega-Skandal ist/war und sie neugierig sind, etwas über das Leben im Keller zu erfahren.

Ich finde, es ist schon ein kleiner Unterschied zwischen Gaffern an einem Verkehrsunfall und einem Leser von so einem Buch: Natascha hat das Buch herausgeben lassen, also hat sie auch ein wenig Einfluss darauf, was der Leser erfährt und was nicht. Genau aus dem Grund hab ich das Buch gelesen, dafür hab ich die Klatschpresse ignoriert. Denn die Klatschpresse ist für mich so was wie ein Verkehrsunfall. Die halten die Kamera drauf und zoomen heran, mutmassen und stellen irgendwelche haarsträubenden Theorien auf, die der Betroffene kaum beeinflussen kann. Und ich denke, jemand der die ganzen Klatschsachen über Kampusch in der Presse gelesen hat, wird von dem Buch eher enttäuscht sein.  :zwinker:

Ich hätte damals wohl differenzierter zitieren sollen. Ich wollte eher eine Antwort darauf geben, warum Leute darauf neugierig sind und es kaufen und ev. auch komplett lesen.  :winken:
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Offline Hanni

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #37 am: 19. November 2012, 23:11:52 Nachmittag »
@Arjuna: Nee, ist doch okay, was du geschrieben hast. Ich denke, solche Schicksals-Biographien sind halt nun mal nicht jedermanns Sache und manche Leute werden sie genau aus den Gründen lesen, die du beschrieben hast. :smile:
Liebe Grüsse
Hanni

Offline Kirsten

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #38 am: 13. März 2014, 11:32:23 Vormittag »
Und vielleicht könnt ihr mir ja beantworten, was der Grund ist, so ein Buch zu lesen.

Bei mir war es dieser Thread und die Diskussion darüber, die mich neugierig auf das Buch gemacht haben.

Meine Meinung
Natürlich kenne ich die Geschichte von Natascha Kampusch und ich kann mich auch an die verschiedenen Meinungen dazu, wie sie mit dem Erlebten umgeht, in den Medien erinnern. Von dem, was in die Öffentlichkeit kommt finde ich, dass sie sich bis jetzt gut schlägt. Aber wer weiß, was hinter der Fassade noch alles schlummert.

Einer meiner ersten Gedanken war, wie schrecklich ihre Eltern doch gewesen sind. Natascha Kampusch erzählt zwar von einem liebevollen Zuhause, aber davon kann ich nichts erkennen. Ich fand es schlimm, wie lieblos sie von ihren Eltern behandelt worden ist. Natürlich weiß ich nicht, in wieweit die Erinnerung verfälscht ist. So, wie es geschrieben ist, vermittelt sie mir das Bild von einer trostlosen Kindheit. Dass sie sich mit Essen getröstet hat und deshalb dick war, ist wie aus einem Ratgeber. Wenn Dicksein mit Unglücklichsein gleichgesetzt wird, kann man dann daraus schließen, dass sie immer noch unglücklich ist? Vielleicht ist sie das, aber der Umkehrschluß wäre zu einfach.

Ihre Zeit in der Gefangenschaft beschreibt Natascha Kampusch sehr distanziert. Manchmal kommt es mir so vor, als ob sie über eine völlig fremde Person schreiben würde und sich nicht mit dem Kind identifiziert. Oft gibt sie direkt nach einer Episode eine Erklärung für ihr Verhalten. Das hat mich gestört weil ich mir nicht sicher war, ob sie das wirklich erkannt hat oder ob ihr jemand diese Erklärung gegeben und sie sie nur verwendet hat. Vielleicht war es aber auch ein Versuch, sich vor ihren Kritikern zu rechtfertigen.

3069 Tage ist ein Buch, das mich aufgrund der Thematik berühren sollte. Das hat es nicht. Ich fand die Geschichte interessant (man möge mir den Ausdruck in dem Zusammenhang verzeihen, aber mir fällt kein besserer ein), aber mehr nicht.
3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:
“Life should not be a journey to the grave with the intention of arriving safely in a pretty and well preserved body, but rather to skid in broadside in a cloud of smoke, thoroughly used up, totally worn out, and loudly proclaiming "Wow! What a Ride!”

Offline HoldenCaulfield

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #39 am: 13. März 2014, 11:41:31 Vormittag »
@Kirsten
Deine Meinung über das Buch gibt sehr gut wieder, wie ich Frau Kampusch in einem Interview erlebt habe. Genau die gleichen Eindrücke hatte ich auch. Sie spricht z.B über ihren Entführer nur als den Täter (war ich auch verstehen kann), ich glaube diese Distanz hilft ihr überhaupt wieder in die "normale" Welt zurück zu finden. Es ist irgendwie auch unheimlich wie sie darüber spricht. Andererseits glaube ich schon auch das es damit zu tun das sie sich nicht in eine Opferrolle hineindrängen lässt. Durch Interviews und das Buch hat sie ja selbst in der Kontrolle was geschrieben wird und was sie selbst zum Thema äußert.
Trotzdem irgendwie blieb sie mir unsympathisch - dafür kann sie natürlich erstmal nichts, aber ich denke sie hat einfach auch den Umgang mit anderen Menschen verlernt.
In wie weit ihre Kindheit schlecht oder negativ war ist sicher sehr schwer zu sagen. Fakt ist aber das sie zu ihren Eltern heute ja ein sehr schlechtes Verhältnis hat. Ich denke schon das sie hier so stark psychisch manipuliert wurde das sie keinen Bezug mehr zu ihren Eltern aufbauen kann.
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Sonnenschirm

Offline Kirsten

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #40 am: 13. März 2014, 13:31:52 Nachmittag »
Trotzdem irgendwie blieb sie mir unsympathisch - dafür kann sie natürlich erstmal nichts, aber ich denke sie hat einfach auch den Umgang mit anderen Menschen verlernt.

Ich habe Natascha Kampusch nur einmal kurz im Fernsehen erlebt, aber mein Eindruck und auch meine mögliche Erklärung decken sich mit deiner.
“Life should not be a journey to the grave with the intention of arriving safely in a pretty and well preserved body, but rather to skid in broadside in a cloud of smoke, thoroughly used up, totally worn out, and loudly proclaiming "Wow! What a Ride!”

Offline Klassikfreund

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #41 am: 13. März 2014, 14:32:30 Nachmittag »
Wenn Dicksein mit Unglücklichsein gleichgesetzt wird, kann man dann daraus schließen, dass sie immer noch unglücklich ist?

Nein. In der Kindheit gelernte Muster können dann nicht mehr abgelegt werden. Ob sie unglücklicher ist als jeder normale Mensch (wer ist schon immer glücklich) lässt sich also daraus nicht ableiten.

Gruß, Thomas

Offline Kirsten

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #42 am: 13. März 2014, 15:05:33 Nachmittag »
In der Kindheit gelernte Muster können dann nicht mehr abgelegt werden.

Ich denke schon, dass man solche Muster ablegen kann. Sicher ist es nicht leicht, aber wenn man sich bewußt macht, dass man solchen Mustern folgt und sie unter Umständen nicht gut für einen sind, kann man das durchaus. Leicht ist es natürlich nicht, aber ich bin der Meinung dass man es erreichen kann, wenn der Wille dazu da ist.
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Offline Keshia

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #43 am: 14. März 2014, 00:29:05 Vormittag »
Zumal in der Verflilmung Szenen zu sehen sind, die darauf schließen lassen, dass sie eine romantische Beziehung zu ihrem Entführer hatte und das hat sie immer bestritten.


Katrin

Nun ja, der Entführer war in den ganzen Jahren fast ihr einziger Kontakt.
Ich vermute mal, Stockholmsyndrom hin oder her, dass ein Kind (und vielleicht sogar ein Erwachsener, wenn er keine Hoffnung mehr auf ein Ende der Gefangenschaft hat?) sich dann einfach hin und wieder etwas menschliche Wärme holen will/ muss, unabhängig davon, was es von dem dafür zur Verfügung stehenden Menschen hält.
Missbrauchte Kinder oder misshandelte Kinder oder Kinder, die von ihren Eltern psychisch gequält werden kuscheln auch meist mit den Eltern, wenn sich eine Gelegenheit dafür ergibt.
Einfach, weil sich sonst gar keine Gelegenheit dafür ergibt.

Es gibt bspw. so eine Szene in Amy Chuas Buch ("Die Mutter des Erfolgs"). Da hat sie ihre Tochter gerade stundenlang gezwungen, ein Kalvierstück zu üben, es gab Tränen, die Tochter bekam nichts zu trinken und durfte nicht auf Toilette, bis sie das Stück perfekt spielen konnte. Die Tochter war ca. 6 Jahre alt und musste dafür stundenlang bis spät nachts am Klavier sitzen, obwohl das Stück eigentlich noch zu schwierig für sie war.
Nach der ganzen Tortur endete der Abend damit, dass die Tochter zur Mutter ins Bett kam, mit ihr scherzte und kuschelte.
Als Leser fragt man sich: "WTF?!"

Das Kind hatte wohl aber keine andere Chance, die Mutter konnte es nicht wechseln und egal, was es getan hätte, der Situation wäre es nicht entkommen, es wäre nur schlimmer geworden, also wurde danach schnell alles vergessen und bei der Peinigerin Trost gesucht,
Vermutlich läuft es mit Entführungsopfern wie N.K. ähnlich, nur dass hier die Qualen viel intensiver sind.
Die Situation ist aber die gleiche: Der Peiniger ist der einzige Mensch, von dem man auch Wärme und "Zuneigung" erfahren kann.
Mangels Alternative holt man sich die evtl. irgendwann dort, v.a. wenn man als Kind in die Situation kam.