Ich habe das Buch nun gelesen und muss sagen, es ist schon heftig, was Natascha Kampusch alles erlebt hat in den 8 Jahren Gefangenschaft. Ich habe damals nur das allererste Fernsehinterview von ihr gesehen, und da ich weder Klatsch- noch Tratschblätter lese, hab ich den ganzen Rummel um sie gar nicht mitbekommen. Einzig in einem Schweizer Gratis-Käseblatt las ich mal eine wilde Verschwörungstheorie, die mir aber nicht sehr logisch erschien. Von daher bin ich relativ unbelastet an das Buch heran gegangen. Ich hab das Buch gelesen, weil mich interessiert, wie die menschliche Psyche in Extremsituationen funktioniert.
Natascha Kampusch macht auf mich den Eindruck einer sehr starken Persönlichkeit. Sie hat sich ihre Freiräume innerhalb der Verliesmauern geschaffen. Sie hat sich mit dem Täter einigermassen arrangiert, was ihr gewisse Vorteile, beziehungsweise das Überleben gesichert hat. Aber daneben wurde sie aufs Schwerste misshandelt und eingeschüchtert von ihm. Mich hat ein wenig geschockt, wie die ersten Leute, die sie um Hilfe bat, reagiert haben. Sie schildert, wie sie nach ihrer Selbstbefreiung gut gemeinte Angebote von Menschen bekam, die ich persönlich fast dreist finde.
Das Buch ist gut und spannend geschrieben, aber trotzdem habe ich mich aufgrund des Themas mit dem Lesen schwergetan. Keine leichte Kost, die man mal nebenher liest. Ich kann jedem, der sich für ihre Sicht der Dinge interessiert, das Buch empfehlen. Wertung gebe ich angesichts des Themas keine ab.