Autor Thema: Natascha Kampusch -- 3069 Tage  (Gelesen 10018 mal)

Offline chil

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #15 am: 20. März 2011, 20:29:35 Nachmittag »
Interessante Frage, Baerbeline - das würde mich auch interessieren. Mich reizt das Buch gar nicht.

Offline bella*

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #16 am: 20. März 2011, 21:18:43 Nachmittag »
Interessante Frage, Baerbeline - das würde mich auch interessieren. Mich reizt das Buch gar nicht.

Dem schließe ich mich an. Allerdings habe ich mich heute mit einer Freundin unterhalten, die das Buch gelesen hat und es sogar für gut empfunden hat. Sie meinte, Frau Kampusch hat das Buch angeblich geschrieben, damit sie ein für allemal in Ruhe gelassen wird UND das Geld braucht sie ja für ihr "neues" Leben!!!
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 :lesen:
EL James - Fifty Shades Darker
Al Gore - Wege zum Gleichgewicht
J.R.R. Tolkien - Der Herr der Ringe

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Offline Mara

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #17 am: 20. März 2011, 21:27:27 Nachmittag »
Und vielleicht könnt ihr mir ja beantworten, was der Grund ist, so ein Buch zu lesen. Was habe ich davon? Feststellen, dass mein Leben doch ganz okay ist? Dass es andere gibt die schlimmer dran sind?

Ich habe das Buch auch nicht gelesen und werde es auch nicht. Aber es gibt sicher viele Menschen, die ähnliches durchgemacht haben und denen Natascha's Geschichte (und vor allem ihr guter Ausgang) Trost spendet und ihnen Hoffnung gibt. Dazu muss man ja kein großer Fan von ihr sein. Aber wir wissen nichts über die, denen das Buch gefällt -- und wie sollten wir auch? Wie können wir sie dann kritisieren?

Der Rezensent "ASympathizer" schrieb auf Amazon.de:

Zitat
She doesn't back down ever -- she tells the truth about her parents, her fears and how she fought to keep her heart alive all those years. As someone who was always told to keep my mouth shut about the horrors I've lived through, this book was like finding a true friend. A young woman who refuses to hide. Someone who's not afraid to present helplessness and trauma exactly as they are.
« Letzte Änderung: 20. März 2011, 23:38:26 Nachmittag von Mara »
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Offline Baerbeline

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #18 am: 21. März 2011, 17:46:24 Nachmittag »
Zitat
Ich habe das Buch auch nicht gelesen und werde es auch nicht. Aber es gibt sicher viele Menschen, die ähnliches durchgemacht haben und denen Natascha's Geschichte (und vor allem ihr guter Ausgang) Trost spendet und ihnen Hoffnung gibt. Dazu muss man ja kein großer Fan von ihr sein. 

Mag sein, dass dieser Selbsthilfegruppeneffekt ein Aspekt ist (wenngleich ich dann die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe für wesentlich effektiver hielte - aber anderes Thema).

Zitat
Aber wir wissen nichts über die, denen das Buch gefällt -- und wie sollten wir auch? Wie können wir sie dann kritisieren?

Mir gings hier auch nicht darum, jemanden zu kritisieren; dann hätte ich das ganz anders formuliert.

Offline Arjuna

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #19 am: 21. März 2011, 21:29:05 Nachmittag »
Ich kann ja nicht so ganz verstehen, was das Motiv ist, so ein Buch zu veröffentlichen und auch zu lesen.

Warum bleiben Leute bei Verkehrsunfällen stehen um zu gaffen? Viele werden es halt kaufen und lesen wollen, weil es ein Mega-Skandal ist/war und sie neugierig sind, etwas über das Leben im Keller zu erfahren.
Das Leben besteht aus vielen kleinen Münzen, und wer sie aufzuheben versteht, hat ein Vermögen.
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Offline Mara

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #20 am: 22. März 2011, 10:54:28 Vormittag »
Zitat
Aber wir wissen nichts über die, denen das Buch gefällt -- und wie sollten wir auch? Wie können wir sie dann kritisieren?

Mir gings hier auch nicht darum, jemanden zu kritisieren; dann hätte ich das ganz anders formuliert.

Ja, das weiß ich jetzt!  :breitgrins:  Nichts für ungut.
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Mrs Brandon

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #21 am: 22. März 2011, 21:13:28 Nachmittag »
Ich kann ja nicht so ganz verstehen, was das Motiv ist, so ein Buch zu veröffentlichen

Sie wollte ihre Geschichte so erzählen, wie sie wirklich war. Wenn man bedenkt, was schon hier in Deutschland alles Schlimme über sie in Umlauf war, dann halte ich das für einen nachvollziehbaren Schritt, für den sie meinen Respekt hat.

Zitat
Und vielleicht könnt ihr mir ja beantworten, was der Grund ist, so ein Buch zu lesen.

Für mich gab es zwei Gründe: Neugier auf die wahre Geschichte (im Gegensatz zu dem, was man seit 2006 so durch die Medien gehört hat...) und wenigstens eine kleine Unterstützung für Kampusch.

Offline Aeria

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #22 am: 01. März 2012, 22:41:29 Nachmittag »
Ich kann ja nicht so ganz verstehen, was das Motiv ist, so ein Buch zu veröffentlichen

Sie wollte ihre Geschichte so erzählen, wie sie wirklich war. Wenn man bedenkt, was schon hier in Deutschland alles Schlimme über sie in Umlauf war, dann halte ich das für einen nachvollziehbaren Schritt, für den sie meinen Respekt hat.

Frau Kampusch wollte mit diesem Buch ein paar Dinge klarstellen. Ich finde, das ist ihr gelungen.
Sie fügt sich nicht in die klassische Opferrolle, das scheinen ihr manche Leute übel zu nehmen.

Und vielleicht könnt ihr mir ja beantworten, was der Grund ist, so ein Buch zu lesen.

Zum Teil Recherche. Ich schreibe zur Zeit eine Geschichte über einen ähnlichen Fall und wollte wissen, wie sich so eine Gefangenschaft psychologisch auf ein Opfer auswirkt. Die Alternative wären psychologische Fachbücher gewesen. Da finde ich doch Frau Kampuschs Buch leichter zu lesen und zu verstehen.
Zum anderen Teil Neugier. Verklagt mich doch.

Ich fand das Buch beeindruckend. Frau Kampusch erzählt in schlichten Worten von den acht Jahren im Kellerverlies, das kleiner war als mein Badezimmer. Ich kann mir das, was das Kind Natascha durchgemacht hat, nicht einmal ansatzweise vorstellen. Das kann wohl niemand, dem das nicht selbst widerfahren ist. Nach ihrer Selbstbefreiung hat sie die Jahre, die hinter ihr liegen, analysiert und zu verarbeiten versucht. Frau Kampusch ist eine sehr starke Frau, eine schwache Person hätte das alles wohl kaum überlebt, und wenn doch, dann hätte sich ihr Verstand irgendwann abgeschaltet.

Zum Thema Medienpräsenz kann ich nicht viel sagen, ich lebe ich Deutschland und habe die "Nebenwirkungen" des Falles nur am Rande mitbekommen. Aber dass Frau Kampusch die Öffentlichkeit sucht (oder wird sie hineingedrängt?), ist völlig verständlich. Sie empfand sich in den Jahren bei Priklopil zunehmend als unsichtbar. Jetzt braucht sie natürlich die Bestätigung, dass sie wirklich überlebt hat und sichtbar ist. Ich bin nicht vom Fach, aber ich denke, das ist eine normale menschliche Reaktion.

Der Fall weist Ähnlichkeiten mit der Entführung von Colleen Stan auf. Auch deren Geschichte ist erschreckend.

***
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Offline Kirsten

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #23 am: 02. März 2012, 09:56:16 Vormittag »
Hallo!

Der Fall weist Ähnlichkeiten mit der Entführung von Colleen Stan auf. Auch deren Geschichte ist erschreckend.

Die Geschichte habe ich mir gerade durchgelesen :entsetzt: Eigentlich ist das Ganze kaum vorstellbar, gerade weil sie immer wieder Möglichkeiten zur Flucht hatte. Aber da sieht man sehr gut, wie klein man einen Menschen machen kann so dass er keinen Mut mehr hat.

Liebe Grüße
Kirsten
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Offline HoldenCaulfield

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #24 am: 02. März 2012, 10:51:14 Vormittag »
Zu Mal ja die Psychospielchen die der Täter mit seinem Opfer gespielt hat eben mehr Einfluss haben als man sich das selbst vorstellen kann.
Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

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Mein Interview mit Gail Carriger :elch:
Sonnenschirm

Offline Aeria

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #25 am: 02. März 2012, 11:06:40 Vormittag »
Fluchtmöglichkeiten sind eine Sache, aber wenn die Kraft dazu fehlt, dann lässt man diese verstreichen. Die lähmende Todesangst der Entführungsopfer und die Gehirnwäsche kann niemand nachvollziehen, der sie nicht selbst erlebt hat. Diesen Faktor darf man nicht unterschätzen.

Zum Fall Colleen Stan habe ich vor Jahren das hier gelesen:



"Die Leibeigene" von Christine McGuire und Carla Norton

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Offline Hanni

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #26 am: 30. September 2012, 23:18:27 Nachmittag »
Ich habe das Buch nun gelesen und muss sagen, es ist schon heftig, was Natascha Kampusch alles erlebt hat in den 8 Jahren Gefangenschaft. Ich habe damals nur das allererste Fernsehinterview von ihr gesehen, und da ich weder Klatsch- noch Tratschblätter lese, hab ich den ganzen Rummel um sie gar nicht mitbekommen. Einzig in einem Schweizer Gratis-Käseblatt las ich mal eine wilde Verschwörungstheorie, die mir aber nicht sehr logisch erschien. Von daher bin ich relativ unbelastet an das Buch heran gegangen. Ich hab das Buch gelesen, weil mich interessiert, wie die menschliche Psyche in Extremsituationen funktioniert.

Natascha Kampusch macht auf mich den Eindruck einer sehr starken Persönlichkeit. Sie hat sich ihre Freiräume innerhalb der Verliesmauern geschaffen. Sie hat sich mit dem Täter einigermassen arrangiert, was ihr gewisse Vorteile, beziehungsweise das Überleben gesichert hat. Aber daneben wurde sie aufs Schwerste misshandelt und eingeschüchtert von ihm. Mich hat ein wenig geschockt, wie die ersten Leute, die sie um Hilfe bat, reagiert haben. Sie schildert, wie sie nach ihrer Selbstbefreiung gut gemeinte Angebote von Menschen bekam, die ich persönlich fast dreist finde.

Das Buch ist gut und spannend geschrieben, aber trotzdem habe ich mich aufgrund des Themas mit dem Lesen schwergetan. Keine leichte Kost, die man mal nebenher liest. Ich kann jedem, der sich für ihre Sicht der Dinge interessiert, das Buch empfehlen. Wertung gebe ich angesichts des Themas keine ab.
Liebe Grüsse
Hanni

Offline Kirsten

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #27 am: 18. Oktober 2012, 20:12:33 Nachmittag »
Das Buch ist gut und spannend geschrieben, aber trotzdem habe ich mich aufgrund des Themas mit dem Lesen schwergetan. Keine leichte Kost, die man mal nebenher liest. Ich kann jedem, der sich für ihre Sicht der Dinge interessiert, das Buch empfehlen. Wertung gebe ich angesichts des Themas keine ab.

Aha, daher kommt der Kommentar "Keine Wertung" im Listenthread. Ich hatte mich schon gewundert und vermutet, dass dir das Buch nicht gefallen hat. Jetzt kann ich dich verstehen :winken:
“Life should not be a journey to the grave with the intention of arriving safely in a pretty and well preserved body, but rather to skid in broadside in a cloud of smoke, thoroughly used up, totally worn out, and loudly proclaiming "Wow! What a Ride!”

Offline Hanni

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #28 am: 18. Oktober 2012, 21:21:49 Nachmittag »
Ich hab die Begründung im Listenthread nachträglich noch etwas genauer formuliert, das "Keine Wertung" wahr wohl ein bisschen spartanisch. :zwinker:
Liebe Grüsse
Hanni

Offline Kirsten

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Re: Natascha Kampusch -- 3069 Tage
« Antwort #29 am: 19. Oktober 2012, 08:27:38 Vormittag »
Immerhin hat mich der Kommentar neugierig gemacht. Ich habe noch mal den Thread durchgelesen und das Buch notiert. Von daher war er doch gar nicht so schlecht.
“Life should not be a journey to the grave with the intention of arriving safely in a pretty and well preserved body, but rather to skid in broadside in a cloud of smoke, thoroughly used up, totally worn out, and loudly proclaiming "Wow! What a Ride!”