Ich habe mittlerweile die Hälfte gelesen und die Geschichte hat mich voll in ihren Bann gezogen. Die Figuren sind wirklich toll gezeichnet und wirken sehr lebendig. Einer der Magister wirkt dabei so bedrohlich, dass ich es fast spüren kann und es auch mir, und nicht nur der Figur im Buch, richtig unangenehm in seiner Anwesenheit wird. Die Gefahr, die von ihm ausgeht und die Manipulationen, die er betreibt, wirken auf mich recht stark und lassen eine so bedrohliche Atmosphäre entstehen, dass ich mich richtig fürchte vor dem, was er wohl plant. So eine spürbar bedrohliche Stimmung, wegen der es mich fast graut, weiter von ihm und seiner Unheimlichkeit zu lesen, hatte ich schon länger nicht mehr. Manchmal hat man das ja, dass man sich kaum traut, weiterzulesen, weil einem die betroffenen Figuren so leid tun, aber man gar nicht anders kann, weil es so spannend ist. Hier hoffe ich einfach, dass sein momentanes "Opfer" doch noch genug Stärke hat, diesen fiesen Anschlag, der sich offensichtlich abzeichnet, irgendwie abzuwenden.
Denn gleichzeitig zum Abscheu, den man für gewisse Figuren entwickelt, stellte sich auch bei anderen gleich eine besondere Nähe ein. Die Autorin schafft es nach meinem Empfinden richtig gut, in die Figuren einzudringen. Man bekommt viele ihrer Gedanken und Gefühle mit und das bringt viel Nähe. Es ist aber nicht so, dass sie eindimensional sind, auch wenn die ein oder andere Figur für mich eindeutig zugeordnet wird. Kamala z. B. ist gar keine einfache Person. Es brauchte eine Zeit, bis ich mir ihr warm wurde und auch jetzt macht sie es einem nicht immer einfach. Aber gerade das ist toll, denn sie selbst macht es sich nicht einfach und genau das bekommt man als Leser zu spüren. Einerseits habe ich viel Mitleid mit ihr und verstehe ihren Antrieb und fiebere mit ihr, andererseits erschreckt mit auch ihre manchmal aufkommende Kaltblütigkeit und Machtgier, besonders wenn ich daran denke, wie sie mit ihrer Magie umgeht, obwohl sie weiß, was das kostet. Ihre Zerrissenheit und ihre Gedanken darüber zeigen mir aber auch wieder, dass sie auch als Magister (noch) menschlich ist und machen sie wieder sympathisch. Ich hoffe sehr auf eine weitere positive Entwicklung, auch wenn das wohl eigentlich nicht in der Natur eines Magisters liegt.
Spannend ist auch, dass man das "Opfer", aus dem die Kraft für die Magie gezogen wird, auch als Leser mit begleitet. Und es ist schlimm, mit anzusehen, wie dieses immer mehr Kraft verliert, auch wenn es dagegen angekämpft und einen Ausweg sucht. Man leidet richtig mit und entwickelt eine Wut auf die Magisterin, während man aber auch gleichzeitig mit der Magisterin bangt, während diese sich wiederum mithilfe eben dieser Kraft selbst Angriffen erwehren muss. Es ist wirklich ein Dilemma, in dem man als Leser steckt, aber das macht es auch um so spannender, denn man kann nicht nur auf einer Seite stehen und es gibt eben nicht nur weiß und schwarz.
Besonders gut gefallen mir auch die Beschreibungen, wenn es darum geht, dass Magie angewendet wird. Ob der Anwendende beschrieben wird, der dem sie entzogen wird oder der, gegen den sie in welcher Form und von wem auch immer, angewendet wird. Jedesmal wirken die damit zusammenhängenden Geschehnisse und Empfindungen auf mich sehr intensiv. Ich kann beim Lesen richtig schön in diese Szenen eintauchen. Und nicht nur in die magischen Szenen, auch die "normalen" Szenen und Emotionen machen mir das Eintauchen leicht.
So und nun werde ich noch ein Stückchen weiterlesen. Es graut mich etwas, denn böse Ahnungen kommen bei mir gerade auf, wenn ich an die eben erzählten alten Geschichten von Göttern und Dämonen denke. Ich bin sicher, dieser Magister wollte das nicht einfach so etwas genauer wissen ...
