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Autor Thema: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz  (Gelesen 2792 mal)

finsbury

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Re: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
« Antwort #30 am: 03. April 2011, 10:43:11 »

Hallo bimo und alle,

wir sind hier ja alle recht langsam und du bist nun am weitesten. Ich habe heute Morgen das sechste Buch zu Ende gelesen und genau wie du den Kopf darüber geschüttelt, warum Franz zu Reinhold rennt und sich demütigen lässt. Vielleicht ist es Reinholds Janus-Köpfigkeit, die den gradlinigen Franz, dessen Namendeutung du schlüssig darstellst, so sehr fasziniert.
Nun hat sich auch Herberts Tätigkeitsfeld näher erschlossen: Er ist auch Dieb und Hehler, warum also macht Franz nicht bei ihm mit?
Aber man darf da wohl auch nicht mit der Logik zum Nachvollziehen herangehen. Interessant ist auch Olga / Mieze mit ihrer Naivität und Bewunderung für Eva, ihrer halb mütterlichen Haltung gegenüber Franz. Das weiße Kleidchen scheint mit allerdings eher ein Gartenlaube-Versatzstück.
Nun geht es im siebten Buch also wieder bergab: Das Ganze hat etwas von einer Schiffsschaukel ... . Unter der Woche werde ich wieder kaum weiterkommen, also dann vermutlich bis nächstes Wochenende.

finsbury
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bibliomonster

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Re: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
« Antwort #31 am: 03. April 2011, 11:36:26 »

Gerade gelesen, zum Thema "Rundfunk in der Weimarer Republik":

"Experimente gab es in diesem neuen Medium auch, besonders gegen Ende der 1920er Jahre. 1930 sollte eine vom Autor bearbeitete, im vorauseilenden Gehorsam geglättete Fassung von Döblins Berlin Alexanderplatz unter dem Titel Die Geschichte vom Franz Biberkopf gesendet werden. Nach dem Wahltriumph der Nationalsozialisten bei den Septemberwahlen wurde das Stück aber abgesetzt." (Peter Hoeres, Die Kultur von Weimar, S. 97)

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finsbury

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Re: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
« Antwort #32 am: 10. April 2011, 10:15:26 »

Hallo,

bin kaum weitergekommen, da ich auch weiterhin viel zu tun habe und außerdem ein dickleibiges anderes Buch dazwischengeschoben habe, das ich aber in der nächsten Woche beende und dann werde ich wieder und diesmal ohne Unterbrechung den Alexanderplatz zu Ende lesen.
Der Beginn des siebten Buches ist ja wieder ein Paradebeispiel für die Montagetechnik: So ganz hat sich mir noch nicht erschlossen, inwiefern sich die zahlreichen Handlungs- und Gedankensplitter auf die Haupthandlung beziehen: der fette Gerichtsbeamte beim Mittagessen, der "Liebesbrief" des Arbeitermädchens, der Tagebucheintrag des kranken arbeitslosen Mädchens ... .

Schönen Sonntag und eine angenehme Arbeitswoche!

finsbury
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finsbury

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Re: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
« Antwort #33 am: 23. April 2011, 20:21:19 »

Hallo,

anscheinend bin ich hier inzwischen allein und auch endlich fertig. Wobei das "endlich" nicht negativ klingen soll: Das Buch war zwar anstrengend, aber nicht - wie ich schon oben schrieb - wegen des Montagestils, den ich weiterhin als anregend und erhellend empfinde, sondern wegen Biberkopfs Schafsköpfigkeit. Aber das Ende erklärt das alles und versöhnt mit Franzens Naivität. Das Unreflektierte seiner Lebenseinstellung wird seinem fehlenden Schuldeingeständnis zur Seite gestellt und in einer furiosen Sterbeszene, aus der Biberkopf zu einem neuen Leben dennoch wieder erwacht, erkennt er seinen Anteil am Geschehen und kann nun geläutert weiterleben. Auch jetzt rächt er sich nicht an Reinhold, aber nicht wegen falsch verstandener Faszination, sondern weil er über ihn hinweg ist.
Insgesamt ein sehr eindruckvolles Buch, zu dem ich mir durchaus mal eine Zweitlektüre vorstellen könnte.
Hört man noch was von euch zum Buch, bimo und Stefanie?

Zunächst mal schöne Ostern!

finsbury
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Doris

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Re: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
« Antwort #34 am: 23. April 2011, 21:36:25 »

Hallo finsbury,

ich hatte das Buch ja schon bald wieder abgebrochen, aber immer mitgelesen, welche Gedanken ihr noch postet. Mein Eindruck ist jetzt noch noch mehr als vorher, dass Franzens Geschichte durchaus lesenswert ist, selbst oder gerade weil er sich so schafsköpfig verhält, doch der Montagestil nahm mir die Lust. Zwar war mir von Anfang an bewusst, dass die Lektüre nicht einfach werden könnte, aber wahrscheinlich bin ich mit den falschen Vorstellungen an die Sache herangegangen.

Ich denke, ich werde in ein paar Jahren einen neuen Anlauf starten. Man entwickelt sich ja weiter und wer weiß, wie sich der Geschmack ausrichtet.

Liebe Grüße
Doris
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Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben,
sondern es ist viel, was wir nicht nützen.
Lucius Annaeus Seneca

finsbury

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Re: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
« Antwort #35 am: 24. April 2011, 12:34:46 »

Danke Doris,

dass du dich noch einmal gemeldet hast. Jedes Buch hat seine Zeit, diese Erfahrung habe ich auch oft gemacht. Bücher, die ich früher liebte, kommen mir heute teilweise zu übertrieben oder gefühlig vor. Themen wie Krieg und Not dagegen interessieren mich heute mehr und ich kann es durchstehen, darüber zu lesen: Früher war mir das oft zu harte Kost. Berlin Alexanderplatz hat wieder seine ganz eigene Geschichte: entweder sie passt zum inneren Erleben des Lesers oder eben nicht.
Weiterhin schönes Ostern

finsbury
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bibliomonster

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Re: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
« Antwort #36 am: 24. April 2011, 19:14:25 »

Hört man noch was von euch zum Buch, bimo und Stefanie?

Hallo finsbury,

ich habe Berlin Alexanderplatz erst gestern beendet und weiß nicht, was ich dazu noch schreiben könnte. Ich mache es mir daher einfach und "arbeite" deinen Beitrag ab. Auch für mich war das Buch anstrengend zu lesen - anfänglich wegen der beeindruckenden Fülle von Informationen, die wie eine Flut über mich hereinbrach und mit sich riss, zunehmend jedoch wegen Franzekens unverständlicher Schafsköpfigkeit, bei der ich schließlich sogar resignierte. Das Ende, besonders die Sterbeszene, hat mich dann wieder überrascht. Dass Biberkopf sich nie seine Schuld eingestanden hat oder niemals Reue zeigte, habe ich gar nicht bemerkt. Sein Schuldeingeständnis hat ihn mir dann aber sympathischer (sogar menschlicher) erscheinen lassen, als jemals zuvor.

Merkwürdigerweise empfinde ich das Ende noch immer als zu abrupt. Biberkopfs Geschichte ist erzählt, seine Läuterung hat stattgefunden und wir konnten die ersten Schritte in seinem neuen Leben beobachten. Und trotzdem finde ich es merkwürdig, ihn nach dieser langen und erlebnisreichen Zeit - die ich ihm gefolgt bin, in der ich mit ihm gelitten, bei der ich mich maßlos über ihn geärgert habe - ihn nun also zu verlassen.

Wie du bereits sagtest, ein eindrucksvolles  und einprägsames Buch, das ich mit Sicherheit wieder lesen werde.

Danke für die schöne Leserunde und sonnige Ostern,
bimo
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finsbury

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Re: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
« Antwort #37 am: 25. April 2011, 15:16:05 »

Hallo bimo,

dann sind wir uns ja mit der Einschätzung des Romans ziemlich einig.
Es war für mich - jetzt im Nachhinein betrachtet -  außerdem ein Blick in eine Welt, den ich lektüremäßig nicht häufig tue. Meist sind die HeldInnen der Romane, die ich so lese, nicht aus dem hier dargestellten "Milljö", um es mit Zille zu sagen, und vielleicht hat es auch damit zu tun, dass es mir schwer fiel, mich in Franzens Denk- und Lebensweise einzufinden. Aber gerade deshalb ist das Buch auch ein Werk, das mir sicherlich mehr im Gedächtnis bleiben wird als irgendwelche skrupulösen Bidungsbürger-Elogen. 
Vielleicht lesen wir im September ja wieder gemeinsam in der Harper Lee- Leserunde, auch hier Romanhelden, die für mich weniger alltäglich sind.
Auch dir sei herzlich gedankt für die gemeinsame Lektüre!

finsbury
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Michaela

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Re: Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz
« Antwort #38 am: 09. Februar 2012, 17:00:13 »

Also das Buch war ganz gut aber ohne die Königserläuterung wäre ich nie auf die Interpretation wie der Hurre Babylon etc gekommen...Musste es allerdings für die Schule lesen daherkann ich jedem der damit anfänglich nur raten sich für dieses Buch ein wenig mehr Zeit zu nehmen da man sich wirklich erstmal reinlesen muss vorallem weil Bieberkopf ständig in den Zeiten springt... :klatschen: