Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?  (Gelesen 2694 mal)

Annabas

  • Listenleserin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 5276
  • SuB-Minimalistin
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #30 am: 03. März 2011, 15:15:40 »

Hätte so mancher tote oder lebende Diktator wirklich versucht, Kunst zu schaffen, er müsste seine Diktatur an den Nagel hängen.

Jein. Die bildende Kunst inkl. der Architektur im dritten Reich war handwerklich und ästhetisch auf hohem Stand, wenn sie auch Ideale transportierte, die wir heute unerträglich finden und damit auch die damaligen Werke. Aber ich will hier keine "Was ist Kunst"-Diskussion anreißen.  :zwinker:

Grüße von Annabas  :winken:
Gespeichert
:blume:   "Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten." Rabindranath Tagore (1861-1941)
Hier gehts zum SuB 2012 - Freue mich über jeden Kommentar!

Stormy

  • langsam seelisch sterbende Hobbit-Erwarterin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2155
  • King Arthur Fan
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #31 am: 03. März 2011, 15:20:00 »

Ein Mensch, der bleibende Kunst schafft, kann zum Zeitpunkt dieses Erschaffens kein ganz schlechter Mensch gewesen sein. Ein Kunstwerk, das Leute anspricht, transportiert auch Werte. Werte, mit denen ich mich identifizieren kann. Ich kenne beispielsweise kein Kunstwerk, welches Rassissmus verherrlicht. Das Gegenteil ist bei Kunstwerken der Fall. Sie zielen auf Menschlichkeit ab.

Provokativ formuliert (ich hoffe aber auf Eure Zustimmung): Hätte so mancher toter oder lebender Diktator wirklich versucht, Kunst zu schaffen, er müsste seine Diktatur an den Nagel hängen.

Gruß, Thomas

Da muss ich dir widersprechen, denn z.B.: W.A.S.P. Mal abgesehen davon, dass der Name vermutlich als pure Provokation gemeint ist, ist der Frontman und Bandleader Blackie Lawless ein absolutes A***. Prügeleien, Beleidigungen, Alles-Feindlichkeit an der Tagesordnung. Ausserdem frauenfeindliche und sexistische Texte und Äusserungen, die sich jeglicher Nächstenliebe entziehen. Niemand kann mir sagen, so jemand sei kein schlechter Mensch. Ein Mensch, der so viel schlechtes tut, ist für mich ein schlechter Mensch.

Trotzdem finde ich seine Musik genial und werde sie auch weiterhin hören. Und ja, auch seine Texte transportieren Werte, doch nicht mit allen diesen Werten kann ich mich identifizieren. Aber stören tut mich das nicht.

Was ich damit sagen will ist, dass ich es als genau umgekehrt empfinde: Auch ein nach meiner Definition schlechter Mensch, kann für mich faszinierende Kunst schaffen. Zum Aspekt der explizit bleibenden Kunst: Genannte Band ist seit 1984 (wenn ich das richtig im Kopf habe) erfolgreich. Und ich werde es wohl auch noch in 20 Jahren gut finden. ;)
Gespeichert
"This is not a task to be undertaken lightly." - Gaius in "Merlin"
"Und wenn Euch der Mut verlässt, so tretet beiseite und sieht uns zu." - Sir Tristan in "Le Morte D'Arthur"

Perfect Dark (mein Blog)

Mara

  • Tagträumerin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 99
  • Carpe Noctem
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #32 am: 03. März 2011, 15:27:42 »

Stimmt, jedem kann mal in der Öffentlichkeit ein Ausrutscher passieren (aus emotionale Zuständen  :breitgrins:). Aber ein Rassist ist man ja nicht aus einer plötzlichen Gefühlsregung heraus. Yklamyley hat es auf den Punkt gebracht:

Und: Rassismus etc. fällt für mich nicht unter "Meinungsfreiheit", weil es menschenverachtend und schlicht nichts ist, worüber sich diskutieren lässt. Ich toleriere Intoleranz nicht!

Das stimmt natürlich, da gibt es absolut nichts zu diskutieren. ;) Vielleicht habe ich mich etwas unklar ausgedrückt: Ich meinte mehr, wenn in einem Buch (oder auch einem Lied) Äusserungen vorkommen, wie *spontanes Beispiel*: "Verfüttert die Typen fussvoran den Krokodilen" (hier bezogen auf Priester) usw. dann ist das nicht zwangsläufig die dauerhafte Grundhaltung der Person, die es geschrieben hat. Das könnte aus einer Rage heraus entstanden sein. Dafür müsste man etwas mehr darüber wissen bzw. mehrere Texte derselben Person kennen, die darauf hinweisen (dann siehe unten *).

Und dann ist es ja möglich, dass gehäuft vorkommende Textelemente nicht immer so ganz als politische, religiöse oder gesellschaftliche Haltungen ernstzunehmen sind, weil z.B. in gewissen Kreisen einfach ein Kult darum herrscht. Ich habe gerade die Zahl 666 im Metal im Kopf; nicht jede Band, die sie propagiert, besteht auch aus Satanisten. ;) Die meisten machen das aus Unsinn, weil sie es lustig finden. ("Us seich", sagen wir in der Schweiz. ;)) So meinte ich das mehr.

Da hast du natürlich Recht, im Musikbusiness kommt das ja öfter vor.  :zwinker:

Spontan fällt mir jetzt Eminem ein - seine Aussagen zu Homosexuellen waren ja wirklich ...  :grmpf: -- und dann arbeitet er mit Elton John zusammen.  :rollen:

Ein Mensch, der bleibende Kunst schafft, kann zum Zeitpunkt dieses Erschaffens kein ganz schlechter Mensch gewesen sein. Ein Kunstwerk, das Leute anspricht, transportiert auch Werte. Werte, mit denen ich mich identifizieren kann. Ich kenne beispielsweise kein Kunstwerk, welches Rassissmus verherrlicht. Das Gegenteil ist bei Kunstwerken der Fall. Sie zielen auf Menschlichkeit ab.

Provokativ formuliert (ich hoffe aber auf Eure Zustimmung): Hätte so mancher toter oder lebender Diktator wirklich versucht, Kunst zu schaffen, er müsste seine Diktatur an den Nagel hängen.

Gruß, Thomas

Da muss ich dir widersprechen, denn z.B.: W.A.S.P. Mal abgesehen davon, dass der Name vermutlich als pure Provokation gemeint ist, ist der Frontman und Bandleader Blackie Lawless ein absolutes A***. Prügeleien, Beleidigungen, Alles-Feindlichkeit an der Tagesordnung. Ausserdem frauenfeindliche und sexistische Texte und Äusserungen, die sich jeglicher Nächstenliebe entziehen. Niemand kann mir sagen, so jemand sei kein schlechter Mensch. Ein Mensch, der so viel schlechtes tut, ist für mich ein schlechter Mensch.

Was ich damit sagen will ist, dass ich es als genau umgekehrt empfinde: Auch ein nach meiner Definition schlechter Mensch, kann für mich faszinierende Kunst schaffen.

Stimmt. Außerdem: wer kann mir sagen, ob Picasso ein schlechter Mensch gewesen ist? In vielen Kunstwerken erkennt man weder die Persönlichkeit noch die Werte des Künstlers, außer er zielt darauf ab.
« Letzte Änderung: 03. März 2011, 15:29:24 von Mara »
Gespeichert
Tread lightly, love deeply and live joyfully, for we are stalked by time and shadows. (A. J. Dalton)

Jaqui

  • Bücherzwerg
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 3911
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #33 am: 03. März 2011, 15:31:22 »

Spontan fällt mir jetzt Eminem ein - seine Aussagen zu Homosexuellen waren ja wirklich ...  :grmpf: -- und dann arbeitet er mit Elton John zusammen.  :rollen:

Bei so was bin ich mir dann nie sicher ob der Mann das ernst meint, oder ob er mit provokanten Aussagen nur im Gespräch bleiben will.
Denn jeder der aus der Branche kommt, weiß: Schlechte Publicity ist zehnmal besser als gar keine.

Katrin
Gespeichert
SLW: 1/10
Wiener SLW: 1/5

MacOss

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 1708
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #34 am: 03. März 2011, 15:37:02 »

Ich hätte auch ein Problem damit, ein Buch von jemandem zu lesen, den ich wegen seiner persönlichen Ansichten ablehne. Wenn ich das vorher weiß, lese ich erst gar nichts von ihm. Die Welt der Literatur ist so groß - da muss ich nichts von Idioten lesen. Da geht’s mir wie Yklamyley.

Aber mal unabhängig von der Frage, ob ich einen Autor ablehne oder nicht: Ich staune, dass es hier so viele Leute gibt, denen es völlig egal ist, wer die Bücher geschrieben hat, die sie lesen.

Für mich ist es immer schon - mal mehr, mal weniger - wichtig gewesen, etwas über denjenigen Autor zu wissen, dem ich meine Zeit und Aufmerksamkeit widme, und seien es nur ein paar biographische Eckdaten. Ich lese ungern ein Buch, ohne wenigstens den Wikipedia-Artikel zum Autor überflogen zu haben. Und wenn sich dabei herausstellt, dass der Autor ein Mensch mit fragwürdigen politischen, moralischen oder menschlichen Ansichten ist, dann fällt er eben durch den Rost.

Bestimmte Bücher versteht man unter Umständen auch besser, wenn man etwas über den persönlichen Hintergrund des Autors erfährt. Wir hatten neulich die Diskussion um Mark Twains „Huckleberry Finn“, in dem die Figur des Sklaven Jim als „Nigger“ bezeichnet wird. Wenn ich vorher weiß, wer das Buch geschrieben hat (Mark Twain war kein Rassist!) und auch zeitlich und räumlich einordnen kann, wann und wo der Autor gelebt hat (zu Zeiten der Sklaverei und Rassentrennung in den USA!), hilft mir das doch bei der Lektüre ungemein. Stellt Euch vor, Ihr würdet „Huckleberry Finn“ ohne dieses Wissen lesen. Was würdet Ihr über den Autor denken?
Gespeichert
Auf zu neuen Ufern! :smile:

Pandora

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1425
  • -
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #35 am: 03. März 2011, 15:51:27 »

Wow, schon 3 Seiten!
Ich finde eure Antworten sehr spannend und ich muss zugeben, dass ich selbst auch keine einheitliche Meinung dazu habe.

Da ich sehr viele Blogs und Communities und auch die Aktivitäten weniger Autoren verfolge, bekomme ich natürlich öfter mit, wenn ein Autor sich eine "Verfehlung" leistet. Das meiste davon ist einfaches Gezicke (Wenn du mein Buch doof findest, dann bist du selbst doof! So!) und in diesen Fällen würde ich nicht bewusst sagen: Den lese ich nicht mehr.
Aber: Ich stelle fest, dass es mich beeinflusst. Ich kann das im Kopf nicht trennen und stelle fest, dass ich ungern zu Büchern dieses Autors greife und sie kritischer lese. Und auch, dass ich die Bücher nicht so unbeschwert genießen kann (darum geht es ja vor allem in dem Blogartikel, den ich im Eingangspost verlinkt habe). Ich habe vor einigen Jahren an einer Leserunde teilgenommen, in dem ein Autor auf einen kritischen Hinweis sehr überheblich reagiert hat. Es ist ein guter Autor, er kann schreiben. Aber ich habe festgestellt, dass ich eine ganze Weile schlicht keine Lust mehr auf seine Bücher hatte.
Bei extremen, menschenverachtenden Meinungen würde ich aber wohl in den meisten Fällen bewusst aufhören Bücher dieses Menschen zu kaufen. Ich kann da nicht aus meiner Haut. Bestimmte Dinge stoßen mich zu sehr ab.
Ich reagiere in der Frage also eher emotional als rational.

Ich frage mich übrigens, ob es eine Rolle spielt, wenn es sich um einen Autor von tendenziell eher Unterhaltungsliteratur oder um Literatur mit einem künstlerischen Anspruch handelt. Ich weiß, die Grenzen sind fließend und wie Annabas möchte ich eine "Was ist Kunst?"-Diskussion vermeiden. Aber beim Lesen eurer Diskussion fiel mir auf, dass das vielleicht auch eine Rolle spielen könnte.

Bestimmte Bücher versteht man unter Umständen auch besser, wenn man etwas über den persönlichen Hintergrund des Autors erfährt. Wir hatten neulich die Diskussion um Mark Twains „Huckleberry Finn“, in dem die Figur des Sklaven Jim als „Nigger“ bezeichnet wird. Wenn ich vorher weiß, wer das Buch geschrieben hat (Mark Twain war kein Rassist!) und auch zeitlich und räumlich einordnen kann, wann und wo der Autor gelebt hat (zu Zeiten der Sklaverei und Rassentrennung in den USA!), hilft mir das doch bei der Lektüre ungemein. Stellt Euch vor, Ihr würdet „Huckleberry Finn“ ohne dieses Wissen lesen. Was würdet Ihr über den Autor denken?

Das ist ein interessanter Punkt. Erinnert mich daran, dass man es in Amerika vor kurzem für nötig befunden hat, eine zensierte Ausgabe von "Huckleberry Finn" herauszugeben, um den Menschen das Denken und die Auseinandersetzung mit den Hintergründen abzunehmen.
Gespeichert

Mara

  • Tagträumerin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 99
  • Carpe Noctem
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #36 am: 03. März 2011, 15:52:59 »

Bestimmte Bücher versteht man unter Umständen auch besser, wenn man etwas über den persönlichen Hintergrund des Autors erfährt. Wir hatten neulich die Diskussion um Mark Twains „Huckleberry Finn“, in dem die Figur des Sklaven Jim als „Nigger“ bezeichnet wird. Wenn ich vorher weiß, wer das Buch geschrieben hat (Mark Twain war kein Rassist!) und auch zeitlich und räumlich einordnen kann, wann und wo der Autor gelebt hat (zu Zeiten der Sklaverei und Rassentrennung in den USA!), hilft mir das doch bei der Lektüre ungemein. Stellt Euch vor, Ihr würdet „Huckleberry Finn“ ohne dieses Wissen lesen. Was würdet Ihr über den Autor denken?

Dass er ein Rassist ist und daher Abschaum? :breitgrins:
Ja, bei älteren Büchern würde ich mich auf jeden Fall über die damaligen Umstände, Politik und Probleme usw. informieren. Aber man kann sich nicht über alle Autoren im vorhinein informieren, sonst müsste man nur noch Bücher im Internet kaufen.  :zwinker:

@Jaqui: Bei Eminem kann man nie wissen. Wie soll man sich da noch auskennen?

Persönlich sehe ich übrigens politische Extreme sehr kritisch, auch wenn ich ihnen ihre Daseinsberechtigung zuspreche. Mir ist allerdings aufgefallen, dass gerade eine mMn übertriebene Hysterie betrieben wird, wenn es um angeblichen Rechtsextremismus geht. Die Nazikeule wird ziemlich schnell ausgepackt und entsprechend gelassen gehe ich mittlerweile mit "Nazi!"-Rufen um.

Ich sehe da eher die Gefahr, dass man Rechtsextremismus verharmlost.

--> Wow, ganz schön heiße Diskussion hier.
Gespeichert
Tread lightly, love deeply and live joyfully, for we are stalked by time and shadows. (A. J. Dalton)

MacOss

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 1708
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #37 am: 03. März 2011, 16:10:50 »

Bei extremen, menschenverachtenden Meinungen würde ich aber wohl in den meisten Fällen bewusst aufhören Bücher dieses Menschen zu kaufen. Ich kann da nicht aus meiner Haut. Bestimmte Dinge stoßen mich zu sehr ab.
Ich reagiere in der Frage also eher emotional als rational.

Da zieht man natürlich seine eigene Grenze und weiß schnell, wann diese überschritten ist. Und bei den einen liegt die Schwelle vielleicht niedriger als bei anderen.

Grundsätzlich würde ich aber ein Buch nicht von vornherein ablehnen, nur weil mir der Autor unsympathisch ist. Viele Autoren sind Stinkstiefel - da würde mir ja eine Menge guter Literatur entgehen. :zwinker:
« Letzte Änderung: 03. März 2011, 16:19:49 von MacOss »
Gespeichert
Auf zu neuen Ufern! :smile:

Cookie

  • Anachronistische Schreckse
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1962
  • 221B Baker Street
    • Mein Blog
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #38 am: 03. März 2011, 17:25:56 »

Wow, hier wurde ja eine ganz schöne Diskussion losgetreten!

Für mich ist es immer schon - mal mehr, mal weniger - wichtig gewesen, etwas über denjenigen Autor zu wissen, dem ich meine Zeit und Aufmerksamkeit widme, und seien es nur ein paar biographische Eckdaten. Ich lese ungern ein Buch, ohne wenigstens den Wikipedia-Artikel zum Autor überflogen zu haben. Und wenn sich dabei herausstellt, dass der Autor ein Mensch mit fragwürdigen politischen, moralischen oder menschlichen Ansichten ist, dann fällt er eben durch den Rost.

Mir geht es genauso. Ich erfahre immer gerne, was das für Menschen sind, deren Werk ich schätze. Und das ist ja im Internet-/Wikipedia-Zeitalter nicht schwer. Egal ob das nun Schauspieler, Musiker oder eben Autoren sind. Wenn da mal jemand ein ziemlicher Unsympath ist, finde ich das gar nicht so schlimm (wieso muss ich da gerade an Klaus Kinski als Beispiel denken..?) und auch, wenn sich mal jemand im Ton vergreift, aber wenn jemand eine krasse politische oder weltliche Einstellung hat, die mit meinem Weltbild total kollidiert, schrumpft meine Bewunderung für denjenigen doch ziemlich schnell. Damit meine ich antisemitische Äußerungen, wie nun bei Galliano oder auch Mel Gibson, oder auch die Hollywood-Scientologen-Riege. Natürlich können das in dem Fall immer noch die tollsten Schauspieler sein, aber wenn das erst einmal in meinem Hinterkopf ist, geht es dort so schnell nicht wieder raus.

Bei vielen kommt sicherlich, wie ihr auch schon geschrieben habt, die Zeit hinzu, von der ein Autor geprägt wurde. Würde zum Beispiel H.P. Lovecraft heute leben, hätte ich seine Werke schnell wieder weggelegt. Aber nichtsdestotrotz wird Lovecraft nie zu meinen Lieblingsautoren werden können, weil da immer dieser bittere Beigeschmack bleibt. Von Autoren unserer Zeit würde ich also sicherlich die Finger lassen, wenn ich ähnliches über sie erfahren würde, und auch wenn ich deren Werke vorher schon sehr geschätzt habe, würde ich es sicherlich nicht mehr mit der gleichen Begeisterung lesen können.

Gespeichert
Lesen, lesen, immer nur lesen und darüber die eigene erbärmliche Existenz vergessen! ~ Hildegunst von Mythenmetz
Mein SuB

Yklamyley

  • Bücherjägerin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1078
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #39 am: 03. März 2011, 18:13:39 »

Warum nicht? Weiß ich, ob die Höhlenmaler gute Menschen waren? Kunst haben sie dennoch geschaffen, die mich tief beeindruckt.

Die Frage für mich ist nur: wie bemerke ich, dass ein Autor ein "schlechter" Mensch ist?

Das "schlecht" habe ich von Klassikfreund übernommen, weil ich dachte, er hätte damit zusammengefasst, von welchen Arten von Ansichten ich vorhin geredet habe. Dieses moralisierende "schlecht" und "gut" widerstrebt mir zutiefst, so werte ich Menschen nicht. Ich verabscheue nur Menschen, deren Ansichten menschenverachtend sind und bin nicht bereit, diese zu tolerieren. Es gibt sehr viele Meinungen, die ich als nicht konform mit meiner eigenen betrachte, die aber eine Existenzberechtigung haben und um derentwillen ich Menschen nicht verachte. Rassismus (als Beispiel) gehört nicht dazu, und ich bin ehrlich schockiert, dass manchen das einfach nur egal ist.

Ungustl und Suderanten dagegen mag ich sehr! Bernhard's Wutanfälle könnte ich mir stundenlang anhören, Musils kleinkarierte Eifersucht auf sein Meisterwerk finde ich komisch und je spezieller und eigener die Charaktere desto interessanter.  :zwinker:

Persönlich sehe ich übrigens politische Extreme sehr kritisch, auch wenn ich ihnen ihre Daseinsberechtigung zuspreche.

Diese Diskussion ist vermutlich nicht gewünscht, darum nur: Ich finde diese Aussage ziemlich schlimm. Ich weiß nicht, womit Hass, Intoleranz und Menschenhetze eine Daseinsberechtigung verdient haben.

Mir ist allerdings aufgefallen, dass gerade eine mMn übertriebene Hysterie betrieben wird, wenn es um angeblichen Rechtsextremismus geht. Die Nazikeule wird ziemlich schnell ausgepackt und entsprechend gelassen gehe ich mittlerweile mit "Nazi!"-Rufen um.

Lieber einmal zu oft die Nazikeule ausgepackt als einmal zu wenig. Traurig, wie wenig die Menschen Äußerungen noch aufrütteln und noch trauriger, mit welchen Dingen Politiker und von ihnen Protegierte immer wieder davonkommen. Und nein "Bubenstreiche" sind nicht lustig, vertretbar oder sonst irgendwas, meiner Meinung nach gehen zu viele Verbrechen in dieser Richtung ungesühnt und werden als bloßer Streich abgetan.
Gespeichert
:leser:

SLW 11: 8/10 (Seychella)
SLW 12: 1/10
TAMKA - Wettbewerb 12: 0/5
Booker - Prize - Liste: 7/44
Wichtelliste: 6/10
Ungarns Komitate: 4/19
Zufallsliste Take 2: 2/5
Cult Authors: 3/141
Cult Novels: 0/54

Auch ungelebtes Leben
geht zu Ende

- Erich Fried

HoldenCaulfield

  • Käferprinzessin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 11733
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #40 am: 03. März 2011, 18:26:28 »

@Klassikfreund
Nein mit Thomas Bernhard wäre ich glaub ich nicht gerne befreundet gewesen. Es geht mir ja auch nicht darum mit einem Autor befreundet zu sein, sondern eben um die Frage was für mich an Hintergrund noch tragbar ist um seine Werke zu lesen oder nicht.

Ein Beispiel wäre bei mir Frank Schätzing. Ihn persönlich kann ich ehrlich gesagt so gar nicht ab aber Der Schwarm gefällt mir trotzdem und ich werde auch Limit von ihm lesen. Hier liegt es aber daran das ich ihn recht subjektiv betrachtet durch seine Art wie er sich gibt nicht leiden kann. Da er mir aber sonst nicht weiter negativ auffiel kann ich seine Romane trotzdem lesen ohne das ich damit groß ein Problem hab.

Und ich bin zb auch ein riesiger Klaus Kinski Fan auch wenn er im Grunde wirklich ein Saukerl war und ich mich manchmal frage warum ich ihn trotzdem toll finde... (um ein weiteres Beispiel aus der Kunst zu nehmen)

@yklamyley
Deine Aussagen kann ich absolut nur unterschreiben!
Gespeichert
Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

"[...] wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt, du bist verrückt" *L.Carroll*

Mein Interview mit Gail Carriger :elch:
Sonnenschirm

Bluebell

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 1776
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #41 am: 03. März 2011, 18:52:32 »

Hätte so mancher tote oder lebende Diktator wirklich versucht, Kunst zu schaffen, er müsste seine Diktatur an den Nagel hängen.



Muammar Al Gaddafi - Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde und der Selbstmord des Astronauten

--> Der hat's offensichtlich versucht, aber dass seine Diktatur gerade den Bach runter geht, hat damit wohl eher gar nix zu tun.  :sauer:

Ich finde diese Frage für mich extrem schwierig zu beantworten. Seit ich ein absolut widerwärtig-rechtsextremes Interview mit Utta Danella gelesen habe, schreie ich laut, dass ich von ihr sicher niemals ein Buch anrühre - Kunststück, das herumzuposaunen, wenn mich ihre Schreibe so oder so noch nie interessiert hat.  :rollen:

Bei Heimito von Doderer bin ich nicht so konsequent. Die Strudelhofstiege interessiert mich seit Jahren, ich habe sie aber wegen seiner Nazi-Beziehungen bis heute weder gekauft noch gelesen ... und trotzdem habe ich noch nicht die endgültige Entscheidung getroffen, das tatsächlich niemals zu tun. Besonders seit ich in einer Leserunde aufgeschnappt habe, dass man überhaupt nichts von braunem Gedankengut darin bemerkt ... jetzt weiß ich wieder nicht so recht.

Auch so ein Problemfall ist Peter Handke ...
Ich kann es einfach nicht ausblenden, sobald ich Wind von etwas bekommen habe, das mir gegen den Strich geht. Eine Entscheidung zu treffen ist manchmal leichter und manchmal schwieriger, aber beschäftigen wird sie mich auf jeden Fall.

Aber ich schaue ja auch noch immer Two and a half men, obwohl ich von Charlie Sheen nicht mehr allzu viel halte ...  :rollen:
Gespeichert
"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of books she wants to read, who has had a library card since she was twelve."

Anja

  • Büchersüchtel
  • Magazinteam
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 401
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #42 am: 03. März 2011, 19:21:53 »

Aber mal unabhängig von der Frage, ob ich einen Autor ablehne oder nicht: Ich staune, dass es hier so viele Leute gibt, denen es völlig egal ist, wer die Bücher geschrieben hat, die sie lesen.
[...]
Bestimmte Bücher versteht man unter Umständen auch besser, wenn man etwas über den persönlichen Hintergrund des Autors erfährt. Wir hatten neulich die Diskussion um Mark Twains „Huckleberry Finn“, in dem die Figur des Sklaven Jim als „Nigger“ bezeichnet wird. Wenn ich vorher weiß, wer das Buch geschrieben hat (Mark Twain war kein Rassist!) und auch zeitlich und räumlich einordnen kann, wann und wo der Autor gelebt hat (zu Zeiten der Sklaverei und Rassentrennung in den USA!), hilft mir das doch bei der Lektüre ungemein. Stellt Euch vor, Ihr würdet „Huckleberry Finn“ ohne dieses Wissen lesen. Was würdet Ihr über den Autor denken?

Bei Klassikern hast Du Recht. Aber bei den Krimis z.B., die ich lese, ist mir der biographische Hintergrund des Autors nicht besonders wichtig (Ausnahmen bestätigen die Regel, s.u.).

Zur Eingangsfrage:
Zitat
Würdet ihr aufgrund der Persönlichkeit eines Autors aufhören seine Bücher zu kaufen/zu lesen? Oder spielt das für euch keine Rolle?
Und: Wo ist die Grenze? Flegeliges Verhalten? Mangelnde Kritikfähigkeit? Generelle Antipathie? Oder muss es schon so ein richtiger Klopper sein?

Von der Persönlichkeit eines Autors bekomme ich, ehrlich gesagt, nicht so besonders viel mit. Außer eben bei Kloppern, wenn es wirklich durch die Medien geht. Thilo Sarazzin oder Eva Herman zum Beispiel, die könnten einen Bestseller in meinem Lieblingsgenre Krimis und Thriller schreiben und ich würde ihn nicht lesen, weil ich solche Leute nicht unterstützen möchte.

Die Diskussion finde ich übrigens klasse! Wie im kulturwissenschaftlichen Seminar bei der Frage, ob man ein Werk unabhängig vom Schöpfer betrachen kann und darf. :zwinker:
Gespeichert
Mein SUB
~~~*Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virginia Woolf)*~~~

illy

  • chronischer Bücherjunkie
  • Global Moderator
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2757
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #43 am: 03. März 2011, 19:37:26 »

Zunächst mal lese ich ja ein Buch und erfahre danach etwas über den Autor. Wenn das Buch nur mittelmäßig war, fällt es mir leicht zu sagen, dass der Typ ein Rassist/Sexist/Was-auch-immer ist und ich nie mehr etwas von ihm lesen will.  :breitgrins: Wenn ich einen Roman aber klasse fand, fällt die Sache schon anders aus: Das Beispiel Orson Scott Card aus dem ersten Beitrag geht mir da ziemlich nahe. Seine Ender-Reihe finde ich genial, da ertrage ich es auch, dass er aktiv einer Religionsgemeinschaft angehört, mit der ich nicht viel anfangen kann (ganz vorsichtig ausgedrückt). Explizit macht er seine Meinung in seinen Büchern nicht deutlich und das an impliziter Philosophie, was sicherlich von seiner Religion geprägt ist, bewegt sich im normalen Rahmen. Noch zu dem konkreten Beispiel: Soweit ich den Artikel gelesen habe (nicht sorgfältig/vollständig), der übrigens in seinem Kirchenblättchen erschienen ist, geht es ihm darin auch nicht darum Homosexualität zu verdammen, sondern darzustellen, warum er trotz seiner "kirchenkonformen" generellen Verdammung des Prinzips der Homosexualität, eine sympathische homosexuelle Figur geschaffen hat: weil nämlich homosexuelle Menschen genauso doof oder nett sind wie Heterosexuelle - nur halt sexuell verwirrt (Das ist dann natürlich wieder Quatsch, aber ich kann mir Schlimmeres vorstellen) und zu sehr in die schwule Community eingebunden um Mitglied seiner Kirche zu sein.
Mich motiviert das Ganze eigentlich eher, das besagte Buch ("Songmaster") zu lesen, um nämlich selber zu schauen, in wie fern ihm aus seiner vorurteilsbeladenen Schublade tatsächlich diese Figur gelungen ist, für die er sich bei seiner Gemeinde entschuldigen muss.

Aber wieder weg vom Beispiel zu Allgemeinerem. Wenn ich zum Beispiel wüsste, dass ein Autor seine Einkünfte einer aktiven was-auch-immer-feindlichen Gruppierung spendet, wäre das ein Grund, nichts mehr von ihm zu kaufen. In seinem Kämmerlein darf jeder denken was er will, aber wenn er es in seinen Büchern durchscheinen lässt oder laut nach draußen schreit, dann hört es bei mir auf. Und wer tatsächlich auch noch öffentlich zu Aktionen gegenüber bestimmten Menschengruppen aufruft, von dem will vermutlich wirklich nichts mehr lesen.

Thilo Sarazzin oder Eva Herman zum Beispiel, die könnten einen Bestseller in meinem Lieblingsgenre Krimis und Thriller schreiben und ich würde ihn nicht lesen, weil ich solche Leute nicht unterstützen möchte.
 
Ja, den beiden möchte ich mein Geld auch nicht in den Rachen schmeißen zukommen lassen.

Musiker sind da meiner Meinung nach generell extrovertierter, da bin ich aber auch rigoroser. Die Bösen Onkels können 100mal sagen, dass sie mit der rechten Szene nichts (mehr) zu tun haben, ich höre sie aus Prinzip nicht und wenn sie das beste Lied der letzten 5 Jahre geschrieben hätten. Und seit ich mal einen Bericht über zur Schwulenhatz aufrufende Reggae-Texte aus Jamaika gesehen habe, würde ich mich auch bei tollsten Liedern aus der Ecke erst mal informieren, bevor ich ein Konzert besuche oder mir eine CD kaufe. Schwierig wird es dann, wenn Musiker die Provokation zur Kunst erheben (Laibach:breitgrins:
Gespeichert
Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

Anja

  • Büchersüchtel
  • Magazinteam
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 401
Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #44 am: 03. März 2011, 19:53:55 »

Musiker sind da meiner Meinung nach generell extrovertierter, da bin ich aber auch rigoroser. Die Bösen Onkels können 100mal sagen, dass sie mit der rechten Szene nichts (mehr) zu tun haben, ich höre sie aus Prinzip nicht und wenn sie das beste Lied der letzten 5 Jahre geschrieben hätten. Und seit ich mal einen Bericht über zur Schwulenhatz aufrufende Reggae-Texte aus Jamaika gesehen habe, würde ich mich auch bei tollsten Liedern aus der Ecke erst mal informieren, bevor ich ein Konzert besuche oder mir eine CD kaufe.

Vollste Zustimmung.
Zu dem Thema fallen mir auch einige Schauspieler ein: John Travolta und Tom Cruise z.B., deren Filme ich mir nicht mehr ansehe, weil ich damit indirekt Scientology unterstützen würde. (Was mir bei Cruise nicht leicht fällt, weil ich "Minority Report" von 2002 richtig klasse fand.)
Und ein lustigeres Beispiel (lustig deswegen, weil ich wahrscheinlich im ganzen Forum die Einzige bin, die diese Casting-Show überhaupt gesehen hat... :zwinker:): Seit ich seine unsäglich sexistische Mistsuppe "Mission Hollywood" gesehen habe, boykottiere ich Filme von Til Schweiger, weil er mir als Person dadurch äußerst unsympathisch wurde.
Gespeichert
Mein SUB
~~~*Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virginia Woolf)*~~~