Zunächst mal lese ich ja ein Buch und erfahre danach etwas über den Autor. Wenn das Buch nur mittelmäßig war, fällt es mir leicht zu sagen, dass der Typ ein Rassist/Sexist/Was-auch-immer ist und ich nie mehr etwas von ihm lesen will.

Wenn ich einen Roman aber klasse fand, fällt die Sache schon anders aus: Das Beispiel Orson Scott Card aus dem ersten Beitrag geht mir da ziemlich nahe. Seine Ender-Reihe finde ich genial, da ertrage ich es auch, dass er aktiv einer Religionsgemeinschaft angehört, mit der ich nicht viel anfangen kann (ganz vorsichtig ausgedrückt). Explizit macht er seine Meinung in seinen Büchern nicht deutlich und das an impliziter Philosophie, was sicherlich von seiner Religion geprägt ist, bewegt sich im normalen Rahmen. Noch zu dem konkreten Beispiel: Soweit ich den Artikel gelesen habe (nicht sorgfältig/vollständig), der übrigens in seinem Kirchenblättchen erschienen ist, geht es ihm darin auch nicht darum Homosexualität zu verdammen, sondern darzustellen, warum er trotz seiner "kirchenkonformen" generellen Verdammung des Prinzips der Homosexualität, eine sympathische homosexuelle Figur geschaffen hat: weil nämlich homosexuelle Menschen genauso doof oder nett sind wie Heterosexuelle - nur halt sexuell verwirrt (Das ist dann natürlich wieder Quatsch, aber ich kann mir Schlimmeres vorstellen) und zu sehr in die schwule Community eingebunden um Mitglied seiner Kirche zu sein.
Mich motiviert das Ganze eigentlich eher, das besagte Buch ("Songmaster") zu lesen, um nämlich selber zu schauen, in wie fern ihm aus seiner vorurteilsbeladenen Schublade tatsächlich diese Figur gelungen ist, für die er sich bei seiner Gemeinde entschuldigen muss.
Aber wieder weg vom Beispiel zu Allgemeinerem. Wenn ich zum Beispiel wüsste, dass ein Autor seine Einkünfte einer aktiven was-auch-immer-feindlichen Gruppierung spendet, wäre das ein Grund, nichts mehr von ihm zu kaufen. In seinem Kämmerlein darf jeder denken was er will, aber wenn er es in seinen Büchern durchscheinen lässt oder laut nach draußen schreit, dann hört es bei mir auf. Und wer tatsächlich auch noch öffentlich zu Aktionen gegenüber bestimmten Menschengruppen aufruft, von dem will vermutlich wirklich nichts mehr lesen.
Thilo Sarazzin oder Eva Herman zum Beispiel, die könnten einen Bestseller in meinem Lieblingsgenre Krimis und Thriller schreiben und ich würde ihn nicht lesen, weil ich solche Leute nicht unterstützen möchte.
Ja, den beiden möchte ich mein Geld auch nicht
in den Rachen schmeißen zukommen lassen.
Musiker sind da meiner Meinung nach generell extrovertierter, da bin ich aber auch rigoroser. Die Bösen Onkels können 100mal sagen, dass sie mit der rechten Szene nichts (mehr) zu tun haben, ich höre sie aus Prinzip nicht und wenn sie das beste Lied der letzten 5 Jahre geschrieben hätten. Und seit ich mal einen Bericht über zur Schwulenhatz aufrufende Reggae-Texte aus Jamaika gesehen habe, würde ich mich auch bei tollsten Liedern aus der Ecke erst mal informieren, bevor ich ein Konzert besuche oder mir eine CD kaufe. Schwierig wird es dann, wenn Musiker die Provokation zur Kunst erheben (
Laibach)
