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Autor Thema: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?  (Gelesen 2694 mal)

Pandora

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Mir ist das Thema in den letzten Tagen mehrmals begegnet, deshalb dachte ich, ich stelle das einmal zur Diskussion, weil ich es wirklich interessant finde. (Und hoffe, dass es das nicht schon einmal gab - ich war mir nicht sicher, habe aber auch nichts in der Suche gefunden).

Auf dem englischen Blog "Dear Author" erschien dieser Tage ein Artikel mit dem Titel: When does a Reader Know too much?

Darin schreibt der Autor, dass ihm durch die intensive Beschäftigung mit Autoren im Internet ein wenig die Unschuld verloren gegangen ist. Man weiß, wenn jemand sich kräftig danebenbenimmt, bekommt mit, wenn gekränkte Autoren Rezensenten anzicken und dabei ihre gute Kinderstube verlieren und stolpert über politisch und moralisch bedenkliche Statements. Eines der Beispiele ist Orson Scott Card, der einen wirklich haarsträubenden Artikel über Homosexualität verfasst hat (zumindest war der Teil, den ich gelesen habe, haarsträubend. Ich wollte mir den Rest wirklich nicht mehr geben...).

Der zweite Vorfall stammt hier aus dem Oscar-Thread, als es darum ging, ob es in Ordnung wäre, dass Nicole Kidman ein Kleid von Galliano trägt, der wiederholt durch antisemitische Äußerungen auffiel. Woraufhin jemand meinte, sie hätte auch kein Problem damit die CDs eines frauenfeindlichen und kriminellen Rockstars zu kaufen, weil ihr die Musik gefiele.

Deshalb hier die Frage: Würdet ihr aufgrund der Persönlichkeit eines Autors aufhören seine Bücher zu kaufen/zu lesen? Oder spielt das für euch keine Rolle?
Und: Wo ist die Grenze? Flegeliges Verhalten? Mangelnde Kritikfähigkeit? Generelle Antipathie? Oder muss es schon so ein richtiger Klopper sein?

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simmilu

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #1 am: 03. März 2011, 01:03:05 »

Gute Frage, darüber habe ich mir noch nie so richtig Gedanken gemacht.

Ich glaube, das mich solche Dinge wie rassistische oder frauenfeindliche Äusserungen, mangelnde Kritikfähigkeit usw. schon sehr beeinflussen und ich die Bücher eines Autors ( oder die CD eines Musikers o.ä. ) nicht mehr kaufen würde. Über generelle Antipathie muss ich mir keinen Kopf machen, wen ich nicht mag, von dem lese ich auch nichts. Allerdings möchte ich gar nicht darüber nachdenken, was ich schon alles gelesen habe von Autoren, die ich nicht kenne, die ich aber nicht mögen würde, wenn ich sie kennen täte... :breitgrins:
Ich sehe auch keinen Film, wenn ich einen Schauspieler nicht mag. Es sei denn, der Film ist sooooo gut und der Rest so super besetzt, das der nicht gemochte Schauspieler nicht mehr so schwer wiegt.

Generell gilt für mich : Lehne ich eine Person ab, aus welchen Gründen auch immer, unterstütze ich sie auch nicht, indem ich ihr Produkt kaufe ! Jedenfalls bemühe ich mich darum, sofern ich kann...
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Ich lese gerade :




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Arjuna

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #2 am: 03. März 2011, 08:31:54 »

Das ist eigentlich die umgekehrte Frage zu: Wer solche Bücher schreibt, muss ja als Autor auch krank/nicht ganz dicht sein, wie sollte ihm sonst sowas einfallen!? Von der ich, obwohl sie durchaus zu treffen kann, nichts halte.

Die Frage hier ist, ist das Werk von jemanden abzulehnen, nur weil er selber ein rassistischer A... ist? Bei Büchern bzw. CDs ist das anders als bei Kleidungsstücken, weil hier auch sehr viel von dem Mist als Inhalt mitgeliefert werden kann. Trotzdem würde ich von Galliano, selbst wenn ich es mir leisten könnte, in Zukunft nichts mehr kaufen.
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HoldenCaulfield

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #3 am: 03. März 2011, 09:00:03 »

Also einige Punkte wurden ja schon genannt. Wenn ein Autor sich in bestimmter Weise über Ausländer, Frauen, Homosexualität etc. äußert hätte ich schon ein sehr großes Problem damit und das wäre für mich auch ein Grund seine Bücher nicht mehr zu lesen. Unabhängig davon ob sie mir im Vorfeld total gefallen haben. Ich finde das kann unterschwellig dem Autor sugerieren das man seine Aussagen auch noch gut findet. Ein weiterer Punkt wäre natürlich auch wenn ein Autor sich abfällig über seine Leser äußern würde. Daher kaufe ich auch schon die CDs einer Band nicht mehr die sogar mal eine meiner Lieblingnsbands war. Wer sich negativ über seine Fans äußert wäre für mich erst recht unten durch. (Im Falle des Musikers war das sogar so das der Sänger sich über die Szene die ihn dorthin gebracht wo er nun ist abfällig geäußert hat, das war für mich nicht mehr tragbar)
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Aldawen

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #4 am: 03. März 2011, 09:10:49 »

Schwierige Frage. Normalerweise gehe ich nicht hin und durchforste das Internet auf Hinweise zu Autoren, die ich lese, es müßte mir schon eher zufällig über den Weg laufen. Und bis dahin gilt schon der alte Spruch Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Ich kann daher nicht ausschließen, daß ich Bücher gelesen und sogar gerne gelesen habe, deren Autoren mir auf Grund ihrer politischen, religiösen, gesellschaftlichen, ... Ansichten herzlich zuwider wären. Sobald ich es aber weiß, denke ich schon darüber nach, aber auch dann spielt immer noch eine wichtiger Faktor dabei mit: Ist dem Werk eine für mich nicht tolerable Haltung anzumerken? Ich denke durchaus, daß ein Autor das Recht hat, bis zum einem gewissen Grade von seinem Werk getrennt zu werden. Schreibt er aber z. B. einen Roman mit einem Gesellschaftsentwurf, der diskriminierendes Verhalten zu einer positiven Norm erhebt, dann wäre meine Schmerzgrenze erreicht. Hält er seine persönlichen Ansichten aus seinem Werk so weit heraus, gilt auch für ihn die Meinungsfreiheit (im Rahmen der verfassungsrechtlichen Grenzen natürlich). Ich frage schließlich auch meinen Fleischer nicht nach seinen politischen, religiösen und sonstigen Haltungen, um danach eine Kauf- oder Boykottentscheidung zu treffen, was ich andernfalls konsequenterweise tun müßte.

Flegelhaftes Benehmen? Damit blamiert er sich zwar selbst, aber das ist schließlich nicht verboten. Mangelnde Kritikfähigkeit? Hm, auch das ist eher ein Problem des Autors, mit dem er sich selbst lächerlich macht. Wer Spaß daran hat, sich in der Öffentlichkeit lächerlich zu machen, soll das meinethalben gerne tun, das juckt mich nicht, da ich damit nicht angegriffen werden kann. Dieses sind Dinge, die letztllich ausschließlich auf den Betreffenden selbst zurückfallen und die mir daher ziemlich egal sind, am ehesten nehme ich so etwas noch amüsiert zur Kenntnis.

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marimirl

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #5 am: 03. März 2011, 09:17:22 »

Ich sehe das doch etwas anders. Wenn ein Autor eine verwerfliche Meinung über ein kritisches Thema hat, hält mich das nicht vom Lesen ab, wenn mich das Buch interessiert. Seine persönlichen Einstellungen haben meiner Meinung nach nichts mit seinen Büchern zu tun (solange er sie da nicht niederschreibt). Aber ich bin da generell ziemlich tolerant und verstehe eben oft, warum jemand diese Meinung vertritt, auch wenn sich andere maßlos darüber aufregen können. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, mit der niemals alle konform gehen können. Daher wäre es für mich wirklich nicht schlimm, wenn ein Autor sagt, er ist rassistisch oder er ist eher links angehaucht. Ich kann mit beidem leben, denn ich kaufe ja nicht seine Meinung, sondern sein Buch.
Wenn ich einen Autor aber wirklich unsympathisch finde, dann kann mich das schon davon abhalten, seine Bücher zu lesen.
Aber um ehrlich zu sein, informiere ich mich kaum über Autoren, daher komme ich eigentlich nie in die Lage.

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Stormy

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #6 am: 03. März 2011, 10:18:26 »

Deshalb hier die Frage: Würdet ihr aufgrund der Persönlichkeit eines Autors aufhören seine Bücher zu kaufen/zu lesen? Oder spielt das für euch keine Rolle?
Und: Wo ist die Grenze? Flegeliges Verhalten? Mangelnde Kritikfähigkeit? Generelle Antipathie? Oder muss es schon so ein richtiger Klopper sein?

Nun, hier meine Ansicht noch etwas ausführlicher:

Warum sollte ich meine Lebensqualität einschränken, indem ich aufhöre, etwas, das mir eigentlich gefällt zu geniessen, nur weil der Schöpfer davon daneben ist? Ich sehe keinen Grund, Bücher eines Autors nicht mehr zu lesen, wenn man sie mag. Ich höre auch teilweise Musik von Typen, die Verbrechen begangen haben (da wären z.B. Mötley Crüe... und noch ein paar andere). Die Musik gefällt mir ja und das kann ich nicht leugnen, auch wenn ich damit den Künstler unterstütze. Dasselbe ist es mit Büchern.

Ich frage mich auch immer wieder, ob der Künstler aufhört, so zu sein wie er ist, nur weil er keinen Erfolg mehr hat. Ein Tommy Lee wird immer ein A** bleiben, ein Schwulenhasser z.B. wird die Homosexuellen nicht von einem Tag auf den nächsten tolerieren oder gar mögen. Da spielt es keine Rolle, ob die Person erfolgreich ist oder nicht. Deshalb hält dieses Argument für mein Empfinden nicht.

Was ich zugeben muss ist, dass einerseits das Werk den Künstler repräsentiert und man umgekehrt den Künstler auch mit dem Werk in Verbindung bringt. Aber wenn einem das Werk gefällt, es deshalb zu verschmähen - das ist einfach Selbstbeschränkung, wer damit leben kann, jedem seine Entscheidung. ;) Ich sage in diesen Fällen aber auch immer ganz klar: "Ich liebe das Werk, nicht seinen Schöpfer." Man kann es schon etwas losgelöst betrachten.

Über Grenzen habe ich noch nicht so richtig nachgedacht... ich würde es vermutlich so lösen, dass ich die Sachen zwar nicht mehr kaufen würde, doch aber (vor allem bei Musik) immer noch gefallen daran finden würde, wenn es einfach irgendwo in einer Bar läuft oder mir (bei Büchern) umsonst in die Hände fällt.
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Jaqui

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #7 am: 03. März 2011, 10:19:13 »

Aber um ehrlich zu sein, informiere ich mich kaum über Autoren, daher komme ich eigentlich nie in die Lage.

Den Satz kann ich so unterschreiben. Bei Autoren schaue ich selten hinter die Fassade, mich interessiert das Buch und nicht der Mensch.
Bei Schauspielern ist das anders. Daher schaue ich mir sehr gerne die Show Chat mit Shatnerauf dem Sky Sender Bio an.

Darin interviewt William Shatner, bekannt geworden als James T. Kirk in Raumschiff Enterprise, einige seiner Kollegen und die meisten der Gespräche sind sehr ehrlich und tiefgründig.
Gestern hat zum Beispiel Tim Allen über seine ehemalige Alkoholsucht gesprochen und darüber, dass er nach dem College drei Jahre wegen Drogen im Gefängnis saß.

Aber generell muss es schon ein starkes Stück sein, dass ein Autor oder Schauspieler bringen muss, damit ich nichts mehr von ihm wissen will.
Gallianos Äußerungen gehören da eindeutig dazu, denn wer Hitler verherrlicht, ist bei mir komplett unten durch.

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mondy

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #8 am: 03. März 2011, 12:02:01 »

Bei mir ist es ähnlich wie bei marimirl und Jacqui. Da ich über die meisten Autoren nur weiß, was im Klappentext steht, habe ich keine Ahnung, wie sie sich in der Öffentlichkeit verhalten oder welche politische Meinung sie vertreten. Ob ich mich dann davon beeinflussen lassen würde, weiß ich nicht. Natürlich, ganz krasse Meinungen wie Hitler-Liebe oder extremer Frauenhass gehen gar nicht, aber Drogenkonsum  ist mir z.B. ziemlich egal.

Ich bin auch eher ein Mensch, der sich von der Persönlichkeit des Autors beeinflussen lässt. Sprich, wenn ich den Autor selbst treffe oder im Fernsehen sehe. Wirkt er da auf mich unsympathisch oder desinteressiert, ist er für mich eigentlich fast schon gestorben. Darf man auch Namen nennen? Marcel Reich-Ranicki finde ich von der Person her so unsympathisch, dass ich nie zuhöre, wenn er etwas von sich gibt geschweige denn seine Schriften lese. Cornelia Funke hingegen hat mich auf ihrer Lesung durch Publikumsnähe total überzeugt, so dass ich mittlerweile einfach alles klasse finde, wo Funke draufsteht. Solche Dinge beeinflussen mich eher als polititsche Statements.       

Außerdem finde ich, man muss die Zeit beachten, in der der Autor gelebt hat. Dass Tolstoi in "Anna Karenina" darüber philosophiert, dass Bauern und Handwerker stets beaufsichtigt und angeleitet werden müssten, da sie sonst alles falsch machen würden, finde ich nicht schlimm. Diese Meinung passt einfach in die damalige Zeit. Würde das heute ein Autor von sich geben, hätte ich wohl wenig Verständnis dafür.
Ich lese übrigens auch Gerhart Hauptmann, der später Mitglied der NSDAP war und Deutschland nicht verlassen hat. Andererseits würde ich kein Buch eines Autors in die Hand nehmen, der von Anfang an für den Nationalsozialismus geschrieben hat bzw. sich heute in der rechten Szene bewegt.

Während ich bei Autoren relativ nachsichtig bin, haben es Schauspieler bei mir ziemlich schwer. Ich schaue keine Filme mit z.B. Tom Cruise oder Mel Gibson, weil ich die zwei einfach von ihrem Verhalten her unmöglich finde. Aber bei Schauspielern ist das wahrscheinlich auch noch ein bisschen anders als bei Autoren. Man erfährt viel mehr über sie und ihr Privatleben. Man muss sie in den Filmen direkt sehen und erinnert sich dadurch automatisch an ihre Fehltritte.     

Tja, alles etwas ausführlicher geworden als beabsichtigt, aber ich finde diese Diskussion einfach sehr interessant. :winken:
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Annabas

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #9 am: 03. März 2011, 12:08:45 »

Ehrlich gesagt, kriege ich bei den meisten Künstlern auch selten mit, wie sie sich benehmen und was sie sich in der Öffentlichkeit leisten.

Bisher habe ich nur bei einem Sänger für mich "dicht" gemacht, weil ich das Gefühl hatte, dass er sein Publikum total verar...t hat. Das fand ich dann so unmöglich, dass ich bis heute keine CD mehr kaufe bzw. nicht auf Konzerte gehe (die ich früher sehr gerne besucht habe).

Aber wie gesagt - bei Autoren ist mir das noch nicht passiert.

Grüße von Annabas  :winken:

EDIT: Vielleicht zum Verdeutlichen: So lange der Künstler durch sein Verhalten sein Werk nicht unglaubwürdig macht, ist es für mich meistens ok.
« Letzte Änderung: 03. März 2011, 12:11:21 von Annabas »
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Stormy

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #10 am: 03. März 2011, 12:15:28 »

EDIT: Vielleicht zum Verdeutlichen: So lange der Künstler durch sein Verhalten sein Werk nicht unglaubwürdig macht, ist es für mich meistens ok.

Das ist sehr passend ausgedrückt. Kann dem nur noch zustimmen...  :smile:
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Yklamyley

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #11 am: 03. März 2011, 13:03:27 »

Außerdem finde ich, man muss die Zeit beachten, in der der Autor gelebt hat. Dass Tolstoi in "Anna Karenina" darüber philosophiert, dass Bauern und Handwerker stets beaufsichtigt und angeleitet werden müssten, da sie sonst alles falsch machen würden, finde ich nicht schlimm. Diese Meinung passt einfach in die damalige Zeit. Würde das heute ein Autor von sich geben, hätte ich wohl wenig Verständnis dafür.

Schon, aber da tust du Tolstoi unrecht! Der war ein ziemlicher Freidenker, und zwar einer, der sich gegen die miserablen Lebensumstände der Bauern einsetzte. Man darf halt Aussagen von Figuren nicht mit denen ihrer Autoren verwechseln, wenn Tolstoi's Meinung in einer reflektiert wird, dann am ehesten wohl in Pierre aus "Krieg und Frieden" (dem Reformer, der seinen Bauern Schulen baut... ). Andere Äußerungen von Charakteren zeigen nur den gesellschaftlichen Konsens und werden angeprangert.

Bei mir ist es ja nichts Neues: Ich stelle an Autoren die gleichen Anforderungen wie an meine Umgebung, d.h. mit Rassisten, Homophoben, Faschisten und jederlei rechtem Gesocks will ich nichts zu tun haben. Nicht immer ist es leicht, das herauszufinden, aber wenn es geht, versuche ich es vorher und nie wird es mir egal sein, wenn ich es nachher herausfinde. Immer wieder komme ich zu dem Schluss: Es gibt so viel Literatur, die von Menschen mit nicht bedenklichem Hintergrund geschrieben wurde, dass ich selbst die nicht in einem Leben lesen könnte. Ich glaube nicht, dass mir das Beste entgeht, wenn ich die rechten Schweine aussortiere.
Und: Rassismus etc. fällt für mich nicht unter "Meinungsfreiheit", weil es menschenverachtend und schlicht nichts ist, worüber sich diskutieren lässt. Ich toleriere Intoleranz nicht!

Letzten Endes ist es eine Konsequenz, die zu meiner Überzeugung gehört. Und ja, Aldawen, ich gehe auch nicht zu dem Fleischer in meiner Stadt, von dem ich weiß, dass er ein mieser kleiner Rassist ist.  :winken:

Und so schwer ist das eigentlich nicht, und selten eine Einschränkung. Weil es natürlich auch so ist, dass mir Kunst von politisch verwerflich Denkenden oft schlicht nicht gefällt. Die machen nicht die Musik, die ich gern höre, die malen nicht die Bilder, die ich mir gerne ansehe, und die schreiben nicht die Bücher, die ich gerne lese. Die sieben sich selbst meist ganz natürlich aus. :breitgrins: Es ist schon erstaunlich wie selten da Ausnahmen entstehen, und ich kann mit den meisten leben.
(Das kann man vom Fleisch nicht behaupten, bei dem schmecke ich ganz selten, wer es geschlachtet hat  :breitgrins:)

Alles andere, flegelhaftes Benehmen, Drogenkonsum, Alkoholexzesse, Lotterleben, etc. pp. ist mir egal. Das soll doch bitteschön jeder selber wissen, wie er leben will.
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Jaqui

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #12 am: 03. März 2011, 13:31:10 »

Nicht immer ist es leicht, das herauszufinden, aber wenn es geht, versuche ich es vorher und nie wird es mir egal sein, wenn ich es nachher herausfinde.

Soll das wirklich heißen, dass du bevor du ein Buch kaufst, dich über den Autor informierst? Dann sind Spontankäufe von Autoren die du nicht kennst, ja eigentlich ausgeschlossen. Oder interpretiere ich das jetzt falsch?

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Yklamyley

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #13 am: 03. März 2011, 13:42:33 »

Nicht immer ist es leicht, das herauszufinden, aber wenn es geht, versuche ich es vorher und nie wird es mir egal sein, wenn ich es nachher herausfinde.

Soll das wirklich heißen, dass du bevor du ein Buch kaufst, dich über den Autor informierst? Dann sind Spontankäufe von Autoren die du nicht kennst, ja eigentlich ausgeschlossen. Oder interpretiere ich das jetzt falsch?

Katrin

Im Grunde ist es so, wie ich weiter unten geschrieben habe, dass ich und "Kunst" von Menschen mit bedenklichem Hintergrund uns ohnehin nicht anziehen. Desweiteren wird Radikalität eines Autors meist ohnehin zum Thema gemacht, also ein Fascho kann wohl kaum eine Liebesgeschichte herausbringen, ohne dass die Presse aufschreit. Darum sind Spontankäufe eigentlich kein Problem. Vor dem Lesen googel ich meist den Autor noch schnell, natürlich nicht immer. Manchmal komme ich erst im Nachhinein darauf, wie bei Felipe Alfau, und da hat mir das Buch eigentlich gut gefallen, der Autor stirbt für mich aber mit seinen Ansichten. Also es passiert, aber es passiert zum Glück selten.
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Auch ungelebtes Leben
geht zu Ende

- Erich Fried

Klassikfreund

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Re: Wann würdet ihr die Bücher eines Autors nicht mehr lesen?
« Antwort #14 am: 03. März 2011, 13:48:47 »

Deshalb hier die Frage: Würdet ihr aufgrund der Persönlichkeit eines Autors aufhören seine Bücher zu kaufen/zu lesen? Oder spielt das für euch keine Rolle?
Und: Wo ist die Grenze? Flegeliges Verhalten? Mangelnde Kritikfähigkeit? Generelle Antipathie? Oder muss es schon so ein richtiger Klopper sein?

Für mich spielt die Persönlichkeit eigentlich keine Rolle. Es zählt nur was er schreibt oder mündlich von sich gibt. Die Verletzung von westlichen Grundwerten sollte dann nicht dabei sein. Ich würde aber auch einen Autor lesen, bei dem mir seine Weltanschauung nicht gefällt, sofern er nicht weiter politisch aktiv ist. Also einen guten Roman-Autor, der beispielsweise die Todesstrafe befürwortet.

Gruß, Thomas
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