

6. Band der Sano-Ichirō-Reihe
Band 1: Der KirschblütenmordBand 2: Die Rache des SamuraiBand 3: Die Spur des VerrätersBand 4: Das Geheimnis der KonkubineBand 5: Der Weg des Kriegers
InhaltJapan 1693: Auf dem Gelände der Sekte "Schwarze Lotosblüte" brennt es. Die Hütte wurde offensichtlich mit Absicht in Brand gesteckt und dieses Verbrechen allein fordert schon die Todesstrafe. Doch als auch noch drei Leichen in den verkohlten Trümmern entdeckt werden, ist es höchste Zeit, den
sōsakan-sama des Shōguns, Sano Ichirō, einzuschalten. Ein möglicher Täter ist auch bald gefunden: das Waisenmädchen Haru wird direkt am Tatort entdeckt. Doch Ichirōs Frau Reiko mag nicht so recht an die Schuld des Mädchens glauben und stellt eigene Nachforschungen an. Dadurch setzt sie nicht nur ihre Ehe aufs Spiel, sondern auch ihr Leben.
Meine MeinungLeider muss ich sagen, dass ich schon lange nicht mehr so einen Schwachsinn gelesen habe. "Leider" deshalb, weil mir die ersten fünf Teile der Reihe sehr gut gefallen haben und ich dadurch eigentlich nur noch mehr enttäuscht von diesem Buch bin.
Dabei fängt eigentlich alles ganz spannend an. Ein Brand, drei Tote und nur ein möglicher Täter - dass der Fall nicht so einfach sein kann, wie er zunächst aussieht, zeigt schon das Volumen des Buches. Also setzt man sich hin und liest, in der Erwartung eines verzwickten Falles rund um eine dubiose Sekte namens "Schwarze Lotosblüte". Schon allein das Vorhandensein eines Sekte, in der es vor Geheimnissen bestimmt nur so wimmelt, lässt doch einiges an Spannung erwarten. Aber was dann kam, hat mich echt zum Weinen gebracht.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Dass seit dem ersten Band bekannte Charaktere jedesmal aufs neue vorgestellt und charakterisiert werden, bin ich ja mittlerweile gewohnt ... da lese ich einfach drüber hinweg. Auch dass anscheinend jeder Fall die Gefahr in sich birgt, dass Ichirō die Gunst des Shōguns verlieren könnte, ist zwar nicht mehr besonders überraschend, aber egal.
Aber dass Ichirōs Frau Reiko eine immer größere Rolle in den Ermittlungen einnimmt, finde ich weder realistisch noch gut. Zur Erinnerung: Wir befinden uns im Japan des 17. Jhd.. Ich bezweifle, dass die Frau dort viel zu melden hatte. Sano Ichirō lässt seine Frau trotzdem an den Ermittlungen teilhaben, was ich in einem gewissen Maße noch okay finde. In diesem Buch jedoch ist die erste Hälfte fast nur Reiko und ihren Ermittlungen gewidmet. Dabei stellt sie sich nicht einmal gut an, im Gegenteil: Sie macht ununterbrochen Fehler, ist voreingenommen und widersetzt sich ihrem Mann. Zudem setzt sie Ichirōs Ehre aufs Spiel, indem sie zu allen möglichen hohen Leuten (unter anderem auch zur Mutter des Shōguns) rennt, ihre Thesen verbreitet und als offizielle Ermittlungsergebnisse ausgibt. Und das alles, weil Reiko einfach weiß, dass das Waisenmädchen unschuldig ist und sie ihren Mann vor dem Verlust seiner Ehre schützen will.

Es tut mir Leid, ich kann jetzt gar nicht richtig wiedergeben, wie sehr mich Reiko und ihr "Ich-kenne-die Wahrheit- und-sonst-kein-anderer"-Geschwafel mich genervt hat. Eigentlich hätte ich es ganz gut gefunden, wenn sie einfach mal gestorben wäre ... leider passiert das nicht.
Und warum passiert das nicht? Weil es in diesem Buch gar nicht in Frage kommt, dass überhaupt irgendjemanden, der auf der guten Seite der Macht steht, geschadet wird. Vor allem die Frauen bringen sich immer wieder in extrem gefährliche Situationen, aber das macht ja nichts ... Rettung naht und ist immer gerade noch rechtzeitig zur Stelle. Und natürlich erkennen die jeweiligen für einander bestimmten Paare gerade in diesem Gefahrensituationen, dass sie sich lieben und nicht ohne den anderen sein können.
Noch dazu ist die Handlung echt abstrus. Teilweise kam ich mir vor wie in einem echt schlechten Indiana-Jones-Abklatsch, der sich auch noch ernst nimmt. Ich will ja nicht zu viel verraten, aber wenn es in einem komplett überwachenden System möglich ist,
ein geheimes Tunnelnetz unter der Erde von entführten und versklavten Menschen bauen zu lassen, medizinische Experimente durchzuführen und nebenbei noch ein geheimes Bordell auf dem Sektengelände zu führen
... ja, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als mich ein bisschen verarscht zu fühlen. Zumal ansonsten jeder Klogang vom Staat überwacht wird.
Hinzu kommt noch, dass Mrs. Rowland anscheinend von einem ziemlich dämlichen (sich ungefähr auf dem Intelligenzgrad von Reiko befindenden) Leser ausgeht. Man verfolgt, falls man es soweit schafft, den Fall seit 500 Seiten und wenn dann der Täter gesteht, kann man durchaus selbst nachvollziehen, welche Vermutungen vorher falsch und welche richtig waren. Aber nein, nach jedem Absatz wird nocheinmal erklärt, was das jetzt zu bedeuten hat und welcher Charakter schon vorher recht hatte.
Das war mal so in aller Kürze, was mich an diesem Buch genervt hat. Daneben haben sich die Namensverwechslungen und Rechtschreibfehler als echt kleines Problem ausgemacht.
Von mir gibts tatsächlich noch

+

Ratten. Die erste für den Anfang und die hoffentlich nachwirkende Erkenntnis Reikos, dass sie vielleicht doch manchmal nicht alles besser weiß ... und die halbe für mich als Trostpunkt, weil ich die Reihe ansonsten echt gut finde. Bisschen unlogisch, aber welches Verhalten will man nach so einer Lektüre auch erwarten?