Uups, ich schon wieder.
Warum ich nicht bei Dir bin 21-05-1963Großvater erzählt von dem Gespenst seiner Vergangenheit: Anna. Seine einzige und große Liebe. Durch ihr Nicht-Sein ist sein Leben ein Nichts. Ich frage mich, wen ich dieses Buch lese, woher der Großvater, wenn er so litt unter der Vergangenheit, den Mut aufbracht zu weiterzuleben, denn anscheinend ist für ihn das Leben ja nur noch ein einziger Kompromiss. Er leidet jeden einzelnen Tag durch den Verlust eines Menschen vor vielen Jahren.
Lustig fand ich die Szene, als die beiden aufeinander warteten, sich nicht sahen und dann feststellen mussten, dass jeder vor dem Haus des anderen auf der Lauer gelegen hatte.
Schlimm ist es mitzuerleben, wie wenig sich eigentlich das Ehepaar zu sagen hat, wie sich gegenseitig meiden, aus dem Weg gehen und nur noch in festen Regeln leben können, damit alles unvorhergesehene vermeiden und unangenehme Erfahrungen ausgeschlossen werden, aber es funktioniert nur bedingt.
Als die Großmutter ihrem Mann die tausend leeren Seiten ihre Lebens zeigte, da brauchte ich eine Weile um zu verstehen. Auch dann, als sie ihn bat ihre Geschichte zu lesen, suchte er nur nach Anna darin.
Superschwere Bleifüße:Oh stimmt, das wollte ich eigentlich schon viel früher erwähnen. Den Begriff superschwere Bleifüße, den finde ich einfach nur genial. Ich finde er beschreibt mit einem Wort genau, wie einem zumute ist, wenn es einem so richtig seelisch mies geht. Man hat Bleifüße. Wie einfach und treffend ausgedrückt. Ich stelle immer wieder fest, dass ich aufatme, wenn Oskar erzählt. Auch wenn er eine genauso schwere Last auf seinen Schulter trägt, wie damals die Großeltern, so ist er doch lebendiger. Er geht sehr aktiv und gesellig mit seiner Trauer um. Er handelt und zieht sich nicht in sich zurück, wobei; manchmal tut er das auch, aber er ist trotz allem voll mit Leben und ich hoffe, dass er durch seine Art die Dinge anzugehen, die Möglichkeit hat sein Leben eines Tages „normal“ zu führen.
Er muss den Geist in Hamlet spielen. Er ist enttäuscht, aber letztendlich fügt er sich bis zur letzten Vorstellung wo er innerlich ausrastet.

Ich saß draußen auf der Bank am Spielplatz, als ich dieses Stelle las und ich musste so laut lachen, dass mich die anderen Mütter etwas verwirrt ansahen und meine Tochter etwas peinlich berührt ankam und altklug fragte: „Mama, geht’s Dir gut?“

Letztendlich stellt sich ja heraus, dass da nur der Wunsch zur Tat existierte, aber ich sah diese Szene so bildlich vor mir, die Eltern und Lehrer mit offenen Mündern. Nur als die Stelle kam, an der er gewalttätig wurde, dachte ich dann doch, dass es nicht sein kann, denn er ist ja, wie er immer betont Pazifist. Ja, auch schon Kinder wissen, wann andere Menschen nicht wirklich wissen wollen, wie wir uns fühlen.
Abe Black gefällt mir ebenfalls. Ich fand es schön, dass so viele Blacks zu der Hamlet-Aufführung gekommen sind.
Mr. Black knackige 103 Jahre alt ist auch eine interessante Figur, mit seinen Kurzbiografie Karten aller Menschen, die er kannte (persönlich oder auch nur namentlich). Ich hatte so für Oscar gehofft, dass der Mr. Black, der über ihnen wohnt etwas über seinen Vater sagen könnte, aber er hatte noch nicht einmal eine Karte über ihn angelegt. Armer Oskar. Auch er hat sein Päckchen zu tragen. Wie kann das hohe Alter doch eine Strafe für die Zurückgebliebenen sein. Er ist ein Trauernder, welcher sich komplett zurückzieht. Ob Oskar ihn mit seinem Elan da herausbringen kann. Er hat sich so zurückgezogen, dass er noch nicht einmal mehr hören wollte.
Das Gespräch am Abend mit der Mutter ist schlimm. Ich habe mir vorgestellt wie ich mich fühlen würde, wen meine Tochter so etwas zu mir sagen würde. Ich kann es nicht. Ich glaube es würde mich innerlich zerreißen.
Oskars blaue Flecken schockieren mich. Dieser arme kleine Kerl.
Ich muss mich jetzt mal meinem anderen Leserundebuch widmen, sonst bin ich mit diesem zu schnell fertig. Ich kann es nur sehr unwillig aus der Hand legen.
Viele Grüße Tina