Die Tribute von Panem - Flammender Zorn von Suzanne Collins

Achtung, es ist möglich, dass dieser Beitrag ungekennzeichnete Spoiler enthält. Lest ihn am besten erst, wenn ihr das Buch durchhabt!Katniss lebt! Schwer verletzt wurde sie von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Allerdings ist sie damit noch lange nicht ausser Lebensgefahr. Doch Katniss' einzige Sorge gilt Peeta, der in den Hungerspielen sein Leben für sie hätte. Die Regierung hat ihn gefangen genommen, ihn gefoltert und seinen Willen gebrochen, um ihn als Werkzeug für ihre Zwecke zu missbrauchen. Das Ziel des Kapitols: die endgültige Vernichtung der Aufständischen. Und zu denen zählt auch Gale, Katniss' treuer Freund aus Kindheitstagen...Mit "Flammender Zorn" legt Suzanne Collins den letzten Band der Panem Trilogie vor und zieht den Leser dieses Mal tiefer hinein in die politischen Spielchen der beiden Kriegsgegner - Rebellen und Kapitol. Katniss Everdeen, die 17-jährige, welche am Ende der 74. Hungerspiele zum Symbol der Rebellion wurde und während der 75. Hungerspiele, dem grossen Jubel-Jubiläum, von den Rebellen befreit wurde, ist nun das Gesicht der Revolution. In Distrikt 13 wird sie nach der Flucht aus der Arena von den Rebellen aufgepäppelt und dazu gebracht für sie das Symbol der Rebellion zu werden. Dazu gehören Auftritte in Propaganda Filmen der Rebellen, Reden vor der Kamera und kleine Kriegseinsätze in umkämpften Distrikten. Katniss lässt alles über sich ergehen, hat sich doch vorallem das Ziel Peeta lebendig zurück zu bekommen. Doch als Peeta dann tatsächlich zu ihr zurückkehrt ist er so ganz anders... Und dann beginnt die Entscheidungsschlacht im Kapitol...
Meiner Meinung nach reicht der dritte Band was Spannung und Dramatik angeht nicht ganz an die ersten beiden Bände heran. Das liegt zum einen daran, dass die Charaktere irgendwie platter wirken, zum anderen, dass ein sehr komplexes Thema - Revolution, Kriegsführung - auf ein Jugendbuch angepasst wird. Die meiste Zeit verbringt der Leser zusammen mit Katniss in Distrikt 13. Das wäre ansich nicht sehr schlimm, leider gelingt es der Autorin hier nicht ganz diesen so verstörenden und zugleich auch irgendwie Schutz bringenden Ort authentisch wirken zu lassen. Die Beschreibungen wirkten auf mich etwas flach, ich hätte mir da mehr erwartet. Das gleiche gilt, wie schon in den letzten Büchern, auf für Panem selber. Ich bin absolut fasziniert von diesem Land, aber ich weiss trotzdem kaum etwas darüber. Es wäre interessant gewesen mehr über "Die Dunklen Tage" über die Distrikte an sich und überhaupt über die Regierung Panems zu erfahren. Was man über den Präsidenten erfuhr hat mich wenig befriedigt zurück gelassen. Da hätte man krasser drauf eingehen können... Einmal wird kurz erwähnt, dass "PANEM" auf Latein "Brot" heisst. Aber es folgt irgenwie keine Erklärung, wie das Land zu dem Namen kam. Und auch nicht, warum das "Kapitol" Kapitol heisst. Irgendwie schade, da hätte man noch ein paar klasse Details einbringen können, die das ganze Lesevergnügen gesteigert hätten.
Was die "platten Charaktere" angeht: Ich konnte nicht mehr so sehr mit Katniss mitfühlen, wie zuvor. Irgendwie wirkte sie sehr dümmlich. Sehr naiv. Das macht sie einerseits sehr menschlich, eine 17-Jährige kann ja auch unmöglich alles vom Krieg verstehen. Aber trotzdem konnte ich ihr Handeln oft schwer nachvollziehen. Auch ist sie wirklich andauernd angeschlagen und verletzt. Auch das macht sie menschlich, hier aber fast zu sehr für eine Protagonistin... meine Meinung.

Aber jetzt einmal genug der Kritikworte. Irgendwie fand ich das Buch ja nicht einfach nur schlecht. Ich fand es eigentlich sehr gut. Nicht so gut wie die Vorgänger, aber immer noch so gut, dass es mich fesselnd konnte und ich es sehr schnell gelesen hatte. Ich war interessiert am Kriegsverlauf, wollte wissen, ob sie Peeta retten können, für wen Katniss sich am Ende entscheidet, ob Snow umkommt und ob sie dieser blöden Coin endlich den Gar ausmacht... ich habe fast alle Antworten erhalten, manche hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht. Die letzte Begegnung mit Snow fand ich sehr gelungen. Dieses Häufchen Elend, das noch immer an seiner "Wahrheit" hängt und keinen Funken von Reue zeigt. So stelle ich mir einen Diktator vor. Das hatte schon fast was von "Der Untergang - Hitlers Ende", einfach viel weniger dramatisch. Snow hätte man noch etwas, naja, detaillierter machen können, ihn komplexer gestalten. Das hätte sicher eine tolle Wirkung auf die Geschichte gehabt. Ich mag keine einfachen Bösewichte. Das am Ende Coin eine ziemliche Hexe ist, das mochte ich. Das war eine unerwartete Wendung. Sehr gelungen! Überhaupt mochte ich das Ende sehr gerne. Es war extrem emotional und konnte mich noch einmal für das Buch einnehmen, wo ich im Mittelteil doch schon ziemlich genervt war. Es gibt unerwartete Tode, es wird richtig dramatisch und es gibt keine klischeehafte Gut gegen Böse Showdown Szene. Das hat mir sehr gefallen, mal etwas neues. Ich mag diese Showdown Szenen wo sich Helden und böse Präsidenten gegenüberstehen, eh nicht wirklich. Hier fand ich es gut gelöst mit der Attacke der Rebellen auf den Präsidentenpalast und das anschliessende Gespräch zwischen Snow und Katniss. Das alles hatte etwas erfrischendes. Bei ihrer Heimkehr konnte ich dann wieder so richtig mit ihr leiden.
Schön, dass es am Ende doch noch eine Art Happy End gab. Nicht extrem, aber doch ganz schön. Ansonsten wäre das ganze einfach zu deprimierend gewesen.
Ich mochte auch das Thema dieses Buches. Ich mag es wenn es politisch wird. Da es ein Jugendbuch ist, ist es eigentlich okay so. Aber ich hätte mir noch etwas mehr Details gewünscht, habe ich ja jetzt schon öfters gesagt.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mit einigen Dingen nicht ganz einverstanden war und die Charaktere manchmal sehr platt wirkten, der Mittelteil nicht gerade der Wahnsinn war,
das Ende mich aber wieder völlig begeistert hat. Das Thema des Buches war sehr spannend und es liess sich zügig lesen. Es wurde nie krass langweilig. Ein paar schöne Lesestunden.
Nicht so extrem spannend wie die Vorgänger, aber durchaus lesenswert.

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