Da ich das Buch vor einigen Wochen auch endlich gelesen habe, wollte ich hier noch meine Meinung loswerden, bevor ich das meiste wieder vergessen habe. Ich hatte auch hohe Erwartungen, aber im Gegensatz zu Avilas Erfahrung hat das Buch sie sogar noch übertroffen.

Ein wirklich großartiges Buch. Sowohl die Erzählweise (mit dem Wiederholungen, dem sprachlichen Stil) als auch die Beschreibungen treffen genau die mythische, sagenhafte Atmosphäre, die die zu einer Sage wie
Krabat gehört. Sagen haben mich schon immer fasziniert, gerade weil sie immer einen Rest Geheimnisvolles enthalten. Außerdem gibt es immer einen örtlichen Bezug auf eine real existierende Gegend, in diesem Fall die Lausitz. Ich komme zwar nicht aus der Lausitz, aber aus Sachsen und wenn ich bekannte Ortsnamen wie Kamenz lese, fühle ich mich schon fast heimatlich.
Dazu kommen dann noch wichtige Wahrheiten und Erfahrungen, so geht es hier zum Beispiel um Freundschaft, um Loyalität und Treue, um Mut. Ganz zentrale Themen sind die Stärke und Einsicht, der Versuchung der Macht zu widerstehen und zwar auch dann, wenn man mit der Macht Gutes tun kann. All das lernt und bewältigt Krabat in dieser Geschichte. Dazu kommt die Macht der Liebe, die stärker ist als alles Böse.
Die Geschichte ist durchweg gruselig und düster - die Jungs sind alle so blass, bis auf Michal und Juro. Vielleicht ist es ja so gewünscht, aber auch bei Michal hatte ich immer das Gefühl, dass man ihm nicht zu 100% trauen kann. Bei Juro war das dann wieder ein wenig anders ... Er war für mich einer der wichtigsten und besten Charaktere in dem Buch!
Düster und angenehm gruslig fand ich es auch.

Aber ich fand, die Jungs haben alle ihren eigenen Charakter. Hier stechen für mich besonders Tonda und Juro heraus, aber auch Michal, Merten, Lyschko und Lubosch sind einprägsam und jeder ist eine Persönlichkeit.
Die anderen sind nicht ganz so zentral, das ist wohl normal bei so vielen Personen.
Auch den Meister fand ich so komisch und es gab Stellen, wo ich auch ihn nicht einordnen konnte.
Das ist es ja gerade. Wäre er plakativ böse, dann wäre es zu einfach.
Nach mir las meine Tochter (13) das Buch und war ähnlich angetan. Danach haben wir zusammen den Film (von 2008) geschaut und von diesem bin ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Hier wurden einige wesentliche Dinge gegenüber dem Buch verändert: vor allem, was die Rolle Lyschkos betrifft und was das Wichtigste ist, es fehlt das Angebot des Meisters an Krabat, sein Nachfolger zu werden. Das verändert meiner Meinung nach zuviel von den wichtigen Aussagen des Buches. Außerdem fand ich die Gegend, in der der Film gedreht wurde, etwas unpassend. Die Lausitz war das nicht und es sah auch nicht annähernd so aus.

Als nächstes werde ich mich mit Jurij Brežans Buch dem Krabat-Thema von einer anderen Seite nähern.
Fazit: Lesenswert und empfehlenswert ab ca. 11-12 Jahre. Das Buch
Krabat bekommt von mir:
