So, nun habe ich wieder eine Leselücke geschlossen und "Krabat" von Otfried Preußler gelesen - in dieser Ausgabe:

Otfried Preußler - KrabatKurzbeschreibung:"Bald wirst du erfahren, welche Bewandtnis es mit dem Meister und dieser Mühle hat. Der Tag und die Stunde sind näher, als du vermutest". Neugier lockt Krabat zur Mühle am Koselbruch, vor der alle warnen, weil es dort nicht ganz geheuer ist. Ein leichtes und schönes Leben wird Krabat hier versprochen. Doch der Preis dafür ist hoch. Und aus der Verstrickung mit dem Bösen kann ihn nur die bedingungslose Liebe eines Mädchens retten.
Meine Meinung:Ich fand "Krabat" großartig! Die düster-melancholische Atmosphäre des Romans hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Die Erzählweise des Autors ist sehr märchenhaft und das Buch strotzt auch nur so vor märchenhaften und magischen Elementen. Der Meister und seine zwölf Raben, die Zahl drei, die eine große Rolle spielt, denn alles passiert dreimal, die zyklische Abfolge der Geschehnisse mit den wichtigen Feiertagen Dreikönig, Ostersamstag und Silvester, das alles gab mir ein Gefühl wie im Märchen. Die zeitliche Ansiedlung der Geschichte im Dreißigjährigen Krieg bewirkt ebenfalls eine ganze eigene, düstere Stimmung.
Die Figuren sind größtenteils sehr eindeutig gezeichnet und leicht als Vertreter des Guten oder Bösen zuzuordnen. Krabat als cleverer Zauberlehrling, der aber von Anfang an den Aufstand probt und trotz der Schwarzen Kunst ein reines Herz behält, im Gegensatz dazu der Müller, der das Böse schlechthin verkörpert und nur von einem gewissen "Gevatter" noch an böser Ausstrahlung übertroffen wird, und schliesslich die mutige Kantorka, deren Namen wir nie erfahren und die durch ihren mutigen Einsatz alles zum Guten wendet. Einzig in Juro hatte ich mich getäuscht - das war aber sicher so vom Autor beabsichtigt, der damit auch einen wandelbaren Charakter in die Geschichte eingeführt hat.
In die stets wiederkehrenden Rituale des Lebens auf der Mühle im Koselbruch habe ich mich sehr schnell eingefunden und spätestens in Krabats drittem Lehrjahr konnte ich mich schon darauf einstellen, was nun als nächstes passieren würde. Das Müllersleben ist recht anschaulich geschildert und wird durch zahlreiche Anekdoten untermauert, die teils recht lustig zu lesen waren. Kombiniert mit der Vermittlung der Schwarzen Künste kam dann immer eher ein unheimlicher Klang in die Handlung und ich konnte mich an manchen Stellen auch leidlich gruseln. Die Figuren werden gezwungen, Stellung zu beziehen, Entscheidungen zu treffen, Risiken auf sich zu nehmen und letztendlich den Weg zu Ende zu gehen, den sie begonnen haben. Der Schluß hat es in sich und ich musste doch gehörig mit meinen Lieblingsfiguren zittern, bevor das Buch zu Ende war.
Alles in allem ein wunderbares Buch für junge und junggebliebene Leser, das sich aufgrund des unkomplizierten Schreibstils munter weglesen lässt und den Kampf zwischen Gut und Böse in einer eindrucksvollen Weise wiederspiegelt.

Viele liebe Grüße

Miramis