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Autor Thema: Michael Dibdin - Ratking (Entführung auf Italienisch)  (Gelesen 201 mal)

Valentine

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Michael Dibdin - Ratking (Entführung auf Italienisch)
« am: 26. Januar 2011, 16:25:20 »



Aktuelle Lektüre, inspiriert von der nagelneuen BBC-Verfilmung. Diese lehnt sich zwar, gerade was das Privatleben angeht, nur lose an die Bücher an, hat mir aber sehr gut gefallen und Appetit auf die Buchvorlage gemacht.

Und ich muss sagen, dass es sich wirklich gelohnt hat, zu diesem Krimi zu greifen. Entstanden ist er bereits 1988 und spielt demzufolge auch in den 80er Jahren in Perugia. Kommissar Aurelio Zen ist aus seiner Strafversetzung in die Verwaltung zurückgeholt worden, um mit einem heiklen Entführungsfall zu helfen - ein reicher Industrieller ist seit Wochen spurlos verschwunden.

Zen gefällt mir sehr gut als Protagonist. Er ist kein Superheld und auch trotz eines einigermaßen ungemütlichen Privatlebens keiner dieser Depri-Ermittler, hat Fehler und Schwächen, aber auch einen trockenen Humor und einen ironischen Blick auf die Welt. Gelungen ist auch der Lokalkolorit, und zwar nicht in Form rosaroter Touristenphantasien, sondern durch genaue und kenntnisreiche (Dibdin hat selber lange in Italien gelebt) Beschreibungen der gesellschaftlichen und politischen Hintergründe.

Von einigen Kennern der Serie wurde dieser Band als einer der schwächeren betitelt, was ziemlich vielversprechend klingt, denn mir gefällt er sehr gut, soweit ich ihn gelesen habe (bin ungefähr bei der Hälfte) - wenn die anderen noch besser sind, augenblicklich her damit!

Den deutschen Titel finde ich übrigens mal wieder unglaublich langweilig und nichtssagend, wie auch das fade Cover.
« Letzte Änderung: 26. Januar 2011, 16:28:42 von Valentine »
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Yklamyley

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Re: Michael Dibdin - Ratking (Entführung auf Italienisch)
« Antwort #1 am: 26. Januar 2011, 16:53:10 »

Den deutschen Titel finde ich übrigens mal wieder unglaublich langweilig und nichtssagend, wie auch das fade Cover.

Ja, der böse Goldmann Verlag hat nicht Rufus Sewell auf dem Cover...  :breitgrins:
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Valentine

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Re: Michael Dibdin - Ratking (Entführung auf Italienisch)
« Antwort #2 am: 26. Januar 2011, 17:33:34 »

Das wäre bei dem Erscheinungstermin auch reichlich unwahrscheinlich gewesen :breitgrins:

Nee, auch ganz davon abgesehen finde ich das deutsche Cover völlig nichtssagend.
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Re: Michael Dibdin - Ratking (Entführung auf Italienisch)
« Antwort #3 am: 01. Februar 2011, 17:18:58 »

Aurelio Zen ist ein italienischer Polizeibeamter mittleren Alters, eigentlich mit Leib und Seele der Lösung brisanter Fälle verschrieben, momentan aber aufgrund des fatalen Ausgangs der Aldo-Moro-Entführung in die römische Polizeiverwaltung strafversetzt. Als der Industriebonze Ruggiero Miletti entführt wird und wochenlang verschwunden bleibt, muss aber jemand her, der über genug Erfahrung und Spürsinn verfügt, um den ins Stocken geratenen Fall wieder in Gang zu bringen. Also macht sich Zen auf den Weg nach Perugia, um mit der Familie des Verschwundenen zu sprechen und in seinem Umfeld Ermittlungen anzustellen.

Neben einigen Ungereimtheiten, den recht extremen Charakteren von Milettis Kinderschar und diffizilen Verflechtungen muss sich Zen auch noch mit den drei unfähigen Typen herumschlagen, die man ihm als einzige "Unterstützung" zur Seite gestellt hat, und als es einen Toten gibt, gewinnt der Fall zusätzlich an Zündstoff - und auch für Zen persönlich wird es gefährlich.

Aurelio Zen ist ein Ermittler nach meinem Geschmack. Wahrscheinlich tut ihm gut, dass das Buch schon 1988 entstanden ist, lang bevor depressive, schicksalsgebeutelte Kommissare in Mode kamen. Bei ihm läuft auch lang nicht alles rosig - er hat eine unschöne Trennung hinter sich und hat seine demente Mutter zu sich in die Wohnung geholt, und den Klopapiervorrat der römischen Polizei zu verwalten dürfte auch nicht gerade sein Karrieretraum gewesen sein - aber er hat einen herrlich trockenen Humor und überhaupt einen ironischen Blick auf die Welt, der ihn vor dem Versinken in Selbstmitleid rettet. Ein Superheld ist er auch nicht, er hat Fehler und macht Fehler, dafür aber auch den einen oder anderen genialen Geistesblitz.

Der Brite Michael Dibdin hat lange Zeit in Italien gelebt, was aus jeder Zeile spricht, die er hier schreibt. Das sind keine romantisierenden Touristenklischees, sondern Blicke hinter die Fassade, auf Korruption und Vetternwirtschaft und miese Politik und im nächsten Augenblick liebevoll geschilderte authentische Alltagsszenen. Die kleinen Ränkespielchen, ohne die sich schwer etwas erreichen lässt, beherrscht Zen im übrigen ganz gut, auch wenn er sie eigentlich nicht besonders mag.

Schön auch, dass das Buch kein 08/15-Krimi ist, sondern ein ausgeklügelter Fall mit einigen Überraschungen. Sprachlich hebt sich Dibdin ebenfalls von vielen Genregenossen ab, Stil und Wortwahl sind ein Genuss, durchzogen von einem leicht ironischen Humor und Wortwitz.

Die Serie werde ich definitiv weiterlesen! (Nicht nur, weil ich noch zwei Bände mit Rufus Sewell auf dem Cover besitze :elch: )

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illy

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Re: Michael Dibdin - Ratking (Entführung auf Italienisch)
« Antwort #4 am: 29. Januar 2012, 09:55:25 »

Aurelio Zen hat sich damals bei der Entführung von Aldo Moro ins Abseits geschossen und reist seitdem in ziemlich untergeordneter Funktion zu Inspektionszwecken durch Italien. Als jemand gesucht wird, den man als Entführungsspezialisten verkaufen kann, kommt man auf ich und so landet er in Perugia, wo der Besitzer eines Firmenimperiums schon seit Monaten entführt ist und die Verhandlungen ins Stocken geraten scheinen.

Bei den Ermittlungen stößt er immer wieder auf Hindernisse und jeder versucht ihn für seinen Zwecke einzuspannen. Mir war es ein Rätsel, wie Zen dieses ganze Bagage tatsächlich durchschauen und den versteckt im Hintergrund agierenden Täter erkennen konnte.

Ansonsten ist Zen auf eine sympathische Art menschlich. Er fordert seine Beförderung, um sich korrupt zu geben und so den Täter aus der Reserve locken zu können. Faszinierend, dass er in Wirklichkeit gar nicht auf diese Idee gekommen ist, Zen ist wohl der einzig ehrliche in Italien – immerhin bezahlt er auch ständig seinen Kaffee, statt sich wie üblich vom Barmann aushalten zu lassen. Mir geht es ein wenig wie Zens ausländischer Freundin am Ende des Buches, mir fällt es schwer so viel Korruption, Vetternwirtschaft und offensichtliches Vitamin B in einer Gesellschaft zu akzeptieren und vor allem als völlig normal anzusehen.

Nichtsdestotrotz liegt der zweite Band der Reihe bereit und ich werde mich bald wieder in die Abgründe der italienischen Gesellschaft stürzen. Und wenn das
Von einigen Kennern der Serie wurde dieser Band als einer der schwächeren betitelt, ...
stimmt, freue ich mich ums mehr auf die Fortsetzung.

4ratten
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