Ich lese jetzt endlich ein Buch, das mir eine Kollegin vor vier (fast fünf) Jahren

zusammen mit mehreren anderen Büchern mal lieh. Sie ist ein großer Fan von dem schwedischen Psychiater und Krimiautor
Ulf Durling und war der Meinung, ich müsse seine Bücher unbedingt lesen. Durling ist nie so bekannt geworden wie manche andere Krimiautoren, schreibt aber seit 40 Jahren alle paar Jahre ein Buch, ist also nicht erfolglos. Das macht es umso sonderbarer, dass mir sein Name völlig unbekannt war bis, wie gesagt, meine Kollegin meinte, das müsse sich ändern.
Auf Deutsch ist nur sein Erstlingsroman "Nach dem Essen sollst du ruhn" erschienen, den ich als nicht besonders gut in Erinnerung habe, der mich laut meinen Beiträgen einer
Lesenacht aber gegen Ende doch noch positiv überraschte.
Jetzt nehme ich mir ein weiteres Buch von ihm vor:
Ulf Durling - Min kära bortgångna (="Meine liebe Verstorbene") erschien 1980 und handelt von dem ehemaligen Schlagersänger Bengt Alvar, dessen Karriere schon vor vielen Jahren ein Ende nahm und der nun mit Anfang 50 ein durchschnittliches Leben in einem mittelfeinen Wohngebiet in einer von Stockholms Kranzkommunen führt. Er ist Leiter einer Geschäftsfiliale, seit Jahrzehnten mit Birgitta verheiratet, hat einen festen Freundeskreis und hofft zwar noch immer auf ein Comeback, an dessen Möglichkeit aber wohl nur noch er glaubt.
Dass sein ruhiges Leben ein plötzliches Ende nimmt, erfahren wir im Prolog, in dem wir ihn in der Psychiatrie antreffen, wo er nach dem plötzlichen Verlust seiner Frau gelandet ist. Eine Journalistin besucht ihn dort in der Hoffnung, eine Artikelserie in einer sich auf dem absteigenden Ast befindenden Musikzeitschrift unterbringen zu können. Bengt Alvar erzählt ihr also, was wir im folgenden lesen können.
Im ersten Kapitel treffen wir Bengt Alvar und Birgitta auf einer Party bei Freunden an, allerdings geht Birgitta sehr früh - angeblich wegen Kopfschmerzen. Bengt Alvar glaubt nicht recht daran, da Birgitta aber an Migräne leidet, kann es gut sein. Im weiteren Verlauf erfahren wir mehr über Bengt Alvars jetziges und früheres Leben, bis er nach Mitternacht nach Hause kommt, wo er Birgitta wegen ihrer getrennten Schlafzimmer aber nicht mehr trifft. Erst mit dem letzten Satz des Kapitels wird der Klappentext, in dem von dem Mord an Birgitta die Rede ist, bestätigt: "... das Problem lag weniger bei Birgitta als bei ihrem Mörder."
Bisher bin ich von dem Buch recht angetan. Durling schreibt mit gutem Stil, erzählt ebenso effektiv wie effektvoll eine weniger spannende als vielmehr interessante Geschichte, die dies erst durch die Art der Darstellung wird. Ich lasse mich überraschen, wie es weitergehen wird.
Erst werde ich mir allerdings den obligatorischen Lesenachtspfefferminztee aufschütten und mal nachschauen, ob ich noch ein paar Weihnachtsplätzchen auftreiben kann.