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Autor Thema: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale  (Gelesen 2635 mal)

Doris

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Runde 6  startet am 15. Januar

Das Wintermärchen/The Winter's Tale

Eine Romanze in fünf Akten



Inhalt:
Leontes, der König von Sizilien, wähnt, seine Frau Hermione habe ihn mit seinem Jugendfreund Polixenes, dem König von Böhmen, betrogen. In einem Anfall von krankhafter Eifersucht will er beide umbringen lassen. Polixenes kann, gewarnt von einem Höfling, rechtzeitig fliehen, Hermione wird vor Gericht gestellt. Dort sinkt sie zu Boden und wird anschließend von der Hofdame Paulina verborgen. Alle Welt aber meint, sie sei tot. Perdita, die Tochter von Leontes und Hermione, wird in Böhmen ausgesetzt und von Schäfern aufgezogen. Sechzehn Jahre vergehen, in denen Leontes bereut und Perdita zu einem bildschönen Schäfermädchen herangewachsen ist. Florizel, der Sohn von Polixenes, begegnet ihr zufällig und verliebt sich in sie; doch der königliche Vater will das vermeintliche Schäfermädchen nicht als künftige Schwiegertochter akzeptieren. Das junge Paar flieht nach Sizilien, wo es von Leontes freundlich aufgenommen wird. Perdita wird vom Vater als Tochter erkannt und nun bekommt das Paar auch den Segen des böhmischen Königs. Um das Glück zu vollenden, führt Paulina die Versammelten in ihr Gemach, in dem die vermeintlich tote Hermione als »Statue« steht, zu Leontes herabsteigt und wieder lebendig wird. Die Handlung der Komödie - die Wandlung vom Bösen zum Guten, von der Entzweiung zur Versöhnung - ist somit vollendet.
(Quelle: Amazon)

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« Letzte Änderung: 14. Januar 2011, 23:43:54 von Doris »
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #1 am: 15. Januar 2011, 12:54:59 »

Einen wunderschönen Samstagmorgen allerseits,
dann will ich mal die Leserunde einläuten!  :smile:

Was ich jetzt schon sagen kann, ist, dass der 1. Akt definitiv Lust auf den Rest macht!  :klatschen:
Zu Beginn herrscht ja noch eine wunderbar entspannte, herzliche Atmosphäre - eigentlich keine ungewöhnliche Situation: ein Freund will abreisen, der Gastgeber versucht ihn zum Bleiben zu überreden, und die Hausherrin schafft es schließlich.
Doch dann sieht man fast bildlich vor sich, wie die Eifersucht Leontes infiziert und schnell ganz von ihm Besitz ergreift. Die Beschreibung seines Gemütszustandes vom ersten eifersüchtigen Gedanken bis zu der Raserei, in die er sich hineinsteigert, hat mich sehr mitgerissen! Man merkt richtig, wie sich ein paar kleine Wellen blitzschnell zu großen Wogen hochschaukeln, die ihn mit sich fortreißen (wobei ihm selbst überhaupt nicht klar ist, dass er keineswegs mehr Herr seiner Vernunft ist).

Der arme Polixenes ist ganz von den Socken, als ihm Camillo beizubringen versucht, wessen er verdächtigt wird.  Bei seiner wortreichen, emotionalen Reaktion musste ich grinsen - ein einfaches "Ich doch nicht!" hat's wohl nicht getan ...  :breitgrins:

Zu Gift dann eitre
Mein reinstes Blut, geschmiedet sei mein Name
An jenen, der den Heiligsten verriet!
Mein unbefleckter Ruf werd' eine Fäulnis,
Durch die mein Nahn dem stumpfsten Sinn ein Ekel;
Und meine Gegenwart sei scheu vermieden,
Ja, und gehaßt, mehr als die schlimmste Pest,
Die das Gerücht und Bücher je geschildert!


Apropos Hermione - spricht man das tatsächlich "Her-MAI-o-nie" aus? Ich bin bei Harry Potter zum ersten Mal auf diesen Namen gestoßen und konnte mir nie vorstellen, wie das klingen soll - aber das ist so ungefähr die letzte Variante, auf die ich gekommen wäre! Echt schräg.

Was mir hier noch stärker auffällt als bei den Stücken, die wir bisher gelesen haben: die Protagonisten sind zwar Könige (weil das bei Shakespeare nun mal so üblich ist), aber das Thema ist sehr lebensnah, alltäglich und zeitlos. Ich finde, hier hat man ein besonderes Identifikationspotential, denn mit Eifersucht ist irgendwann einmal jeder schon konfrontiert gewesen - ob zu Recht oder zu Unrecht, ob aus der aktiven oder der passiven Perspektive - man kennt dieses Motiv einfach, und es ist nicht so abstrakt wie z.B. Mirandas oder Calibans Situation im Sturm. Wer wächst schon nur mit dem Vater auf einer einsamen Insel auf, oder wurde um einen Thron betrogen?  :schulterzuck: Klar lassen sich auch da Parallelen zum richtigen Leben ziehen, aber beim Wintermärchen scheinen mir die Analogien direkter und weniger metaphorisch zu funktionieren. Ein Unterschied ist natürlich, dass Könige die Macht zu viel folgenschwereren und weitreichenderen Taten haben als Otto Normalverbraucher, aber prinzipiell könnten wir es hier auch mit einem ganz normalen Ehepaar zu tun haben.

Jedenfalls gefällt mir das Stück bisher extrem gut, und ich werde heute definitiv noch weiterlesen! :daumen:

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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #2 am: 15. Januar 2011, 17:56:38 »

Hallo,

ich habe auch gerade eben angefangen und den ersten Akt gelesen. Herrlich, so liebe ich Shakespeare. Ohne viel Gedöhns geht es gleich zur Sache.
Auch ich war sehr verwundert über dieses Wandlung der Gefühle nach dem ersten Auftreten von Leontes und Polixenes. Kaum ist der Freund von der Gattin zum bleiben überredet und aus Sichtweite, schon wird der Mord an diesem geplant. Der Arme, weiß überhaupt nicht wie ihm geschieht.
Nur gut, dass Camillo mit der Sprache herausrückte, als Poixenes ihn fragte, was denn los sei.

Heftig fand ich ja auch, welche Meinung Leontes von seiner Frau hat. Nur zwei Mal in ihrem Leben hat sie etwas vernünftiges gesagt; das ist schon dreist. Ich habe das Gefühl, dass es sie gar nicht so trifft, sondern Hermione es eher mit Humor und Ironie aufnimmt. Wie soll man auch sonst damit umgehen, außer dem Gatten einen tritt in den Allerwertesten zu verpassen und das wäre ja nicht königinnenlike,  :breitgrins: wenn auch angemessen.


Was mir hier noch stärker auffällt als bei den Stücken, die wir bisher gelesen haben: die Protagonisten sind zwar Könige (weil das bei Shakespeare nun mal so üblich ist), aber das Thema ist sehr lebensnah, alltäglich und zeitlos. Ich finde, hier hat man ein besonderes Identifikationspotential, denn mit Eifersucht ist irgendwann einmal jeder schon konfrontiert gewesen - ob zu Recht oder zu Unrecht, ob aus der aktiven oder der passiven Perspektive - man kennt dieses Motiv einfach, und es ist nicht so abstrakt wie z.B. Mirandas oder Calibans Situation im Sturm.

Das genau ist auch einer der Gründe, warum ich Shakespeare so schätze, ja liebe. Man kann sich ganz oft selbst in seinen Stücken wiederfinden und dadurch werden sie auch zeitlos.

Da das Wintermärchen bei Shakespeare ja unter die Rubrik "Komödien" fällt, bin ich schon gespannt, auf die entsprechenden Szenen. Ich finde Shakespeares Humor immer ganz speziell und so herrlich trocken.

@Bluebell: Hermione wird Härmoini ausgesprochen. Ich bin nicht wirklich ein Lautschriftexperte, aber so könnte man die Aussprache des Namens beschreiben.

Liebe Grüße Tina
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Doris

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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #3 am: 15. Januar 2011, 18:18:59 »

Hallo zusammen,

ist ja schon richtig was los hier!  :smile:

Ich habe auch den ersten Akt schon gelesen; einmal angefangen, mochte ich nicht mehr aufhören. Das Thema gefällt mir wegen seiner Aktualität. Wer war nicht selbst schon mal in Zweifeln oder von Eifersucht gepackt? Man fühlt sich gleich mittendrin in der Handlung.

Doch dann sieht man fast bildlich vor sich, wie die Eifersucht Leontes infiziert und schnell ganz von ihm Besitz ergreift. Die Beschreibung seines Gemütszustandes vom ersten eifersüchtigen Gedanken bis zu der Raserei, in die er sich hineinsteigert ...

Ich hatte den Eindruck, als wären Leontes schon früher Zweifel an der ehelichen Treue seiner Frau gekommen, da er einen gewissen Verdacht wegen der Ähnlichkeit seines Sohnes mit sich selbst hegt.

Camillo tut mir Leid. Als treuer Gefolgsmann seines Königs muss er dessen Wünsche erfüllen, aber einen Mord zu begehen bringt er bei aller Treue nicht so leicht in Einklang mit seinem Ehrgefühl. Er kann in dieser Situation nur verlieren.
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #4 am: 15. Januar 2011, 18:51:27 »

Ich kann gar nicht mehr aufhören. Ich muss wirklich achtgeben, dass ich nicht davonrenne.

Ich habe gerade den zweiten Akt, erste Szene gelesen.

Nun weiß Hermione Bescheid über das was ihr vorgeworfen wird. Sie nimmt es wirklich mit Fassung. Leontes hat isch wirklich so sehr verrant, dass er für gar keinen Rat mehr offen ist. Ich habe das Gefühl, er will gar nicht die wahrheit sehen.
Nun wird das Orakel zu Delphi befragt. In früheren Zeit mit Sicherheit ein oft praktiziertes Vorgehen, aber wie gefährlich, zumal sich Antigonus beim Leben seiner drei Töchter für Hermione verbürgt.  :entsetzt:

Leontes ist im wahrsten Sinne des Wortes blind vor Eifersuch, blind für jeden logischen Einwand. Man könnte ihn packen und schütteln.

Viele Grüße Tina
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #5 am: 15. Januar 2011, 20:54:47 »


Ich habe das Wintermärchen bereits in den Weihnachtsferien gelesen und mir hat es super gut gefallen. :smile: Seltsam, dass es nicht so bekannt ist wie andere Komödien Shakespeare.

Zum 1. Akt: Ich war auch fasziniert, wie schnell die Meinung von Leontes gekippt ist. Zuerst dachte ich noch, dass er das gar nicht so ernst meinen würde. Er war es ja schliesslich der Hermione inständig bat, Polixenes zum Bleiben aufzufordern. Aber als er den Befehl zum Morden gab, wusste ich, dass es ihm ernst war. Zum Glück hat man noch Hoffnung, dass das Orakel alle Vorwürfe widerlegen und Hermione frei gesprochen würde. Und Polixenes ist auch glücklicherweise auch gerettet.


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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #6 am: 15. Januar 2011, 23:38:19 »

Bin auch schon im 2. Akt:winken:
Gleich zu Beginn musste ich über den kleinen Buben schmunzeln. "Nein, dich mag ich nicht." - Kindermund einst und heute!  :breitgrins: Und dann im nächsten Atemzug gleich Beautytipps für die Damen liefern, wie sie sich die Augenbrauen zupfen sollen, hihi ...

Nun weiß Hermione Bescheid über das was ihr vorgeworfen wird. Sie nimmt es wirklich mit Fassung.

Ja, ich finde generell, dass hier starke Frauen zum Vorschein kommen: Hermione, die nicht weint, als sie in den Kerker gesteckt wird ... Paulina, die sich mit dem Baby den Männern entgegenstellt …

Nun wird das Orakel zu Delphi befragt. In früheren Zeit mit Sicherheit ein oft praktiziertes Vorgehen, aber wie gefährlich, zumal sich Antigonus beim Leben seiner drei Töchter für Hermione verbürgt.  :entsetzt:

Echt extrem - es ist zwar nett, sich so für Hermione einzusetzen, aber muss man gleich die eigenen Töchter verwetten!?

Ziemlich modern wirkt auch Paulinas Einstellung zu außerehelichen Kindern:

Gefangen war das Kind im Mutterleib,
Und ist, nach Recht und Fortgang der Natur,
Daraus erlöst und frei, hat keinen Teil
Am Zorn des Königes, und keine Schuld,
Wenn's eine gäbe, an der Kön'gin Fehltritt.


Ich glaube kaum, dass das damals schon gängige Meinung war - zumindest aus Erzählungen meiner Großeltern weiß ich, dass Bastarde früher nicht gerade ein leichtes Leben hatten und durchaus so behandelt wurden, als ob sie irgendwie Mitschuld hätten.  :rollen:

Unsicher bin ich mir bei folgender Stelle:

Natur, du gute Göttin, die es schuf
So ähnlich dem, der's zeugte, bildest du
Auch das Gemüt, so gib aus allen Farben
Ihm nur kein Gelb, daß sie, wie er, nicht wähne,
Ihr Kind sei ihres Gatten nicht!


Beim ersten Lesen habe ich überhaupt nicht kapiert, was mit diesem "Gelb" gemeint sein könnte. Jetzt frage ich mich aber, ob es vielleicht eine Anspielung darauf sein soll, dass Gelb ja die Farbe des Neids und der Eifersucht ist!? :gruebel:
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #7 am: 16. Januar 2011, 16:12:39 »

Bis 3. Akt, 3. Szene

Oh, oh, oh, ich rege mich maßlos auf, obwohl es ja nur eine Geschichte ist. Wie kam ich eigentlich auf den verrückten Gedanken es handele sich bei diesem Stück um eine Komödie? Nun, es ist definitiv keine. Wie mich diese Ungerechtigkeit aufregt. Warum? Weil ich mir lebhaft vorstellen kann, dass es früher so war. Frauen waren "Eigentum" der Männer und der Fürst und König hatte fast eine unangreifbare Macht. Sein Wort war Gesetz und wurde niemals in Frage gestellt. Dieses Willkürhandlungen und Bestrafungen, die machen mich rasend. Wie schnell wurde wohl damals einer unschuldig zum Tode verurteilt.

Leontes will also tatsächlich dieses arme kleine unschuldige Baby ermorden, sogar in Feuer werfen. Mir läuft es bei dem Gedanken eiskalt den Rücken hinunter. Eigentlich habe wir ja auch bis jetzt noch nicht erfahren, wie er eigentlich auf diese verrückte Idee kam, dass sein Ehefrau ihn betrog? Steht irgendwo ob ihn jemand an gestachelt hat? Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Paulina hat Mut und versucht mit allen Mitteln, wenn schon nicht Hermione, doch zumindest das Baby zu retten. Ich fand es gut, dass sich ihr Mann ganz klar auf ihre Seite stellt.
Dann gibt Leontes auch noch Hermione die Schuld an der Erkrankung seines Sohnes, dieser wahnsinnige Verrückte, anstatt mal zu hinterfragen ob nicht es nicht sein Verhalten war, welches den Sohn erkranken ließ. Wenn man die eigene Mutter in den Kerker wirft, dann dürfte es doch wohl klar auf der Hand liegen, dass ein Kind darunter leidet.
Nun, Antigonus hat sich mit dem Baby auf den Weg nach Böhmen gemacht und dort das arme kleine Mädchen seinem Schicksal überlassen. Welch ein Glück kam der Schäfer vorbei. Er und sein Sohn scheinen gute Menschen zu sein. Sie erweisen auch einem toten Unbekannten die Ehre, in dem sie seine sterblichen Überreste begraben anstatt sie einfach verrotten zu lassen.
Leider fußte Antigonus nicht, was derzeit im Palast in Sizilien geschehen war. Der Sohn von Hermione ist an gebrochenem Herzen gestorben, sie darauf hin genauso. Das Orakel hat sie als schuldlos befunden, aber zu spät. Nun sind alle die dem König jemals etwas bedeuteten nicht mehr da. Tod, verschwunden, zerstritten. Er ist nun ganz alleine, muss mit dem Schicksal hadern dessen einziger Urheber er selbst war, durch Eifersucht, Rachsucht und Despotentum. Recht geschieht es ihm, wen mir auch die anderen unendlich leid tun, da sie so in ihrem Leben gestraft wurden und das nur durch Willkür eines einzigen Wahnsinnigen, der leider zu viel Macht hatte.

Ganz geschickt fand ich am Ende des 3. Aktes, die Zeit sprechen zu lassen. sie ist die perfekte Erklärung für den Zeitsprung von 16 Jahren in der Geschichte und ich bin schon sehr gespannt wie es Perdita ergangen sein mag in Böhmen, bei dem Schäfer.

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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #8 am: 16. Januar 2011, 19:59:37 »

Nur ganz kurz:

Komisch, dass Shakespeare Sizilien und Böhmen rausgesucht hat. Böhmen lag und liegt ja nicht am Meer, oder? Ich habe im Geschichtsatlas geblättert. Auch zur Zeit von Shakespeare waren die Ausdehnungen von Böhmen nicht so, dass es irgendwann mal  bis zum Mittelmeer ging. Oder liege ich da total falsch?
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #9 am: 16. Januar 2011, 23:04:44 »

Oder liege ich da total falsch?

Nicht du, er! :elch:

Finde leider gerade den Zettel mit meinen Notizen nicht, hatte mir noch ein paar Dinge rausgeschrieben ... aber von Komödie ist im 3. Akt absolut nix zu spüren, da gebe ich Tina völlig Recht!  :sauer:

Vielleicht lese ich heute noch den 4. Akt - melde mich auf jeden Fall morgen noch ausführlicher!
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #10 am: 16. Januar 2011, 23:31:53 »

Hallo. Tut mir leid, dass ich mich jetzt erst melde, aber ich bin gerade erst wieder in London angekommen. Meine Meinung zum bisher Gelesenen gibt's dann morgen, aber ich wollte ganz kurz auf die Genrefrage hinweisen.

Ich musste schon schmunzeln, als ich die Amazonbeschreibung gelesen habe, die das Stück zu den Komödien einordnet... Das ist so nicht ganz richtig bzw. ist eine große Streitfrage. Ihr habt ja selber gemerkt, dass das Stück nicht so witzig ist.
Es ist so, dass es in der ersten Folioausgabe zu den Komödien gezählt wird, allerdings muss man auch sagen, dass man die Genreeinteilung damals nicht so ernst genommen hat. King Lear z. B. wurde einmal als "Historie" herausgegeben und einmal als "Tragedy". Das war damals einfach nicht so wichtig.
Momentan sieht man das so, dass man das Stück zu den Romanzen zählt. (Der Begriff stammt aus dem 19. Jahrhundert von Edward Dowden, einem berühmten Shakespeare-Forscher). Zu den Romanzen zählen vier Stücke: Der Sturm, Das Wintermärchen, Cymbeline und Pericles. Alle vier Stücke zählen zu Shakespeares Spätwerk und werden daher oft auch als "Late Plays" bezeichnet (was etwas neutraler ist als "Romanze"). Was die Stücke gemeinsam haben ist, dass sie alle eher im familiären Bereich anzusiedeln sind, oft Familienzusammenführungen, Reue und Vergebung als Leitmotive haben und die Charaktere zwar in lebensbedrohliche, "tragische" Situationen gebracht werden, es aber doch ein gutes Ende nimmt.
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #11 am: 16. Januar 2011, 23:44:54 »

Dann sollte ich das Anfangsposting wohl ändern. "Komödie" trifft es nach euren Eindrücken wirklich nicht so gut, wobei ich unter dem Stichwort "Romanze" auch etwas anderes erwarten würde als das von euch Erzählte. Ich bin heute leider wenig zum Lesen gekommen, aber spätestens morgen mache ich mich wieder an den Shakespeare, denn ich sehe schon, das wird spannend.

Edit: Ich sehe gerade, dass ich das Stück schon als Romanze angekündigt hatte. Irgendwo ist es mir aber auch als Komödie untergekommen.
« Letzte Änderung: 16. Januar 2011, 23:46:31 von Doris »
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #12 am: 17. Januar 2011, 09:34:34 »

Ich hab den ersten Akt gelesen.

Mir hat der erste Akt auch sehr gut gefallen, obwohl die zweite Szene ja sehr lang ist. Ich bevorzuge eigentlich kürzere Szenen, weil mir das irgendwie dynamischer vorkommt, aber da in der Szene auch ein ständiges Ein und Aus herrscht, kam sie mir auch ziemlich dynamisch vor.

Eigentlich ist zum ersten Akt ja schon alles gesagt worden, deshalb gibt's von mir hier mal einen Trailer für die Inszenierung von The Winter's Tale der Royal Shakespeare Company. Die Aufführung hätte sicherlich allen hier schon allein wegen der zwei riesigen Bücherregale als Kulisse gefallen.  :breitgrins:
« Letzte Änderung: 17. Januar 2011, 09:39:28 von Mrs.Dalloway »
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #13 am: 18. Januar 2011, 23:12:27 »

Ich habe heute den 3. Akt gelesen und bin weniger denn je der Ansicht, dass es sich bei diesem Stück um eine Romanze handelt (Komödie schon gar nicht), angesichts aller Dinge, die vorfallen. Leontes ist in meinen Augen ein richtiger Despot. Warum lässt er das Orakel befragen, wenn er das Ergebnis nur akzeptiert, wenn es zu seinen Gunsten ausfällt? Ich bin geneigt zu sagen, dass es ihm recht geschieht, wenn er seine ganze Familie und auch seine Getreuen verliert, die ihm die Loyalität aufgekündigt haben.

Komisch, dass Shakespeare Sizilien und Böhmen rausgesucht hat. Böhmen lag und liegt ja nicht am Meer, oder? Ich habe im Geschichtsatlas geblättert. Auch zur Zeit von Shakespeare waren die Ausdehnungen von Böhmen nicht so, dass es irgendwann mal  bis zum Mittelmeer ging. Oder liege ich da total falsch?

Mir ist nicht bekannt, dass die Grenzen Böhmens jemals auch nur annähernd in der Nähe von Sizilien lagen. Es ist schwer vorstellbar, dass Shakespeare nicht gewusst haben soll, wo sich das Land befindet. Vielleicht gibt es noch eine Erklärung dafür, warum er Böhmen gewählt hat.

Stilistisch finden sich auch hier wie in anderen Shakespeareschen Dramen wieder Abschnitte, in denen die einfachen Leute sich auch einfach ausdrücken, während die feinen Leute die gehobene Sprache pflegen. Langsam fühle ich mich richtig heimisch in diesen Stücken  :smile:
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Re: William Shakespeare - Das Wintermärchen/The Winter's Tale
« Antwort #14 am: 19. Januar 2011, 16:54:45 »

Ich habe es gestern abend in einem Rutsch zu ende gelesen und da der fünfte Akt nicht sehr lang ist, kam der Schluss relativ plötzlich. Der wechselt wieder und alle Protagonisten befinden sich weider in Sizilien zum großen Show-Down, wenn man es so nennen darf.
Perdita wurde vom Schäfer großgezogen und es geht wirklich gut, jedoch weiß sie nicht, wer ihre wahren Eltern sind. Der Sohn von Polixenes verliebt sich in die Schäferstochter und auch hier gibt es hausgemacht Probleme. Polixenes mit dem man ja zu Angfang des Stückes Mitleid hatte, verhält sich auch nicht gerade besonders nett. Er missbilligt die Liebe seines Sohnes zu dem Mädel, welches nicht seinem Stand entspricht, obwohl Polixenes zugeben muss, dass es an ihr nichts zu beanstanden gibt. Tja, die guten Vorurteile. Es kommt wie nicht anders zu erwarten zum großen Eklat und die beiden Liebenden müssen fliehen. Einige Zeilen am Ende des 4. Aktes musste ich mehrmals lesen, da manches etwas verwirrend war, vor allem die Rolle von Antineus.

Ich möchte zum 5. Akt noch nichts schreiben und bin erst einmal gespannt wie ihr ihn seht. Diesen letzten Akt fand ich auch etwas verwirrend, und ich mit von Shakespeare etwas mehr Information gewünscht.
Nichts dest Trotz, war es wieer alles in allem ein Stück welches sich gelohnt aht zu lesen. Es war spannend und es gab fast ein Happy End.

Liebe Grüße Tina
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