Einen wunderschönen Samstagmorgen allerseits,
dann will ich mal die Leserunde einläuten!

Was ich jetzt schon sagen kann, ist, dass der
1. Akt definitiv Lust auf den Rest macht!

Zu Beginn herrscht ja noch eine wunderbar entspannte, herzliche Atmosphäre - eigentlich keine ungewöhnliche Situation: ein Freund will abreisen, der Gastgeber versucht ihn zum Bleiben zu überreden, und die Hausherrin schafft es schließlich.
Doch dann sieht man fast bildlich vor sich, wie die Eifersucht Leontes infiziert und schnell ganz von ihm Besitz ergreift. Die Beschreibung seines Gemütszustandes vom ersten eifersüchtigen Gedanken bis zu der Raserei, in die er sich hineinsteigert, hat mich sehr mitgerissen! Man merkt richtig, wie sich ein paar kleine Wellen blitzschnell zu großen Wogen hochschaukeln, die ihn mit sich fortreißen (wobei ihm selbst überhaupt nicht klar ist, dass er keineswegs mehr Herr seiner Vernunft ist).
Der arme Polixenes ist ganz von den Socken, als ihm Camillo beizubringen versucht, wessen er verdächtigt wird. Bei seiner wortreichen, emotionalen Reaktion musste ich grinsen - ein einfaches "Ich doch nicht!" hat's wohl nicht getan ...
Zu Gift dann eitre
Mein reinstes Blut, geschmiedet sei mein Name
An jenen, der den Heiligsten verriet!
Mein unbefleckter Ruf werd' eine Fäulnis,
Durch die mein Nahn dem stumpfsten Sinn ein Ekel;
Und meine Gegenwart sei scheu vermieden,
Ja, und gehaßt, mehr als die schlimmste Pest,
Die das Gerücht und Bücher je geschildert!Apropos Hermione - spricht man das tatsächlich "Her-MAI-o-nie" aus? Ich bin bei Harry Potter zum ersten Mal auf diesen Namen gestoßen und konnte mir nie vorstellen, wie das klingen soll - aber das ist so ungefähr die letzte Variante, auf die ich gekommen wäre! Echt schräg.
Was mir hier noch stärker auffällt als bei den Stücken, die wir bisher gelesen haben: die Protagonisten sind zwar Könige (weil das bei Shakespeare nun mal so üblich ist), aber das Thema ist sehr lebensnah, alltäglich und zeitlos. Ich finde, hier hat man ein besonderes Identifikationspotential, denn mit Eifersucht ist irgendwann einmal jeder schon konfrontiert gewesen - ob zu Recht oder zu Unrecht, ob aus der aktiven oder der passiven Perspektive - man
kennt dieses Motiv einfach, und es ist nicht so abstrakt wie z.B. Mirandas oder Calibans Situation im
Sturm. Wer wächst schon nur mit dem Vater auf einer einsamen Insel auf, oder wurde um einen Thron betrogen?

Klar lassen sich auch da Parallelen zum richtigen Leben ziehen, aber beim
Wintermärchen scheinen mir die Analogien direkter und weniger metaphorisch zu funktionieren. Ein Unterschied ist natürlich, dass Könige die Macht zu viel folgenschwereren und weitreichenderen Taten haben als Otto Normalverbraucher, aber prinzipiell könnten wir es hier auch mit einem ganz normalen Ehepaar zu tun haben.
Jedenfalls gefällt mir das Stück bisher extrem gut, und ich werde heute definitiv noch weiterlesen!
