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Autor Thema: Margaret Atwood - Der Report der Magd  (Gelesen 7399 mal)

Thanquola

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Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #15 am: 06. Januar 2006, 15:11:08 »

Danke für deine Rezi, Aeria! :knuddel: Das Buch hört sich sehr interessant an. Ist gleich auf meiner Wunschliste gelandet.
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Kirsten

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Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #16 am: 10. Januar 2006, 09:36:44 »

Hallo!

@Aeria & Papyrus: ich habe "Oryx und Crake" gelesen! Wie "Der Report der Magd" spielt er auch in einer nicht so ganz fernen Zukunft und ist mindestens genauso bedrückend. Ich habe bei Atwoods Romanen das Gefühl, dass sie von unserer eigenen Zukunft schreibt, weil sie so in beiden Büchern beschreibt, wie es zu der jeweiligen Staats- und Gesellschaftsform kommen konnte und ich mir den Ursprung dazu gut in unserer heutigen Gesellschaft vorstellen kann. "Oryx und Crake" gehört für mich in die Kategorie "unbedingt lesen".

Liebe Grüße
Kirsten

EDIT: guckst Du hier:
Rezi
da steht schon ein bisschen was zu dem Buch
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Twilight

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Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #17 am: 11. Januar 2006, 10:40:19 »

Wie sich ja gerade heutzutage immer wieder sehr plakativ zeigt, ist religiöser Fundamentalismus ja keine Philosophie an sich, sondern vor allem eine theoretische Grundlage für ganz praktisch ausgeübten Terror (und dieser Ausdruck ist nicht auf Al Qaida beschränkt, sondern bezieht sich auf alle totalitären Regimes mit religiösem Hintergrund). In solchen Systemen, wie es ja auch auch bei Atwood beschrieben wird, werden die Dogmen des tragenden Fundamentalismus in der Regel nicht von freigeistigen Exegeten bestimmt ("Hey, das kannst Du aber so nicht festlegen, das steht ja gar nicht so in unseren Schriften!"), sondern von denjenigen, die die Macht ausüben in Zusammenarbeit mit denjenigen, die die zugehörigen Schriften nach deren Ermessen auslegen und so als Legitimation für Unterdrückung benutzen.

Religiöse Schriften sind (leider) in den wenigsten Fällen eindeutige Handlungsanweisungen, und wer will kann auch aus der Bergpredigt den Aufruf zu Mord und Totschlag herauslesen (oder aus dem Koran die Aufforderung, alle Ungläubigen in die Hölle zu bomben oder aus dem Alten Testament die Maßgabe, es mit der eheligen Treue nicht so genau zu nehmen).
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Avila

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #18 am: 22. August 2008, 20:48:33 »

Eigentlich wollte ich das Buch ja in der kanadischen Lesenacht lesen, aber bin erst jetzt dazu gekommen - und bin begeistert und frage mich, warum ich es so lange vor mir herschob!

Zuerst fand ich den etwas abgehackten Schreibstil verwirrend, aber später, als ich mich was eingelesen hatte, fand ich ihn klasse, denn er passt wunderbar zur Handlung des Romans.
Die Gefühle der Protagonistin muss man teils eher erahnen, als dass man sie wirklich weiß, aber da ich keine Probleme hatte, mich in ihre Lage zuversetzen, fiel mir da keinenfalls schwer. Denn wie die anderen auch schon angemerkt haben, ist die Geschichte sehr realistisch. Fast zu realistisch, dass man echt schon ein wenig "Angst" bekommt. Denn was "oben" vor sich geht, merkt man meistens erst, wenn es schon zu spät ist. In diesem Roman wird ja auch gesagt, dass dies ein eher schleichender Prozess war und auch ihren eigenen Fluchtversuch hat sie versucht zu beschreiben.

Wie Aeria fand ich das offene Ende .. Na ja, aber es passt einfach zu der Geschichte. Zum Schluss den "historischen Hintergrund" fand ich komisch, aber nun - nach ein bisschen Nachwirken fand ich ihn klasse! ... Es lässt alles noch realistischer erscheinen.

Das Buch ist wirklich wie ein Blick in die Zukunft .- vielleicht wird es sowas auch bei uns mal geben?
Auf jeden Fall regt es zum Nachdenken an und bei dem ein oder anderem auch zum Handeln. Und solche Bücher mag ich ja eh am liebsten. Zu  mal ich auch ein wenig in dem Buch gelernt habe - zB wo das Wort "Mayday" herkommt.  :klatschen:

Auf jeden Fall gibts

5ratten !
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:leser:
C.S. Lewis - The Chronicles of Narnia 01. Magician's Nephew
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Twiceybaby

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #19 am: 04. März 2009, 09:37:36 »

Nachdem ich nun meine erste Leserunde mit diesem Buch hinter mich gebracht habe, möchte ich natürlich auch meinen Senf dazu abgeben  :zwinker: :breitgrins:

Auch auf die Gefahr hin, das sich manche nun die Haare raufen oder mich für total bescheuert halten aber:

Ich fand dieses Buch einfach grauenvoll....

Inhalt:


In Gilead, einer imaginären Republik im Norden der früheren USA, hat Einzug gehalten, was für uns Schreckensvisionen einer nahen Zukunft sind: Das Lesen ist verboten, die Frauen sind entweder Hausfrauen, Gebärmaschinen oder Sklavinnen.In dieser Schreckensgesellschaft wird Desfred, eine „Magd" in gebärfähigem Alter, einem hochrangigem Kommandanten zugewiesen, dessen Frau kinderlos geblieben ist - und sie beginnt um das zu kämpfen, was nur unter Lebensgefahr zu haben ist: Ihre Erinnerung, ihre Fantasie und die Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe und Leben.

Meine Meinung:

Margaret Atwood hat sich in der Wahl ihrer Perspektiven nicht nur auf eine Frau, sondern zugleich auf eine einfache Frau beschränkt. Keine Heldin. Statt um die Rebellion sorgt sich Desfred um Mann und Kind und um die eigene glatte Haut. Keineswegs bewährt sich - wie sonst oft in der sogenannten Frauenliteratur - die Gewalt des Patriarchats letztendlich als Mittel zur Förderung des protestierenden feministischen Geistes. Die Macht wirkt vielmehr vernichtend, sie reduziert ihr Opfer auf das ursprünglichste Bedürfnis, auf die Sehnsucht nach Leben und Liebe.
Die erzählerische Zusammenraffung in die Perspektive der Magd bedingt ( zumindest bei mir ) daß meine Neugier in Bezug auf Gilead ähnlich unbefriedigt bleibt wie die Lebenslust der Heldin.
Es muß nicht immer die heile Welt sein...Aber dieses Buch hat meinen Geschmack so leider gar nicht getroffen.

Deswegen von mir nur

 3ratten

* Mal schauen vielleicht gebe ich dem Buch in geraumer Zeit ja doch noch eine 2te Chance. Vielleicht ändert sich nach erneuter Betrachtung meine Meinung ja noch  :gruebel: *

« Letzte Änderung: 04. März 2009, 09:46:08 von Twiceybaby »
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JaneEyre

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #20 am: 04. März 2009, 10:47:49 »

Zum Inhalt muss ja nun nichts mehr gesagt werden. Ich fand das Buch anfangs sehr beklemmend und erschreckend, diese Uniformen für jede "Schicht" und das was sie durften oder eben auch nicht. Genauso, dass sich Desfred oft nicht mehr erinnern konnte an Vergangenes oder nicht mehr wusste wann was passiert ist - sowas möchte man sich gar nicht vorstellen.

Die Rituale die die Mägde erdulden mussten, damit sie "gewarnt" wurden vom System und sich wohl überlegen auch systemkonform zu leben. Den Schreibstil fand ich dem Thema sehr angemessen und das Eintauchen in die Vergangenheit und oft auch die Wunschvorstellungen die Desfred von manchen Erlebnisse hatte nachvollziehbar. Wer will schon immer die Realität sehen und dann auch noch diese.

Es stimmt - Religion kann oft ausgelegt werden wie es jeder für sich sieht und für richtig hält - in vielen Fällen ist dies sehr unangebracht und kann zu schrecklichen Taten führen.

Das offene Ende lässt Raum für viele eigene Gedanken und die Erklärungen am Schluss des Buches - wirklich irgendwie komisch. Es ist auf alle Fälle ein Buch das sehr zum Nachdenken anregt und mich auch noch - wie die meisten anderen, länger immer wieder beschäftigen wird.

ich vergebe 4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:
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Liebe Grüße
JaneEyre

Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht zurück
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mohan

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #21 am: 04. März 2009, 11:31:12 »

Auch von mir keine weiteren Ausführungen zum Inhalt.

Es ist ein Experiment, vielleicht gar ein Wagnis, alles aus der Sicht von Desfred erzählen zu lassen. Der Vorteil für die Autorin wird dabei zum Nachteil für die Leser. Desfred versteht aufgrund ihrer engen Wahrnehmungsmöglichkeiten im Grunde so gut wie nichts, mutmaßt überwiegend, durchsetzt mit ein paar Informationen. Diese Informationen, die Berichte über die Kolonien etc., können stimmen oder nicht. Wir erfahren kaum etwas und sind damit in einer den Wissenschaftlern des Schlusskapitels vergleichbaren Position. Nicht ohne Grund trägt das Buch einen Titel, der die Inhalte als eine Erzählung ausweist, oder, wie im deutschen Titel, als Report. Als Erzählung, in der die Fiktion so gut wie nicht vom Bericht zu trennen ist, bezeichnet es ja auch der Wissenschaftler.

Als Experiment mag es ganz interessant sein. Als „Downer“ entfaltet das Buch wohl auch seine Wirkung. Aber mir persönlich gefällt es nicht besonders, wenn ich als Leser über diese Welt nur wenig erfahre und dann nicht einmal sicher sein kann, ob es stimmt, oder nur die vage Ausdeutung von Informationen durch einen Menschen, der die Verhältnisse nicht durchblickt, ist. Wir erfahren nicht, wie Gilead entstanden ist, wir erfahren so gut wie nichts über Gilead, wir erfahren nicht, warum Gilead am Ende nicht mehr existiert. Dass dies mit der Perspektive zusammenhängt, ist klar. Aber unbefriedigend finde ich es dennoch. Da ändert auch das Schlusskapitel nichts dran, in dem ein Wissenschaftler Mutmaßungen anstellt, die er durch ein paar Fakten begründen zu können glaubt. Letztlich, das zumindest ist ganz interessant, kann die Wissenschaft auch nicht viel mehr zum Verständnis beitragen als die Magd.

In der Einschätzung des Buches bin ich noch unentschlossen. Aber es gefällt mir eher nicht. Inhaltlich ist es sehr trivial und kratzt eigentlich nur an der Oberfläche einer interessanten Möglichkeit.
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Aeria

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #22 am: 04. März 2009, 21:28:40 »

@mohan
Eben weil nichts Näheres über Gilead bekannt wird (weil Desfred es nicht genau weiß) fand ich das Buch so interessant. Die Geschichte wird aus der Sicht eines kleinen und unwichtigen Menschen erzählt, dadurch gewinnt sie an Glaubwürdigkeit.

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stefanie_j_h

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #23 am: 11. März 2009, 18:47:59 »

Zum Inhalt muss ich wohl auch nicht weiter was sagen.

In klaren und einfachen Sätzen erzählt die Magd Desfred von ihrem Leben. Durch diese Perspektive erfährt man zwar nicht viel über den Staat Gilead, aber dafür liest man einen authentischen Bericht von einer Person, die mitten im Geschehen steckt. Mich hat das Buch sehr bewegt und auch ganz schön mitgenommen. Das eingeschränkte Leben, das Desfred führt ist sehr trostlos und ihr wird auch noch jede Möglichkeit genommen, dieses Leben zu beenden. Der Geschlechtsakt, der die Routine durchbricht ist allerdings auch alles andere als eine erfreuliche Abwechslung.

Desfred erzählt nicht geradlienig, immer wieder gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, eine Zeit vor Gilead, eine Zeit, die unserer sehr ähnlich ist. Gerade das ist das beängstigende. Man sieht wie schnell der Wechsel von unserer jetzigen Gesellschaft in eine wie Gilead vollzogen werden könnte und wie wenig Möglichkeiten man dann noch zum Widerspruch, zur Flucht, zum Entkommen hat.

"Der Report der Magd" ist ein Buch, das mich noch lange beschäftigen wird. Obwohl ich mich an manchen Stellen zum Weiterlesen zwingen musste, weil ich manche Dinge lieber nicht gewusst hätte, konnte ich das Buch doch nicht mehr aus der Hand legen, ich habe mit Desfred gefühlt und gelitten und war erfreut über das offene Ende, das noch einen Funken Hoffnung zurücklässt.

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Aeria

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #24 am: 30. März 2009, 23:39:28 »

Gestern abend habe ich mir den Film auf DVD angeguckt:



Der Film weicht nie weit von der Romanvorlage ab, auch wenn der Schluss etwas anders geraten ist, hoffnungsvoller. Der Film hat die düstere Stimmung des Buches eingefangen, aber natürlich reichen die 104 Minuten nicht aus, um auf jedes Buchdetail einzugehen.

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Alfa_Romea

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #25 am: 27. März 2011, 14:27:29 »

Mir geht es gleich wie mohan, der mein Unbehagen sehr schön in Worte gefasst hat:

Es ist ein Experiment, vielleicht gar ein Wagnis, alles aus der Sicht von Desfred erzählen zu lassen. Der Vorteil für die Autorin wird dabei zum Nachteil für die Leser.

(...)

Wir erfahren nicht, wie Gilead entstanden ist, wir erfahren so gut wie nichts über Gilead, wir erfahren nicht, warum Gilead am Ende nicht mehr existiert. Dass dies mit der Perspektive zusammenhängt, ist klar. Aber unbefriedigend finde ich es dennoch.

(...)

In der Einschätzung des Buches bin ich noch unentschlossen. Aber es gefällt mir eher nicht. Inhaltlich ist es sehr trivial und kratzt eigentlich nur an der Oberfläche einer interessanten Möglichkeit.

Das kann ich nur unterschreiben. Weil ich bei der Bewertung ebenso unentschlossen war, habe ich neutrale 5 von 10 Punkten dafür vergeben. Hier ist meine Kritik im Detail:

Inhalt:
Irgendwas muss schief gelaufen sein in der Welt: Offred (Name von Desfred im englischen Original) dient als Magd im Haushalt eines Commanders. Sie hat praktisch keine Rechte und wird eigentlich gar nicht als Mensch wahrgenommen, sondern als Gebärmaschine. Ihre Aufgabe als Magd ist es nämlich, Kinder vom Commander zu empfangen. Offenbar gibt es durch Umweltverschmutzung und andere Faktoren ein Problem mit der Zeugung von Nachwuchs, weshalb Frauen, die bereits ein gesundes Kind geboren haben, als Mägde dienen können. Wie eben Offred, die sich allerdings noch gut an die Zeit vor der Katastrophe erinnern kann, als Frauen gleichberechtigt waren, ihr eigenes Geld verdienten und eigene Entscheidungen trafen.
Aber eben, etwas muss schief gelaufen sein und jetzt führt sie ein eintöniges Leben, das sie so nie wollte, das aber immer noch besser als die Alternativen scheint, über die man allerdings nichts Genaues weiss. So ist eine Möglichkeit, in Ungnade zu fallen und in die Kolonien abgeschoben zu werden, wo ein elendes, kurzes Leben auf einer giftigen Müllhalde droht.

Meine Meinung:
«Der Report der Magd» ist ein furchtbar depremierendes Buch, Margaret Atwood hat sich grösste Mühe gegeben, die mickrigen Hoffnungsschimmer, die sich darin finden, sparsam einzusetzen. Die ganze Geschichte wird aus Sicht von Offred erzählt. Sie mutierte im Zuge der «Umerziehung» zur Magd von einer gebildeten jungen Frau zu einem hoffnungslosen und eher trägen Menschen, der das vermeintliche Schicksal zu ertragen versucht und sich an den wenigen abwechslungsreichen Dingen freut, die manchmal passieren.

Und so habe ich mich an der Seite von Offred durch dieses Buch geschleppt, das mich vor allem dadurch beeindruckt hat, wie es Atwood schaffte, die Hoffnungslosigkeit und die Eintönigkeit zu transportieren ohne zu langweilen. Vielleicht ist es ihr sogar ein wenig zu gut gelungen. Ich hatte recht lange an dem Buch, weil ich einfach nicht mehr aufschlagen und in diese Welt zurück reisen wollte. Daran hatte allerdings nicht nur die erzählerische Leistung der Autorin Anteil, sondern auch ein paar Dinge, die ich als Defizit empfand. So erfährt man kaum, wie es überhaupt zu dieser von Dogmen geprägten und unfairen Gesellschaft kam. Es gibt keine Aufschlüsse darüber, wie umfassend das «Staatsgebiet» dieser Wahnsinnigen ist und wer sie regiert. Überhaupt wird vieles nur angedeutet oder so erzählt, als wären die Zusammenhänge jedem klar. Das ist zwar einerseits realistisch. Wenn ich über mein Leben erzählen würde, finge ich auch nicht mit der Entstehung der Eidgenossenschaft an. Andrerseits dient es mir als Leserin überhaupt nicht und böse Zungen könnten behaupten, dass sich Atwood damit elegant um eine plausible Erklärung für die Entstehung dieser skurrilen Gemeinschaft gedrückt hat.

Allerdings hat mich das Buch sehr zum Nachdenken gebracht. Offred ist mit ihrem neuen Leben äusserst unglücklich und das zu Recht. Nur: Wieso tut sie nichts dagegen? Und damit meine ich jetzt nicht mal Selbstmord (obwohl die Rate der Selbsttötungen unter den Mägden erschreckend hoch ist). Es gibt ein Leben ausserhalb dieser verkorksten Gesellschaft, da müsste man doch abhauen oder sonstwie rebellieren, dass sie einen entweder rauswerfen oder dann halt töten. Aber den ganzen Mist einfach hinnehmen und Monat für Monat, Jahr für Jahr auf eine Änderung hoffen? Oder auf eine Schwangerschaft, die doch nie eintritt? (Mägde, die ein gesundes Kind zur Welt bringen, führen danach offenbar ein recht angenehmes Leben. Wobei auch das nicht sicher ist.) Einfach ausharren und auf Besserung hoffen scheint Offreds Rezept zu sein. Diese Passivität fand ich genauso depremierend wie die ganze Situation, in der die Frau steckt.

Da war mir Offreds Freundin Moira viel lieber. Diese Frau riskiert ihre Gesundheit und ihr Leben, um dem vorgezeichneten Pfad zu entkommen. Sie wehrt sich, sie leidet dafür und wehrt sich dann wieder. Das war schon eher nach meinem Geschmack. Und eigentlich auch nach dem Offred, die Moira sehr bewundert, aber selber nicht den Mut findet, es ihr gleich zu tun. Moira hingegen hat keine Angst, für ihre Freiheit zu sterben und wenns geht noch gleich ein paar Schergen des Unrechtsregimes mitzunehmen. Das kann zwar auch fürchterlich schief gehen, ist aber weniger depremierend als Offreds Hoffnungslosigkeit.

Fazit:
Zwar ein gutes Buch, aber zu düster für meinen Geschmack. Ich musste mich stellenweise fast zwingen, weiter zu lesen. Diese Deprostimmung brauche ich beim Lesen nicht, dafür kann ich jederzeit Nachrichten aus der realen Welt schauen.
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Aldawen

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #26 am: 15. Januar 2012, 13:31:00 »

Ich habe jetzt etwa das erste Drittel hinter mir und bin einigermaßen irritiert. Das gilt zunächst einmal und vor allem für den Zeithorizont. Wenn ich die bislang aufgepickten Infos über Offreds Leben zusammennehme, dann müßte der Umschwung binnen weniger Jahre (ich sage mal: drei bis maximal fünf) stattgefunden haben und kann auch noch nicht so lange zurückliegen, weil das sonst mit ihrem vorigen Leben und dem Alter der Tochter alles nicht hinkommt. Und in dieser Zeit hat sie auch noch ihre „Ausbildung“ erhalten und mindestens die zweite „Stellung“, wobei sie dort mindestens zwei, eher mehr Vorgängerinnen hatte. Das paßt für mein Empfinden alles nicht recht zusammen.

Und ausgehend von der Gesellschaft, an die Offred sich noch erinnert, halte ich das alles auch für extrem überstürzt, jedenfalls nicht für schleichend oder sukzessive, wie es Offred selbst einmal bezeichnet hat. Ehrlich gesagt: Ich kann mir vielleicht ausgehend von einer konservativen religiös-fanatischen Gesellschaft einen so kurzfristigen Wechsel vorstellen, aber nicht von einer durchschnittlichen „westlichen“ wie sie hier als Vorgänger postuliert wird. In einem relativ eng umgrenzten Gebiet, das von einer solchen Sekte kontrolliert wird, ist eine solche Gesellschaft sicher durchaus möglich, dafür gibt es auch Beispiele, aber insgesamt ist mir die rein geographische Ausdehnung Gileads dafür zu groß. Hier scheint ungefähr der Bible Belt für die Ausdehnung Pate gestanden zu haben, denn die ganzen heutigen USA sind ja offensichtlich nicht betroffen, da man mit Kalifornien und Florida (wenn ich das gerade richtig in Erinnerung habe) Krieg führt. Trotzdem ist das dann noch eine andere Ausgangsbasis als sie bspw. die Taliban in Afghanistan vorgefunden hatten.

Auch ist mir noch nicht klar, aber das kommt vielleicht noch, warum die Ehefrauen noch so eine herausgehobene Stellung innehaben können. Letztlich sind sie doch in der Gesellschaft zu nichts nutze, und angesichts der allgemeinen Frauenrolle ist ihre relative Vorzugsstellung nicht nachvollziehbar. Beruhigend ist bislang höchstens, daß eine Gesellschaft, die so tickt, ein demographisches Problem hat und sich zwangsläufig von selbst erledigt ...
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Aldawen

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Re: Margaret Atwood - Der Report der Magd
« Antwort #27 am: 21. Januar 2012, 22:20:10 »

Dem Unbehagen von mohan und Alfa_Romea schließe ich mich an. Für mich funktioniert die ganze Grundkonstellation des Romans schon nicht, das betrifft einerseits die Grundlagen der Gesellschaft und die Organisation dieses Staates, von dem man keine halbwegs gesicherten Informationen erhält. Und andererseits, das hatte ich ja in einem vorigen Posting schon angemerkt, betrifft es die mißratene Zeitlinie, diesbezüglich brachten die übrigen zwei Dritteln auch keine Verbesserung, eher im Gegenteil. Wenn ich aber die grundsätzlilchen Annahmen einer Welt in ihren Zusammenhängen schon nicht akzeptieren oder wenigstens nachvollziehen kann, dann löst sich der dystopische Effekt, der hier eigentlich eintreten soll, in heiße Luft auf. Tatsächlich ging es mir etwas wie Alfa, ich habe mich an Offreds Seite durch dieses Buch geschleppt, ohne mich davon besonders emotional angsprochen zu fühlen. Offreds Freundin Moira hat mich da deutlich mehr interessiert, weil diese wenigstens noch den Willen zeigte, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Der Erfolg ist sicher zweifelhaft, aber nur auf Basis von derart resignierten Menschen wie Offred haben solche Gesellschaftssysteme überhaupt eine Chance. Das erinnerte mich ein bißchen an das berühmte Zitat von Martin Niemöller:

Zitat
Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Zugegeben, da ich selbst noch nicht einer solchen Situation ausgesetzt war, weiß ich nicht, wie ich mich konkret verhalten würde. Aber ich kann und will mir nicht vorstellen, daß ich mich derart herabwürdigen ließe und es einfach schicksalsergeben hinnähme. Und ich gestehe Atwood zu, daß sie einen Punkt macht, wenn es ihr darum ging, daß Zivilisation eine dünne Schicht ist, um deren Erhalt man sich ständig bemühen muß. Aber wenn es um das Potential geht, das in dieser Geschichte gesteckt hat, dann gebe ich mohan recht: Hier wurde zu sehr nur an der Oberfläche dessen gekratzt, was man hätte daraus machen können. Zumindest aber hat Atwood das ganze sprachlich so verpackt, daß es mich über die Schwächen, die die Story für mich hatte, noch gerade so hinweggetragen hat.

 2ratten

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Aldawen
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