Mir geht es gleich wie mohan, der mein Unbehagen sehr schön in Worte gefasst hat:
Es ist ein Experiment, vielleicht gar ein Wagnis, alles aus der Sicht von Desfred erzählen zu lassen. Der Vorteil für die Autorin wird dabei zum Nachteil für die Leser.
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Wir erfahren nicht, wie Gilead entstanden ist, wir erfahren so gut wie nichts über Gilead, wir erfahren nicht, warum Gilead am Ende nicht mehr existiert. Dass dies mit der Perspektive zusammenhängt, ist klar. Aber unbefriedigend finde ich es dennoch.
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In der Einschätzung des Buches bin ich noch unentschlossen. Aber es gefällt mir eher nicht. Inhaltlich ist es sehr trivial und kratzt eigentlich nur an der Oberfläche einer interessanten Möglichkeit.
Das kann ich nur unterschreiben. Weil ich bei der Bewertung ebenso unentschlossen war, habe ich neutrale
5 von 10 Punkten dafür vergeben. Hier ist meine Kritik im Detail:
Inhalt:Irgendwas muss schief gelaufen sein in der Welt: Offred (Name von Desfred im englischen Original) dient als Magd im Haushalt eines Commanders. Sie hat praktisch keine Rechte und wird eigentlich gar nicht als Mensch wahrgenommen, sondern als Gebärmaschine. Ihre Aufgabe als Magd ist es nämlich, Kinder vom Commander zu empfangen. Offenbar gibt es durch Umweltverschmutzung und andere Faktoren ein Problem mit der Zeugung von Nachwuchs, weshalb Frauen, die bereits ein gesundes Kind geboren haben, als Mägde dienen können. Wie eben Offred, die sich allerdings noch gut an die Zeit vor der Katastrophe erinnern kann, als Frauen gleichberechtigt waren, ihr eigenes Geld verdienten und eigene Entscheidungen trafen.
Aber eben, etwas muss schief gelaufen sein und jetzt führt sie ein eintöniges Leben, das sie so nie wollte, das aber immer noch besser als die Alternativen scheint, über die man allerdings nichts Genaues weiss. So ist eine Möglichkeit, in Ungnade zu fallen und in die Kolonien abgeschoben zu werden, wo ein elendes, kurzes Leben auf einer giftigen Müllhalde droht.
Meine Meinung:«Der Report der Magd» ist ein furchtbar depremierendes Buch, Margaret Atwood hat sich grösste Mühe gegeben, die mickrigen Hoffnungsschimmer, die sich darin finden, sparsam einzusetzen. Die ganze Geschichte wird aus Sicht von Offred erzählt. Sie mutierte im Zuge der «Umerziehung» zur Magd von einer gebildeten jungen Frau zu einem hoffnungslosen und eher trägen Menschen, der das vermeintliche Schicksal zu ertragen versucht und sich an den wenigen abwechslungsreichen Dingen freut, die manchmal passieren.
Und so habe ich mich an der Seite von Offred durch dieses Buch geschleppt, das mich vor allem dadurch beeindruckt hat, wie es Atwood schaffte, die Hoffnungslosigkeit und die Eintönigkeit zu transportieren ohne zu langweilen. Vielleicht ist es ihr sogar ein wenig zu gut gelungen. Ich hatte recht lange an dem Buch, weil ich einfach nicht mehr aufschlagen und in diese Welt zurück reisen wollte. Daran hatte allerdings nicht nur die erzählerische Leistung der Autorin Anteil, sondern auch ein paar Dinge, die ich als Defizit empfand. So erfährt man kaum, wie es überhaupt zu dieser von Dogmen geprägten und unfairen Gesellschaft kam. Es gibt keine Aufschlüsse darüber, wie umfassend das «Staatsgebiet» dieser Wahnsinnigen ist und wer sie regiert. Überhaupt wird vieles nur angedeutet oder so erzählt, als wären die Zusammenhänge jedem klar. Das ist zwar einerseits realistisch. Wenn ich über mein Leben erzählen würde, finge ich auch nicht mit der Entstehung der Eidgenossenschaft an. Andrerseits dient es mir als Leserin überhaupt nicht und böse Zungen könnten behaupten, dass sich Atwood damit elegant um eine plausible Erklärung für die Entstehung dieser skurrilen Gemeinschaft gedrückt hat.
Allerdings hat mich das Buch sehr zum Nachdenken gebracht. Offred ist mit ihrem neuen Leben äusserst unglücklich und das zu Recht. Nur: Wieso tut sie nichts dagegen? Und damit meine ich jetzt nicht mal Selbstmord (obwohl die Rate der Selbsttötungen unter den Mägden erschreckend hoch ist). Es gibt ein Leben ausserhalb dieser verkorksten Gesellschaft, da müsste man doch abhauen oder sonstwie rebellieren, dass sie einen entweder rauswerfen oder dann halt töten. Aber den ganzen Mist einfach hinnehmen und Monat für Monat, Jahr für Jahr auf eine Änderung hoffen? Oder auf eine Schwangerschaft, die doch nie eintritt? (Mägde, die ein gesundes Kind zur Welt bringen, führen danach offenbar ein recht angenehmes Leben. Wobei auch das nicht sicher ist.) Einfach ausharren und auf Besserung hoffen scheint Offreds Rezept zu sein. Diese Passivität fand ich genauso depremierend wie die ganze Situation, in der die Frau steckt.
Da war mir Offreds Freundin Moira viel lieber. Diese Frau riskiert ihre Gesundheit und ihr Leben, um dem vorgezeichneten Pfad zu entkommen. Sie wehrt sich, sie leidet dafür und wehrt sich dann wieder. Das war schon eher nach meinem Geschmack. Und eigentlich auch nach dem Offred, die Moira sehr bewundert, aber selber nicht den Mut findet, es ihr gleich zu tun. Moira hingegen hat keine Angst, für ihre Freiheit zu sterben und wenns geht noch gleich ein paar Schergen des Unrechtsregimes mitzunehmen. Das kann zwar auch fürchterlich schief gehen, ist aber weniger depremierend als Offreds Hoffnungslosigkeit.
Fazit:Zwar ein gutes Buch, aber zu düster für meinen Geschmack. Ich musste mich stellenweise fast zwingen, weiter zu lesen. Diese Deprostimmung brauche ich beim Lesen nicht, dafür kann ich jederzeit Nachrichten aus der realen Welt schauen.