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Autor Thema: Halldór Laxness - Weltlicht  (Gelesen 3070 mal)

Bettina

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Re: Halldór Laxness - Weltlicht
« Antwort #45 am: 09. März 2011, 21:47:28 »

Jetzt bist Du mir voraus :breitgrins:
Ich mache mit Kapitel 11 weiter und melde mich, sobald sich im Buch was Aufregendes tut :zwinker:
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Bettina

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Re: Halldór Laxness - Weltlicht
« Antwort #46 am: 11. März 2011, 12:52:58 »

Ich habe das Buch gerade beendet und ausgenutzt, dass mein Sohn seinen Mittagsschlaf jetzt nehmen wollte.

Das muss ich sacken lassen. Olafur bleibt mir ein Rätsel, auch, wenn ich nach diesem Ende einiges zusammenfügen kann. Ich hoffe, dass ich im Lauf des Tages vielleicht die ersten Kommentare schreiben kann. Aber so viel Buch für das sich mir erschließende Gesamtbild?
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kaluma

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Re: Halldór Laxness - Weltlicht
« Antwort #47 am: 11. März 2011, 18:02:36 »

Aber so viel Buch für das sich mir erschließende Gesamtbild?
Ja, es fehlt eine entscheidende Wendung in Olafurs Schicksal, ein entscheidender Aha-Effekt. Aber trotzdem hat das Buch mir gut gefallen. Auch für ein relativ unvollkommenes Gesamtbild war das Buch für mich trotzdem unterhaltsam, durch all die Einschübe und Neben-Geschichten, die zu lesen mir bei Laxness immer solchen Spaß macht.

Ich bastle gerade daran, meine Eindrücke zusammenzufassen.
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SLW 2012 Cover: 3/10 (gelesen 6/10)
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Bettina

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Re: Halldór Laxness - Weltlicht
« Antwort #48 am: 11. März 2011, 21:59:15 »

Das Ende passt irgendwie zum Sonderling Olafur. So, wie ich mir das zusammenreime, ist es wie folgt: Olafur hat die Schönheit gesehen (in Gestalt von Bera) und nun ist das irdische Leben nicht mehr interessant, man braucht es nicht mehr. Also geht er auf den Gletscher, wo er, wie ich es einschätze, sterben will. Bera ist verstorben und die unendliche Schönheit sucht er jetzt auf dem Gletscher, der zwischen ihnen liegt.

Insgesamt sind viele Leute verstorben oder haben sich das Leben genommen (so, wie Helga ganz am Ende). Den Tod trifft man in diesem Buch oft an und Olafurs Tod scheint da nur ein weiterer logischer Stein zu sein.

Mir ist insgesamt aufgefallen, wie arg die einzelnen Landstriche konstrastieren. In der Hauptstadt beispielsweise scheinen alle rege und gesund und auch in der einen größere Stadt, die das Schiff auf Olafurs Heimfahrt ansteuert (Akureyri?), scheint alles wohlauf und arbeitsam zu sein.
Ich habe immer wieder versucht, herauszubekommen, wo Olafur zu Hause ist. Könnte er in den Westfjorden oberhalb von Reykjavik wohnen?
P.S. Es könnte auch die Halbinsel Snaefellsnes sein, dort gibt es ein Bervik.

Olafur als Person bleibt mir ein Rätsel bis zum Schluss. Es ging am Ende richtiggehend mit ihm "bergab". Zwischendurch schien ihn Jarthrudur aufgefangen zu haben, aber gegen Ende weiß man zwar, dass sie sicher da sein wird, sie spielt aber keine Rolle mehr. Olafur lebt abgekapselt.

Wofür steht diese Figur? Das frage ich mich insofern, weil Olafur für mich nicht positiv besetzt ist. Ist er ein Symbol für die Dichtung, die zwar schön ist, aber ansonsten recht unbrauchbar, weil sie nichts zum Überleben leistet? Ohne geht es nicht, wie man daran sieht, dass andere sich von ihm Gedichte schreiben lassen. Sich nur auf die Dichtung alleine zu konzentrieren, funktioniert aber gar nicht.

Es zeigt sich eben immer wieder, daß Olafur nicht in der Lage ist, für irgendetwas Verantwortung zu übernehmen. Fast könnte man ihn als eine Art Autisten bezeichnen. Allerdings sollte man sich erinnern, daß er als Kind eine Kopfverletzung hatte... vielleicht ist auch die dafür verantwortlich. ...
Die Frage ist, inwieweit die Gesellschaft solche Sonderlinge toleriert und auffängt (wie z.B. heutzutage durch Sozialarbeiter etc.) oder ob es einen Mindeststandard an sozialer Kompetenz gibt, die man eben von jedem erwartet, und die Olafur nicht hat.
Bisher ist es so, daß seine Eigenheiten nur dann aufgefangen und toleriert werden, wenn es den Mächtigen gerade mal in den Kram paßt.

Gut, dass Du die Verletzungen nochmals zur Sprache bringst. Könnten die mit Olafurs Auftreten zu tun haben? Was bei ihm auf alle Fälle eine Rolle spielt, ist die dauernde Erfahrung von Ablehnung.Aber er erlebt ja, dass andere arbeiten und dass das notwendig ist. Was wohl ein Mediziner zu den Auswirkungen solcher Kopfverletzugen sagt?

Ich habe das Gefühl, dass ein Mindestmaß von den Mitmenschen erwartet wird. Wenn jemand mit fremder Hilfe stabilisiert werden kann, ist das gut, wenn nicht, dann ist man ein Olafur.
Für die Mächtigen ist er Wahlkampfmasse. Interessant wird er erst, wenn man Unterstützung braucht, ansonsten müssen die Leute zusehen, wie sie zurecht kommen.

Sehr denkwürdig ist Seite 501: Man bestiehlt nur Arme, weil da das bisschen was fehlt, am Ende auch egal ist. Man bestiehlt nie Reiche, weil die einem für das kleinste fehlende Teilchen die Hölle heiß machen werden.
Sehr scharfsichtig auf den Punkt gebracht von dem Pastor, findest du nicht?  :zwinker: :breitgrins:

Absolut. Das ist etwas, was ich bei den Laxnessen mag. Immer wieder fallen mir solche Scharfsinnigkeiten auf. Später im Buch gibt es nochmals eine solche Stelle über den ersten Mann im Leben einer Frau, die mir im Gedächtnis geblieben ist. Drei, vier Sätze und die bringen alles zielsicher auf den Punkt.

In den weiteren Kapiteln gefällt mir Olafur weniger und weniger. Wie er mit dem Jungen umgeht, seinem Schüler, war mir schon unangenehm. Er ist zwar Lehrer, aber kann überhaupt nicht mit Kindern umgehen. Dann das Desinteresse an seinem eigenen Sohn. Und schließlich die Sache mit Jasina in Kapitel V - ja spinnt er denn jetzt? Ob man das nun als Vergewaltigung bezeichnen will oder nicht, sei dahingestellt. Mißbrauch ist es auf jeden Fall. Bisher habe ich Olafur immer zugutegehalten, daß er wenigstens gutmütig und nicht gewalttätig ist. Aber an dieser Stelle verliere auch ich den letzten Rest Verständnis - mir ist, als sinkt er immer tiefer. Die Bäuerin vom Eyrihof bringt es auf den Punkt: Was nützen alle guten Gedichte, wenn die Dichter schlechte Menschen sind? (Kap. VI)

Jarthrudurs Reaktion finde ich genauso überraschend wie Olafur - auch ich hätte hier wieder eine Litanei von Vorwürfen erwartet. Ist er jetzt endlich so hilflos und bemitleidenswert, wie sie ihn haben will?

Da haben Olafur alle guten Geister verlassen! Mit Kindern kann er wirklich nicht. Er hat kein Gespür für Distanz. Meist geht er so weit auf Distanz, dass er keinen Draht zu seinen Mitmenschen findet (er kann sich mit niemandem auch nur für zwei Sätze verständlich machen). Bei diesen Kindern traut er sich umgekehrt so weit ran, dass bei denen die Alarmglocken klingeln. Dem Bub ist das völlig unangenehm und als er Olafur später in Reykjavik begegnet, sieht er ja auch zu, dass er Olafur wieder loswird.
Bei Jasina begreift er die Grenzen genauso wenig. Sie hat keine Ahnung von körperlicher Nähe und daher kann sie auch keine Grenze setzen. Hätte sie gemosert, wäre das vielleicht anders ausgegangen (bei Olafur jedenfalls).

Die Verfahrensweise nach der Gerichtsverhandlung war schon sehr seltsam. Da wird Olafur einfach mit einem beliebigen Bauern (der noch dazu der Vater von Jasina ist) als Bewacher vor die Tür gestellt, mitten im Winter!  :frieren: Offenbar sieht man keine Gefahr, daß er flüchtet?

Eine Frechheit. Die Behörden tafeln und draußen verrecken Gefangener und Bewacher fast. Diese Szene kann einem beim Lesen richtiggehend wütend machen, habe ich festgestellt.
« Letzte Änderung: 11. März 2011, 22:04:27 von Bettina »
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kaluma

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Re: Halldór Laxness - Weltlicht
« Antwort #49 am: 12. März 2011, 13:00:30 »

So, hier kommen meine abschließenden Gedanken zum Buch.

Aus dem vierten Buch sind mir vor allem folgende Dinge in Erinnerung geblieben:

- Olafur Karason begeht eine Straftat, die eng mit seiner fehlenden Sozialkompetenz zusammenhängt. Er ist nicht in der Lage, zu verstehen, was er falschgemacht hat. Er büßt die Strafe für seine Tat ab, aber ich habe an keiner Stelle den Eindruck, daß er aus dieser Strafe etwas gelernt hat oder  etwa bereut, oder irgendein Gefühl dafür zeigt, was er dem Mädchen angetan hat. Das heißt, er weiß schon, daß er etwas Ungesetzliches getan hat, denn er versucht ja, das Mädchen dahingehend zu beeinflussen, daß sie nichts sagt - zum Glück ist sie dazu zu dumm. Und er leugnet mit einer Geschicklichkeit, die gar nicht zu seinem sonstigen sozialunfähigen Verhalten passen will, die mir aber weiter vorne im Buch schon einmal unangenehm aufgefallen ist. In solchen Momenten ist mir Olafur Karason richtig, richtig unsympathisch! :grmpf: Denn: hier denkt er nur an sich selber und nicht seine Mitmenschen - wo bleibt sein vielgerühmtes Mitleid aus dem vorigen Buch?

- Das Thema Schönheit/Unsterblichkeit.
Auf der einen Seite ist damit die Schönheit des Himmels gemeint, die ich als Schönheit der Natur auffasse, und die Olafur erfährt und bedichtet. Zum anderen die Schönheit von Menschen, in diesem Fall Frauen, die für Olafur ein Grund ist, diese schönen Frauen zu lieben. Daran stört mich, daß Schönheit hier als hinreichende Ursache für Liebe auftritt, was ich ziemlich oberflächlich finde.  Zum Beispiel das Mädchen auf dem Boot, das er Bera nennt: er sieht sie und verliebt sich in sie... soweit so gut, aber zu richtiger Liebe gehört schon noch ein bißchen mehr. Das aber wird Olafur nie erfahren, weil Verantwortung für ihn ein Fremdwort ist. Schon allein die Tatsache, daß er sie "Bera" nennt, bringt mich auf die Palme. Offenbar ist das gar nicht ihr wirklicher Name. Ihr richtiger Name interessiert ihn gar nicht - das heißt, als Person ist sie ihm völlig egal. Er liebt nicht sie, sondern ein Bild, das er sich von ihr macht. Ich frage mich, ob seine Beziehung zu diesem Mädchen nicht auch an Mißbrauch grenzt...Ist Schönheit ein Grund, gleich alles Schöne haben zu müssen? Das ist jedenfalls kein erwachsenes Verhalten und letztlich zerstört Olafur die Schönheit dadurch (das Mädchen starb - und ich gehe mal so weit, Olafur hierfür eine Mitverantwortung zu unterstellen, auch wenn ich weiß daß das gewagt ist, aber die Idee könnte einem immerhin kommen).

Übrigens frage ich mich auch, wer der Vater von Helgas Kind ist (von dem zweiten). Ist Olafur nicht auch öfters da oben in den Bergen herumgestiegen? Vielleicht hat er ja auch dort die Schönheit gefunden. :zwinker:

Ja, Olafur kann die Schönheit genießen und schöne Gedichte darüber schreiben. In dem Gespräch mit Reimar sagt er "An dem Tage, an dem ich die Schönheit sah, verstand ich plötzlich die Unsterblichkeit." - und:  "Wenn man die Schönheit gesehen hat, hört alles andere auf zu existieren." (Kap XXIII, bei mir S. 632). Ich sehe das aber durchaus kritisch. Er nimmt die Schönheit allzuwichtig. Die Frau, die er auf dem Friedhof trifft (Kap. XVII), hat viel mehr verstanden als er: "Wenn du denen in die Augen siehst, die du liebst, verstehst du, daß es keinen Tod gibt." - "Die Schönheit selber wohnt in den Augen derer, die du liebst, und sie kann nicht erlöschen." Für sie ist Liebe die Ursache von Schönheit. Für Olafur ist es genau andersherum. Ich stehe da eher auf seiten der Frau.

Hier komme ich nochmal auf die Frage zurück, wieviel Toleranz die Gesellschaft mit Menschen wie Olafur Karason aufbringen sollte. Menschen mit Eigenheiten, die  zum völligen Versagen in sozialen Belangen führen. Wenn die Gesellschaft genug Ressourcen hat, kann/sollte sie solche Sonderlinge durchaus auffangen und für sie sorgen. Sie bekommt ja auch etwas zurück in Form von Gedichten. Außerdem ist eine Gesellschaft umso humaner, je menschlicher sie die Schwachen behandelt. Für Olafur bedeutet das ein Wechselbad: immer, wenn es den Oberen gerade mal in den Kram paßt, wird er geduldet, gefördert, benutzt. Auf der anderen Seite gibt es schon ein gewisses Mindestmaß an sozialkompatiblem Verhalten, was man von jedem erwarten darf. Und da hat Olafur  in dem Moment, als der seine Schülerin mißbrauchte, eindeutig eine Grenze überschritten. Zuvor war er immer gutmütig und nicht aggressiv. Doch an all seiner Gutmütigkeit kam er irgendwann durch sein Nichtverstehen an den Punkt, wo seine soziale Ignoranz Schaden anrichtet. Wer sich aus der Gesellschaft völlig heraushält, ist letztlich für sie nicht mehr von Belang. Hier fällt mir wieder der Satz der Bäuerin ein: Was nützen alle guten Gedichte, wenn die Dichter schlechte Menschen sind?

- Ein immerwiederkehrendes Motiv, das ich auch in diesem Zusammenhang sehe, ist das des unehelichen Kindes oder des Kindes, das verlassen wird. Olafur selbst hat das als Kind so erlebt und es begleitet ihn sein ganzes Leben lang. Letzlich behandelt er seine eigenen Kinder ebenso: er verläßt sie zwar nicht, aber sorgt nicht für sie. Ebenso Vegmeys Kind. Vermutlich sitzt das so tief, daß er gar nicht anders kann.

- Zum Thema Bezug des Buches Weltlicht auf das dritte Reich. Diesen Bezug sehe ich eigentlich nur an den Stellen, wo versucht wird, Olafur Karasons Dichtkunst für politische Zwecke zu mißbrauchen. Im vierten Buch wird ganz deutlich klargemacht, daß Olafurs Dichtungen nicht für die Tagespolitik taugen, Olafur läßt sich in keiner Weise benutzen (Gespräch mit dem Redakteur in Kapitel XI). Der Grund dafür liegt allerdings nicht in einer bewußten Entscheidung Olafurs, sondern einfach darin, daß er meistens nicht versteht was man von ihm will und die politischen Zusammenhänge nicht durchschaut. So kann ich sein Verhalten gar nicht richtig anerkennen, eine eigene Entscheidung von ihm in dieser Frage würde ich viel höher schätzen! Aber so ist es eher nur Zufall. Weiter vorne im Buch, als er noch in Svidinsvik lebt, ist es nämlich durchaus noch so, daß er sich benutzen läßt - er versucht zumindest, für Pjetur Dreiroß Gedichte auf Bestellung anzufertigen und läßt sich von ihm als Spion mißbrauchen.

Schön fand ich auch, daß im vierten Buch sich allerhand Kreise schließen. Olafur  begegnet seiner Mutter und er begegnet Torunn wieder und es kommen sogar die alten Ereignisse noch einmal zwischen ihnen zur Sprache. Am Ende, als er der gelähmten Bauerntochter den Spiegel schenkt, schließt sich sogar der Kreis zum Beginn des vierten Buches.

Soweit meine Eindrücke zum Buch in ungeordneter Form (ich hoffe mal, das ich das ganze noch in die Form einer lesbaren Rezension bringen kann). Es brauchte ziemliche Geduld, dieses Buch zu lesen, und ich hatte zum Ende hin auch noch eine spektakulärere Wendung erwartet, aber dennoch: das Buch hat mir sehr gut gefallen und all die auflockernden Geschichten über die Eigenheiten der Menschen zwischendrin waren auch jeden Fall eine höchst unterhaltsame Lektüre für mich. :breitgrins:

Schade finde ich allerdings, daß die Leserunde zum Ende so zusammengeschmolzen ist, daß nur noch Bettina und ich übrig waren. Bettina, vielen Dank daß du mit mir durchgehalten hast!  :bussi:
und Saltanah und jääkaappirunous, meldet euch doch bitte noch mal kurz und verratet wenigstens, ob ihr das Buch nun zuende gelesen habt oder nicht?

Grüße, kaluma



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kaluma

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Re: Halldór Laxness - Weltlicht
« Antwort #50 am: 14. März 2011, 01:19:31 »

Hallo Bettina,

ich wollte doch noch ein paar Kommentare abgeben...

Also geht er auf den Gletscher, wo er, wie ich es einschätze, sterben will. Bera ist verstorben und die unendliche Schönheit sucht er jetzt auf dem Gletscher, der zwischen ihnen liegt.
Das ist überhaupt ein sehr schönes Bild, welches mir beim direkten Lesen gar nicht so aufgefallen ist: der Gletscher, also ein Berg aus Eis zwischen den beiden, der sie trennt.

Ich habe immer wieder versucht, herauszubekommen, wo Olafur zu Hause ist. Könnte er in den Westfjorden oberhalb von Reykjavik wohnen?
P.S. Es könnte auch die Halbinsel Snaefellsnes sein, dort gibt es ein Bervik.
Ich kenne mich leider in Island nicht aus und habe keine Ortsvorstellung. Allerdings muß er wohl im Norden zuhause sein, denn es war immer die Rede davon, daß man in die Hauptstadt in den Süden reist.
Mir ist nur immer wieder aufgefallen, daß die Entfernungen im Buch größer sind/zu sein scheinen, als sie sein sollten, wenn man so auf die isländische Landkarte schaut.

Olafur als Person bleibt mir ein Rätsel bis zum Schluss. ... Wofür steht diese Figur? Das frage ich mich insofern, weil Olafur für mich nicht positiv besetzt ist. Ist er ein Symbol für die Dichtung, die zwar schön ist, aber ansonsten recht unbrauchbar, weil sie nichts zum Überleben leistet? Ohne geht es nicht, wie man daran sieht, dass andere sich von ihm Gedichte schreiben lassen. Sich nur auf die Dichtung alleine zu konzentrieren, funktioniert aber gar nicht.
Eine andere Deutung als den unverstandenen Dichter, der ein Fremdling in seinem eigenen Land, unter seinen Mitmenschen ist, kann ich bis jetzt auch nicht entdecken.
Irgendwo las ich etwas von "innerer Emigration". Da kann ich absolut nicht zustimmen, innere Emigration ist für mich etwas anderes.
Auch für mich ist Olafur nicht unbedingt positiv besetzt, beim Lesen hat er mich zunehmend genervt. Aber vielleicht hatte ich auch zuviele Erwartungen in ihn gesetzt, immerhin ist er noch viel besser als Pjetur Dreiroß, Juel Juel und Konsorten.

Meist geht er so weit auf Distanz, dass er keinen Draht zu seinen Mitmenschen findet (er kann sich mit niemandem auch nur für zwei Sätze verständlich machen).
Interessant daß du es so herum formulierst. Der von seinen Mitmenschen unverstandene Dichter ist ja ein häufiges Motiv Olafur ist eher der Dichter, der sich nicht verständlich machen kann.

Bei Jasina begreift er die Grenzen genauso wenig. Sie hat keine Ahnung von körperlicher Nähe und daher kann sie auch keine Grenze setzen. Hätte sie gemosert, wäre das vielleicht anders ausgegangen (bei Olafur jedenfalls).
Gut möglich, daß sie ihm körperlich überlegen gewesen wäre.  :breitgrins:

Die Verfahrensweise nach der Gerichtsverhandlung war schon sehr seltsam. Da wird Olafur einfach mit einem beliebigen Bauern (der noch dazu der Vater von Jasina ist) als Bewacher vor die Tür gestellt, mitten im Winter!  :frieren: Offenbar sieht man keine Gefahr, daß er flüchtet?

Eine Frechheit. Die Behörden tafeln und draußen verrecken Gefangener und Bewacher fast. Diese Szene kann einem beim Lesen richtiggehend wütend machen, habe ich festgestellt.
Ja, das war schon sehr menschenverachtend. Ich habe mich allerdings gefragt, wieso man ihm überhaupt einen Bewacher zugeteilt hat - hätte man ihn alleine vor die Tür gestellt, wäre wohl nichts anders gewesen.

Eine Sache geht mir noch im Kopf herum. Mehrmals im Buch war die Rede von Tippel-Halla, die im Lauf ihres Lebens "neun Kinder in zwölf verschiedenen Kirchspielen" bekommen hat. Vorausgesetzt sie meint den Geburtsort, frage ich mich doch, wie das sein kann...  :breitgrins: :breitgrins:
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Bettina

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Re: Halldór Laxness - Weltlicht
« Antwort #51 am: 14. März 2011, 07:31:36 »

Guten Morgen kaluma :winken:

Du hast oben geschrieben, dass ich mit Dir durchgehalten habe - passt bei diesem Buch auch. Ich hab's mir richtig erarbeitet. Keine Personen, an denen man sich festhalten oder orientieren mag und man muss über 600 durchhalten, um einen Sinn um Buch zu sehen. Am Ende schliesst sich für meine Begriffe ein Kreis, aber eine persönliche Entwicklung - die die Lektüre bis zum Ende gut macht -  kann ich nicht recht ausmachen.

Was die Entfernungen in Island angeht, so denke ich, dass die Qualität der Wege eine erhebliche Rolle spielt - man kommt halt nicht recht voran und braucht deshalb so lang. Die Wege sind sicher oft matschig oder feucht, wegen wenig Verkehr nicht gepflegt und bis heute werden die Wege durch das Landesinnere wegen ihres Zustands meist erst im Juni irgendwann freigegeben. Gerade in Gebieten, wo die Schneeschmelze abläuft, muss man den Weg jedes Frühjahr neu suchen. Und in einsamen Gebieten gibt es vielleicht nicht einmal richtige Wege, sondern man geht einfach irgendeinen mehr oder weniger stark ausgeprägten Trampelpfad lang - wenn's keinen gibt, nimmt man die Wiese. Ich stelle mir das Vorwärtskommen im Laxness'schen Island ziemlich mühsam vor.

Meist geht er so weit auf Distanz, dass er keinen Draht zu seinen Mitmenschen findet (er kann sich mit niemandem auch nur für zwei Sätze verständlich machen).
Interessant daß du es so herum formulierst. Der von seinen Mitmenschen unverstandene Dichter ist ja ein häufiges Motiv Olafur ist eher der Dichter, der sich nicht verständlich machen kann.

Andersherum klappt die Formulierung bei Olafur auch nicht, finde ich. Ja, die Mitmenschen verstehen Olafur nicht. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass die Leute zu dumm dafür wären. Grundsätzlich mögen sie Dichtung und sie fragen bei ihm um Gedichte an. Ich hatte immer das Gefühl, dass Olafur selbst die Ursache für dieses Unverständnis ist.

Ein Beispiel ist Bera. Wie Du geschrieben hast, empfandest Du es als Frechheit, dass er sich nicht weiter für das Mädchen interessiert hat. Das ist es auch. Das ist so ein Punkt, an dem ihm das Gespür dafür fehlt, was man mit seinem Gegenüber kann und was nicht. Die Kleine fand den Typ in einer jugendlichen Spinnertheit vermutlich recht interessant und das war Olafurs "Glück".
Wenn man seinen Gegenüber nicht als Person ernst nimmt, sondern nur als Projektion für irgendwas, geht das bei weniger schwärmerischen Mädels und handfesteren Gestalten natürlich in die Binsen.

Ich bastle an der Rezension noch :breitgrins: Gib mir noch ein oder zwei Tage.

Schöne Morgengrüsse!
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