Nun aber! Der Erzählstrang bei den Rebellen hat mir anfangs sehr gut gefallen, auch wenn dieser sehr spät einsetzt und dort viel Potential verschwendet wurde. Es gab dort schon so ein paar Figuren, über die ich gerne mehr erfahren hätte. In der "Diskussionsrunde" herrschte auch eine schöne Atmosphäre, man spürte Wissen - aber auch die Ermutigung zum eigenen Denken. Einiges hat mir aber auch nicht so gefallen... Am meisten aufgeregt habe ich mich darüber, dass Baltibb sich nur die Haare abschneiden musste, um sofort von der Kämpfer-Truppe akzeptiert zu werden. Das ging mir doch sehr schnell - mir hätte es besser gefallen, wenn sie dadurch zwar nicht mehr wie eine Frau aussähe, sich aber trotzdem hätte beweisen müssen. Wenigstens ein wenig.
Schade fand ich, dass Atlas nicht von Faunia loskommt... Irgendwie hätte ich mir gewünscht, dass er nach DER Abfuhr zur Besinnung kommt. Er scheint sie ja zu den Rebellen mitgenommen zu haben, zumindest kam es mir nicht so vor als ob sie wirklich dazu gehörte.
Die Hoffnung auf eine größere Rolle der Raben wurde nicht erfüllt, da frage ich mich doch wie der Titel entstanden ist... Man kann ja nicht mal der Übersetzung die Schuld in die Schuhe schieben, schließlich ist es eine deutsche Autorin. Oder ob der Verlag gerne einen Titel wollte, der gut und mystisch klang, aber nicht unbedingt etwas mit dem Inhalt zu tun haben muss?
Auch durch das letzte Drittel musste ich mich etwas quälen, da hat auch die viele Action nichts gebracht. Ich habe mich eher gefragt, was das jetzt eigentlich soll - im Vergleich zum Rest des Buches war es schon sehr viel und wirkte irgendwie ein wenig erzwungen. Überhaupt hätte es mir besser gefallen, wenn der Umsturz nicht durchgeführt worden wäre, sondern das ganze "mittendrin" aufgehört hätte. Für mich hätte das besser gepasst - die Figuren wären aufgerüttelt worden, das Weltbild hätte sich verändert, der Wandel wäre eingeläutet.
Jagus Motivation, die Drachen zu stürzen, war dann doch sehr... menschlich. Aus enttäuschter Liebe hat er sich so verrannt, und auch so verändert! Seine kalte abweisende Art, die vielen Masken - irgendwie erschreckend. Damit wurde auch dafür gesorgt, dass mir diese Figur sehr fremd vorkam. Allerdings war das mit den Figuren für mich sowieso recht problematisch. Sie waren mir oft zu wechselhaft, haben sich stark verändert - was ja eigentlich nichts schlechtes ist, nur war es für mich keine Entwicklung der Reife sondern es ging oft um Macht oder Abhängigkeit. Lyrian stand mir noch am nächsten, obwohl es auch Momente gab wo er wieder sehr weit weg war.
Und dann das Ende... Ich fand es irgendwie seltsam, aber wie begründe ich das jetzt? Das Bild, das Mion im Rausch gesehen hat, wurde Wirklichkeit. Das Ende ging nicht darüber hinaus. Und es gab keine Chance, diese Entwicklung abzuwenden. Stattdessen frage ich mich nun, warum das alles? Und bezweifle, dass Lyrian sie wirklich geliebt hat... Alles ist irgendwie recht gleichgültig. Gut, so wie mir das Buch - aber es ist trotzdem schade.