Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Cynthia Mc Leod – Surinam  (Gelesen 136 mal)

Aldawen

  • Msomaji mkubwa
  • Administrator
  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 11655
Cynthia Mc Leod – Surinam
« am: 20. Dezember 2010, 17:43:59 »

auch unter dem Titel: Die Schwestern von Surinam



Inhalt: Im Jahr 1765 scheint in der niederländischen Kolonie Suriname noch alles in Ordnung. Die weißen Plantagenherren leben im Luxus, während ihre schwarzen Sklaven sich abrackern. Aber es gibt schon Anzeichen für den Verfall: Immer mehr Pflanzer verschulden sich, um ihren Lebensstil aufrechtzuerhalten, immer mehr Sklaven fliehen in den Urwald und schließen sich dort Gruppen der Maroons an, die die Plantagen ihrer früheren Herren überfallen. Das aus den Niederlanden entsandte Militär ist nicht in der Lage, dem Herr zu werden, da die Soldaten in den ungewohnten klimatischen Bedingungen schnell geschwächt sind und allen möglichen Tropenkrankheiten erliegen. Elsa, Tochter eines jüdischen Pflanzers und nach dem frühen Tod der nicht-jüdischen Mutter von einer Sklavin aufgezogen, hat sich in den letzten Jahren von ihrer Stiefschwester Sarith entfremdet. Sarith ist hübsch und gewöhnt daran, daß ihr alle Männer zu Füßen liegen. Daß Elsa vor ihr heiratet, ist für sie eine Niederlage. Zwar hätte Sarith Rutger nie als gute Partie für sich betrachtet – er ist nicht reich und hat nur die Aussicht, Geschäftsführer im Unternehmen seines Onkels vor Ort zu werden, zudem er vertritt er den Pflanzern viel zu liberale Ansichten im Hinblick auf die Sklavenhaltung –, aber das hindert Sarith nicht daran, hinter Elsas Rücken ein Verhältnis mit Rutger zu beginnen. Elsa kommt zwar bald dahinter, weiß sich aber nicht gegen Sarith zu wehren. Und während die Ehe von Elsa und Rutger einige Krisen durchläuft, geht Sarith eine überstürzte Ehe ein, die sie von ihren amourösen Abenteuern jedoch nicht abhält ...


Meine Meinung: Das war zumindest mal wieder eine interessante Weltreiselektüre. Bisher war mir gar nicht bekannt, daß in Suriname eine große jüdische Gemeinde existierte, auch unter den Plantagenbesitzern, vornehmlich wohl Flüchtlinge von der Iberischen Halbinsel, aber auch aus Niederländisch-Brasilien. Man bekommt einen ganz guten Einblick in die subtilen Mechanismen, die diese relativ kleine Gruppe der weißen Herren lenken. Und der Blick in die Sklavenquartiere fehlt auch nicht, wobei manch eine Handlungsweise mich irgendwo zwischen verständlislosem Kopfschütteln, Wut und Ekel zurückgelassen hat. Die Selbstherrlichkeit, mit der sich viele hier über ihre Bediensteten erheben, ohne die sie sich nicht einmal ankleiden können, hat etwas Widerwärtiges.

Passenderweise war ich auf die Maroons gerade erst in Le nègre du Gouverneur, meinen Weltreisebuch für Französisch-Guyana gleich „nebenan“ gestoßen, wenn auch wenige Jahrzehnte später. Nichtsdestotrotz ergibt sich daraus schon eine ganz gute Zusammenschau auf das Thema, die mich veranlaßt hat, ein bißchen weiterzurecherchieren und zu lesen. Insgesamt wäre mir hier ein bißchen weniger Familiendrama – Sarith wurde doch ziemlich schnell ziemlich unausstehlich – und dafür ein bißchen mehr Politik und Gesellschaft (oben wie vor allem unten) lieber gewesen, da hätte Mc Leod (noch) mehr draus machen können, aber für ein erstes Bild von Land und Zeit war es absolut in Ordnung.

 3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus: (für die Anregung, die Geschichte des Landes etwas ausführlicher nachzulesen)

Schönen Gruß
Aldawen
Gespeichert
Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika