Vielleicht noch ein bißchen ergänzend zum
Inhalt: Popi interessiert sich nicht besonders für die Details ihrer Herkunft. Wegen ihres Aussehens wird sie in der Schule vor allem als „Buschmann“ verspottet, ihre Reaktion darauf ist eher Abwehr und ein Flüchten in eine arrogante Mir-doch-egal-Haltung. Nikis Mann arbeitet entfernt in den Minen, schickt aber immerhin Geld. Niki kümmert sich zwar um die Kinder, was die grundsätzlichen materiellen Belange angeht, darüber hinaus sind Viliki, Popis älterer Bruder, und sie aber viel auf sich gestellt. Viliki schließt sich später „der Bewegung“, also dem Anti-Apartheidkampf an, wird auch verhaftet und gefoltert. Popi interessiert sich lange nicht besonders für die Details dessen, was ihr Bruder da treibt, gerät später aber fast ein bißchen zufällig auch hinein. Nach dem Fall des Apartheidregimes scheint es zunächst, als würden beide Geschwister politische Karriere machen, sie werden in den Stadtrat von Excelsior gewählt. Aber der Umgang mit der Macht will auch erst gelernt sein und Neider gibt es auch. Und dann ist da immer noch Popis Herkunft ...
Meine Meinung: Die Erzählung basiert auf wahren Begebenheiten, die Prozesse hat es tatsächlich gegeben. Darüber hinaus dienen sie Mda aber tatsächlich vor allem als Aufhänger für einen Streifzug durch einige Jahrzehnte jüngerer südafrikanischer Geschichte. Wenig Freunde dürfte er sich mit der Darstellung der Nach-Apartheidzeit gemacht haben, denn auch wenn man sich die Burenherrschaft nicht zurückwünschen muß, so entgeht Mda der Falle, die neue Ordnung als nur schön und rosig darzustellen, was über die Jahre hinweg dann auch zu einigen merkwürdigen Allianzen im Stadtrat führt. Unerfahrenheit der Afrikaner spielt dabei natürlich eine Rolle, aber das beim und nach dem Machtwechsel vieles alles andere als ideal gelaufen ist und wie sich eine kleine Klientel wieder auf Kosten der Mehrheit bereichern konnte, nur daß diese Minderheit jetzt eben schwarz ist, das kommt ziemlich nonchalant, aber umso eindringlicher daher. Ich habe mehr als einmal schlucken müssen, wenn mir klar wurde, wie Mda da seine Kritik verpackt hat.
illy hat schon angesprochen, daß so ziemlich jedes Kapitel mit der mehr oder weniger ausgiebigen Beschreibung von Gemälden eines lokalen Künstlers eingeleitet wird. Dabei handelt es sich um einen katholischen Priester, der daher auch durchaus einiges an Madonnen malt, für das er Frauen mit kleinen Kindern aus der Umgebung als Modelle nimmt. Auch Niki verdient sich, solange Popi klein genug ist, damit ein paar Rand hinzu. Mehrfach wird betont, daß Frans Claerhout (übrigens auch keine Erfindung des Autors, seine Bilder kann man sich z. B.
hier ansehen) im expressionistischen Stil malt. Popi nennt Claerhouts Menschen „verzerrt“ und wenn man die Beschreibungen der Bilder einerseits sowie die jeweils damit in einem mehr oder weniger losen Zusammenhang stehenden Ereignisse der Kapitel auf sich wirken läßt, dann drängt sich mir der Eindruck auf, die Bilder seien ein Spiegel der inneren, seelischen Verzerrungen, die die Afrikaner hier erleiden. In dieser Kombination fand ich den von Mda gewählten Ansatz gar nicht schlecht.

Schönen Gruß
Aldawen