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Autor Thema: [Französisch-Guyana] Serge Patient – Le nègre du Gouverneur  (Gelesen 177 mal)

Aldawen

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suivi de Guyane pour tout dire et Le mal du pays



Das Büchlein enthält neben der titelgebenden Erzählung und den beiden benannten Lyrikteilen noch zwei weitere, nämlich Maîtresse solitude und Témoignage pour Kourou. Bei diesen vier Lyrikteilen bin ich mir nicht sicher, ob sie in sich jeweils Gedichtzyklen darstellen sollen, oder einfach jeweils sehr lang geratene Einzelgedichte, die mehr oder weniger willkürlich an verschiedenen Stellen durchgeschnitten und mit „Kapitelnummern“ versehen wurden. Da mir das Lesen auf Französisch sowieso nicht so besonders locker gelingt, Lyrik das Ganze noch einmal kompliziert und hier auch noch eine Reihe offensichtlich kreolischer Begriffe hinzukommen, wage ich keine Interpretation dieser Teile. Es geht allerdings sehr viel um die Unterdrückung und Ausbeutung der schwarzen Bevölkerung, um die Traditionen und die Verbindung zur „alten Heimat“ Afrika, um die Emanzipation und Befreiung von der Beherrschung durch andere, vorwiegend Weiße.

Auch die titelgebende Erzählung kreist um das Sklavenwesen und die Rassenschranken in Französisch-Guayana zu Beginn des 19. Jahrhunderts. D'Chimbo ist mit seinen Leidensgenossen frisch auf dem Sklavenmarkt von Cayenne eingetroffen, gekauft wird er von einem in der Kolonie ansässigen englischen Paar, den Stanleys. D'Chimbo ist nicht gewillt, die Demütigung und Herabstufung ohne weiteres zu schlucken, und er erkennt schnell, daß der Schlüssel in der Sprache liegt. Da zudem Lady Stanley, von ihrer Ehe eher enttäuscht, von ihm gewisse „Dienste“ erwartet, gelingt es ihm im Gegenzug, von ihr Unterricht in Französisch zu bekommen, sprechen und lesen. Allerdings ist Lady Stanley dieser Sklave dann doch nicht mehr geheuer und sie nutzt immer wieder sich bietende Gelegenheiten, um D'Chimbo herunterzuputzen und zu schikanieren. Eines Tages taucht der Gouverneur Victor Hugues auf der Besitzung der Stanleys auf. Er will eine Truppe aus afrikanischstämmigen Soldaten zusammenstellen, um diese gegen entflohene und marodierende Sklaven, marrons, einzusetzen, und dafür auf den Plantagen geeignete Sklaven anwerben. D'Chimbo nutzt die Gelegenheit, und weil er intelligent ist und sich gut macht, befördert ihn der Gouverneur rasch zum Leutnant und Anführer der Truppe. In Cayenne wohnt D'Chimbo bei einer liberalen weißen Familie, und zwischen ihm und der Tochter Virginie bahnt sich ein zartes Verhältnis an. Wenn D'Chimbo darüber nachdenkt, dann erkennt er, daß er seine Vergangenheit zumindest teilweise verdrängen muß, um sich in seiner neue Lebenslage einrichten zu können, und trotzdem immer anders, immer Afrikaner und damit in den Augen der Kolonialgesellschaft minderwertig bleiben wird.

Die Erzählung beginnt mit einem Eklat, der als Tratsch binnen kürzester Zeit durch die gesamte Stadt läuft – kein Wunder bei einer Gesellschaft, die sich mangels eigener Beschäftigung zu Tode langweilt und ständig um sich selbst kreist. Patient hat das recht gut eingefangen. Bemerkenswert ist aber vor allem die Entwicklung von D'Chimbo, der auf die Frage von Lady Stanley am Ende nur feststellen kann, daß seine Kleidung sich sehr verändert habe. Seine Konzentration darauf, durch Sprache, Betragen, Gesten und Mimik eine andere Machtstufe zu erreichen, gelingt bis zu einem gewissen Grade, nicht umsonst macht der Gouverneur ausgerechnet ihn zum Anführer der speziellen Garde. Aber es ist eine zwiespältige Stellung. D'Chimbo gehört damit noch lange nicht zur kolonialen Gesellschaft, denn die ist weiß. Aber er gehört eben auch nicht mehr zu der unteren Schicht der Sklaven, von denen er sich entfremdet hat. Eine Verwurzelung in der Heimat, aus der man ihn entführt hat, hat er auch nicht mehr. Das macht ihn eigentlich zu einer tragischen Figur, zumal Patient am Ende zwar andeutet, für welche Seite D'Chimbo sich möglicherweise entscheiden wird (denn entscheiden muß er sich, wenn es gegen die marrons geht), es aber doch so offen läßt, daß auch ein anderer Fortgang denkbar ist. Hier wäre mir eine klarere Positionierung lieber gewesen, vielleicht habe ich sie aber auch einfach überlesen. Und insgesamt ging mir D'Chimbos Aufstieg, wenn man es so nennen will, oder Assimilation zu schnell und zu glatt, was zwar bei der Kürze der Erzählung nicht verwunderlich ist, aber doch mehr Ausgestaltung vertragen hätte.

 3ratten (die Lyrikteile ziehen das ein bißchen nach unten  :rollen: )

Schönen Gruß
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika

illy

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Re: [Französisch-Guyana] Serge Patient – Le nègre du Gouverneur
« Antwort #1 am: 17. Oktober 2011, 18:08:34 »



Französisch-Guyana, im 19. Jahrhundert
Die Geschichte beginnt damit, dass D’Chimbo, der Sklave des Gouverneurs, in inniger Umarmung mit einer jungen Weißen gesehen wurde. Durch die Überschrift Prolog-Epilog wird aber direkt klar, dass das nicht der Beginn der Geschichte ist, sondern eher deren Ende. Und so erzählt der Autor, D’Chimbos Erlebnisse seit seiner Ankunft per Schiff in der französischen Kolonie

Das war mein erstes französischsprachiges Buch seit vielen Jahren, eigentlich sogar Jahrzehnten und dementsprechend sprachlich herausfordernd für mich. Ich glaube allerdings, den Gesamtzusammenhang ganz gut verstanden zu haben.

Gefallen hat mir die Geschichte nicht sonderlich, sie war einfach zu kurz und kam mir nicht besonders tiefsinnig vor. Ich hatte den Eindruck keine eigenständige Erzählung, sondern eine Nacherzählung oder Zusammenfassung zu lesen. Jegliche Empfindungen wurden nur beschrieben und waren für mich nicht nachfühlbar, wodurch mir die Figuren recht egal waren. Ich glaube nicht, dass die Oberflächlichkeit, die ich empfunden habe, nur an meinem mangelnden Sprachverständnis liegt.

(Die Lyrikteile des Buches habe ich mir gespart)
3ratten
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