
Inhalt: Ada Simon ist Photoreporterin, immer auf der Suche nach Aufträgen. Sie freut sich, als sie wieder einmal nach Benin kommt, um dort Entwicklungshilfeprojekte zu dokumentieren. Die Taxifahrt vom Flughafen führt sie aber zunächst auf einen Hinterhof von Händlern mit menschlichen „Ersatzteilen“, sie entkommt dem vor allem dank ihrer Hautfarbe. Am nächsten Tag trifft sie sich mit einem alten Bekannten, Patrick, und dessen Cousine Elise. Als Ada gerade die Bar verlassen hat, fallen Schüsse – Patrick ist tot. Und von da an überschlagen sich auch für Ada die Ereignisse. Eine Menge Leute interessieren sich mehr oder weniger auffällig und mehr oder weniger zudringlich für sie bzw. ihre Photos. Nicht einmal eine Tour ins Landesinnere, Teil ihres Auftrages, Frauen bei traditionellen Beschäftigungen und Handwerken zu dokumentieren, erlaubt ihr, ihre Verfolger abzuschütteln. Sie entgeht nur knapp Anschlägen auf ihr Leben. Es zeichnet sich ab, daß es um wirtschaftliche Interessen geht: Entwicklungshilfegelder und Lizenzen für den Rohstoffabbau ...
Meine Meinung: Trotz beschränkter Vergleichsmöglichkeiten würde ich sagen: Wer einen gut konstruierten Krimi mit vollständiger Auflösung sucht, sollte diesen Roman vielleicht besser nicht lesen. Zum einen hatte ich am Ende durchaus das Gefühl, daß noch ein paar (kleinere) Lücken hinsichtlich der Beteiligten und ihrer jeweiligen Rolle klafften, zum anderen war die Handlung doch etwas arg geradlinig und dank sich wiederholender ähnlicher Szenen bzw. Reaktionen auch vorhersagbar. Mir war jedenfalls lange vor Ada klar, warum ihr das „Pech“ auf dem Fuße folgt, das war doch recht ärgerlich.
Wenn der Roman aber schon als Krimi keine ausgesprochenen Qualitäten entfaltet, so kann ich ihn durchaus empfehlen, wenn man einen Blick auf das Alltagsleben in Benin werfen möchte. Die Stimmung in Cotonou (nicht die Hauptstadt, aber Regierungssitz und ökonomisches Zentrum des Landes) ist wohl gut eingefangen, jedenfalls deckt sich das mit vielem, was ich aus Büchern afrikanischer Autoren kenne. Auch über das ländliche Leben und die Arbeiten vor allem der Frauen auf dem Land erfährt man dank Adas Profession und Auftrag einiges. Das ist wirklich interessant und manches vielleicht auch verblüffend, wenn man sich mit den Bedingungen noch nie beschäftigt hat.
Die Krimihandlung zwischen diesen Abschnitten, die man fast als Landeskunde bezeichnen könnte, wirkte auf mich eher wie ein Fremdkörper, um Adas Tour erstens einen Grund und zweitens einen dramatischen Verlauf geben zu können. Die Tatsache, daß der Roman in der
metro-Reihe des Unionsverlages erschienen ist, verweist zwar bereits darauf, daß man hier auch keinen „klassischen“ Krimi erwarten sollte, aber ein bißchen weniger konstruiert, ein bißchen natürlicher im Ablauf hätte es schon sein dürfen. Ich wäre zwar nicht abgeneigt, auch den zweiten Band um Ada zu lesen, der in Kamerun spielt, das aber eher wegen der zu erwartenden Beschreibungen von Land und Leuten, da ich bei afrikanischen Schauplätzen ja leicht schwach werde.

Schönen Gruß
Aldawen