

Eine jüdischstämmige Familie in Wien im 20. Jahrhundert steht im Mittelpunkt des Romans. Die Großmutter bringt in den 30er Jahren ihren Jüngsten auf einem Persianermantel zur Welt, weil sie nicht rechtzeitig mit dem Kartenturnier aufhören konnte, der Großvater ist in dubiose Geschäfte und Frauengeschichten verwickelt, und allmählich wird das Leben für Juden schwieriger.
Während des Krieges werden die beiden Söhne sicherheitshalber nach England geschickt, wo der Jüngste sich als begabter Fußballer erweist und später entsprechend Karriere machen wird bis in die österreichische Nationalmannschaft hinein. Beide heiraten, lassen sich scheiden, heiraten erneut, Kinder kommen zur Welt, das Leben geht weiter nach dem Krieg in Österreich ...
Schwer zusammenzufassen, diese Familiengeschichte, nicht zuletzt, weil Eva Menasse fast gänzlich ohne Namen auskommt. Die diversen Geschwister, Onkel, Tanten, Großeltern und Cousins zuzuordnen ist deshalb nicht immer ganz einfach, zumal die Zeitebenen ein wenig ineinander verschwimmen.
Die Atmosphäre der beschriebenen Zeiten ist dafür wunderbar eingefangen, seien es die Kaffeehäuser in Wien vor dem Krieg, die Arbeitersiedlungen in England oder das moderne Leben der Enkelgeneration. Man setzt sich quer durch die Generationen immer wieder auf die eine oder andere Weise damit auseinander, was es nun eigentlich bedeutet, Jude zu sein, insbesondere nach dem Holocaust. Von völliger Integration ins "christliche" gesellschaftliche Leben bis zu intensiver Auseinandersetzung mit den politischen und religiösen Facetten ist alles vertreten.
Nicht nur aufgrund der häufig auftauchenden (und in einem Glossar erläuterten) österreichischen bzw. Wiener Dialektbegriffe, sondern auch durch einen besonderen Humor hat das Buch viel (sympathisches) Österreich-Flair und hat mit zahlreichen skurril-witzigen Szenen schon manchmal beinahe etwas Irvinghaftes. Die Charakterzeichnungen, die sich aus oft absurd anmutenden Handlungen ergeben, haben mir auch gut gefallen, und ich hätte gerne noch etwas mehr über diese namenlos bleibende Großfamilie gelesen, die ich über 60 Jahre begleitet habe.
