So, dann will ich mal den Anfang machen, auch wenn ich in der offiziellen Liste gar nicht aufscheine.

Ich habe schon den
Prolog gelesen und bin nun mitten im
1. Kapitel.
Shogun ist in 6 Bücher gegliedert, die Kapitel sind aber durchgängig nummeriert.
Der Einstieg ist mir viel leichter gefallen als gedacht, es geht nämlich auf dem Schiff im Prolog gleich richtig zur Sache. Mir gefällt die Sprache sehr, in der das Buch geschrieben ist, bzw. scheint die Übersetzung gut gelungen zu sein. Wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, was ein "Pilot" auf einem Schiff sein soll - ist das der Steuermann?

Die Atmosphäre auf dem Schiff kommt grausig realistisch rüber - ich war beim Lesen richtig froh, in meinem schönen Bett zu liegen und nicht auf dreckigen Schiffsplanken, mit nichts als fauligem Wasser und monatealten Lebensmittelresten, umgeben von Krankheit und Schmutz ...
Mit Beginn des ersten Kapitels folgt dann der erste große Szenenwechsel: die Crew strandet auf den japanischen Inseln und findet sich plötzlich in einer vollkommen anderen Welt wieder. Ein krasseres Kontrastprogramm ist schwer vorstellbar - plötzlich ist alles so sauber, zierlich und fein ... ich war ja erst vor kurzem zum ersten Mal in Japan und war ganz aufgeregt, als ich die Beschreibungen gelesen habe. Wände, die aus nichts bestehen als mit Papier bespannten Holzrahmen; sorgsam angelegte Gärten, Holzveranden, Kimonos mit weißen Söckchen und Zehensandalen ... ach, ich muss gleich wieder meine Fotos durchstöbern.

Und dazu die Eigenheiten der Einheimischen: dass sie fast in Ohnmacht fallen, wenn man die Schuhe nicht schon draußen auszieht, dass man jeden Anflug von schlechter Stimmung mit einer Verneigung weglächelt ... da scheint sich über die Jahrhunderte nicht viel verändert zu haben.

Gratis mitgeliefert wird ein Crashkurs in europäischer Geschichte. Ich merke, dass ich von dieser Epoche kaum Ahnung habe (zum Beispiel war mir nicht klar, dass die Niederlande jemals unter spanischer Herrschaft standen), und was die Quereleien der großen Seefahrernationen betrifft, ist das auch völlig neues Terrain für mich. Das Ganze könnte ziemlich trockener Stoff sein - umso toller finde ich, wie ihn James Clavell vermittelt.
Ihr seht schon, es hat mich gepackt und ich werde der Leserunde wohl fürs Erste erhalten bleiben

- allerdings habe ich ein paar Bücher, die ich auch demnächst lesen will und mit denen ich nicht so lange warten möchte, bis ich mit
Shogun fertig bin, deswegen werde ich wahrscheinlich zwischendurch manchmal pausieren und etwas anderes einschieben.
EDIT: Hoppla, was ich noch schreiben wollte - also der erste Umbruch erfolgt beim Wechsel vom Schiff ins scheinbar paradiesische Nippon. Der zweite lässt jedoch ebenfalls nicht lange auf sich warten - spätestens mit dem Auftritt des Samurais zeigt sich Japan dann nämlich von seiner bedrohlichen Seite. Auch finde ich es sehr gut beschrieben, wie fremd und zugleich bezaubert sich die großen, derben Europäer in dieser neuen, zarten Welt fühlen, und um wieviel schockierter sie dann von der unvermittelten Blutrünstigkeit des Samurais (und der fehlenden Reaktion seiner Landsleute darauf!) sind ...