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Autor Thema: Ernö Szép - Die Liebe am Nachmittag  (Gelesen 295 mal)

Jari

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Ernö Szép - Die Liebe am Nachmittag
« am: 04. November 2010, 18:40:31 »

Inhalt:

Mihály schreibt für die Bühne, für Zeitschriften, wird gelobt und dennoch reicht das Geld nie zum Leben aus. Er hat eine Geliebte, die verheiratet ist, und die er Cinq-Fleur nennt und geht mit einer typisch ungarischen Melancholie durch das Budapest der 1930-er Jahre.
Dann trifft er auf ein Mädchen. Gerade mal 19 Jahre alt. Nicht hübsch. Naiv. Niemals würde er Iboly lieben. Dennoch trifft er sich mit der angehenden Schauspielerin. Spielt mit ihr, hält sie auf Abstand. Doch was immer er auch tut, das Mädchen ist dem Charme des älteren Mannes verfallen.
Irgendwann stellt sich einem jedoch immer die Frage, was für wen am der beste Weg ist...

Meine Meinung:

Ernö Széps "Die Liebe am Nachmittag" nimmt uns mit in das Ungarn der Kaffehäuser und des Flanierens. Flaniert wird in diesem Buch überaus oft. Die Spaziergänge führen uns durch Budapest und durch die Gedanken des alternden Mihály, der mit dem Älterwerden, dem Geld und dem Leben hadert. Für die junge Iboly hat er nur etwas Jovalität übrig. Die Welt der grossartigen Cinq-Fleur, die in Glamour lebt und von Pary zu Pary schwebt, hat er nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig.

Mihály scheint mehr mit den Frauen zu spielen, als dass er es wirklich ernst meint mit ihnen. Dennoch ist der Leser dazu angehalten, dieses Verhalten zu hinterfragen. Überhaupt kann man Einiges im Buch hinterfragen, die Gespräche, die geführt werden, lassen einem Raum, selbst zu Interpretieren.

Széps Roman ist kein Buch für zwischendurch. Die Sprache ist zerfleddert und geheimnisvoll, man spürt den ungarischen Flair der damaligen Zeit zwischen den Zeilen. Melancholie und Lebensfreude geben sich die Klinke in die Hand. Der Protagonist ist ein Paradebeispiel dieses Paradoxes. Deshalb sollte man sich gut auf das Buch konzentrieren können, um die Stimmung der Geschichte nicht zu zerstören.

"Die Liebe am Nachmittag" ist ein poetisches Werk mit viel Lebensweisheit über die Liebe, das Geld, das Theater und Leben und Tod. Wir alle kennen Mihálys Probleme und obwohl er kein strahlender Romanheld ist, schliesst man ihn, sowie auch die naive Iboly, irgendwann dann doch irgendwie ins Herz.

Fazit:

"Die Liebe am Nachmittag" ist ein Werk für Denker, Hobbyphilosophen und jene, die ein Bisschen Weltschmerz zu schätzen wissen, die gerne flanieren und ihre Gedanken schweifen lassen.
Wer Ungarn und insbesondere Budapest kennt und mag, kann sich von diesem Buch in eine vergangene Zeit zurückversetzen lassen, als in Ungarn die Kaffehäuser und die Badekultur geschätzt wurde und man nachmittags an der Donau entlang flanierte.
Wer ein Buch für einen entspannenden Nachmittag auf der Couch sucht, sollte jedoch besser die Finger von Szép lassen, da das Buch volle Konzentration fordert. Es ist eines jener Bücher, von denen man öfter mal aufschaut, um sich seine eigenen Gedanken zum Geschehen und dem Gesagten zu machen.



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HoldenCaulfield

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Re: Ernö Szép - Die Liebe am Nachmittag
« Antwort #1 am: 04. November 2010, 20:49:23 »

Das klingt ja wunderbar! Ich werde mir den Roman auf jedenfall merken und in der Vorlesungsfreien Zeit danach ausschau halten!
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HoldenCaulfield

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Re: Ernö Szép - Die Liebe am Nachmittag
« Antwort #2 am: 17. Januar 2012, 08:39:38 »

Ich habe mir den Roman gemerkt :breitgrins: und vor einiger Zeit gekauft. Momentan lese ich ihn und finde es ganz wunderbar! Da ist so ein merkwürdiger Ton in der Erzählung der mich sehr anspricht.
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Jari

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Re: Ernö Szép - Die Liebe am Nachmittag
« Antwort #3 am: 17. Januar 2012, 22:16:25 »

Das freut mich Holden! Bin schon sehr auf deine Rezi gespannt :winken:
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HoldenCaulfield

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Re: Ernö Szép - Die Liebe am Nachmittag
« Antwort #4 am: 23. Januar 2012, 18:13:53 »

Da ich den Roman sehr mochte hab ich nicht lange gebraucht um ihn zu beenden. Ich musste meine Meinung allerdings erst noch abtippen *g*

Hier also meine Meinung:

Mihály ein Mann der spürt das er älter wird, der zwischen den Zeilen vielleicht sogar glaubt dass das Leben an ihm vorbei zugehen droht. Er versucht es fast schon verzweifelt fest zu halten. Merkt jedoch nicht das er sich nur selbst belügt. Mit den Frauen und der Liebe scheint er nur zu spielen. Ich hatte allerdings den Eindruck das er ohne Beides auch nicht so recht Leben kann, zu dem ist er immer wieder auf der Suche nach irgendeinem starken Gefühl. Es scheint als ob er verlernt hat Liebe zu erkennen wenn er sie fühlt.
Über allem liegt eine ganz seltsame Stimmung, zumindest bei Sandor Marai habe ich diese auch schon entdeckt. Vielleicht ist sie ja spezifisch für ungarische Autoren dieser Zeit?
Mihály gehört einer Generation an die sowohl das alte Kaiserreich als auch den ersten Weltkrieg mit erlebt haben. Unterschwellig spürt er das die alte Zeit von der Neuen abgelöst wurde. Er beobachtet seine Altersgenossen und stellt fest das sie graue Haare haben, dicker geworden sind. So manch einer braucht auf einmal eine Brille oder trägt ein Männerkorsett. Er versucht trotzdem an seinem Lebenstil fest zu halten doch alles scheint sich ihm langsam zu entziehen. Das Junge Mädchen das sich in ihn verliebt hat behandelt er wie ein Kind und nicht wie jemandem den er als ebenbürtig betrachtet. Er genießt ihre Bewunderung. Niemals würde er zugeben das er sich ihr vielleicht doch näher fühlt als er gerne den Anschein geben würde. Er versteckt alles unter seiner aufgesetzten Fröhlichkeit. Doch eine gewisse Einsamkeit kommt dabei trotzdem zu Tage.
Für mich ein ganz wunderbar melancholischer Roman der mir sehr gefallen hat!

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Re: Ernö Szép - Die Liebe am Nachmittag
« Antwort #5 am: 23. Januar 2012, 18:44:14 »

Eine wunderschöne und tiefgründige Rezi, Holden.
Die Stimmung, die du ansprichst, ist nicht nur typisch für die ungarische Literatur (besonders zu jener Zeit), sondern auch für die ungarische Volksseele. Sie sind ein fröhliches und liebenswertes Volk, die Ungaren, hängen aber sehr an ihrer Melancholie :smile:
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HoldenCaulfield

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Re: Ernö Szép - Die Liebe am Nachmittag
« Antwort #6 am: 23. Januar 2012, 19:17:05 »

@Jari
Das gefällt mir, ich mag Melancholie sehr. Sicher auch ein Grund warum mir dieser Roman gefallen hat.
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