Inhalt:
Mihály schreibt für die Bühne, für Zeitschriften, wird gelobt und dennoch reicht das Geld nie zum Leben aus. Er hat eine Geliebte, die verheiratet ist, und die er Cinq-Fleur nennt und geht mit einer typisch ungarischen Melancholie durch das Budapest der 1930-er Jahre.
Dann trifft er auf ein Mädchen. Gerade mal 19 Jahre alt. Nicht hübsch. Naiv. Niemals würde er Iboly lieben. Dennoch trifft er sich mit der angehenden Schauspielerin. Spielt mit ihr, hält sie auf Abstand. Doch was immer er auch tut, das Mädchen ist dem Charme des älteren Mannes verfallen.
Irgendwann stellt sich einem jedoch immer die Frage, was für wen am der beste Weg ist...
Meine Meinung:Ernö Széps "Die Liebe am Nachmittag" nimmt uns mit in das Ungarn der Kaffehäuser und des Flanierens. Flaniert wird in diesem Buch überaus oft. Die Spaziergänge führen uns durch Budapest und durch die Gedanken des alternden Mihály, der mit dem Älterwerden, dem Geld und dem Leben hadert. Für die junge Iboly hat er nur etwas Jovalität übrig. Die Welt der grossartigen Cinq-Fleur, die in Glamour lebt und von Pary zu Pary schwebt, hat er nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig.
Mihály scheint mehr mit den Frauen zu spielen, als dass er es wirklich ernst meint mit ihnen. Dennoch ist der Leser dazu angehalten, dieses Verhalten zu hinterfragen. Überhaupt kann man Einiges im Buch hinterfragen, die Gespräche, die geführt werden, lassen einem Raum, selbst zu Interpretieren.
Széps Roman ist kein Buch für zwischendurch. Die Sprache ist zerfleddert und geheimnisvoll, man spürt den ungarischen Flair der damaligen Zeit zwischen den Zeilen. Melancholie und Lebensfreude geben sich die Klinke in die Hand. Der Protagonist ist ein Paradebeispiel dieses Paradoxes. Deshalb sollte man sich gut auf das Buch konzentrieren können, um die Stimmung der Geschichte nicht zu zerstören.
"Die Liebe am Nachmittag" ist ein poetisches Werk mit viel Lebensweisheit über die Liebe, das Geld, das Theater und Leben und Tod. Wir alle kennen Mihálys Probleme und obwohl er kein strahlender Romanheld ist, schliesst man ihn, sowie auch die naive Iboly, irgendwann dann doch irgendwie ins Herz.
Fazit: "Die Liebe am Nachmittag" ist ein Werk für Denker, Hobbyphilosophen und jene, die ein Bisschen Weltschmerz zu schätzen wissen, die gerne flanieren und ihre Gedanken schweifen lassen.
Wer Ungarn und insbesondere Budapest kennt und mag, kann sich von diesem Buch in eine vergangene Zeit zurückversetzen lassen, als in Ungarn die Kaffehäuser und die Badekultur geschätzt wurde und man nachmittags an der Donau entlang flanierte.
Wer ein Buch für einen entspannenden Nachmittag auf der Couch sucht, sollte jedoch besser die Finger von Szép lassen, da das Buch volle Konzentration fordert. Es ist eines jener Bücher, von denen man öfter mal aufschaut, um sich seine eigenen Gedanken zum Geschehen und dem Gesagten zu machen.


