Nachdem ich Band 1 der Trilogie um den vorlauten Dschinn Bartimäus an einem Wochenende verschlungen habe, wanderte sofort Das Auge des Golem auf meinen Nachttisch.
Während der erste Teil vor allem durch Bartimäus Fußnoten und seine verbalen Auseinandersetzungen mit Nathanael sehr humoristisch wirkt, ist die Grundstimmung im 2. Band wesentlich dunkler, düsterer. Besonders das erste Drittel des Buches zog sich sehr in die Länge, was vor allem an der Antipathie liegt, die ich mittlerweile zu Nathanael aufgebaut habe. Im "Amulett von Samarkand" habe ich ihm seine Arroganz und Selbstüberschätzung noch aufgrund seines Alters und bisherigen Mentors Underwood verziehen. Mittlerweile hat er sich unter dem Schutz seiner neuen Mentorin weiterentwickelt - aber nicht zum Positiven. Anstatt dass er aus seinen früheren Erlebnissen etwas lernt, begibt er sich in die Fußstapfen der anderen Zauberer und übernimmt insbesondere deren abfällige Haltung gegenüber den Gewöhnlichen. Mit diesem Unsymphaten als "Held" lässt sich nur schwer mitfiebern.
Als Gegenpart tritt Kitty auf, die Gewöhnliche mit den ungewöhnlichen Fähigkeiten. Ihre Abschnitte halfen, den schlechten Geschmack nach der Lektüre Nathanaels Kapitel zu überdecken. Doch auch hier verläuft die Story am Anfang etwas zäh. Erst als Bartimäus wieder auftaucht und damit auch seine (von mir geliebten) Fußnoten, lässt sich das Buch flüssiger lesen. Dennoch kommt nicht die gleiche Freude am Lesen auf, wie beim ersten Band. Zum einen liegt das (wie ausführlich geschildert) an Nathanael, aber zum anderen bringt einen der Autor mit seiner Schilderung der Gesellschaft zum Nachdenken. Durch die Augen von Kitty wird einem das Leben der Gewöhnlichen näher gebracht und man verfällt unweigerlich in eine grüblerische Stimmung. (Warum lassen sich die Gewöhnlichen das Gefallen?)
Gefreut hatte ich mich auf die Reise nach Prag, die Nathanael und Bartimäus unternehmen. Doch diese fand ich viel zu kurz und oberflächlich. Gerne hätte ich mehr über die Stadt und ihre Zauberer gelesen und auch über die Herstellung und Geschichte der Golems, denn hierauf hat das Anfangskapitel Lust gemacht. Leider wendet sich der Autor viel zu schnell wieder den Geschehnissen in London zu.
Dennoch ist das (Jugend-)Buch eine lohnenswerte Lektüre, die sich vom Vorgänger durch den ernsthafteren Grundton abhebt. Da aber die Faszination des Neuen (Bartimäus) zT verflogen ist und aufgrund der zumeist eindimensionalen Charaktere gibt es Abstriche. Daher vergebe ich

+

Den abschließenden 3. Teil sehe ich allerdings gespannt entgegen, da ich schon die letzten 3 Sätze des Buches gelesen habe und diese wecken eindeutig die Neugierde, ob in Nathanael nicht doch ein winziges Fünkchen eines guten Menschen steckt. Von daher gehts sofort weiter mit den Abenteuern des vorlauten Dschinns und seines Meisters.