"Profilerin" Charlie Flint bekommt von einem Unbekannten einen Stapel Zeitungsausschnitte zugeschickt, in denen es um den Mord an einem jungen Mann bei seiner eigenen Hochzeitsfeier geht. Charlie zählt zwei und zwei zusammen und ist schnell sicher, dass die Post von ihrer früheren Professorin Corinna Newsam kommt, bei der sie als Studentin häufig im Babysitter-Einsatz war, denn die so tragisch verwitwete Braut ist Corinnas Tochter Magda.
Corinna hegt den Verdacht, dass Magdas Freundin Jay, die mit mehreren Internetfirmen stinkreich und mit einer Autobiographie über ihre schauderhafte Kindheit berühmt geworden ist, nicht ganz koscher ist und bittet Charlie, Jays Vergangenheit etwas genauer zu beleuchten.
Charlie ist zunächst ein wenig skeptisch angesichts dieses Auftrags, stürzt sich dann aber doch in die Ermittlungen und fördert einige interessante Verstrickungen zutage. Was ihr außerdem noch Kopfzerbrechen bereitet, ist die ungemein anziehende Psychologin Lisa Kent, in die sie sich, wie sie zugeben muss, ziemlich verliebt hat, obwohl sie seit einigen Jahren glücklich mit Maria verheiratet ist ...
Ein routinierter, spannender Krimi, der gottlob nicht wie die Tony-Hill-Reihe mit einer Fülle an Ekelszenen aufwartet, sondern die Spannung mehr auf der psychologischen Ebene aufbaut.
Dass Charlie hier nicht nur Ermittlerin und Psychologin ist, sondern aufgrund ihrer Verbindungen zu Corinna und deren Familie sowie ihres Studiums in Oxford auf besondere Weise persönlich von den Geschehnissen berührt wird, brachte sie mir mit der Zeit ein wenig näher. Zu Beginn war sie mir lange Zeit ziemlich egal, muss ich gestehen. Dafür fand ich die Atmosphäre Oxfords schön gezeichnet.
Richtig interessant wird das Buch durch die eingestreuten Auszüge aus dem im Entstehen befindlichen zweiten Teil von Jays Autobiographie. Eine extreme persönliche Geschichte, die Verständnis für manche extremen Charakterzüge weckt, aber auch zeigt, wie leicht man die Meinung anderer durch geschickte Formulierung beeinflussen kann, ohne dabei die Wahrheit zu sehr zu strapazieren.
Lange Zeit bin ich mit Charlie im dunkeln getappt, was die Lösung des Mordfalls angeht, und der Showdown am Ende kam für mich zwar nicht in jeder Hinsicht überraschend, sorgte aber doch für einen aufregenden Abschluss.
Gute, solide Krimikost mit dem einen oder anderen Klischeechen.

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