Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Kirsten Schützhofer - Die Konfektmacherin  (Gelesen 436 mal)

HoldenCaulfield

  • Käferprinzessin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 11732
Kirsten Schützhofer - Die Konfektmacherin
« am: 10. Oktober 2010, 13:08:43 »



Titel: Die Konfektmacherin
Autor: Kirsten Schützhofer

Allgemein:
608 S.; Diana Verlag; 2010


Inhalt:
Frankreich im späten 17. Jahrhundert:
Catherine hat eine Schwäche für das Herstellen von Süßigkeiten. Vor allem der weiße Nougat des alten Pierrre, der seine Ware sogar auf dem Markt verkauft hat es ihr angetan. Stunden verbringt sie bei ihm in der Küche um die Herstellung zu erlernen. Doch dann muss sie mit ansehen wie ihre große Schwester und deren Mann verhaftet werden, denn die Familie ist reformierten* Glaubens und daher in Frankreich nicht geduldet. Sie selbst kann gemeinsam mit der kleineren Schwester fliehen. Doch wohin sollen sie gehen? Als sie auch noch von Mathieu, Catherines Verlobtem getrennt werden scheint alles verloren. Doch da hilft ihnen Luc, ein Mann der reformierten Familien gegen Bezahlung zur Flucht verhilft. Und da wäre ja auch noch das Rezeptbuch der Mutter das Catherine in ihrer Rocktasche hat. In Orleans hofft sie ein neues Leben beginnen zu können und die Schwestern erhalten sogar eine Stellung in einem großen Haus. Als Konfektmacherin macht sie sich hier schon bald auf den Namen, doch dieser Ruhm hat seinen Preis, denn auch ihre Verfolger haben nicht aufgeben und so muss sie immer wieder um ihre Sicherheit fürchten...

Meine Meinung:
Kirsten Schützhofer  ist einer der Autorinnen deren Romane ich mir im Grunde blind kaufe weil sie mir alle – manchmal mehr, manchmal weniger- immer gefallen haben.
Das Thema der Hugenottenverfolgung fand ich zu dem recht spannend, den Rahmen kenne ich zwar aus dem Studium aber einzelne Schicksale ein wenig kennen zu lernen bedeutet ja schon noch mal etwas anderes. Schnell merkt man, dass auch in „Die Konfektmacherin“ wieder  eine gute Portion Recherchearbeit eingeflossen ist, was ich gerade bei historischen Romanen enorm wichtig finde. Zu dem liefert auch der Anhang und das Nachwort der Autorin ein paar Hintergrundinformationen die das gelesene in den Kontext rücken.
Der Roman ist  sehr lebendig erzählt, so dass man sich die beschriebenen Orte sehr genau vorstellen kann. Man hat mehr als einmal das Gefühl mitten im Gedränge des Marktes oder zwischen den Töpfen und Pfannen einer Küche zu stehen und sogar  die Gerüche wahr zu nehmen.
Jetzt komm jedoch das Große Aber…
Wenn ich "Die Konfektmacherin" mit den anderen Romanen der Autorin vergleiche, muss ich sagen dass mir letzterer bisher am wenigsten gefällt. So gefällt mir z.B. Die Kalligraphin  sehr viel besser obwohl ich sie damals während dem Lesen auch eher als gut aber nicht sehr gut empfunden habe. Ich fand die Entwicklungen in der Kalligraphin vielschichtiger und zum Teil auch eindringlicher. Catherine muss zwar einiges ertragen aber irgendwie... ich weiß nicht, es läuft einiges so glatt. Selbst als sie eigentlich in großer Gefahr ist nehm ich ihr die Angst nicht so recht ab. Es findet sich zu schnell eine Lösung. Ich glaub fast  mir ist „Die Konfektmacherin“ zu positiv geraten.  Ich finde Kirstens Bücher gerade deshalb meist so toll weil es nicht immer alles auf ein gutes Ende zusteuert,  hier löst sich für mich einfach zu vieles in Wohlgefallen auf, das ist mir zu viel des Guten. Der letzte Funke sprang einfach nicht über, obwohl ich keinen Grund hatte den Roman abzubrechen.

Die Figuren selbst … eigentlich konnte ich persönlich nur mit Adrien (einem der "Bösewichte" im Roman) wirklich etwas anfangen. Er ist für mich die Figur mit den meisten Facetten, auch wenn er nicht der Sympathieträger in der Handlung ist.
Catherine war für mich zwar Stellenweise durchaus sympathisch aber sie hat einige Züge an sich mit denen ich einfach nicht sehr viel anfangen konnte. Ich mochte sie schon, aber so richtig berührt hat sie mich insgesamt betrachtet nicht. Auf einigen Seiten hätte ich sie gerne schütteln mögen… Ihre Schwester Julie kommt mir definitiv zu kurz und gerade über die hätte ich viel mehr lesen wollen. Einige Entwicklungen was das Beziehungsgeflecht der beiden Schwestern angeht fand ich da nicht so gelungen und irgendwie bleibt bei mir der Eindruck zurück das hier Potential verschwendet wurde.
Luc ist und bleibt für mich die Figur mit der ich so gar nicht konnte. Ich mochte ihn einfach nicht, obwohl eigentlich eine sehr positive Figur ist. Ich glaube er war mir letztendlich irgendwie zu glatt oder seine Entwicklung war mir zu langweilig.
Und nochmal ein aber^^
Ich habe ja doch einiges gefunden das mich gestört hat.  Zu Ende gelesen habe ich trotzdem – was sicherlich auch zeigt das ich den Roman nicht als Schrott abtun würde. Gerade der Erzählstil an sich hat mir wie immer gefallen und an einigen Stellen wurde ich ja schon sehr in die Handlung gezogen und hatte sehr viele Bilder dazu im Kopf.

von mir gibt es: 3ratten

PS: Ich weiß das einige die Kalligraphin in der Leserunde damals als zu negativ angesehen haben, vielleicht lest ihr ja mal Die Konfektmacherin, mich würde interessieren in wie weit sie euch besser gefallen hat und ob das auch daran lag das die Handlung positiver war^^

*Hugenotten aus heutiger Sicht
« Letzte Änderung: 10. Oktober 2010, 13:29:41 von HoldenCaulfield »
Gespeichert
Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

"[...] wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt, du bist verrückt" *L.Carroll*

Mein Interview mit Gail Carriger :elch:
Sonnenschirm

illy

  • chronischer Bücherjunkie
  • Global Moderator
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2757
Re: Kirsten Schützhofer - Die Konfektmacherin
« Antwort #1 am: 12. Oktober 2010, 07:30:47 »

Cathérine ist hugenottischen Glaubens, auch wenn sie das aufgrund der französischen Gesetzeslage nicht offen ausleben kann, aber ihre wahre Leidenschaft gilt der Konditorei. Das Rezeptbuch ihrer verstorbenen Mutter hütet sie wie einen Schatz und ihr Traum ist es, als Konfektmacherin ihr Auskommen zu finden. Doch zunächst wird ihre Familie wegen ihres Glaubens verhaftet und sie und ihre Schwester Julie müssen fliehen. Als Küchenmägde finden sie Arbeit, doch als Cathérine ihr Geschick im Umgang mit Süßspeisen offenbart, bringt das Verfolger auf ihre Spur.

Leider konnte sich die Autorin nicht entscheiden, was sie nun eigentlich für ein Buch schreiben wollte. Vom Konfektmachen ist, nach einem viel versprechenden Beginn, ab der Mitte etwa nichts mehr übrig geblieben, das Rezeptbuch, das am Anfang fast auf jeder Seite auftaucht, ist völlig unwichtig geworden und die Autorin bietet am Ende nicht einmal einen Ausblick auf eine „Konditoren-Zukunft“ an, das macht das Buch etwas unrund.

Mit der Darstellung der hugenottischen Sache, die die zweite Hälfte dominiert, bin ich aber ebenfalls nicht zufrieden, das Niveau, auf dem der Glauben dargestellt wird, ist der relativ einfachen Herkunft der Figuren angepasst. Meine Kenntnisse zu dem Thema, habe ich fast völlig Robert Merles "Fortune de France" – Reihe zu verdanken. Diese endet allerdings ungefähr zu dem Zeitpunkt, an dem die Konfektmacherin beginnt und natürlich kann man in 13 Bänden detaillierter schreiben als Kirsten Schützhofer mit ihren 600 Seiten, aber trotzdem erscheint mir „Die Konfektmacherin“ hier einfach zu leicht. Ich hatte immer das Gefühl, dass etwas fehlte, die Autorin hat zwar vermutlich durchaus ordentlich recherchiert, konnte das Wissen aber nicht glaubwürdig mit dem Schicksal ihrer Figuren verknüpfen.

Als lockere Lektüre war das Buch jetzt nicht wirklich schlecht, aber auf den letzten 100 Seiten überschlagen sich die Ereignisse zu sehr, es wirkt, als wolle die Autorin unbedingt noch alle Stränge zusammenführen. Am Anfang des Buches hätte mich so ein übertriebenes Herbeiführen von Begegnungen und Geschehnissen dazu gebracht, das Buch ganz schnell wieder beiseite zu legen und hier gibt es dafür immerhin etwas Punktabzug.

3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:
Gespeichert
Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

HoldenCaulfield

  • Käferprinzessin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 11732
Re: Kirsten Schützhofer - Die Konfektmacherin
« Antwort #2 am: 12. Oktober 2010, 08:56:06 »

Leider konnte sich die Autorin nicht entscheiden, was sie nun eigentlich für ein Buch schreiben wollte. Vom Konfektmachen ist, nach einem viel versprechenden Beginn, ab der Mitte etwa nichts mehr übrig geblieben, das Rezeptbuch, das am Anfang fast auf jeder Seite auftaucht, ist völlig unwichtig geworden und die Autorin bietet am Ende nicht einmal einen Ausblick auf eine „Konditoren-Zukunft“ an, das macht das Buch etwas unrund.

Mit der Darstellung der hugenottischen Sache, die die zweite Hälfte dominiert, bin ich aber ebenfalls nicht zufrieden, das Niveau, auf dem der Glauben dargestellt wird, ist der relativ einfachen Herkunft der Figuren angepasst. Meine Kenntnisse zu dem Thema, habe ich fast völlig Robert Merles "Fortune de France" – Reihe zu verdanken. Diese endet allerdings ungefähr zu dem Zeitpunkt, an dem die Konfektmacherin beginnt und natürlich kann man in 13 Bänden detaillierter schreiben als Kirsten Schützhofer mit ihren 600 Seiten, aber trotzdem erscheint mir „Die Konfektmacherin“ hier einfach zu leicht. Ich hatte immer das Gefühl, dass etwas fehlte, die Autorin hat zwar vermutlich durchaus ordentlich recherchiert, konnte das Wissen aber nicht glaubwürdig mit dem Schicksal ihrer Figuren verknüpfen.

Als lockere Lektüre war das Buch jetzt nicht wirklich schlecht, aber auf den letzten 100 Seiten überschlagen sich die Ereignisse zu sehr, es wirkt, als wolle die Autorin unbedingt noch alle Stränge zusammenführen.
Diesen Eindruck hatte ich auch an einigen Stellen! Ich hatte aber auch immer wieder das Gefühl das es unbedingt poisitiv sein musste und negatives ausgeklammert oder schnell abgefertigt wurde. Ich glaube das ist mit für das Unrunde verantwortlich.
Gespeichert
Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

"[...] wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt, du bist verrückt" *L.Carroll*

Mein Interview mit Gail Carriger :elch:
Sonnenschirm

Aldawen

  • Msomaji mkubwa
  • Administrator
  • *
  • Online Online
  • Beiträge: 11655
Re: Kirsten Schützhofer - Die Konfektmacherin
« Antwort #3 am: 16. Oktober 2010, 12:11:13 »

Inhalt: Das ausgehende 17. Jahrhundert ist keine gute Zeit für Menschen reformierten Glaubens in Frankreich. Auch in Montélimar macht sich der Druck bemerkbar, und von einem rachsüchtigen Nachbarn verraten müssen Catherine Jospin, ihre jüngere Schwester Julie mit Catherines Verlobten Mathieu vor den Dragonern fliehen. Viel mehr als das Rezeptbuch ihrer Mutter kann Catherine nicht retten. Auf der Flucht zur Schweizer Grenze werden sie von Mathieu getrennt, aber der Vagabund Luc, der als bezahlter Fluchthelfer arbeitet, nimmt sich ihrer an und bringt sie nach Orléans, wo Catherine Verwandte zu finden hofft. Stattdessen landen die Schwestern als Mägde in einem vornehmen Haus und könnten dort eine ruhiges Leben vor ihrem unversöhnlichen Verfolger und Nachbarn Barnabas du Port und seinem Sohn und Catherines Jugendfreund Adrien führen, wenn nicht bei einer großen Feier Catherine in der Küche mit ihren Desserts für die erkrankte erste Küchenmagd einspringen müßte. Die Qualität ihres Nougats bringt Adrien auf ihre Spur und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie entdeckt werden. Julie gerät in Adriens Haushalt, wo sie bald eine immer wichtigere Position einnimmt. Für Catherine entwickeln sich die Dinge nicht so günstig, und Luc, der sich in Catherine verliebt hat und regelmäßig auftaucht, muß schließlich erneut eine Flucht arrangieren, die diesmal mitten in die Cevennen und den Kamisardenaufstand führt. Mathieu hat die Flucht bis nach Frankfurt getrieben, wo er, nach langen Gewissensbissen Catherine gegenüber, in eine französisch-reformierte Familie einheiratet und erfolgreicher Händler wird. Der dringende Wunsch zu erfahren, was mit Catherine geschehen ist, läßt ihn auf der Suche nach ihr nach Frankreich zurückkehren ...


Meine Meinung: Erneut hat Kirsten Schützhofer einen interessanten Aufhänger für ihren Roman gefunden. Die Verfolgung der Anhänger der reformierten Kirche in Frankreich war mir zwar als solches bekannt, in vielen Details aber Neuland. Es gelingt auch sehr gut, in den verscheidenen Personen die möglichen Strategien aufzuzeigen, wie die Reformierten mit dem äußeren Druck umgehen, dies reicht von Ignoranz zu purer Angst vor Enttarnung, von Übertritt zum Katholoizismus bis hin zu umso starrerem Festhalten am eigenen Glauben. Diese Brüche ziehen sich auch quer durch Familien und sorgen für innere Spannungen, für die ich den Roman durchaus gerne gelesen habe. Das vergleichsweise ruhige Leben, das Mathieu in Frankfurt führt, bildet dazu einen wirkungsvollen Kontrast. Da Kirsten Schützhofer hier nicht, wie bei ihren vorherigen Romanen, mit sehr kurzen Abschnitten zwischen den Protagonisten hin- und herspringt, sondern diesen über ganze Kapitel hinweg folgt, bekommt man auch einen ganz guten Einblick in ihre jeweiligen Gedanken und Gefühle.

Bedauerlicherweise fallen aber die zwei Abschnitte, die hier auch als Buch I und Buch II kenntlich gemacht werden, arg auseinander. Eine Verbindung ergibt sich natürlich aus den Personen, aber inhaltlich war es ein klarer Bruch und der rote Faden ging damit verloren. Nun ist zwar verständlich, daß ein armes Cevennengehöft nicht der geeignete Ort für edles Konfekt ist, aber dieses Thema wie auch Catherines Leidenschaft für die Küche wurden sehr abrupt unterbrochen und ohne rechte Chance auf eine Wiederaufnahme beiseite geräumt. Die Verbindung zum Kamisardenaufstand kam dafür ein bißchen überraschend, aus dem zuvor geführten Leben war das für die Hauptpersonen keine naheliegende Wahl. Zudem hatte vor allem Catherine als Charakter für mich gravierende Schwächen. Sie schwankt in ihren Reaktionen zwischen denen einer starken Frau, Verzagtheit und Dummheit in einem Maße, das – jedenfalls für mich – nur schwer nachvollziehbar war. Als die weitaus interessanteren Charaktere entpuppten sich daher eigentlich so ziemlich alle Figuren drumherum: Julie, Adrien, Luc, selbst Barnabas mit seinem merkwürdigen, schon vom Vater übernommenen Haß auf die Jospins.

Wie gewohnt sind die Beschreibungen der Orte, der Atmosphäre wunderbar gelungen, und auch die inzwischen schon obligatorischen Extras wie Glossar und Nachwort fehlen nicht. Aber insgesamt läßt mich die Geschichte etwas unzufrieden zurück, weil ich das Gefühl habe, daß weder der erste Teil um die Konfektmacherei, noch der zweite um die Kamisarden wirklich „zu Ende erzählt“ ist, beiden Teilen fehlt etwas (dem ersten ein richtiges Ende und dem zweiten mehr Hintergrund) und die Verbindung zwischen ihnen ist zu schwach, um diese jeweiligen Lücken zu kompensieren. Auch Barnabas Rachegedanken und das große Geheimnis zwischen den Familien du Port und Jospin kann darüber nicht hinwegtäuschen.

 3ratten

Schönen Gruß
Aldawen
Gespeichert
Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika

Heimfinderin

  • Beim Lesen Unansprechbare
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2698
Re: Kirsten Schützhofer - Die Konfektmacherin
« Antwort #4 am: 24. Oktober 2010, 12:19:22 »

Klappentext
Frankreich 1685: Fast täglich besucht Cathérine den alten Nougatmacher Pierre, um ihrem Traum von einem eigenen Süßigkeitenstand auf dem Markt näher zu kommen. Als Cathérines Familie wegen ihres protestantischen Glaubens verhaftet wird, sie selbst aber fliehen kann, wird ihr Rezeptbuch ihr wertvollster Besitz. Als Konfektmacherin macht sie sich einen Namen. Doch der Ruhm ihres Nougats bringt auch die Verfolger ihrer Familie auf ihre Spur…

Meine Meinung
Die Autorin greift für mich immer wieder interessante Themen und Epochen auf und auch dieser Roman fand gleich den Weg zu mir. So hat sie auch einige ergreifende Einblicke in die immer wieder  sinnlose Welt der Glaubensverfolgung gezeigt und am Schicksal Einzelner uns Leser daran teilhaben lassen. Interessant für ein noch besseres Verständnis fand ich in dem Zusammenhang auch den Anhang mit historischen Erklärungen.

Wie gewohnt hat mich die Autorin hier wieder mit ihrem Schreibstil überzeugt. Die detailreichen Beschreibungen der Umgebung ließ mich die Atmosphäre spüren, ich konnte sehr gut eintauchen ins Geschehen.

Die Personen dagegen ließen mich z. T. etwas unzufrieden zurück. Sehr gut einfühlen konnte ich mich in den „Feind“ Adrien, auch wenn er mir anfangs überhaupt nicht sympathisch war. Er hat für mich am Ende auch die größte und vor allem nachvollziehbarste Entwicklung durchgemacht.  Luc, Catherines langjähriger Begleiter, war mir von Anfang an sympathisch, was aber allein von seiner Art her kein Kunststück war. Ich hätte ihn nicht so links liegen lassen wie Catherine.  :zwinker: Julie, Catherines Schwester, war für mich auch eine starke Figur, denn sie war konsequent und hat ihren Weg gefunden. Hier bedaure ich sehr, dass sie insgesamt doch recht wenig Spielraum bekommen hat.

Die Hauptfigur, Catherine, hat mich dagegen nicht überzeugt. Anfangs konnte ich noch sehr gut mit ihr mitfühlen, denn sie zeigte Charakter. Ihr zielstrebiger Überlebenswille, der zwar oft egoistisch wirkte, zeigte mir eine Figur mit Potential. Doch leider schrumpfte diese Figur im Laufe des Geschehens für mich doch sehr zusammen und wurde mir in ihrem sprunghaften, zögerlichen Verhalten immer unverständlicher. Auch wenn ich verstehen kann, dass die ganzen schrecklichen Umstände ihrer Flucht nicht leicht zu verkraften sind, wurde mir ihr späteres Verhalten immer weniger nachvollziehbar, besonders nachdem schon viele Jahre vergangen sind. Sie wirkte auf mich, als würde sie immer weiter rückwärts gehen. Ihre innere Weigerung und Unfähigkeit, sich nach so vielen gemeinsamen Jahren mit Luc über ihre Gefühle zu ihm klar zu werden, ist nur ein Beispiel davon.

Eine weitere Person, die mir unverständlich blieb, war ihr persönlicher Verfolger Barnabas. Jahrelang getränkt vom Hass auf sie, erschien mir sein Verhalten im späteren Verlauf unrealistisch und ließ damit für mich die Grundlage der langjährigen  Verfolgung einfach zerbröckeln.

Ich habe das Buch trotzdem gerne gelesen, denn ich mag die Art wie Kirsten Schützhofer schreibt. Aber es hat mich leider im Verlauf der Geschichte von der Figurenseite her z. T. doch enttäuscht und ist damit für mich der bisher schwächste Roman von ihr.

 2ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

Gespeichert
LIEBE GRÜßE
HEIMFINDERIN

tina

  • Hardcover-Fetischist und LukeDanesDADAistin
  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 3283
Re: Kirsten Schützhofer - Die Konfektmacherin
« Antwort #5 am: 05. Februar 2011, 14:28:54 »

Kirsten Schützhofer – Die Konfektmacherin



OA: 2010
608 Seiten
ISBN: 978-3453354401

Kurzbeschreibung:

Frankreich 1685: Fast täglich besucht Cathérine den alten Nougatmacher Pierre, um ihrem Traum von einem eigenen Süßigkeitenstand auf dem Markt näher zu kommen. Als Cathérines Familie wegen ihres protestantischen Glaubens verhaftet wird, sie selbst aber fliehen kann, wird ihr Rezeptbuch ihr wertvollster Besitz. Als Konfektmacherin macht sie sich einen Namen. Doch der Ruhm ihres Nougats bringt auch die Verfolger ihrer Familie auf ihre Spur…

Eigene Meinung:

Der Roman ist von Anfang an ereignisreich und bleibt spannend bis zum Schluss. Hier ist ein gute Mischung aus Liebe, Geheimnissen und Abenteuer entstanden, untermalt mit dem geschichtlichen Hintergrund Frankreichs des 17ten Jahrhunderts.
Die Beschreibungen der Protagonisten und deren Umgebung sind detailreich und sehr bildhaft. Der Roman fließt wie ein Film an einem vorbei und wenn man die letzte Seite erreicht, ist man erstaunt, dieses 600-Seiten-Buch so schnell gelesen zu haben.
Ich empfand keinen Moment der Langeweile und das spricht für sich und vor allem die Autorin.
Ich bin schon sehr gespannt auf das nächste Werk, denn ich musste feststellen, dass mir jedes Buch welches Kirsten Schützhofer schrieb, besser gefallen hatte, als das vorherige.

 4ratten

Liebe Grüße Tina
Gespeichert
Ein Optimist ist ein Mensch, der weiß, wie kompliziert die Welt sein kann - ein Pessimist entdeckt das jeden Morgen aufs neue
Sir Peter Ustinov

 :buecherstapel: Mein SUB

:leser:
Erenst Cline - Ready Player One
Doris Lessing - Und wieder die Liebe