
Titel: Die Konfektmacherin
Autor: Kirsten Schützhofer
Allgemein: 608 S.; Diana Verlag; 2010
Inhalt: Frankreich im späten 17. Jahrhundert:
Catherine hat eine Schwäche für das Herstellen von Süßigkeiten. Vor allem der weiße Nougat des alten Pierrre, der seine Ware sogar auf dem Markt verkauft hat es ihr angetan. Stunden verbringt sie bei ihm in der Küche um die Herstellung zu erlernen. Doch dann muss sie mit ansehen wie ihre große Schwester und deren Mann verhaftet werden, denn die Familie ist reformierten* Glaubens und daher in Frankreich nicht geduldet. Sie selbst kann gemeinsam mit der kleineren Schwester fliehen. Doch wohin sollen sie gehen? Als sie auch noch von Mathieu, Catherines Verlobtem getrennt werden scheint alles verloren. Doch da hilft ihnen Luc, ein Mann der reformierten Familien gegen Bezahlung zur Flucht verhilft. Und da wäre ja auch noch das Rezeptbuch der Mutter das Catherine in ihrer Rocktasche hat. In Orleans hofft sie ein neues Leben beginnen zu können und die Schwestern erhalten sogar eine Stellung in einem großen Haus. Als Konfektmacherin macht sie sich hier schon bald auf den Namen, doch dieser Ruhm hat seinen Preis, denn auch ihre Verfolger haben nicht aufgeben und so muss sie immer wieder um ihre Sicherheit fürchten...
Meine Meinung: Kirsten Schützhofer ist einer der Autorinnen deren Romane ich mir im Grunde blind kaufe weil sie mir alle – manchmal mehr, manchmal weniger- immer gefallen haben.
Das Thema der Hugenottenverfolgung fand ich zu dem recht spannend, den Rahmen kenne ich zwar aus dem Studium aber einzelne Schicksale ein wenig kennen zu lernen bedeutet ja schon noch mal etwas anderes. Schnell merkt man, dass auch in „Die Konfektmacherin“ wieder eine gute Portion Recherchearbeit eingeflossen ist, was ich gerade bei historischen Romanen enorm wichtig finde. Zu dem liefert auch der Anhang und das Nachwort der Autorin ein paar Hintergrundinformationen die das gelesene in den Kontext rücken.
Der Roman ist sehr lebendig erzählt, so dass man sich die beschriebenen Orte sehr genau vorstellen kann. Man hat mehr als einmal das Gefühl mitten im Gedränge des Marktes oder zwischen den Töpfen und Pfannen einer Küche zu stehen und sogar die Gerüche wahr zu nehmen.
Jetzt komm jedoch das Große Aber…
Wenn ich "Die Konfektmacherin" mit den anderen Romanen der Autorin vergleiche, muss ich sagen dass mir letzterer bisher am wenigsten gefällt. So gefällt mir z.B. Die Kalligraphin sehr viel besser obwohl ich sie damals während dem Lesen auch eher als gut aber nicht sehr gut empfunden habe. Ich fand die Entwicklungen in der Kalligraphin vielschichtiger und zum Teil auch eindringlicher. Catherine muss zwar einiges ertragen aber irgendwie... ich weiß nicht, es läuft einiges so glatt. Selbst als sie eigentlich in großer Gefahr ist nehm ich ihr die Angst nicht so recht ab. Es findet sich zu schnell eine Lösung. Ich glaub fast mir ist „Die Konfektmacherin“ zu positiv geraten. Ich finde Kirstens Bücher gerade deshalb meist so toll weil es nicht immer alles auf ein gutes Ende zusteuert, hier löst sich für mich einfach zu vieles in Wohlgefallen auf, das ist mir zu viel des Guten. Der letzte Funke sprang einfach nicht über, obwohl ich keinen Grund hatte den Roman abzubrechen.
Die Figuren selbst … eigentlich konnte ich persönlich nur mit Adrien (einem der "Bösewichte" im Roman) wirklich etwas anfangen. Er ist für mich die Figur mit den meisten Facetten, auch wenn er nicht der Sympathieträger in der Handlung ist.
Catherine war für mich zwar Stellenweise durchaus sympathisch aber sie hat einige Züge an sich mit denen ich einfach nicht sehr viel anfangen konnte. Ich mochte sie schon, aber so richtig berührt hat sie mich insgesamt betrachtet nicht. Auf einigen Seiten hätte ich sie gerne schütteln mögen… Ihre Schwester Julie kommt mir definitiv zu kurz und gerade über die hätte ich viel mehr lesen wollen. Einige Entwicklungen was das Beziehungsgeflecht der beiden Schwestern angeht fand ich da nicht so gelungen und irgendwie bleibt bei mir der Eindruck zurück das hier Potential verschwendet wurde.
Luc ist und bleibt für mich die Figur mit der ich so gar nicht konnte. Ich mochte ihn einfach nicht, obwohl eigentlich eine sehr positive Figur ist. Ich glaube er war mir letztendlich irgendwie zu glatt oder seine Entwicklung war mir zu langweilig.
Und nochmal ein aber^^
Ich habe ja doch einiges gefunden das mich gestört hat. Zu Ende gelesen habe ich trotzdem – was sicherlich auch zeigt das ich den Roman nicht als Schrott abtun würde. Gerade der Erzählstil an sich hat mir wie immer gefallen und an einigen Stellen wurde ich ja schon sehr in die Handlung gezogen und hatte sehr viele Bilder dazu im Kopf.
von mir gibt es:

PS: Ich weiß das einige die Kalligraphin in der Leserunde damals als zu negativ angesehen haben, vielleicht lest ihr ja mal Die Konfektmacherin, mich würde interessieren in wie weit sie euch besser gefallen hat und ob das auch daran lag das die Handlung positiver war^^
*Hugenotten aus heutiger Sicht