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Autor Thema: Haji Abdul Hakim bin Haji Mohd Yassin (Hrsg.) - Brunei Folk Literature  (Gelesen 161 mal)

Saltanah

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ISBN: 99917-0-242-3

In diesem "Volume IA" der "Anthology of Asean Literature" hat der Herausgeber verschiedene traditionelle bruneische Erzählungen gesammelt, die bisher mündlich überliefert wurden. Ziel war die Erhaltung vom Vergessen bedrohter Geschichten.

Vorgestellt werden 5 verschiedene "Erzählgattungen", die jeweils mit einem viel zu kurzen Einführungstext versehen sind. Zwei Ausschnitte sehr langer Erzählungen bilden dabei den Anfang.

"Labai" ist eine nicht-poetische Erzählform der Kedayan, die als Gesang ohne Instrumentalbegleitung  hauptsächlich von alten Frauen vorgetragen wird.
Das Beispiel "Anak Raja Besar and Anak Dato Temenggung" berichtet von einer großen Hochzeit, einer Art Fußballspiel mit einem Korb als Ball und einem Kaufmann, der hin- und herreist, ohne dass ich auch nur in Grundzügen verstanden hätte, worauf die Geschichte hinaus will. Das dürfte an meinen mangelnden Vorkenntnissen liegen, denen aber durch keinerlei Erläuterungen abgeholfen wird. Nur mit ihren äußerst fremd klingenden (und entsprechend schwer zu behaltenden) Namen eingeführte Personen ohne Versuch einer weiteren Charakterisierung, eine nicht zu Potte kommende Erzählweise, und ein - um es nett auszudrücken - eigenwilliges Englisch machten die knapp 20-seitige Lektüre zu einer Qual.

Besser erging es mir dann mit der "Diangdangan"-Geschichte "Bujan Singandam". Diangdangan werden zu Musikbegleitung gesungen und stellen eine der beliebtesten Erzählgattungen dar.
Herrscher Bujan Singandam bekommt von seiner Frau, der natürlich wunderschönen Prinzessin Golden Chain den Auftrag, bestimmte schwer zu beschaffende Lebensmittel zu besorgen, nach der es der Schwangeren gelüstet. Bujan Singandam macht sich also auf den Weg.
Viel passiert auch in diesem Beginn einer langen Geschichte, von der wir nur den Anfang erfahren, eigentlich nicht. Mit vielen Wiederholungen werden die Seiten gefüllt, die aber, da es eine nachvollziehbare Handlung gibt, nicht annähernd so langweilig sind wie die erste Geschichte. Ja, ich war tatsächlich etwas sauer, als die Erzählung plötzlich abbrach. Ich wollte doch wissen, welche Abenteuer Bujan Sungandam erlebt.
Interessant war aber vor allem, dass die Geschichte zweimal abgedruckt ist. Einmal in fortlaufendem Text und dann in Versen. Dabei machte ich die Erfahrung, wie wichtig bei identischem Text die Darstellungsform ist. In der Verswiedergabe bekam der Text einen Rhythmus, durch den die Wiederholungen weniger störend, ja geradezu erwünscht waren und die gesamte Geschichte wirkte viel lebendiger.

Die "Hikayat"-Geschichte "Awang Si Ambok" ist im Gegensatz zu den beiden vorigen vollständig im Buch enthalten und erstreckt sich über circa 80 Seiten.
Awang Si Ambok ist der siebte und jüngste Sohn des Königs Alam Ketika und wurde wegen einer Verfehlung seines Vaters in Affenform geboren. Das gefällt seinem Vater natürlich nicht und auch seine Brüder verabscheuen ihn und versuchen, ihn zu beseitigen. Nur der sechste Bruder steht auf seiner Seite und unterstützt ihn bei seinen Abenteuern, bei denen er zunächst einen Djinn tötet und dann sieben von Meeresungeheuern gefangene Prinzessinnen befreit. Seine älteren Brüder versuchen, letztere Großtat für sich zu reklamieren, werden aber schließlich als Lügner entlarvt, woraufhin Awang Si Ambok Menschenform annimmt und selbstverständlich die Prinzessinnen heiratet.
Auch hier fallen viele Wiederholungen auf, die meist in Versform den Prosatext unterbrechen. Sie stören aber nicht, sondern passen gut zu dem märchenhaften Stoff, so wie auch in europäischen Märchen oft bestimmte Passagen - wenn auch in geringerem Ausmaß - wiederholt werden. Überhaupt ist hier trotz des exotischen Settings vieles auch westlichen Lesern vertraut. Die 7 Brüder zum Beispiel, von denen sich der jüngste als Held erweist, die übernatürlichen Wesen, gegen die der Held natürlich erfolgreich kämpft, und andere vertraute Märchenelemente machen die fremden Anteile doch leicht zugänglich.

Es schließen sich laut Einführungstext 32 - laut Inhaltsverzeichnis 29 :rollen: - "Cerita" an. Dies sind kurze, märchenhafte Geschichten, die zum Beispiel bestimmte Naturphänomene erklären, ethische Verhaltensregeln geben, oder der bloßen Belustigung der Zuhörer dienen können, so wie wir es von unseren eigenen Märchen auch kennen. Dabei können die Protagonisten Tiere, übernatürliche Wesen oder Menschen verschiedener gesellschaftlicher Stellung sein, die Märchen können ein Happy End haben oder auch tragisch enden, sie können 2 oder auch 10 Seiten lang sein, aber immer sind sie unterhaltsam zu lesen.
Für mich machte dieser Abschnitt den besten Teil des gesamten Buches aus. Ich würde gerne weitere bruneische (oder allgemein malaiische) Märchen lesen, aber bitte besser Korrektur gelesen! In einem dreiseitigen Märchen eskalierten die Anzahl der sowieso durchgängig reichhaltigen Druckfehler. Ganze 31 Druckfehler zählte ich auf wie gesagt 3 Seiten - ohne die ebenfalls vorhandenen grammatischen oder Zeichensetzungsfehler zu berücksichtigen.

Der letzte, zum Glück kurze Abschnitt versammelte "Pantun", kurze vierzeilige Gedichte, die alle möglichen Aspekte des bruneischen Lebens kommentieren. Da Gedichte bekanntermaßen ein rotes Tuch für mich sind, habe ich diese Seiten nur überflogen.



Ich deutete es in der Darstellung des Inhalts schon an - eigentlich habe ich das Buch mit Ausnahme der ersten und letzten Seiten recht gern und mit Gewinn gelesen. Vergällt hat mir das Buch aber die miserable Arbeit, die der Herausgeber abgesehen von der Zusammenstellung der Geschichten geleistet hat. Auch wenn ich bedenke, dass er nicht Englisch als Muttersprache hat, ist es nicht akzeptabel, ein Buch mit dermaßen schlechtem Englisch und so druckfehlerverseucht zu produzieren.
Aber selbst wenn ich darüber hinwegsehe, hat er schlechte Arbeit geleistet. Wo ist das Glossar? Wo ist eine aussagekräftige Einleitung, die ja gerade fremde, da englischsprachige Leser benötigen? Wo sind erklärende Fußnoten? Alles das glänzt mit Abwesenheit; zwar gibt es ein paar Fußnoten zur längsten Geschichte, aber solche die auf "Please refer notes on page...." enden (zur Verdeutlichung: Die .... stehen tatsächlich so da!), sind überflüssig.

Gerade noch 2ratten

@Aldawen:
Lies lieber die Memoiren des bruneischen Prinzen Bolkiah als diese ärgerliche Sammlung. :sauer:
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Aldawen

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Re: Haji Abdul Hakim bin Haji Mohd Yassin (Hrsg.) - Brunei Folk Literature
« Antwort #1 am: 08. Oktober 2010, 19:39:08 »

Oh nein, ich werde ganz bestimmt keine Memoiren eines bruneiischen Prinzen lesen, weil mich so etwas nicht interessiert, während ich hier meiner Leidenschaft für vergleichende Märchenstudien frönen kann. Davon hält mich auch schlecht lektoriertes Englisch nicht ab  :breitgrins:
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika