
InhaltJakob Rosenblum flieht zusammen mit seiner Frau Sarah und ihrer gemeinsamen Tochter Elizabeth nach England, gerade noch rechtzeitig, bevor das Naziregime die Grenzen schließt. Als Jakob englischen Boden betritt, nimmt er sich vor, ein durch und durch perfekter Engländer zu werden. Dazu erstellt er sich eine To-Do-Liste, die er von nun an unermüdlich abarbeitet. Jahrzehnte später fehlt ihm nur noch ein Punkt: Mitglied in einem Golfclub sein. Als Jude und Exil-Deutscher wird er überall abgelehnt. Doch Jack Rosenblum lässt sich von solchen Kleinigkeiten nicht aufhalten. Er beschließt kurzerhand, einen eigenen Golfclub zu gründen.
Erster SatzAm Abend und in der Nacht ist es bewölkt und trüb, mit gelegentlichen Schauern.Meine Meinung"Eine anrührende und überraschende Lektüre, die glückliche Leser hinterlässt" ... so steht es im Klappentext.
Anrührend ist die Geschichte auf jeden Fall. Jack und Sarah fliehen nach England, während Sarahs Familie in Deutschland zurückbleiben muss. Man kann sich vorstellen, was zu Zeiten des Naziregimes mit den zurückgebliebenen Juden passiert. Von nun an trennen sich die Wege von Jack und Sarah, zumindest geistig. Während Jack sich auf Biegen und Brechen den Engländern anpassen will, lebt Sarah ausschließlich in der Vergangenheit und träumt von ihren Kindertagen. Beide Personen verfallen in ein Extrem, welches ihrer Beziehung und ihrem Leben nicht gut tut. Dieser Teil der Handlung bringt ein gewisses Maß an Traurigkeit mit sich, weswegen ich der Aussage, dass das Buch besonders witzig sei, widersprechen würde.
Ich muss gestehen, dass ich manchmal von Sarahs Verhaltensweise genervt war. Sie trauert ununterbrochen um ihre zerstörte Vergangenheit und lebt nie im Jetzt und Hier. Verständnis für solche Leute aufzubringen, fällt mir immer etwas schwer, obwohl ich Sarah ein bisschen verstehen kann. Mit einem Mann wie Jack hat man es wahrscheinlich nicht leicht.
Er lebt nur für seine Liste, die ihn zu einem perfekten Engländer machen soll. Darüber versucht er verzweifelt, seine Herkunft, seine Religion und seine Individualität zu vergessen. Würde ihm das gelingen, wäre das Buch für die Tonne, so aber ist es ein richtig charmantes Werk geworden. Man erlebt mit, wie Jack vom Außenseiter zu einer integrierten Person wird, ohne dass er sein Wesen ablegen müsste. Er und Sarah finden ihr Glück in Dorset und dieser Weg ist so schön beschrieben, dass ich am Schluss fast weinen musste. Ja, das Buch macht glücklich!
Allerdings mit einer Einschränkung: Man muss offen sein für kitschige Wendungen in der Handlung, Essen und natürlich Englands Schönheit. Das Dorf, in dem sich der Hauptteil der Handlung abspielt, und seine Einwohner werden so wunderbar beschrieben, dass ich am liebsten sofort ins Auto gestiegen und dorthin gefahren wäre. Es tauchen allerlei skurrile Gestalten auf, wie z.B. der Dorfsäufer Curtis, der aber ein gutes Herz hat, oder das Wollschwein, welches mysteriöserweise erst auftaucht, wenn man schon fünf Pints Cider intus hat.
Noch eins: Man sollte sich nicht von dem langweiligen Wort "Golfclub" abschrecken lassen. Zwar dreht sich Jacks Leben fast ausschließlich um diesen Club, aber es wird weder mit unverständlichen Fachwörtern um sich geschmissen noch werden seitenlange Golftuniere wiedergegeben. Es bewegt sich alles im angenehmen Bereich.
Was mir noch besonders gut an dem Buch gefallen hat, ist zum einen die Aufmachung (wunderschönes Cover und süße, altmodische "Innenausstattung") und Solomons Schreibstil. Sie beschreibt sehr detailliert die Natur, aber mir wurde dabei nie langweilig (was echt was heißen mag). Vielmehr schwelgte ich in der Blumenpracht und im Gezwitscher der Vögel.
Wer England liebt, für den ist das Buch fast schon ein Muss. Wer England nicht liebt, wird es spätestens nach dieser Lektüre tun.