Hallo zusammen,
ich lese die folgende Ausgabe von Bastei Lübbe mit 752 Seiten:


Unterteilt ist der Roman in 2 Bände mit insgesamt 15 Büchern. Da das bei allen Ausgaben gleich sein sollte, orientier ich mich mal hieran.
Ich habe gestern Abend die ersten beiden Bücher "Das Binsenboot" und "Das Haus des Lebens" gelesen.
Das Binsenboot:Den Einstieg fand ich etwas mühselig zu lesen, da mir die Sprache zu gestelzt war. Auch die Wiederholungen, dass alle anderen nur für die Götter oder Menschen schreiben, Sinuhe aber der einzige ist, der für sich selbst schreibt, haben nicht gerade dazu beigetragen, dass ich mich in dem Roman wohlgefühlt habe. Sinuhe kam mir da ziemlich überheblich und arrogant vor, als hält er sich für etwas Besseres als alle anderen.

Der Eindruck hat sich zum Glück gelegt, als die eigentliche Lebensgeschichte Sinuhes begann. Die Geschichte über seine Aussetzung hat mich etwas an den biblischen Moses erinnert, aber so wie es im Roman geschildert wird, scheint es damals ja eine gängige Praxis gewesen zu sein, seine Kinder auf dem Fluss auszusetzen.

Als Sinuhe gefragt wird, was er denn werden möchte, und er "Krieger" antwortet, kann ich den Schrecken seiner Eltern gut nachvollziehen, besonders angesichts dessen, was der große Held Inteb erzählt. Zur allgemeinen Erleichterung entscheidet sich Sinuhe dann doch für den Beruf des Arztes und tritt so in die Fußstapfen seines Vaters.
Das Haus des Lebens:Welche Korruption im Tempel Ammons herrscht, hat mich nicht sonderlich überrascht. Schon immer waren die Menschen auf ihre eigenen Vorteile bedacht und wenn sie Macht besaßen, wie die Priester, dann konnten sie dem noch leichter nachgehen. Dass Sinuhe mit seiner Naivität dort Schwierigkeiten bekommt, war vorherzusehen. Nicht erwartet hätte ich allerdings, wie stur die Ärzte sich an überlieferte Anweisungen halten und bloß keinen Schritt davon abweichen. Ich dachte eigentlich, dass die Heilkunst im alten Ägypten höher entwickelt war.

Dass Sinuhe es wagt, nach dem "Warum?" zu fragen, macht ihn mir sympathisch. Er will wirklich wissen, was er tut und welche Konsequenzen es hat, anstatt das Leben seiner Patienten irgendwelchen alten Papyrus anzuvertrauen. Leider stößt er damit aber nicht auf viel Gegenliebe. Erst als er sich den Lebensstil der anderen Priester angewöhnt und auch nachts durch Tavernen und Freudenhäuser zieht, wird er akzeptiert - also auch damals wurde jeder Abweichler, egal in welche Richtung und aus welchen Gründen, als Gefahr angesehen.

Die Entfremdung von seinen Eltern kam mir allerdings etwas plötzlich. Klar, sie sind nicht seine leiblichen Eltern, doch er ist bei ihnen aufgewachsen und gerade von seinem Vater hat er doch viel gelernt und wäre wahrscheinlich ohne ihn nicht in seiner gegenwärtigen Position. Das stößt mir sauer auf. Ich hoffe mal, dass seine Eltern damit nicht völlig von der Bildfläche verschwunden sind, sondern später nochmal auftauchen.
Jetzt aber hat Sinuhe anderes im Kopf - er ist Gehilfe des königlichen Schädelbohrers!

Tja, Vitamin B zahlt sich halt immer aus. Nur für den Pharao dürfte sich nichts Gutes ergeben. Aber dann heißt es halt "Der Pharao ist tot. Lang lebe der Pharao!"

LG Myriel