
Inhalt: Andreu und seine Kollegen hätten es schlechter treffen können. Die Monteria, auf der sie landen, gehört zu den etwas weniger ausbeuterisch geführten, und auch der Contratista, der sie in seinen Trupp übernimmt, hat noch nicht jede Menschlichkeit verloren. Auf Grund seiner Erfahrung als Carretero mit den Ochsenkarren wird Andreu natürlich als Boyero bei den Ochsengespannen eingesetzt, mit denen die gefällten und zugerichteten Mahagonistämme, die Trozas, zum Abschwemmpunkt und anschließendem Weiterflößen abgefahren werden. Da die Ochsen in der Hitze des späten Tages geschont werden müssen, beginnt die Arbeit mitten in der Nacht. Und wenn die Ochsen müde von ihrem Tagwerk sind, dürfen sich die Arbeiter noch lange nicht ausruhen, weil sie dann Gassen freihacken oder Befestigungen bauen müssen, um morastige Strecken mit den schweren Stämmen zu überwinden. Dabei besteht immer die Gefahr von Unfällen, z. B. unter ein ziehendes Ochsengespann zu geraten und so in den Morast gestampft zu werden, daß man nicht mehr wiedergefunden wird. Oder man wird von einer Giftschlange gebissen und ist wenige Stunden später tot.
Vieles ändert sich für die indianischen Arbeiter, als die Company die Monteria an drei Spanier, angeblich Brüder, verkauft, die nur ein Interesse haben: mit der Caoba-Konzession möglichst schnell möglichst reich zu werden. So werden neue Tagesziele definiert, die Aufseher bekommen eine Prämie versprochen, wenn das Tagessoll um bestimmte Mengen überschritten wird – für ohne sadistisch veranlagte Leute, die die Arbeiter nicht als Menschen sondern als ersetzbares Arbeitsmittel ansehen, quasi ein Freibrief für Mißhandlungen. Die Strafen für alles mögliche, wie auch das Verfehlen des Tagessolls, sind drastisch, dazu gehört neben Prügeln und Peitschenhieben auch ein mehrstündiges Henken. Aber ein geheimnisvoller Sänger spottet zur Freude der Arbeiter aus dem Dschungel über die Aufseher ...
Meine Meinung: Auch dieser Band schließt wieder nahtlos an den Vorgänger an und hat mir ähnlich gut gefallen. Nicht nur bekommt man einen guten Eindruck von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei der Holzgewinnung, ich ahne jetzt auf Grund des Strafsystems und der „Beliebtheit“ der neuen Besitzer und ihrer Handlanger auch schon, warum der nächste Band
Die Rebellion der Gehenkten heißt. Und ich freue mich jetzt schon darauf, daß es diesen Schweinen und A...löchern dann ans Leder gehen wird. Verdient haben sie es allemale.
Das ganze ist von Traven wohl als Erzählung über die Gründe für die Mexikanischen Revolution und deren Ausbruch angelegt, die den langjährigen Diktator Porfirio Díaz beseitigte. Man muß allerdings über diesen Teil der mexikanischen Geschichte nichts wissen (auch wenn es interessant sein kann), um diesen Romanzyklus zu lesen. Traven konzentriert sich vorwiegend auf die Beschreibung der Arbeitsbedingungen, Abhängigkeitsverhältnisse und deren Aufrechterhaltung bzw. Ausdehnung, es könnte in ähnlicher Form auch in anderen Ländern spielen. Vor allem unterscheidet es sich nur wenig von dem, was Autoren wie Asturias in seiner
Bananen-Trilogie oder Fallas in
Die grüne Hölle über die Bananenplantagen in Zentralamerika geschrieben haben. Gemeinsam ist all diesen Büchern, daß sie den Blick über den (regionalen) Tellerrand richten und neben den Verhältnissen vor Ort die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge betrachten, die erst zu solchen Formen der Ausbeutung führen. Da sich daran bis heute zwar vielleicht Details geändert haben (ob und wieviel verbessert bleibt im Einzelfall zu betrachten), haben all diese Romane leider nur wenig von ihrer Aktualität verloren – sie lesen sich nur interessanter als viele Zeitungsartikel oder Berichte von NGOs.

Schönen Gruß
Aldawen