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Autor Thema: Jonathan Safran Foer - Tiere essen  (Gelesen 363 mal)

helfo

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Jonathan Safran Foer - Tiere essen
« am: 24. September 2010, 14:23:26 »



Gebundene Ausgabe: 399 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Übersetzer: Brigitte Jakobeit, Isabel Bogdan, Ingo Herzke
Erschienen: August 2010

Klappentext:

Mit seinem ersten Roman "Everything is illuminated" landete Jonathan Safran Foer in den USA einen sensationellen Erfolg. Angeregt durch seine Vaterschaft, stellte sich der Gelegenheitsvegetarierer Safran Foer nun die ernsthafte Frage nach unserer gegenwärtigen Ernährung und ihren weitreichenden Konsequenzen. In "Eating animals" verarbeitet er seine Odysee von traditionellen Bauernhöfen über die industrielle Tierproduktion bis zum Schlachthof zu einem kritischen Sachbuch über unseren Fleischkonsum.


Wie fandest du denn "Tiere essen"? Ich hatte es auch schon in der Buchhandlung in der Hand, aber mein Freund war dabei und hat die Augen verdreht und sinngemäß gemeint, dass er gerne Fleisch isst und er nicht möchte, dass ich das Buch lese, damit er weiter gerne Fleisch essen kann.  :rollen:

Ich habe meine Entscheidung - kein Fleisch mehr - vor einem halben Jahr getroffen, also vor dem Lesen dieses Buches. Aber spätestens nach dem Lesen kann man eigentlich keine andere Entscheidung mehr treffen. Überhaupt kommt man zu der Entscheidung, wenn man sich mit dieser Materie beschäftigt. Ich habe diesen "Fehler" vor 6 Monaten gemacht und einige Dokus im Netz, insbesondere auf Seiten der PETA, gesehen. Meine Frau ist bereits seit 8 Jahren Vegetarierin. Insofern fiel mir der Schritt dann leicht, da es ohnehin nicht allzuviel Fleisch bei uns gab.

Ich fühle mich gut. Ich weiß, dass es nur ein kleiner Beitrag ist.

Viele Leute behaupten von sich für den Umweltschutz zu sein. In dem Buch gibt es eine Stelle, in der sinngemäß steht, dass kein Umweltschützer Fleisch essen könne, ohne dem Wort "Umweltschutz" seiner Bedeutung zu berauben.

Während des Lesens habe ich eine Menge gelernt, an vielen Stellen werden Zusammenhänge dargestellt, die mir vorher so nicht klar waren. Und es gibt massig Dinge, die in der Breite unbekannt sind. So heißt es, dass der Teller auf dem ein Thunfisch-Sushi serviert wird, eigentlich 1,50m Durchmesser haben müsste, um den ganzen Beifang aufzunehmen, der für dieses kleine Stück Thunfisch gestorben ist. Diese Bilder erleichtern das Verstehen mehr als große kaum fassbare Zahlen.

Es gibt aber auch Passagen, die ich nicht so gelungen finde, da der Text dann zu sehr von Abkürzungen von irgendwelchen Institutionen durchzogen ist, deren Namen man ohnehin nicht behält. Aber diese Stellen sind glücklicherweise rar.

Insgesamt halte ich das Buch für eine Pflichtlektüre für jeden, der Umweltschutz oder Tierschutz oder die Gesundheit, sei es die eigene oder insbesondere die der Kinder, ernst nimmt. Ich kann gut nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die dieses Buch meiden wollen. Sie wissen oder ahnen, dass sie danach unbefangen kein Fleisch mehr essen können. Auch ich habe jahrelang einen Bogen darum gemacht. Aber ich bin froh, dass ich den Schritt dann doch gemacht habe.

Edit: Abgetrennt vom anderen Thema und um Buchdaten ergänzt. LG nimue
« Letzte Änderung: 01. Oktober 2010, 06:16:16 von nimue »
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Pinky

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Re: Jonathan Safran Foer - Tiere essen
« Antwort #1 am: 26. Januar 2011, 20:12:05 »


Habe nun auch mit dem Buch endlich begonnen. - Obwohl, was heißt endlich. Eigentlich besitze ich es ja erst seit Ende letzten Jahres. Bislang hörte ich nur gutes über das Buch und auch deine Rezi helfo, lässt durchaus darauf schließen dass es sich bei " Tiere essen " um ein lesenswertes Buch handelt. Bislang kann ich leider noch nicht wirklich viel zu dem Buch sagen, da ich erst begonnen habe. Nur so viel dass der Schreibstil schon zu Beginn recht angenehm ist. Mit dem Fleischkonsum aufhören ist bei mir nicht mehr nötig, da ich seit beinah einem Jahr Vegetarierin bin. Doch damit ist für mich das Thema nicht einfach abgehakt. Das Thema Umweltschutz, Tierschutz, Vegetarismus, Veganismus usw. sind umfangreicher als ich früher gedacht habe, so dass ich noch längst nicht leit bin wissen darüber zu ergattern. Aufmerksam wurde ich auf das Buch wenn ich mich recht erinnere durch die Zeitschrift " Bücher ". Nun bin ich mal gespannt, ob es wirklich so gut ist wie man sagt und ob ich sogar dadurch noch ein wenig was neues lerne.
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Ein nicht zu Ende gelesenes Buch gleicht einem nicht zu Ende gegangenen Weg.
(Weisheit aus China)

Gruß Pinky

foenig

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Re: Jonathan Safran Foer - Tiere essen
« Antwort #2 am: 10. November 2011, 17:39:36 »

Ich bin mit sehr gemischten Gefühlen an das Buch herangegangen. Einerseits war ich aufgrund der Werbung, die für das Buch gemacht wurde, sehr neugierig geworden, aber andererseits habe ich mich gefragt, ob ich das alles wirklich so genau wissen möchte. Wie Foer auch schreibt, kann man Fleisch aus der Massentierhaltung eigentlich nur essen, wenn man das komplette Wissen darüber ganz ausblenden kann.
Foer hat sich wirklich ausführlich über das Thema "Tiere essen" informiert und für sein Buch über drei Jahre recherchiert. Mir gefällt, dass er nicht versucht hat ein objektives Sachbuch zu schreiben, sondern auch immer wieder Anekdoten aus seinem Leben erzählt und man seine persönliche Meinung erfährt. Viele Fakten, die er beschreibt, waren mir schon bekannt, trotzdem war ich immer wieder verblüfft wie hoch manche Zahlen und Mengen ausfielen. Bei den Beschreibungen im Schlachthaus ist mir richtig schlecht geworden. Ich vermute, dass genau das auch sein Ziel war. Außerdem lässt er durch Briefe viele verschiedene Leute mit unterschiedlichen Meinungen zum Thema zu Wort kommen. Es ist also kein einseitiges Plädoyer für ein vegetarisches Leben entstanden. Mir gefällt, dass er sich nicht streng für eine Seite entscheidet und nun wild gegen die andere wettert. Er erklärt, wie man vegetarisch leben kann und trotzdem Schachthöfe bauen kann. Dieser Widerspruch zeigt, dass man nicht alles in schwarz und weiß einteilen kann. Es ist kein Buch, das meine Weltsicht nun plötzlich völlig verändert hat, trotzdem hat es mich sehr dazu angeregt wieder bewusster mit meiner Nahrung umzugehen.

Unglaublich ungelungen finde ich die Anmerkungen, die am Ende des Buches geklatscht wurden. Zunächst gibt es Anmerkungen von Foer. Mal sind es einfach nur Literaturangaben, woher die entsprechenden Zahlen kommen. Manchmal sind es wirklich Anmerkungen. Leider befindet sich im Text selbst aber kein Hinweis zu Anmerkungen, so dass man nach jeder Seite mal hinten im Buch schauen müsste, ob es hierzu noch mehr zu lesen gibt. Das System ist also sehr unübersichtlich und ich habe das Buch einfach ohne Anmerkungen gelesen.
Nach den Anmerkungen von Foer gibt es eine Übersicht zur Sachlage in Deutschland. Hier geht es auch gleich mal mit demselben System weiter. Also, es bleibt völlig unübersichtlich und durcheinander. Den Teil habe ich mal durchgeblättert und mir dann gespart.

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Wendy

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Re: Jonathan Safran Foer - Eating Animals
« Antwort #3 am: 20. Januar 2012, 10:28:34 »

Huhu ihr Lieben!

Zu allererst muss ich sagen, ich frage mich, was dieses Buch unter "sonstige Belletristik" zu suchen hat. :confused: Es ist absolut keine Belletristik, sondern ein Sachbuch mit leichten autobiographischen Einflüssen. Vielleicht kann das ein lieber Mod verschieben? :engel:



Meine Meinung:
Ich bin ein Fleischfresser. Ich esse gerne Fleisch und werde auch nach der Lektüre dieses Buches Fleisch essen. Allerdings nicht auf dieselbe Art und Weise wie davor.
Jonathan Safran Foer führt seine Leser ganz sachte in das Thema ein. Mit seiner persönlichen Geschichte, die ihn überhaupt dazu gebracht hat, ein Buch über den Konsum von Fleisch zu schreiben. Der Übergang von Vorgeschichte zu Fakten gelingt ihm dabei spielerisch und liest sich so spannend wie ein Roman.

Das Hauptaugenmerk liegt hier an den sogenannten "factory farms", aus denen 99% des in den USA gegessenen Fleisches stammt. Die entsetzlichen Zustände in solchen "Farmen", die grauenhaften Misshandlungen der Tiere und die Auswirkungen von factory farming auf die menschliche Gesundheit, die Wirtschaft und die Umwelt werden alle erwähnt. Foer schafft es sehr geschickt, die Zweifel seiner Leser vorweg zu nehmen  und somit gleich zu entkräften. Er schreibt so etwa gleich zu Anfang, dass wir Leser keine Angst zu haben brauchen, dass er hier einen Konvertierungsversuch zum Veganismus vorlegt. Er versucht wirklich, nicht reißerisch oder zu subjektiv zu schreiben - auch wenn seine eigenen Meinung natürlich oft erwähnt wird.
Hier findet man Interviews und Berichte von Menschen, die in solchen Massentierhaltungshöfen arbeiten und Bauern, denen der Titel noch zusteht. Darunter finden sich auch eine vegetarische Bäuerin und ein Veganer, der Schlachthäuser baut.
Es berichten Menschen, die für und solche die gegen Massentierhaltung sind - sie argumentieren jeweils für ihre Seite und geben dem Leser so die Möglichkeit, für sich selbst zu entscheiden. Auch wenn - und der Autor sagt das auch selbst - hier eigntlich keine richtige Entscheidung nötig ist. Die Fakten liegen klar auf der Hand und auch ohne dieses Buch wissen wir, dass kein Mensch mit einem Funken Tierliebe (oder Moral), Massentierhaltungen gut findet. Aber um halbwegs sachlich zu bleiben, lesen wir eben auch über die andere Seite und Beweggründe, die über Geld hinausgehen.

Die Struktur des Buches ist auffällig gut aufgebaut. Am Anfang geht Foer alphabetisch vor (alphabetisch auf englisch zumindest) und definiert erst mal, was ein Tier (Animal) ist. Er spricht über das schlechte Gewissen und Essen als kultureller Bestandteil des menschlichen Lebens. Hier habe ich mich besonders angesprochen gefühlt, da wirklich nicht nur in PETA-Manier auf dem moralischen Standpunkt herumgehämmert wird, sondern einfach gewisse Dinge erwähnt werden, die der Wahrheit entsprechen. Es macht einen großen Unterschied, ob man mit Freunden essen geht und einem der einzige Vegetarier eine Standpauke hält, weil man Steak ist. Andererseits fühlt man sich auch als Fleischfresserchen unter Vegetariern verloren - was die Menschen um einen herum essen, ist wichtig. Aber Konvertierungsversuche sind selten von Erfolg gekrönt.

In den weiteren Abschnitten des Buches geht Foer sehr genau auf das Leben eines Tieres ein, das in factory farms "lebt". Dabei spricht er einzeln über Hühner, Schweine, Fische und Rinder. Erstaunlicherweise haben mich diese Beschreibungen doch noch schockieren können - trotz der Videos, die man in der Schule und bei PETA-Aktionen zu sehen bekommt. Am schlimmsten fand ich hier die Tatsache, dass die Tiere nicht nur ständig mit Antibiotika vollgepumpt werden (das wusste ich schon), sondern dass sie genetisch so verändert sind, dass sie sich nicht natürlich fortpflanzen können und dass sie praktisch dafür vorbestimmt sind, poröse Knochen, Missbildungen und sonstige schlimme Dinge zu erleiden. Dass auch im "Leben" der Tiere noch weiter manipuliert wird, ist fast genauso schlimm.
Hühner werden wochenlang in totaler Dunkelheit gehalten, um danach wiederum wochenlang hellem Licht ausgesetzt zu werden - das Simuliert den Frühling und bringt die Legehühner dazu, wie wild Eier zu legen. Danach werden sie getötet, denn im zweiten "Frühling" legen die Hennen nicht mehr so viel. Es "lohnt sich" also mehr, neue Hühner anzuschaffen als die alten ein weiteres "Jahr" zu füttern. :entsetzt:

Die Praktiken beim Schlachten der Tiere erwähne ich hier nicht. Sie sind aber wie erwartet entsetzlich und die Statstiken machen das tatäschlich schlimmer. Man denkt immer: Diese ganz schlimmen Grausamkeiten werden rausgepickt um ein Argument zu untermalen. Aber Foer kommt hier wirklich mit Zahlen (hinten im Buch finden sich auch sämtlichen Quellenangaben) und diese nehmen einen den Boden unter den Füßen.

Diese Berichte beziehen sich auf Amerika, sicher. Aber sie haben mich animiert, mich genauer über die Situation in Europa und natürlich meinem Heimatland zu informieren. Herausgekommen ist für mich: Bei uns sieht es wesentlich besser aus als in den USA, aber auch in Europa gibt es viele factory farms. Ich habe in meiner Nähe eine Schlächterei gefunden, die eng mit Biobauern zusammenarbeitet und auf "meinem" Bauernmarkt sogar zwei Stände hat. Der Vorsatz, dort so viel wie möglich meiner Lebensmittel zu kaufen ist also gewachsen.
Zum Veganer oder Vegetarier hat Foer mich nicht gemacht, aber ich bin viel skeptischer geworden, was "Bio" und "freilaufend" betrifft. Das Buch hat mich zum Recherchieren animiert und seit ich mit der Lektüre begonnen habe, habe ich nicht mehr blind Fleisch gekauft. Und das ist doch schon ein Anfang.

Letzen Endes möchte ich erwähnen, dass das Buch ein bisschen wie eine Mogelpackung wird. Gut ein Viertel ist nämlich eine Auflistung von Quellen und die Danksagung. Das macht es nicht schlechter, es wird alles gesagt, was gesagt werden soll, aber ein bisschen erstaunt war ich doch, wie früh die Danksagung beginnt.

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Liebe Grüße,
Wendy

P.S.: Diese Aussage von helfo amüsiert mich übrigens köstlich.  :breitgrins: Jahrelang vor dem Buch geflohen, wo es doch erst 2010 erschienen ist (und einen Monat nach Erscheinungsdatum hier rezensiert wurde :lachen:)

Insgesamt halte ich das Buch für eine Pflichtlektüre für jeden, der Umweltschutz oder Tierschutz oder die Gesundheit, sei es die eigene oder insbesondere die der Kinder, ernst nimmt. Ich kann gut nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die dieses Buch meiden wollen. Sie wissen oder ahnen, dass sie danach unbefangen kein Fleisch mehr essen können. Auch ich habe jahrelang einen Bogen darum gemacht. Aber ich bin froh, dass ich den Schritt dann doch gemacht habe.
« Letzte Änderung: 20. Januar 2012, 11:51:13 von Wendy »
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MacOss

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Re: Jonathan Safran Foer - Tiere essen
« Antwort #4 am: 20. Januar 2012, 11:12:20 »

Ich nehme an, er meint damit seinen Schritt, kein Fleisch mehr zu essen.
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Auf zu neuen Ufern! :smile:

Wendy

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Re: Jonathan Safran Foer - Tiere essen
« Antwort #5 am: 20. Januar 2012, 11:23:56 »

Oh, das kann natürlich sein. Dann habe ich den Absatz falsch gelesen. Ich dachte, er bezieht sich auf das Buch, das so beworben wurde und dem er ausgewichen ist. Aber so, wie du es siehst, MacOss, ergibt es ja doch Sinn.  :redface:

Danke fürs Verschieben, Valentine. :knuddel:
« Letzte Änderung: 20. Januar 2012, 11:50:52 von Wendy »
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Kati

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Re: Jonathan Safran Foer - Tiere essen
« Antwort #6 am: 10. Februar 2012, 11:29:05 »

Das Buch erscheint Ende des Monats übrigens als Taschenbuch.  :winken:

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