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Autor Thema: Jean Pliya - Les Tresseurs de Corde  (Gelesen 250 mal)

Saltanah

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Jean Pliya - Les Tresseurs de Corde
« am: 25. September 2010, 08:10:09 »



Ich habe das Buch des Beniner Autors in schwedischer Übersetzung unter dem Titel "Repslagarna" ("Die Seilmacher") gelesen. Eine deutsche oder englische Übersetzung existiert, soweit ich feststellen konnte, nicht.

In dem fiktiven afrikanischen Staat Bokéli haben die "Viktoristen" erfolgreich Revolution gemacht. Ab nun wird alles besser werden, wenn nur die reine viktoristische Lehre befolgt wird. Davon ist zumindest der junge Agronom Trabi, der nun einen hohen Posten in der Parteispitze besitzt, überzeugt. Seine Überzeugung gerät allerdings ins Wanken, als er von einem Freund gewarnt wird, Trabi würde Verrat vorgeworfen und zu Hause warte schon die Geheimpolizei auf ihn.

Trabi ist sich zwar keiner Schuld bewusst, aber plötzlich dämmert ihm, dass vielleicht auch Unschuldige in die Fänge der Geheimpolizei geraten und in ihren Kellern gefoltert werden könnten. Da ist Flucht trotz aller Schuldlosigkeit doch die bessere Alternative, denkt er sich und düst schnell auf seiner Kawasaki gen Grenze ab.

Ein wenig zu schnell, muss er schmerzhaft erfahren, als er sich kurz vor der Grenze in der Nähe des Dorfes Prékéto Tché überschlägt, wobei die Kawasaki einen Totalschaden erleidet und er sich schmerzhaft den Fuß verstaucht. Die Bewohner des Dorfes begegnen dem Fremden zwar etwas misstrauisch, vor allem der Revolutionsrat diskutiert, ob man einen Unbekannten so einfach aufnehmen könnte, folgen aber doch der Tradition, die vorschreibt, man habe fremden Besuchern Gastrecht zu gewähren.

Dem Städter Trabi ist einiges im Dorf fremd. Teilweise ist er entsetzt über die Rückständigkeit der Dörfler, muss aber nach und nach erkennen, dass die Traditionen in einigen Aspekten der revolutionären Lehre durchaus standhalten können oder ihr gar überlegen sind. Er lebt sich immer mehr im Dorf ein, erringt Ansehen dadurch, dass ihm gelingt, einige Kranke mit ganz einfachen Mitteln zu heilen und verliebt sich selbstverständlich. Als er dann durch seine Karatekenntnisse dem Dorf bei den alljährlichen Kampfspielen mit dem Nachbardorf zum Sieg verhilft, hat er die Dorfbewohner fast alle auf seiner Seite, und sie beschützen ihn, als das Militär kommt und ihn festnehmen will.


Eigentlich hätte dieser Roman recht gut sein können. Die Darstellung der Missstände eines totalitären, leicht als marxistisch identifizierbaren Regimes, die Vor- aber auch Nachteile des traditionellen Lebens, die Notwendigkeit von Veränderungen um das Leben der Einzelnen zu verbessern, oder auf Personenebene der Kulturschock, den Trabi auf dem Land erleidet - das alles hätte mir gefallen, wenn es nur ein wenig nuancierter dargestellt worden wäre. Aber leider schreibt Pliya sehr plakativ. Alles geht viel zu glatt und die Darstellungen nehmen in ihrer Deutlichkeit manchmal fast groteske Dimensionen an. Das ist besonders schade, da der Roman eigentlich nicht schwarz-weiß malen will. Im Endeffekt lässt er aber seinen Lesern keinerlei eigene Denkarbeit übrig und so vergebe ich meine Ratten eigentlich mehr für das, was das Buch will, als das, was es im Endeffekt tut.

2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:
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