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Autor Thema: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen  (Gelesen 2086 mal)

Doris

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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #15 am: 27. September 2010, 22:48:50 »

Kurios, wie nahe die Zwillingspaare im III. Akt der Lösung schon kommen, ohne sich dessen bewusst zu sein, als die Dromio-Brüder auf den beiden Seiten der Haustüre von Adrianas Haus stehen. Überhaupt kommen die Verwechslungen nun so richtig in Gang.

Nicht verstanden habe ich in der 2. Szene den Vergleich des Küchenmädchens Lucie mit einer Landkarte, als Antipholus und Dromio sich unterhalten. Sollten hier landestypische Eigenschaften mit menschlichen gleichgesetzt werden?
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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #16 am: 29. September 2010, 14:29:21 »

Kurios, wie nahe die Zwillingspaare im III. Akt der Lösung schon kommen, ohne sich dessen bewusst zu sein, als die Dromio-Brüder auf den beiden Seiten der Haustüre von Adrianas Haus stehen. Überhaupt kommen die Verwechslungen nun so richtig in Gang.

Ja, einfach herrlich! Auch als Antipholus den vorbeilaufenden Dromio anspricht und der antwortet:

Do you know me, sir? am I Dromio? am I your man? am I myself?

Das konnte ich mir richtig bildlich vorstellen, wie der arme Kerl schon völlig verwirrt und verzagt umherhetzt und auf überhaupt nichts mehr vertraut ... da hätte ich schon fast Mitleid bekommen, wenn's nicht so lustig wär!  :clown:

Nicht verstanden habe ich in der 2. Szene den Vergleich des Küchenmädchens Lucie mit einer Landkarte, als Antipholus und Dromio sich unterhalten. Sollten hier landestypische Eigenschaften mit menschlichen gleichgesetzt werden?

Jein - in der Szene kommen viele Wortspiele vor. Zum Beispiel:

ANTIPHOLUS OF SYRACUSE
In what part of her body stands Ireland?

DROMIO OF SYRACUSE
Marry, in her buttocks: I found it out by the bogs.


Buttocks ist der Hintern, bog kann sowohl Sumpf, Moor als auch Klo heißen ... wie ist das bei dir übersetzt? Solche Witze funktionieren ja oft nur in der Originalsprache.
Ich fand die ganze Szene, eigentlich den ganzen Akt herrlich. Das muss auf der Bühne zum Brüllen sein! Ich verstehe gar nicht, warum "Wie es euch gefällt" so viel bekannter ist als dieses Stück.
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Doris

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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #17 am: 29. September 2010, 21:28:16 »

Buttocks ist der Hintern, bog kann sowohl Sumpf, Moor als auch Klo heißen ... wie ist das bei dir übersetzt? Solche Witze funktionieren ja oft nur in der Originalsprache.

Von Irland ist bei mir gar keine Rede. Lediglich diese Zeilen passen in der deutschen Übersetzung:

Antipholus: Auf welchem Teile ihres Körpers liegt Schottland?
Dromio: Das fand ich aus an seiner Unfruchtbarkeit: recht auf der Fläche der Hand.


 :rollen:  Im Vergleich zu deinen Auszügen ziemlich brav.

Ich fand die ganze Szene, eigentlich den ganzen Akt herrlich. Das muss auf der Bühne zum Brüllen sein! Ich verstehe gar nicht, warum "Wie es euch gefällt" so viel bekannter ist als dieses Stück.

Bezogen auf die Bühne ist es schwerer darzustellen, denn spätestens am Ende des Stückes braucht man zwei Zwillingspaare, um das Aufeinandertreffen der Geschwister darzustellen. Wobei: Man könnte auch zwei Schauspieler entsprechend gleich verkleiden. Mir gefällt dieses Stück auch viel besser als Wie es euch gefällt. Es ist dichter und lebhafter.

Von den einzelnen Charakteren gefällt mir Adriana mit am besten. Sie erscheint richtig urwüchsig und authentisch, hat so viel Selbstbewusstsein und hält ihre Männer an der kurzen Leine. Trotzdem trägt sie das Herz am rechten Fleck und weiß, was sie an ihrem Antipholus hat, wie sich im V. Akt erweist.

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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #18 am: 30. September 2010, 09:02:32 »

[Antipholus: Auf welchem Teile ihres Körpers liegt Schottland?
Dromio: Das fand ich aus an seiner Unfruchtbarkeit: recht auf der Fläche der Hand.


Das kommt bei mir nach Irland ...
Den 4. Akt konnte ich gestern Abend leider nur auf Deutsch lesen, aber jetzt bin ich mir umso sicherer, dass ich mir den auch nochmal auf Englisch vornehmen muss.

Allerdings habe ich ihn in der Schlegel/Tieck-Übersetzung gelesen (die verwendest du ja auch, oder?), und die gefällt mir zumindest besser als die von Wieland ... aber im Original fuhrwerken sie anscheinend beide herum.  :rollen:
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Doris

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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #19 am: 30. September 2010, 22:00:39 »

Ich habe eine Übersetzung von Wolf Graf Baudissin, der vermutlich alles ersatzlos gestrichen oder zumindest entschärft hat, das auch nur annähernd schlüpfrig war, denn das Stück klingt richtig brav. Abgesehen von ein paar Frechheiten, die sich Dromio v. E. gegenüber seinem Herrn erlaubt, ist alles harmlos.

Der IV. Akt hat es geschafft, mich ebenfalls völlig zu verwirren. Es wäre sinnvoll, ihn nochmals zu lesen, allerdings wieder auf Deutsch, denn auf Englisch wäre ich sicher total aufgeschmissen. Ich habe auch so schon Probleme, mich am nächsten Tag wieder in das Stück einzufinden und mich zu erinnern, welcher Dromio zu welchem Antipholus etwas gesagt hat.

Adriana hat mir hier gut gefallen, als sie trotz ihrer Schimpftiraden auf ihren Gatten dem Arzt alles Geld anbietet, damit sie Antipholus wieder zu Verstand bringt. Auch wenn sie sonst schnell eifersüchtig und misstrauisch wird, beweist sie, dass sie gut einschätzen kann, wann eine Situation wirklich aus dem Ruder zu geraten droht. Fraglich ist nur, was Antipholus blüht, wenn er wieder in ihre Hände gerät und sie ihre Oberherrschaft und Sicherheit zurückgewinnt. Ein wenig kommt mir Adriana vor wie eine Spinne, die auf ihr Opfer lauert.
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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #20 am: 02. Oktober 2010, 23:47:12 »

Der IV. Akt hat es geschafft, mich ebenfalls völlig zu verwirren. Es wäre sinnvoll, ihn nochmals zu lesen, allerdings wieder auf Deutsch, denn auf Englisch wäre ich sicher total aufgeschmissen.

Im 5. Akt liefert Antipholus (von Ephesus :zwinker: ) aber sowieso nochmal eine prägnante Zusammenfassung von den Geschehnissen im 4. Akt - war bestimmt auch für den einen oder anderen Zuschauer nicht ganz unnütz, selbst wenn man der Handlung auf der Bühne leichter folgen können sollte als beim Lesen. :clown:

Einen (zugegebenermaßen etwas an den Haaren herbeigezogenen) Knalleffekt liefert noch die Äbtissin, ansonsten gibt es keine großen Überraschungen mehr - im Grunde ist das Stück ja doch sehr einfach gestrickt und man weiß von Anfang an, wie es ausgehen wird. Aber so will es ja Aristoteles - keine verschiedenen Handlungsstränge, keine Zeitsprünge etc. Trotzdem habe ich mich köstlich amüsiert - feiner Slapstick, würde ich sagen! :)
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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #21 am: 03. Oktober 2010, 21:04:36 »

Knalleffekt? :gruebel:

Während sich alle bloß über das seltsame Verhalten des vermeintlich wahnsinnigen Antipholus wundern, ist die Äbtissin ist die Einzige, die seine Beweggründe hinterfragt und ihm Schutz gewährt. Wahrscheinlich ist das der Mutterinstinkt.

Das Zwillingsthema ist eine angenehme Abwechslung zu den häufigen emotionalen Inhalten. Wie im richtigen Leben sieht man, dass sich eineiige Zwillinge unterschiedlich entwickeln, wenn sie unterschiedliche soziale Wurzeln haben. Gerade bei den Dromios war das auffällig. Ob es zu Shakespeares Zeiten auch schon Wissenschaftler gab, die sich damit gezielt auseinandergesetzt haben?

Mir hat das Stück gut gefallen. Es würde mich reizen zu sehen, wie es auf der Bühne umgesetzt wird. Sicher ist es weniger verwirrend und leichter zu verstehen, wenn man visuelle Eindrücke bekommt.
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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #22 am: 03. Oktober 2010, 21:59:03 »

Knalleffekt? :gruebel:

Najaaa ... ich wollte es eh unter Anführungszeichen setzen, aber zumindest hatte ich nicht damit gerechnet.  :zwinker:

Wie im richtigen Leben sieht man, dass sich eineiige Zwillinge unterschiedlich entwickeln, wenn sie unterschiedliche soziale Wurzeln haben. Gerade bei den Dromios war das auffällig.

Ja, gerade die beiden Dromios waren wirklich sehr leicht auseinanderzuhalten, sobald sie den Mund aufmachten!  :breitgrins:

Ob es zu Shakespeares Zeiten auch schon Wissenschaftler gab, die sich damit gezielt auseinandergesetzt haben?

Hmm ... das würde mich ehrlich gesagt wundern - und noch mehr, wenn Shakespeare auf solche Quellen zurückgreifen konnte. Es sei denn, von den alten Griechen ist irgendwas in der Richtung überliefert!? Den Europäern des 16. Jahrhunderts traue ich es irgendwie nicht zu. :gruebel:
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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #23 am: 03. Oktober 2010, 22:05:24 »

Ob es zu Shakespeares Zeiten auch schon Wissenschaftler gab, die sich damit gezielt auseinandergesetzt haben?

Hmm ... das würde mich ehrlich gesagt wundern - und noch mehr, wenn Shakespeare auf solche Quellen zurückgreifen konnte. Es sei denn, von den alten Griechen ist irgendwas in der Richtung überliefert!? Den Europäern des 16. Jahrhunderts traue ich es irgendwie nicht zu. :gruebel:

Beantworten kann ich die Frage nicht, aber ich weiß, dass antike Medizin quasi gleichzusetzen ist mit elisabethanischer Medizin, da die Mehrzahl der medizinischen Lehrbücher noch auf Galens Ansichten (2. Jahrhundert n. Chr.) basierten.

Tut mir übrigens leid, dass ich mich hier so selten melde, aber ich hab grad sehr viel um die Ohren....  :rollen:
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Doris

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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #24 am: 04. Oktober 2010, 20:59:34 »

Tut mir übrigens leid, dass ich mich hier so selten melde, aber ich hab grad sehr viel um die Ohren....

Kein Thema, das habe ich schon im Laberthread mitbekommen. Es kommen auch wieder ruhigere Zeiten.  :knuddel:
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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #25 am: 07. Oktober 2010, 12:03:29 »

Ich habe es nun auch gelesen, leider gar keinen Kommentar abgegeben, sorry. Hatte meine erste Berufsschulwoche und vor lauter Aufregung keine Zeit und keinen Nerv dazu.

Das Stück hat mir aber ganz gut gefallen. Man konnte tatsächlich schmunzeln und es war auch wirklich leicht verständlich. Obwohl ich mir wieder überhaupt keine Infos vorher angesehen hab (ich wusste nichtmal um was es geht) hab ich alles super mitbekomm  :daumen:
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:lesen: "Purpurmond" von Heike Eva Schmidt

Bluebell

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Re: William Shakespeare - Die Komödie der Irrungen
« Antwort #26 am: 07. Oktober 2010, 23:06:39 »

Beantworten kann ich die Frage nicht, aber ich weiß, dass antike Medizin quasi gleichzusetzen ist mit elisabethanischer Medizin, da die Mehrzahl der medizinischen Lehrbücher noch auf Galens Ansichten (2. Jahrhundert n. Chr.) basierten.

... wobei ich nicht weiß, ob man das Thema unter "Medizin" einordnen kann!? Aus heutiger Sicht würde ich sagen nein, sondern unter Psychologie ... aber die gab's ja damals noch nicht, bestenfalls könnte ich mir eine in den Kinderschuhen steckende Psychiatrie vorstellen - welche dann jedoch durchaus wieder ein Teilgebiet der Medizin wäre ...  :spinnen:
Oh Gott, ich bin lieber still.

@Nicole: Hast du es auf Englisch oder auf Deutsch gelesen?
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