Ich habe ebenfalls den ersten Akt gelesen. Vorausschicken möchte ich, dass mir die "Komödie der Irrungen" bisher völlig unbekannt war, und ich somit keine Ahnung hatte, was mir bevorsteht. Aus dem Personenverzeichnis geht allerdings schon hervor, dass wir es mit Verwechslungen zu tun bekommen. Gleich zwei Zwillingspärchen, die aus unterschiedlichen Städten kommen - das kann nur zu Identitätsproblemen führen.
Mit dieser Erwartung schockierte mich dann der Beginn ziemlich: Gleich die erste Replik ist alles andere als komisch. Ein Mann wird sterben; zum Tode verurteilt nimmt er sein Schicksal allerdings überraschend gelassen hin.
Die Hintergrundgeschichte, die wir dann erfahren, strapazierte die Grenzen der Glaubwürdigkeit dann zwar etwas, aber ich denke, das schluckt man als Zuschauer einer guten Aufführung, genauso wie die Tatsache, dass der Syrakuser Antipholus nun überhaupt nicht auf den Gedanken kommt, den anderen Dromiozwilling vor sich zu haben, und das, obwohl er sich doch auf der Suche nach seinem Zwillingsbruder befindet. Eigentlich schon ein wenig dumm von ihm, aber wie gesagt, dürfte man bei einer gelungenen Inszenierung daran erst hinterher denken aber nicht während der Aufführung.
So amüsiere ich mich über die Missverständnisse, die Wortspielereien vor allem Dromios (dass in Ephesus mit "Mark" gehandelt wird, ist eine sprachliche Notwendigkeit, die zum Glück nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch und Schwedisch funktioniert), und denke mir nur, wie passend es ist, dass Antiphonus ausgerechnet Tausend Mark, also soviel, wie Egeon als Lösegeld braucht, bei sich trägt.
Heute mache ich mich dann an den nächsten Akt.