Hallo zusammen,
nachdem ich über's Wochenende lieber in meinem Buch zur Leserunde "drüben" geschmökert habe, habe ich heute mal wieder meine Nase in
Dorian Gray gesteckt. Gelesen habe ich die
Kapitel 11-13.
Kapitel 11 hat meine Geduld wieder auf die Probe gestellt, diese Aufzählungen habe ich mehr oder minder quer gelesen. Interessant fand ich allerdings Dorians Überlegungen, an denen man ablesen konnte, inwiefern sein Handeln vom Bild beeinflusst wurde, sowie die Passagen, in denen die Londoner Gesellschaft verurteilt wurde. Die Ansicht, dass "manners are of more importance than morals" (Manieren wichtiger sind als Moral), wird schließlich nicht nur von Dorian und Henry vertreten.
Insofern kann ich Dorians Ausspruch gegenüber Basil auch nachvollziehen, dass die Gesellschaft scheinheilig sei. Urteile von Menschen, die selbst keinen moralischen Lebenswandel führen, seien für ihn verzichtbar. Stimmt schon, aber nur, weil alle es machen, muss man selbst es nicht tun, bzw. weil man es nicht sieht, hat man nicht erst recht einen Freifahrtschein.

Was in Kapitel 13 geschieht ist eigentlich eine unvermeidbare Entwicklung, wenn man sich die Beschreibung des Gemäldes vor Augen führt. Dorian ist mehr Tier als Mensch, oder in Basils Worten gesagt, ein Teufel, und die Tat ist in dem Zusammenhang keine Überraschung. Dass er von "dem Ding" denkt, unterstreicht dies nochmal. Schade, dass er so ein gutes Alibi hat. Und diesen Alan Campbel wird er wahrscheinlich damit beauftragen, die Spuren zu beseitigen - was das wohl für ein Typ ist und wo er ihn kennengelernt hat? In einer der Spelunken, in denen er sich herumtreibt, um sich unsäglichen Vergnügungen hinzugeben?
Aber ganz verdammen kann ich ihn auch nicht. Denn wie viel von dem, was er nun ist, ist das Werk seines Großvaters und seiner damaligen Umgebung.
Teilte er damit nicht das Schicksal vieler Aristokratenkinder? Ich lasse zwar gelten, dass Henrys Einflüsterungen ihn verdorben haben, aber mit der Erklärung einer schwierigen Kindheit bin ich nicht zufrieden.
Ist er eigentlich so Grausam (zu Sibyl), weil er damals den Wunsch geäußert hat oder hat sich an seinem Charakter nichts geändert, sondern das Bild verändert sich halt nur wegen ihm und er bleibt äußerlich jung. Versteht ihr was ich meine? Verändert er sich wegen dem Bild (seelisch), oder verändert sich das Bild wegen ihm (äußerlich)?
Das Bild verändert sich aufgrund seiner Handlungen, es bildet sozusagen seine Seele ab. Allerdings glaube ich auch, dass dieses Wissen wiederum Dorians Handlungen beeinflusst. Da er selbst nicht Gefahr läuft, die Spuren seiner Sünden (und seines Alters) zu tragen, kann er zügellos leben ...
Viele Grüße
Breña