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Autor Thema: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray  (Gelesen 1620 mal)

Kiba

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #30 am: 19. September 2010, 23:05:15 »

Da ich bald Besuch kriege und nicht viel zum Lesen kommen werde, habe ich mich heute ein bisschen rangehalten und bin auch fertig.

Ich hätte Dorian ja wirklich keinen Mord zugetraut, da hat der eingebildete Fatzke mich doch tatsächlich überrascht. Und dann tötet er ausgerechnet den einen Menschen, der es wirklich gut mit ihm meint! Und denkt anschließend an ihn als "das Ding am Tisch". Also echt, so ein Schwein!

In der 2. Hälfte nimmt das Buch zum Glück richtig an Fahrt auf, die weltanschaulichen Betrachtungen werden weniger. Gern hätte ich ein wenig mehr über die Ausschweifungen und Schweinereien erfahren, die unser Schönling so getrieben hat.

Bei den schnellen Dialogen habe ich oft den Überblick verloren, wer gerade was gesagt hat.

Das Ende war schön rund. Was haben wir hier gelesen? Horror/Mystery?
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yanni

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #31 am: 20. September 2010, 09:56:46 »

Ich bin auch durch.

Die seitenlangen Aufzählungen, was Dorian jeweils gesammelt hat, habe ich auch mehr überflogen. Der Autor hat auch so geschafft, was er erreichen wollte. Die exzessive Sammelwut Dorians hat ihn dennoch nicht die Erfüllung gebracht, nach der er sein Leben lang suchte. War halt alles nur Blendwerk, so wie er selbst.

Und als ihm dann Basil versuchte einen Spiegel vorzuhalten, hat er den Spiegel, sprich Basil, zerstört. Mit welcher Kaltblütigkeit er sich dann des Leichnams entledigte! Aber da kann man mal wieder sehen, zu welchen Taten einem die Verzweiflung treiben kann. Alan tat mir schrecklich leid. Wahrscheinlich war sein Vergehen im Gegensatz zu Dorian sehr gering, für ihn jedoch ein gesellschaftlicher Tod.

Wenigstens hat er am Ende erkannt, dass auch seine neugewonnene Menschenfreundlichkeit nichts als eine weitere Rolle war, die er spielte.
Das Ende passte.

Einige Stellen des Romans gefielen mir sehr gut. Aussprüche von Henry und auch von Dorian selbst, so beispielsweise als dieser bemerkte, wir alle tragen den Himmel und die Hölle in uns.

Ist er eigentlich so Grausam (zu Sibyl), weil er damals den Wunsch geäußert hat oder hat sich an seinem Charakter nichts geändert, sondern das Bild verändert sich halt nur wegen ihm und er bleibt äußerlich jung. Versteht ihr was ich meine? Verändert er sich wegen dem Bild (seelisch), oder verändert sich das Bild wegen ihm (äußerlich)?

Nicht er ändert sich wegen dem Bild sondern umgekehrt. Alles was ihn äußerlich seinen Charakter oder Lebenstil anmerken lassen würde, überträgt sich auf das Bild.
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Breña

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #32 am: 20. September 2010, 14:25:38 »

Hallo zusammen,

nachdem ich über's Wochenende lieber in meinem Buch zur Leserunde "drüben" geschmökert habe, habe ich heute mal wieder meine Nase in Dorian Gray gesteckt. Gelesen habe ich die Kapitel 11-13.

Kapitel 11 hat meine Geduld wieder auf die Probe gestellt, diese Aufzählungen habe ich mehr oder minder quer gelesen. Interessant fand ich allerdings Dorians Überlegungen, an denen man ablesen konnte, inwiefern sein Handeln vom Bild beeinflusst wurde, sowie die Passagen, in denen die Londoner Gesellschaft verurteilt wurde. Die Ansicht, dass "manners are of more importance than morals" (Manieren wichtiger sind als Moral), wird schließlich nicht nur von Dorian und Henry vertreten.
Insofern kann ich Dorians Ausspruch gegenüber Basil auch nachvollziehen, dass die Gesellschaft scheinheilig sei. Urteile von Menschen, die selbst keinen moralischen Lebenswandel führen, seien für ihn verzichtbar. Stimmt schon, aber nur, weil alle es machen, muss man selbst es nicht tun, bzw. weil man es nicht sieht, hat man nicht erst recht einen Freifahrtschein. :rollen:

Was in Kapitel 13 geschieht ist eigentlich eine unvermeidbare Entwicklung, wenn man sich die Beschreibung des Gemäldes vor Augen führt. Dorian ist mehr Tier als Mensch, oder in Basils Worten gesagt, ein Teufel, und die Tat ist in dem Zusammenhang keine Überraschung. Dass er von "dem Ding" denkt, unterstreicht dies nochmal. Schade, dass er so ein gutes Alibi hat. Und diesen Alan Campbel wird er wahrscheinlich damit beauftragen, die Spuren zu beseitigen - was das wohl für ein Typ ist und wo er ihn kennengelernt hat? In einer der Spelunken, in denen er sich herumtreibt, um sich unsäglichen Vergnügungen hinzugeben?

Aber ganz verdammen kann ich ihn auch nicht. Denn wie viel von dem, was er nun ist, ist das Werk seines Großvaters und seiner damaligen Umgebung.

Teilte er damit nicht das Schicksal vieler Aristokratenkinder? Ich lasse zwar gelten, dass Henrys Einflüsterungen ihn verdorben haben, aber mit der Erklärung einer schwierigen Kindheit bin ich nicht zufrieden.

Ist er eigentlich so Grausam (zu Sibyl), weil er damals den Wunsch geäußert hat oder hat sich an seinem Charakter nichts geändert, sondern das Bild verändert sich halt nur wegen ihm und er bleibt äußerlich jung. Versteht ihr was ich meine? Verändert er sich wegen dem Bild (seelisch), oder verändert sich das Bild wegen ihm (äußerlich)?

Das Bild verändert sich aufgrund seiner Handlungen, es bildet sozusagen seine Seele ab. Allerdings glaube ich auch, dass dieses Wissen wiederum Dorians Handlungen beeinflusst. Da er selbst nicht Gefahr läuft, die Spuren seiner Sünden (und seines Alters) zu tragen, kann er zügellos leben ...

Viele Grüße
Breña
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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #33 am: 20. September 2010, 14:28:43 »

Das Ende war schön rund. Was haben wir hier gelesen? Horror/Mystery?

Ist es frech, wenn ich das jetzt sage, obwohl ich nicht in der Leserunde bin?  :zwinker:

Ich würde es als etwas zwischen Mystery und Psychothriller bezeichnen.
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Kiba

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #34 am: 20. September 2010, 17:10:35 »

Nicht frech, sondern sehr willkommen ist jeder Kommentar - auch von "Beobachtern".  :zwinker:
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yanni

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #35 am: 20. September 2010, 20:30:30 »

Teilte er damit nicht das Schicksal vieler Aristokratenkinder? Ich lasse zwar gelten, dass Henrys Einflüsterungen ihn verdorben haben, aber mit der Erklärung einer schwierigen Kindheit bin ich nicht zufrieden.

Sicher war es damals normal seine Kinder von anderen erziehen zu lassen und sie nur kurze Zeit in Gesellschaft der Eltern verbringen zu lassen. Dorian hingegen mußte sich, wie er sich erinnerte, vor seinem Großvater verstecken, da dieser seinen Anblick nicht ertrug. Wie mag man sich fühlen, wenn man sich stets nur unerwünscht vorkommt? Ich könnte mir gut vorstellen, dass er beispielsweise von der Hauhälterin nur so verhätschelt worden ist, der klein Beau, der vom Großvater verabscheut wird. Auch schlecht für den Charakter!
Seine Vormunde werde sich auch kein Bein ausgerissen haben, um seinen Charakter zu formen.

Aber mit seiner ständigen Unzufriedenheit hätte es sicher auch keines Henrys bedurft um aus ihm das zu machen, was aus ihm geworden ist. Hätte halt nur länger gedauert, denke ich.
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nanu?!

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #36 am: 21. September 2010, 14:00:30 »

Aber mit seiner ständigen Unzufriedenheit hätte es sicher auch keines Henrys bedurft um aus ihm das zu machen, was aus ihm geworden ist. Hätte halt nur länger gedauert, denke ich.

Glaube ich nicht. Erst Lord Henry setzt ihm erst den Floh der ewigen Jugend ins Ohr. Er solle diese auskosten bis zuletzt. Wenn Henry nicht gewesen wäre hätte er sich beim Anblick seines Portraits niemals so inbrünstig gewünscht, seine Jugend möge nie vergehen.
Basil hatte schon einen guten Grund das er die beiden nicht miteinander bekannt machen wollte.
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Breña

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #37 am: 29. September 2010, 20:08:36 »

Hallo zusammen,

ich bin nun auch durch. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lange für dieses schmale Büchlein brauchen würde. :rollen:

In den letzten Kapiteln gibt es zum Glück mehr Handlung als Dialoge, so dass ich nicht so schnell versucht war, das Buch wieder zuzuklappen. Dennoch bedaure ich jeden Schüler, der sich durch dieses Buch quälen muss, indem er Aussagen interpretiert etc. pp. ;)

Dorian selbst hat sich, besonders wenn man den Zeitraum betrachtet, kaum verändert, auch wenn er von einem schlechten Gewissen geplagt wird. Selbst für Lord Henry ist er nach wie vor das Bürschlein, das andächtig seinem Gefasel lauscht. Aber immerhin kommt mal jemand auf sein unverändert jugendliches Äußeres zu sprechen.

Campbell soll die Leiche vegschaffen und tut es nur, weil er unter Druck gesetzt wird. Was die beiden zusammen brachte, und was passierte, das Campbell nichts mehr mit Dorian zu tun haben wollte habe ich nicht mitbekommen. Wurde es überhaupt erwähnt?

Es wird erwähnt, dass sie sich an einem Abend bei Lady XY trafen und daraufhin anderthalb Jahre unzertrennlich waren, aber was dann vorgefallen ist, darüber wird hartnäckig geschwiegen. :rollen:

Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt was wohl passieren würde wenn man das Portrait einfach zerstören würde. Das Ende finde ich genial, das beste von allem.

Genial würde ich es nicht nennen, aber gefallen hat's mir auch. Kurz, knackig und auf den Punkt. :breitgrins:

Was haben wir hier gelesen? Horror/Mystery?

Dafür war es mir eigentlich zu wenig mysteriös bzw. enthielt zu wenig Grusel, aber eine besseres Einordnung als "Schauerroman" fällt mir auch nicht ein.

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yanni

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #38 am: 29. September 2010, 20:40:19 »

Es wird erwähnt, dass sie sich an einem Abend bei Lady XY trafen und daraufhin anderthalb Jahre unzertrennlich waren, aber was dann vorgefallen ist, darüber wird hartnäckig geschwiegen. :rollen:

Da hätte ich auch gern ein paar Hintergründe gelesen. Es muss ja ziemlich flott gegangen sein mit ihrem Zerwürfnis, oder wie auch immer man es bezeichnen möchte.
Campbell hatte regelrechten Abscheu vor Dorian.
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Stormy

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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #39 am: 30. September 2010, 09:55:21 »

Es wird erwähnt, dass sie sich an einem Abend bei Lady XY trafen und daraufhin anderthalb Jahre unzertrennlich waren, aber was dann vorgefallen ist, darüber wird hartnäckig geschwiegen. :rollen:

Da hätte ich auch gern ein paar Hintergründe gelesen. Es muss ja ziemlich flott gegangen sein mit ihrem Zerwürfnis, oder wie auch immer man es bezeichnen möchte.
Campbell hatte regelrechten Abscheu vor Dorian.

Es gab da mal eine Verfilmung (eine mE eher schlechte), in der das aufgegriffen wurde. Die Lady XY wird dort mehr als Affäre oder Alibi-Freundin dargestellt, wie man es auch immer bezeichnen möchte. Das ist eine interessante Betrachtungsweise finde ich. Ich denke Wilde schweigt sich über die genauen Umstände aus, weil er es nicht für weiter wichtig für die Story gehalten hat.
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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #40 am: 30. September 2010, 19:59:11 »

Ich denke Wilde schweigt sich über die genauen Umstände aus, weil er es nicht für weiter wichtig für die Story gehalten hat.

Schade ist nur, dass ich über manche der Dinge, die Wilde für weniger wichtig angesehen hat, gerne mehr erfahren hätte. Und andere, über die er sich ausgiebig ausgelassen hat, fand ich ermüdend.
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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #41 am: 30. September 2010, 21:04:26 »

Ich habe irgendwo gelesen, dass die ursprüngliche Geschichte gekürzt/überarbeitet und vermutlich entschärft wurde, um sie allgemein besser verdaulich verkaufen zu können. Vielleicht liegt unser Problem daran, dass einfach zuviel gekürzt wurde und Zusammenhänge (und ein paar ferkelige Details) fehlen?

http://www.perlentaucher.de/buch/4380.html
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Re: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray
« Antwort #42 am: 01. Oktober 2010, 09:46:48 »

@Kiba:
Ist so. Wilde hat ja selbst X Überarbeitungen herausgegeben und irgendwann wurden gewisse Passagen gestrichen, um es der Allgemeinheit besser zugänglich zu machen. Allerdings weiss ich nicht, ob diese Streichungen von Wilde ausgegangen sind oder erst später passierten.

Ich habe noch eine Ausgabe mit Änderungsangaben zuhause, kann ja mal nachschauen, ob ich was interessantes finde. :zwinker:
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