Mist, da hatte ich gestern doch schon zu weit gelesen. Ich werde versuchen, mich wirklich nur auf die ersten sieben Kapitel zu beziehen.
Die ersten zwei Kapitel machen neugierig darauf zu erfahren, was genau bei den Scaglias vorgefallen ist und inwieweit Ronie darin verwickelt ist. Es läge ja nahe zu vermuten, er hätte seine "Freunde" ermordet, aber der Platscher, den Virginia und er von ihrem Balkon aus hören, zeigt ja, dass zumindest zu dem Zeitpunkt noch jemand bei den Scaglias ist, oder aber einer Ermordeten noch lebt.
Der dann folgende Rück- und Einblick in das Leben und Funktionieren der "gated community" ist dann weniger spannend, aber doch recht interessant und auch erschreckend. Da wird doch tatsächlich alles vorgeschrieben, bis dahin, wo man seine Wäsche aufhängen darf! "Visuelle Umweltverschmutzung" ist zwar schon etwas, über das ich mich manchmal ärgere, aber hier nimmt die Verhinderung dessen Formen an, die einfach nur grotesk sind. Und das ist nur ein Beispiel dessen, wie weit in dieser von der Umwelt abgeschlossenen "Oase" das Leben der einzelnen von - ja von wem eigentlich? - geregelt wird. Auf den ersten Blick wirkt es ja, als ob die Gemeinschaft selbst diese Regeln demokratisch aufstellt, und sich ihnen also freiwillig und gerne unterwirft. Hier wird ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt, dass in der Erzählperspektive der "Wir"-Form seinen Ausdruck erhält.
Dass aber alles vielleicht doch nicht so idyllisch und konfliktlos ist, wird eher in den Virginia-Kapiteln beschrieben. Dort wird deutlich, dass es doch starke Hierarchien unter "uns" gibt, dass "wir" doch nicht alle so gleich sind und vor allem, dass El Tano hier der "starke Mann" ist, der einen Großteil der Entscheidungsgewalt besitzt.
Deutlich wird auch, wie schnell man aus der Gemeinschaft fällt, dann nämlich, wenn das Geld nicht mehr reicht. Ronie und Virginia stehen so auf der Abschussliste und ihr Wegzug aus der "Kaskade" ist nur eine Frage der Zeit. In diesem Zusammenhang frage ich mich, wie groß eigentlich der Austausch in der Bevölkerung ist. Wenn es sich wirklich nur um 300 Häuser (3. Kap.) handelt, dann frage ich mich, wieviele Hausverkäufe jährlich geschehen und wie die Guevaras mit Virginias Provision auch nur annähernd genug verdienen können, um weiter in der Gegend wohnen zu können.
Deutlich wird auch, wie weit in Argentinien Geld und Hautfarbe korrellieren. Hier ist man blond oder braunhaarig; schwarze Haare (und dicke Fesseln) haben nur die Angestellten - und natürlich die arme adoptierte Romina, der von Anfang an so deutlich gemacht wird, dass sie nur gezwungenermaßen mitadoptiert wurde. Sie stellt für mich die tragischste Gestalt der ersten Kapitel dar.