Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Martin Walker - Grand Cru  (Gelesen 327 mal)

Bettina

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Beiträge: 5382
    • Bleisatz
Martin Walker - Grand Cru
« am: 07. September 2010, 17:25:26 »



Kurzbeschreibung
Kaum jemand weiß es: Das Périgord ist nicht nur ein Gourmet-Paradies, sondern auch ein phantastischer Boden für Spitzenweine. Der kalifornische Weinunternehmer Bondino ahnt es, und er hat große Pläne: dem Périgord seinen einstigen Rang als Heimat von Grand Crus zurückzugeben — unter gewissen Bedingungen. Saint-Denis hat die Qual der Wahl — beschauliche Idylle bleiben oder Sitz einer modernen Weinindustrie werden, mit vielen neuen Arbeitsplätzen. Der Streit darüber ist erbittert, und sogar die alte Freundschaft von Bruno, Chef de police, und dem Bürgermeister droht, darüber zu zerbrechen. Als eine Leiche in einem Weinfass gefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse.

Meine Eindrücke
Bruno wird früh aus den Federn geworfen: Es brennt. Am Tatort angekommen, bietet sich allerdings ein merkwürdiges Bild, denn es brennen ein Feld und ein zugehöriger Schuppen - und es sieht nach Brandstiftung aus. Als die Feuerwehr anrückt, stellt sie fest, dass dort eine nicht verzeichnete Steigleitung liegt, aus der sie ihr Löschwasser zapfen kann. Alles in allem brennt in dieser Nacht etwas ab, das es gemäß den Plänen und Verzeichnissen gar nicht geben dürfte.
Kurz darauf wird Bruno zu Verhandlungen gebeten, die der Bürgermeister mit dem amerikanischen Investor Bondino verabredet hat: Bondino will sich in der Gegend als Weinbauer niederlassen und stolze zehn Millionen Euro investieren. Da beschäftigt Bruno nicht nur die Frage, wer das Feld angezündet hat: Je schneller der Täter gefunden ist, umso eher wird Bondino seine Tätigkeit aufnehmen. Ihn beschäftigt auch die Frage, ob so viel Fremdengagement sinnvoll für die Region ist.

Der zweite Fall für Bruno wird entscheidend von Fragen geprägt, die mit einer neuen Zukunft zu tun haben und der Gestaltung der Region. Saint-Denis soll zwar kein Dorf mit abwandernder Jugend werden, aber wie weit die Investitionen in die Zukunft gehen sollen, spaltet die Gemüter. Reicht es, das Sägewerk am Leben zu erhalten oder sind zudem die amerikanischen Gelder nötig? Auch Bruno selbst wird mit der Frage konfrontiert, wo er seine Zukunft sieht. Seine geliebte Isabelle würde ihn sehr gerne nach Paris holen, während Bruno sein Zuhause im Périgord nicht verlassen möchte. Da an der Entscheidung sein privates - und sicher auch berufliches - Glück hängt, fällt sie ihm verständlicherweise nicht leicht.

Wieder zeichnet Walker ein sehr schönes Bild des Périgord, das fast zu spontaner Abreise ins südfranzösische Dorf verleitet. Die eingefangene Stimmung von Weinlese oder Markt gefällt mir eben sehr und nicht zu vergessen ist, dass auch dieses Mal wieder sehr leckere Gerichte auf den Tisch kommen.

Ich fand diesen Fall allerdings nicht ganz so packend wie den ersten, dafür begegneten mir natürlich viele alte Bekannte wieder; darunter auch die Mitglieder der Rugby-Mannschaft, die auch in Grand Cru ein bisschen für Ruhe und Ordnung sorgen. Auch die kleinen Zwistigkeiten, die sich aus den verschiedenen Zuständigkeiten zwischen police nationale und police municipale ergeben, spielen eine Rolle. Bruno und Saint-Denis müssen sich ein bisschen verändern und ich vermute, dass sich im Lauf der nächsten Bände kleine Neuerungen einschleichen. Ich bin gespannt darauf, weil mir die ganze Szenerie nach wie vor sehr zusagt.

3ratten

Ach ja: Hier der Link zu Band 1 der Serie: Bruno, chef de police
Gespeichert
Ich lese mich rund um die Welt.

illy

  • chronischer Bücherjunkie
  • Global Moderator
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2757
Re: Martin Walker - Grand Cru
« Antwort #1 am: 08. Januar 2011, 12:50:18 »


Der erste Band der Bruno-Reihe hat mir ganz gut gefallen, das angenehme französische Dorfflair war dabei das ausschlaggebende, obwohl auch die Krimihandlung interessante Hintergründe offenbarte. In diesem zweiten Band liegt das Augenmerk des Autors auf Gentechnik, Umweltschutz und vor allem der Industrialisierung des Wienanbaus und der schwierigen wirtschaftlichen Lage französischer Dörfer. Natürlich sind Dörfer im Périgord, wie Saint-Denis, in dem die Geschichte spielt, tendenziell im Vorteil, weil sie in einer touristisch ansprechenden Gegend liegen, aber ihnen droht auch die Gefahr zu reinen Kulissen zu verkommen, in denen außerhalb der Saison niemand mehr lebt.

Vor diesem Hintergrund muss Bruno in einem Fall von Brandstiftung und später auch einem Todesfall ermitteln und steht dabei ein wenig zwischen den verschiedenen Fronten. Neben der Krimihandlung und den oben genannten Problemen lässt der Autor aber erneut viel französisches Lebensgefühl einfließen. Das Buch orientiert sich dabei definitiv eher am Weinliebhaber als an allen anderen mögliche Zielgruppen, ich, als Gelegenheitsweintrinker, konnte allerdings nur mit einem Bruchteil der in diesem Zusammenhang verwendeten Begriffe etwas Sinnvolles anfangen. Wenn dann allerdings Bruno und einige Freunde sich zum Essen treffen, sehe ich den Autor praktisch vor mir, wie er selbst einmal bei einem französischen Bekannten eingeladen war und uns nun mit einer Mischung aus Ekel und nonchalantem „so sind die Franzosen halt“ eher Abseitiges der französischen Küche präsentiert.

Insgesamt hat mir das Buch ein klein wenig schlechter gefallen als der erste Band, Nummer 3 wird es aber wohl trotzdem in mein Regal schaffen und dann beim Lesen wieder für eine kleine Portion Frankreichurlaubsgefühle sorgen.

3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:
Gespeichert
Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

Thomas_R

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 2150
Re: Martin Walker - Grand Cru
« Antwort #2 am: 05. Februar 2011, 11:08:24 »

Autor: Walker, Martin
Titel: Grand Cru
Originaltitel: The Dark Vineyard
Übersetzer: Michael Windgassen
Format: HC
Verlag: Diogenes


ISBN: 325706750X



Zum Inhalt:

Ein Feuer auf einem Feld. Brandstiftung.
Was zunächst etwas merkwürdig anmutet, führt Bruno, Chef de police von Saint-Denis,
bald in das Milieu millitanter Umweltschützer. Dass das dann auch Paris auf den Plan ruft ist klar.

Doch das ist nicht seine einzige Sorge. Fernando Bondino, Großwinzer aus Kalifornien und
Investor in vielen Weinbaugebieten in der Welt möchte in Saint-Denis investieren. Und hier liegt dann ein großes Problem.
Ein großer Investor und die Ereignisse in Saint-Denis passen nicht zusammen.
Als dann noch zwei Tote gefunden werden, und auch der Investor mehr und mehr unangenehm auffällt,
werden die Ermittlungen für Bruno nicht einfacher. Und die Anwesenheit seiner alten Flame macht es natürlich auch nicht einfacher.


Meine Meinung:

So ganz erreichte für mich der zweite Band dieser Reihe den Flair des ersten Bandes nicht mehr.
Man begegnet natürlich wieder vielen alten Bekannten und auch die Umgebung ist wieder Gegenstand der Geschichte.
Aber der Ton der Geschichte hat sich geändert.
Wo das Städtchen im ersten Band sozusagen unter sich blieb, so muss es sich jetzt der großen Welt öffnen.
Was zwar, wie gesagt, ein wenig den Flair des ersten Bandes vermissen läßt,
aber für solch ein Touristenstädtchen ein durch aus zeitgemäßes Problem darstellt.
Wie weit darf man sich öffnen,ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren.
Doch die Protagonisten im Buch lösen natürlich auch dieses Problem auf ihre eigene, und ich muss sagen, durchaus clevere Art und Weise.
Was mich dann auch zu einem Punkt bringt, der mich ein wenig gestört hat.

Bruno ist ein schon angenehmer Zeitgenosse.
Aber ich hatte immer ein wenig das Gefühl, mit Superman in Zivil zu tun zu haben.
Irgendwie gelingt es ihm, alle Probleme im Handumdrehen zu lösen, Leute zu aktivieren und nichts ging schief.
Wenigstens hat er in seinem Liebesleben dann nicht so viel Geschick, da bleibt dann doch ein wenig Platz für Zweifel.
(und natürlich Stoff für die weiteren Bände. Ich bin gespannt, wie er sich entscheidet. Obwohl es eigentlich doch schon feststeht.)

Ein wenig zu intensiv fand ich auch die Ausflüge in den Weinbau. Hier kam es hin und wieder schon vor, dass ich gar nicht mehr wußte,
um was es denn hier geht. Aber dem Handlungsverlauf tut dies keinen Abbruch, und beim Lesen hatte ich seltsamer Weise irgendwie
 immer Lust auf ein Gläschen Wein. :breitgrins:

Insgesamt hat mir dieser Band wieder gut gefallen.
Der Flair eines kleinen Städtchens, die französische Lebensart mit Essen und Trinken
(wobei die ein oder andere Spezialität dann wohl doch nicht mein Fall wäre)
und eine recht spannender Fall runden das Buch zu einem kurzweiligen Lesevergnügen mit einigen kleineren Schwächen ab.

Meine Wertung:

3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:



« Letzte Änderung: 11. Februar 2011, 21:07:32 von Thomas_R »
Gespeichert
:winken:
Gruß
Thomas

"Ich kann mir nichts Angenehmeres vorstellen, als im Alter auf dem Lande nicht allzu weit entfernt von der Stadt zu leben,
meine Lieblingsbücher noch einmal zu lesen und mit Anmerkungen zu versehen."

André Maurois
Mein SuB

Spatzi79

  • Mitglied
  • Online Online
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2092
Re: Martin Walker - Grand Cru
« Antwort #3 am: 05. Februar 2011, 19:04:39 »

Mir ging es wie den anderen - das Buch war nett, aber hat nicht ganz den Charme von Band 1 erreicht. Trotzdem freue ich mich auf Folgebände, das Frankreich-Feeling wird hier einfach zu schön beschrieben!

 4ratten
Gespeichert

Spatzi79

  • Mitglied
  • Online Online
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2092
Re: Martin Walker - Grand Cru
« Antwort #4 am: 28. Februar 2011, 14:33:22 »

Ich habe gerade gesehen, dass im Mai Band 3 erscheinen soll  :klatschen:

Schwarze Diamanten
Gespeichert

Bettina

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Beiträge: 5382
    • Bleisatz
Re: Martin Walker - Grand Cru
« Antwort #5 am: 28. Februar 2011, 14:53:25 »

Sehr schön! Danke für den Hinweis :winken:
Gespeichert
Ich lese mich rund um die Welt.

Thomas_R

  • Mitglied
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 2150
Re: Martin Walker - Grand Cru
« Antwort #6 am: 28. Februar 2011, 20:35:16 »

Ja, danke für den Hinweis.

Interessant aber die Preisentwicklung:

Der erste Band kostete 2009 19,90€
der zweite Band 2010 21,90€
und der Dritte kostet jetzt 22,90€.
:gruebel:
Gespeichert
:winken:
Gruß
Thomas

"Ich kann mir nichts Angenehmeres vorstellen, als im Alter auf dem Lande nicht allzu weit entfernt von der Stadt zu leben,
meine Lieblingsbücher noch einmal zu lesen und mit Anmerkungen zu versehen."

André Maurois
Mein SuB

Spatzi79

  • Mitglied
  • Online Online
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2092
Re: Martin Walker - Grand Cru
« Antwort #7 am: 28. Februar 2011, 20:53:59 »

Stimmt, das ist schon fies... Ich hatte Glück und konnte ein Leseexemplar ertauschen, bin schon gespannt darauf!
Gespeichert