  | | Autorin: Claudia Piñeiro Titel: Die Donnerstagswitwen Originaltitel, Jahr: Las viudas de los jueves, 2005 Übersetzung aus dem Spanischen: Peter Kultzen Verlag: Unionsverlag ISBN: 978-3-293-00417-7 Ausgabe: Hardcover Seiten: 309
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Inhalt: Rund 50 Kilometer vor den Toren von Buenos Aires liegt die Gated Community von Altos de la Cascada. Hier verbringen vier Männer jeden Donnerstag abend mit Essen, Trinken und Kartenspielen bei den Scaglias, während ihre Frauen, die „Donnerstagswitwen“, sich außer Haus treffen. Einzig Virginia hat sich diesem Ritual schon vor einiger Zeit entzogen. Eines Donnerstags kommt ihr Mann Ronie vorzeitig nach Hause, aber sie kann ihm die Gründe nicht entlocken. Etwas später an diesem Abend fällt Ronie auch noch die Treppe hinunter und bricht sich ein Bein. Als Virginia ihn ins Krankenhaus fährt, verlangt er, zu den Scaglias gebracht zu werden, was niemand so recht versteht. Am nächsten Morgen werden Tano Scaglia, Gustavo Masotta und Martín Urovich tot aus dem Swimmingpool geborgen. Was ist passiert?
Rückblickend und aus verschiedenen Perspektiven entrollt sich das Leben in der Gated Community von Altos de la Cascada, die Verbindungen zwischen den Familien, die eingestandenen und verborgenen Probleme und Ängste, die zu diesem Abend geführt haben.
Meine Meinung: Viel mehr als diese Anfangsszene will ich zum Inhalt gar nicht verraten, um nichts vorwegzunehmen. Denn was an diesem Abend nun genau passiert ist und warum, das erfährt bzw. ahnt man als Leser Stück für Stück danach. In etlichen Kapiteln tritt Virginia als Ich-Erzählerin auf, während die anderen von einem auktorialen Erzähler präsentiert werden, der sich aber als Bestandteil der Gated Community begreift und durch häufige „Wir-in-Altos-de-la-Cascada“-Verweise positioniert. Virginia ist eine gute Wahl für die Innensicht, weil sie als Immobilienmaklerin der Community Einblicke in ziemlich alle Häuser und Familien hat, über die sie auch Informationen in ihrem berühmten roten Notizheft festhält.
Auffällig, aber wenig überraschend gilt in dieser sog. Gemeinschaft der äußere Schein, das
Haben, mehr als das
Sein. Was in den Häusern, in den Familien passiert, interessiert niemanden, solange es nicht auf die heckengesäumten Wege dringt, egal ob es sich um Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme, Untreue oder prügelnde Ehemänner handelt. Nach außen werden Fassaden gewahrt, man spielt Tennis und Golf im Community-eigenen Club, vor der Tür steht mindestens ein SUV zusätzlich zu weiteren Autos, die Kinder besuchen allesamt Eliteschulen, in denen auf Englisch unterrichtet wird usw. Diese Konzentration auf alles Materielle führt aber auch dazu, daß Arbeitslosigkeit zum schlimmstmöglichen Schicksal wird, denn hält dieser Zustand zu lange an, dann bekommen es die Nachbarn nicht nur irgendwann mit, nein, man ist dann schließlich sogar gezwungen, das Domizil und den Lebensstil aufzugeben. Um die Jahrtausendwende ist die Wirtschaftslage in Argentinien insgesamt nicht gut und daher leidet jeder – mehr oder weniger, aber im Vergleich zur Welt „draußen“ plagen die Cascada-Bewohner immer noch Luxusprobleme. Und die Welt „draußen“ wird auch sorgfältig draußen gehalten, durch den Sicherheitsdienst, durch Zäune und Überwachungskameras. Nur in Form von Hausangestellten, Gärtnern, Handwerkern darf die Außenwelt hier herein.
In einer solchen Konstellation ist es nicht allzu verblüffend, daß auch „kreative“ Lösungen für das Finanzproblem gesucht werden, auch wenn diese zumindest bei mir eher Kopfschütteln auslösten. Dafür war der Blick in eine solche Gated Community durchaus interessant, ich kann mir gut vorstellen, daß dieses Abgeschottetsein, diese Fixierung auf Leute gleicher sozialer Schicht zu genau solchen Problemen führen kann. Mir war allerdings auch etliche Seiten vor dem Ende schon klar, was und wie da an diese bewußten Abend gelaufen sein mußte, deshalb fand ich die Gestaltung des Endes, obwohl es dann noch einmal einen zusätzlichen Überraschungsdreh gab, nicht so ganz gelungen. Mein größtes Problem war aber die Vielzahl der Personen mit ihren zum Teil ähnlichen Namen. Ich mußte mehrfach hin- und herblättern, um mich zu vergewissern, wer mit wem wie zusammengehört, für den Gesamtumfang des Romans war das doch etwas viel an Personal.

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Schönen Gruß
Aldawen